Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 4 (1.4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Die Gruppen berichten: Vereinigte Junggruppe West-Westfalen: Die Gründungs- \ crsammlung in Ahlen bedeutete einen guten Auftakt, etwa 50 Jugendliche meldeten sich, man schuf einen Fonds und plant neben dem Bau eines Heims die Herausgabe eines Monatsblattes, das Mitte März zum ersten Male erscheint. Das zweite Treffen fand statt in Beckum, das dritte, an dem die beiden älteren Züge teilnahmen, in Hamm, wo sich besonders rege Mitglieder gefunden haben. Den umfangreichen Schriftwechsel der Gruppe erledigt Loni Rollmann, Ahlen. Oberhausen: Hans Münchhausen berichtet erfreulicherweise über den dort eingerichteten vorbildlichen Jugendgottesdienst, -der von den Knaben selbst geleitet wird und an dem die jungen Freunde sehr begeistert teilnehmen. — Es ist schiin, daß ähnliche Nachrichten über einen wirklich aktiven Jugendgottesdienst auch aus mehreren anderen Gruppen einlaufen. Osnabrück: Die Gruppe klappt vorzüglich. Kürzlich wurde der ..Jeremias" gelesen und der Schlußchor als Sprechchor eingeübt. .Man ersehnt freudig den Bundestag der Junggruppen. Bernburg: In einem netten Gedicht ..Das Junggruppen-ABC" versucht Hans Borchardt, mir die Mitglieder der Junggruppe vorzustellen. So kann man sich jetzt ein ungefähres Bild machen. . . Am Stiftungsfest der Gruppe, Lag Boaumer. soll das Gedicht — wahrscheinlich — vorgetragen werden. weiche umstände erfordert das seit i?pi927 einietuhrte Ausweisverfahren bei Bahnfahrten fur'Jugendiiche im Vergleich zu Sonntagskarten und Gesellschaftsfahrten. A. Bei Sonntagskarten: Lösung der Karte. B. Bei Gescllschaftsfahrten: Ausfüllung des An- | träges. C. Bei Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung für Jugcndpflegefahrten: I. Im Ausland: meist nur Vorlage einer Bescheinigung für die Zugehörigkeit zu einem Verein. Die meisten Länder haben keine staatliche Jugendpflege in unserem Sinne, so daß schon aus diesem Grunde ein ähnliches Anerkennungs- und Ausweisvertahren nicht in Betracht kommt. II. B e i u n s: (bei einzelnen Stellen sowii in den nichtpreußischen Ländern bestehen Abweichungen) 1. Regierung gibt im Juli, durchlaufend durch die Landräte, Anweisung an örtliche Behörden betr. Handhabung. 2. Oertliche Stellen melden Bedarf der Vordrucke bis erste Hälfte August. 3. Oertliche Behörde gibt Nachricht über Handhabung an \ ereine. 4. Verein beschafit Lichtbilder für die Führer. 5. Verein reicht ausgctüllte Vordrucke bis 1. Hälfte September an örtliche Behörde ein, mit Namensangabe der Führer, die im nächsten Jahre führen sollen. 6. Regierung führt Liste über zugelassene Vereine, gibt davon Abschritt an Reichsbahndirektion. 7. Regierung versieht Zulassungsbescheinigungen mit der Listen-Nummer, unterschreibt sie. Zustellung an Vereine durch örtliche Behörden. 8. Oertliche Behörde versieht die vorbereiteten Führerausweise mit Lichtbild. Führer unterschreibt solche vor der Behörde. Oertliche Behörde reicht sie der Regierung ein. 9. Regierung unterschreibt und stempelt Führerausweise, sendet sie an -örtliche Behörde zurück, die sie den Vereinen zustellt. . 10. Vorlage von ausgefülltem Antrag am Schalter unter , Beitügung von Zulassungsbescheinigung und Führerausweis (bestimmungsgemäß 2 Tage vorher). 11. Station füllt Beförderungschein aus. Anmerkungen zu Büchern Diesmal will ich hier zuerst ausbreiten, was der im Dienste der Jugendbewegung stehende Ludwig-Voggenreiter- \ erlag, Potsdam, uns auf den Büchertisch legt. Und das ist wahrlich keine Kleinigkeit! Man weiß da kaum, wo zu beginne« ist —, und da erwähne ich auf gut Glück zunächst das feine, in Ganzleinen gebundene, handliche „Taschenbuch für den deutschen Jugendführe r", das doch eine ganze Enzyklopädie der gegenwärtigen Jugendbewegung darstellt, und das gemeinsam mit dem ebenfalls ausgezeichnet aufgemachten Kalender direkt unentbehrlich ist. Es ist zu wünschen, daß unsere Junggruppenführer die Anschaffung 8 dieses Büchleins schnellstens in die Wege leiten. — noch vor dem eigentlichen Beginn der Wandersaison! Aus dem Inhalte des Taschenbuches seien hier nur folgende Rubriken hervorgehoben: Der Jugendführcr und das Gesetz, Jugendherbergswesen, Zeltscheine, Verkehr mit Behörden. Abzeichen der Bünde ('Und warum fehlt das Abzeichen des Verbandes?), Verzeichnis sämtlicher Jugendbünde, Anwesenheitsliste, Stammesliste, Gruppeneinteilung. Bücherverzeichnis, Kasse, Listen für sportliche Leistungen, neue Lieder, Meßtischwesen. Entfernungsschätzen, eiserne Ausrüstung und vieles, vieles andere! — Auf das deutsche Lagerhandbuch (im selben Verlag) ist hier bereits wiederholt hingewiesen worden. Der dritte Teil behandelt Führerfragen und ist besonders wichtig für uns wegen der nun allgemein eingeführten Gau- und Kreistagungen unsrer Gruppen, ja, auch im Hinblick auf den geplanten Bundestag. Das Buch nimmt Stellung zur Technik der Lagerausrüstung, behandelt Fahrt und Lager, Lagerfeuer, Lagerbücherei, läßt sich ferner über Gesundheitslehre. Lagerrechtskunde und Statistik aus. Alle drei Teile des Lagerhandbuchs erscheinen auch als dauerhafter Ganzleinenband zusammen für 5.50 Mark. Einzeln kostet jeder Band 2 Mark. In die Kiste der Lagerbücherei, muß man selbstverständ lieh die passende Lektüre stecken, mit üblichen, vielleichi irgendwo abgelegten Schmökern ist es nicht getan, und was soll man tun, wenn es im Lager, auf großer Fahrt zwischendurch regnet oder anders langweilig wird? Der Verlag Vojgenreiter stapelt uns da ein paar Sachen auf, die man mit Begeisterung lesen, meinetwegen sogar verschlingen wird: J. F. Cooper, Der Wildtöte r, — klingt das nicht wie eint Romanze aus alten Tagen? Die Pfadfinderherzen schlagen bei diesem Buchtitel höher, — und diese 264 Seiten, straft und markant übersetzt von Paul Alverdes, werden immer imstande sein, unsre Jungens in ihren Bann zu zwingen. Das Buch ist mit 70 Bildern geschmückt und kostet broschiert 3,50 Mark, in schmuckem Leinen gebunden 4,80 Mark. Dann nenne ich dick unterstrichen „S h a t t e r, Fahrtenerlebnisse", fünf lebhaft geschilderte Streifzüge, und dicht dabei — für besondere Naturfreunde — ,.W ild und Wildlinge" von Wilhelm Fabricius, herrliche Beobachtungen aus allen möglichen Waldwinkeln. Die Worte und Sätze sind höchst einfach und wirken deshalb hinreißend. Man kriegt Lust, diesen Zauber draußen zu belauschen. Das Buch kostet 2.80 Mark brosch. und 3,50 Mark Ganzleinen. Zuletzt noch aus demselben Verlag „Die Kunst Einsamkeit, W a 1 d 1 ä u f e r t u m", Band 6 6a der Sammlun, „Bücher der Wahlverwandtschaft", und ein echtes Buch für Pfadfinderei. auch für solche, die gern mit dieser Sache zu tun haben möchten! Reichhaltig, interessant bis zur letzten Seite. Man erlebt Naturkunde, — ich will nichts gegen den Schmeil sagen, aber — —! Diese Abschnitte muß man lesen über die Namengebung des Waldvolkes, über Vogelkunde und Spurenlesen, über das Käfergekrabbel, und über die Nahrungsmittel, die im Wald für uns wachsen, uiji^übcr tausenderlei, wovon ich bisher keine Ahnung hatte. ^Carum gibt es so ein Buch Jucht in den Schulen? Ach so, und diese Abhandlungen über Holzarbeiten, Knotenknüpfen, Briefmarkensammeln. Flugdrachenbau, über erste Hilfe bei Unglücksfällen. — über Zeichenkunde, Winken, Signalisieren und Bilderschrift! Alles wird so methodisch fein und gesekickt gesagt und gelehrt, daß wir nichts „Unterrichtendes" merken und gar nicht ungeduldig dabei werden. Jawohl, alles, was man uns in der Naturkunde der Schulweisheiten vermießt hat, ergreift uns hier mit Interesse. J. R, Bücherschau ..]m Westen nichts neues- In unserer Knabertzeit lasen wir Kriegsbücher. Bücher, die den Helden verherrlichten, die dem frisch und fröhlich mit Bajonett und Degen auf den Feind losgehenden Soldaten ein Lied auf die Lippen zauberten; ein Lied, das in Wort und Melodie dem Sehnen der Soldaten nach' dem Tode auf dem Felde der Ehre Ausdruck gab. In unserer Knabenzeit spielten wir mit Bleisoldaten, willenlosen Objekten unserer Schlachtenphantasie, die wir auf kindlich raffinierte Weise umfallen ließen, den am meisten geliebten den Sieg zusprechend. In unserer Knabenzeit spielten wir Soldat — später Jugendwehr. Wer würde auf den Gedanken gekommen sfin oder gewagt haben zu denken, daß die Wirklichkeit anders aussehe?, daß Granaten, Kugeln, Bomben, Minen, Tanks, Gas von willenlosen Haufen, die um ihr Leben sorgten, auf willen-