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Der Jugendbund · 1929-04-01 · 4 (1.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
4 (1.4.1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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lose Haufen losgelassen wurden, die nur das eine Sehnen kannten: wieder nach Hause zu kommen. Ein unwirklicher Held war das Idol, zu dem wir erzogen wurden; die Wirklichkeit grausam gegen die uns vorgelogene Realität. Wlir klagen an — nach dem Erlebnis von 4 Jahren Krieg; klagen an mit dem Willen, daß nach uns kommende Generationen die Wirklichkeit sehen, zum Abschreck und zum Abscheu vor einem Jahrhundert, das Prediger und Verwalter des kollektiven Mordes als seine Helden hat in die Ruhmeshalle einziehen lassen. Wir vergessen leicht und schnell: Schreck, Hunger, Tod md Leid. Es darf nicht vergessen werden! Niemals wieder darf eine Generation so ahnungslos dem Geschehen gegenüberstehen. Lest und verbreitet E. M. Remarque s Buch „Im Westen nichts Neues". Es darf nicht vergessen werden. Jakob Jacobs. menschen der Liebe (Hans-Harder-Verlag, Wernigerode am Bars. Iii Leinwand gebunden K.M. 5,10; 287 Seiten.) Im Loben vieler Menschen mag es wohl Augenblicke geben, wo sie am Sinn aller Mühe für andere verzagen möchten. Ihnen durfte gerade dieses Burh wie ein belebender Trunk willkommen sein. Wir sehen darin eine Reihe begnadeter Männer und Frauen vorüberziehen, deren Leben im Zeichen tätiger Liobe zu ihren Mitmenschen stand. Und alle vollbrachten sie das scheinbar Unmögliche: zu helfen, wo bisher niemand zu helfen vermochte, ja nicht einmal zu helfen wagte. Zwei Grundgedanken durchziehen das Buch. Das Hohelied von der unendlichen, überwindenden Gewalt der selbstlosen, geduldigen, religiös verankerten, vertrauenden Liebe zum Mitmenschen im Kampf gegen angeblieh unabänderliche Miß- -tiinde und Charakterfehler. Letztere konnten und können von jener Liebe stets aufs neue üWrwunden werden; denn sie sucht immer wieder nach neuen Wegen, wo die alten nicht zum Ziele führen. Und so ist-sie, ohne daß sices will, die . iksto, wenngleich die stillste Gewalt in dieser Welt, weil >ie nicht von dieser Erde ist. Und der zweit«' Grundgedanke: alle diese Ilelfernaturen haben durch ihr Wirken geistig stets •iielir empfangen als sie gaben; denn schon in sich selbst iit sieh das Gute (das also eigentlich nur das Richtige und •>t verständliche ist). Daß wir dieses Buch auch für indische Kreise nur würmstens empfehlen können,' obgleich et bei flüchtigem Durchblättern nicht berechtigt erscheint, i. it mehrere Gründe: Erstens: die wohltuende Unbefangenheit "des Verfassers bezüglich der Jugendfrage (vgl. das Kapitel „Doktor Hindenburg", welches den Originalbrief einer jungen Jüdin aus dem Tagebuch Dostojewskis wiedergibt; ferner sei iiuf Seile 224 hingewiesen, wo berichtet wird, wie eine jüdische Frau für Friedrich von Bodelschwingh Anregerin zur >'liaffung von Heim-Asylen auch für Frauen und Mädchen wurde)-; wollen wir also ebenso unbefangen sein, auch wenn z. B. der Verfasser offenbar nicht weiß, daß schon die Bibel - sogenannte Alte Testament) - und der Talmud die Vichstcn- und Fremdenliebe immer wieder gebieten. Einen '•iteu Grund für unsere Empfehlung dieses Buches ist die ersieht, daß gerade das jüdische Herz — man darf wohl •u in selbstverständlicher Weise — soweit es in den! neu steht, jederzeit gerne und freudig hilfsbereit ist, wo gilt, dem Mitmenschen beizustehen; doshalb wird gerade > i jüdischer Loserkreis ganz besonders von diesem Buch -prooheu. Ein dritter Grund: diese« Werk läßt Nachsicht in: i Verständnis im Herzen keimen, wo man oft Kalt und 6 I therrlich abeoits stehen oder verurteilen mochte. Wir irerden manches eher Verstehen und so eher den richtigen Weg zur Lösung finden. Wie vieler Haß — übrigens etwas, was der geläuterte Mensch gar nicht mehr kennt — könnte so aus der Welt 6cliwinden und wertvolleren Regungon Raum schaffen. Und endlich: wie wir schon oben andeuteten,;-t der Urquell, aus dem der Geist dieses Buches strömt, letzten Endes der Geist der Bibel. Und darauf dürfen wir stolz sein, wenn sich Stolz rechtfertigen ließe. So aber wollen wir uns freuen. Die Wellen, die vom Leben eines jeglichen — auch des einfachsten'— Menschen fort- und weiterstraJilen, sie gehen insbesondere vom Leben solcher Menschen aus, wie sie in obigem Werk geschildert sind. Und diese Wellen dringen zum Herzen des Lesers und bringen es zu tätigem Mit-, schwinf -n Allen Eltern und Erziehern möchte! man dieses Buch t n - Herz legen. Wir meinen, daß derartige Bücher als Erziehungsmittel tausendmal wertvoller wären als eine ganze Reihe jener Ge- -ehielitswerke, die meist nur die Gewalttätigkeit und Selbstsucht verherrlichen. Hingeben sind die Mensclien, die hier geschildert werden, wahrhafte Helden, siegreiche Helden im Kampf gegen glück- und Beelentötende Vorurteile. (Ist aber nicht auch der Antisemitismus, der Menschen statt Mißstände bekämpft, zum größten Teil solch ein Vorurteil?) Und wir schöpfen beim Lesen die tröstende Gewißheit, daß es doch mehr Schönes, Edles und Erhöhendes in dieser Welt gab und gibt, als wir zümeist wissen. Und wir staunen, wie teils in schlichtester, teils in gigantischer Weise geradezu Wunderwerke geschaffen wurden, gogen die alle Wunderwerke der Technik verblassen: denn diesen fehlt zumeist das Herz, etwa z. B. abgesehen >om Rundfunk, der menschen- und völkerverbindende Kräfte birgt. Aber auch hier, wie überall, kommt es auf den Geist an, in dem etwas gehandhnbt wird. Noch einige Bemerkungen: man lasse sieh bei der Lektüre durch einzelne etwa.« schwierige Stellen nicht ab schrecken. Es lohnt sieb. l>oi diesem Werk durchzuhalten bis nns Ende. — Das Kapitel über Lindsey — dem Nötzel selbst in manchem nicht zustimmt — sei der reiferen Jugend vorbehalten, die es an Heimabenden, zweckmäßig für Jungens und Mädels getrennt, liest. Hier kann d;inn die Kritik einsetzen, so etwa, wenn der geniale Jugendrichter und warmherzige Menschenfreund Lindsey meint, die Gesellschaft wolle deshalb keine illegalen Kjnder. weil sie fürchtet, sie könnte sie zu versorgen haben. Ganz so einfach liegt denn wohl doch nicht das Problem. — Und nun noch etwas Wesentliches: was dieses Buch vor allem auszeichnet, ist der schlichte, tiefroligiöso ,Zug. der es erfüllt. Dip zahlreichen geradezu grundlegenden Betrachtungen und Forderungen von weittragendster Bedeutung bilden ein ganzes Zukunftsprogramm für unsere Gesellschaft und jeden einzelnen von uns, unabhängig davon, was uns im Augenblick geradezu modern dünkt. So haben wir hier — übrigens in geschmackvoll-schlichter Ausstattung — ein Werk, dem wir aus vollster IVherzeufnniK weiteste Verbreitung wünsi-ben. Dr. Arthur Reinheit borgor. Tsc.henhnuson. Luden Prlce: unsterbliche Jugend (Habbel-Verlag, Regemburg), 3 Mark. In diesen Blättern, wo so oft von einem Weltbund der Jugend die Rede ist, sei auf ein schon vor längerer Zeit erschienenes Buch hingewiesen. Wie es im Vorwort heißt, sendet ein junger Amerikaner mit diesem Buche der aufstrebenden Jugend aller Länder seinen Gruß zum Zeichen der geistigen Verbundenheit, die über Landesgrenzen und Ozeane hinweg alles ursprüngliche Menschentum umschließt. Es^ird uns das Lebensbild eines amerikanischen Künstlers entrollt, besser gesagt der Lebenskampf. Denn hierringt ein Mensch unermüdlich um Reinheit und Wahrheit, inmitten der mechanisierten Welt Amerikas. Da trifft ihn. 29iährig, im Oktnber 1918 die tödliche Kugel an der belgischen Front. Aber der Dichter will, daß er weiterlebe. Darum befolgen auch wir. und besonders gilt das für die Junggruppen, seine Mahnung: „Unsterbliche Jugend, laß ihn dir Kamerad sein und Freund: - laß ihn weiterleben in deinem jungen Herzen, dem ewig jungen, strahlend im Glänze währenden Morgendämmerns!" Richard -Cohn, Halle a. S. Hamburger:untersuchungen zur Jugendu. Sozialpsychologie Unter dieser Bezeichnung beginnt soeben eine neue Reihe von Veröffentlichungen des Hamburger psychologischen Laboratoriums, die Prof. W. Stern im Verlage von J. A. Barth herausgibt. Es sollen hier vor allem solche psychologischen Probleme bearbeitet werden, die Beziehung haben zu Aufgaben der praktischen Jugenderziehung, des Fürsorgewesens, der Wohlfahrtspflege, der Kriminalistik usw. Die beiden gleichzeitig erscheinenden ersten Nummern haben folgende Titel: Nr. 1. Hanna Kühn, suchung.en über das S Konfliktmöglichkeiten in der Psychologische Unteriefmutterproblem. Die Stiefmutterfamilie und ihre BelYlMIllln, tlll<'i;iivii rt v i Ii it in u w i kj l i v > in u * »• w ■».... w -- deutung für die Verwahrlosung des Stiefkindes. 163 S. (Zugleich Beiheft 45 zur Zeitschrift für angewandte Psychologie.) Nr. 2. Gertrud Herrmann, Formen des Gemeinschaftslebens jugend lTc her Mädchen. Sozialpsychologische Untersuchungen in einem Fürsorgeerziehungsheim. (Zugleich Beiheft 46 zur Zeitschrift für gewandte Psychologie.)

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