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Der Jugendbund · 1929-05-01 · 5 (1.5.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
5 (1.5.1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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kussion gab einen wertvollen Ueberblick über die Aendemngswumsehe und -möglichkeiten des Laien, aber auch über die Notwendigkeiten der personellen Voraussetzungen beim Rabbiner. Dieser muß in Rechnung stellen, daß er sowohl seine Tätigkeit wie auch sein Verhältnis zum Einzelnen in seiner Gemeinde anders gestalten muß, damit in Zukunft eine lebendigere und tiefere jüdische Gemeinschaft entstehen kann. 4. Schlußbemerkungen, a) Persönliches. Die geringe Zahl des Aelterenbundes bedingt es, daß er ein Gremium von einzelnem aktiven Persönlichkeiten ist. Ich empfinde es aber als bedauerlich, daß in ihm so wenig Vertreter nichtakademischer Berufe sind. Ich will hier nicht untersuchen, ob dies die Schuld der Nichtakadomiker selbst oder die der Majorität der Akademiker ist. Ich weiß auch nicht, ob überhaupt dieses Fehlen als ein Manko betrachtet wird und ob heute ein Wille zur Aenderung dieses Verhältnisses vorhanden ist. Ich weiß aber, daß frühere Versuche fehlgeschlagen sind. Ich bedauere dies und wünsche von mir aus, daß das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen ist. Hoffentlich bringt die Zeit bis zum nächsten Bundestag eine Aenderung und meiner Ansicht nach damit einen Fortschritt. b) Sachliches. Der Gesamteindruck: Eine sehr erfreuliche Tagung. Man spürt die Zusammengehörigkeit und den Willen, nicht nur über die Fragen des deutsch-jüdischen Lebens zu diskutieren, sondern darüber hinaus Wege zu zeigen, die in die Wirklichkeit führen, damit jeder einzelne an seiner Stelle die jüdische Gemeinschaft in Deutschland mit aufbauen hilft. K. L. DIE JUNGGRUPPE Die Schriftleitung dieser Rubrik liegt in den Händen von Jack Raphael. Beckum i. W., an den alle Einsendungen zu richten sind. in Erwartung des Bundestags! Vom Bundestag erwarte ich vor allem, daß wir uns innerlich näher kommen, daß wir wirklich ein Bund worden. — Der Bundestag soll uns einige Tage zwanglos zusammenfuhren, damit der Norden den Süden und umgekehrt kennen lernt. Durch die Kluft, die hoffentlich bis dahin überall eingeführt sein wird, soll jeder Unterschied zwischen uns verschwinden. Es sollen nicht möglichst viele und unnötige Roden geschwungen werden, sondern die Gruppen sollen miteinander Fühlung nehmen. Ein Zuviel von Tagungen ist nicht gut, weil sich sonst leicht eine Tagungsmüdigkeit einstollt. Der Bundestag soll möglichst viele von uns zusammonführon, deshalb ist auch der Kreistag de« Kreises C ausgefallen, da sonst einige den Kreistag besucht hätten und den Bundestag nicht. Aber der Bundestag ist wichtiger als der Kreistag. Der Bundos'ag soll über unser ferneres Schicksal entscheiden, und vor allem unseren innren Zusammonlvolt -t.irken. Walter L o e b, Saarbrücken. Die Bundesidee und die Junggruppen Nachdem ich lange vergeblich nach einer Bundesidee gesucht hatte, fand ich in einem Kreisbriof endlich eine stichwortnrtige Darlegung dieser Idee. Ich will sie hier kurz wiedergeben: „Wir wollen Menschen heranbilden, die körperlich und geistig tüchtig sind, die das Judentum nach Kräften erneuern «ollen, die menschlich anständig, wahr und offen sind, die sich mit anderen Menschen gleicher Art durch ein einigendes Bnnd verbunden fühlen, die eich und der Umwell gewabheen sind." Ist das ein Bundesidoal im weitesten Sinne? Nein! Es ist die Aufgabe der Führer! Gibt es für uns Junggruppen kein Ideal? Ich habe noch nie von einem gehört! 'Man könnte allenfalls sagen: „Ihr sollt selbst an euch arbeiten, um die oben dargelegte Idee zu verwirklichen!" Gut! Doch was gibt das uns für die Gegenwart? Wenig, fast nichts; denn es kann nicht begeistern. Wir aber sind Jugend, wollen begeistern und begeistert werden. Unser Ideal sei es, eine Gemeinschaft zu sein! Das ist nicht neu, doch wird es viel zu wenig betont.- Wir wollen uns nicht „durch ein einigendos Band verbunden fühlen", wir wollen empfinden, daß wir fest zusammen gehören, eine Gemeinschaft bilden durch unsern gemeinsamen Willen: Mensch zu sein, Jude zu sein, vor allem jung zu sein! Diese drei Wesenheiten sind es auch, die allein dazu geeignet sind, die Gemeinschaft zu verinnerlichen, sie produktiv .zu machen. Nur durch gemeinsames Erleben kann die Gemeinschaft aufgebaut werden und uns soll die „junge, jüdische Gemeinschaft" Inhalt unserer Arbeit und unserer Jugend sein!! Kurt Jonas (15 Jahre), Frankfurt a. M. Kreistag der Junggruppen des Kreises A Unser Kreistag begann am Freitag, dem 29. Marz, als die ersten Gruppen in Düsseldorf eintrafen. Wir Düsseldorfer verbrachten den Schabbas mit unseren Gasten, besuchten gemeinsam die Synagoge und waren abends mit ihnen zum Essen im Heim vereinigt. Alm Sonntag früh waren zur gemeinsamen Fahrt nach Selbeck 75 Junggruppier am Bahnhof versammelt, ein erfreulicher und Gutes verheißender Anblick. Nach fröhlicher Fahrt und Marsch zum Tagungsort trafen wir die Gruppen, welche,direkt dorthin gekommen waren, und sofort besann ein fröhliches Leben und Treiben, das charakteristische Bild eines großen Treffens. Das stolze Ergebnis hoch außen: 135 Teilnehmer! Nun konnte der Kreistag beginnen. Nach kurzer Eröffnung durch den Kreisleiter zerstreuten sich die Gruppen über den Lagerplatz, die Zelte wurden errichtet, die Wimpcl aufgepflanzt und Völkerballspiole ausgetragen. Bald war der Morgen vergangen. Nach dem Mittagessen begannen die Arbeitsgemeinschaften, und zwar zunächst zwei Arbeitsgemeinschaften Uber unsere Bundesidee. Diese Arbeitsgemeinschaften verliefen insofern unglücklich, als wir zu keinem Ergebnis kamen. Die ganze Diskussion spezialisierte sich bald auf das Problem der Neutralität unseres Verbandes, und die Meldungen gingen naturgemäß sehr weit auseinander: Es zeigte isich wieder, wie schwer es ist, eine Bundesidee festzulegen. | Weit besser gelang die folgende Arbeitsgemeinschaft über Arbeitsfragen. An Hand von Gruppenberiehten unterhielten wir uns über'Fragen der praktischen Gruppenarbeit und tauschten unsere Erfahrungen aus, so daß jeder etwas ilnl>ei lernte. Es zeigte sich hier wie überall der Mangel an geeigneten Führern, sowie die schwierige Lage der kleinen Gruppen, welche gezwungen sind, mit einem Kreis von Leuten sehr verschiedenen Alters zu arbeiten. Dann fanden Singgemeinschaften statt, welche, teilweise im Zelt abgehalten, außerordentlich stimmungsvoll verliefen. Der Abend brachte den Höhepunkt des ersten Tages. Zum ersten Male versammelten sich unsere Gruppen zu einer Feierstunde um das Feuer, ein Bild, das keiner der Teilnehmer so schnell vergessen wird. Die Düsseldorfer Gruppe unterhielt das, Feuer, dos von Pechfackeln umrahmt war, und ringsherum lagerten die Gruppen in andächtiger Stille. Ein lieber Gast, ein Scout Juif aus Antwerpen, ver schönte unsere Feier mit bohräischen und jiddischen Gesängen, wir sangen unsere Lieder, und als endlich Feuer und Fackeln niedergebrannt waren, zogen wir unseren Quartieren zu, jeder um ein Erlebnis reicher. Die Nacht zeigte uns. daß es zum rebernachten in Scheunen noch reichlich kalt war, und mancher von uns machte einen Wärmespaziergang, der nicht im Programm gestanden hatte. Am zweiten Tage fanden bis 11 Uhr wohlgelungene Pfadfinderübungen statt, während die Gauleiter und der Kreislciter „tagten". Um 11 Uhr wurden die Verwaltungsfragen erledigt. Die Gauleiter und der Kreisleiter wurden einstimmig wiedergewählt, vorliegende Anträge wurden halbwegs zur Zufriedenheit aller erledigt, so daß dieser Teil des Treffens erfreulich schnell verlief. Der Rest des Vormittags und der Nachmittag wurden dazu verwandt, daß die Aelteren sieh in teils größeren, teils kleineren Kreisen über die Frage einer Bundesidee besprachen, während die Jüngeren ihre Spiele austrugen. Eine Arbeitsgemeinschaft über jüdische Form, die unser Gast Manfred Altmann hielt, bildete den I 5

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