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Der Jugendbund · 1929-04-01 · 4 (1.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
4 (1.4.1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Am Nachmittag saßen wir zusammen im Heim auf dem Boden. Dicht zusammen in einem Kreis. Keine Unterhaltung. Keine verschiedenen Meinungen. Nichts. Doch was war das? Waren wir .noch Pfadfinder, waren wir noch Juden? Alle Unterschiede waren verschwunden. Eine einzige Masse. Wir waren die Jugend. Und hätten noch Christen dabeigesessen, wir wären innerlich fest mit einander verbunden. Denn wir waren ja keine Pfadfinder, keine Sozialisten, keine Liberalen: Wir waren junge Menschen, die dasselbe fühlten und dasselbe dachten. Wir waren die Jugend. Und sonst nichts! Rolf Buchdahl, Frankfurt a. M Der Wunsch von hlartha neumark Der alte Mann war so weit und bereitete sich auf den Tod vor. Er war immer, alle Tage, fromm, gottcsfürchtifr, gut gewesen — kein Wunder, daß Gott jetzt tief bekümmert" drein schaute. Und weil der alte Mann so flehentlich rief: „Gewähre mir nur einen Wunsch! — Nur einen Wunsch noch!" Zum Engel der Wünsche wandte sich da der liebe Göll und sprach: „Du, lieber Wunschengel, geh mal runter zu diesem alten Mann und frage ihn, was er denn eigentlich wünsche. Wenn es irgend möglich ist, möchte ich ihm die Bitte gewähren." Der Engel der Wünsche verneigte sich dreimal und verschwand. Und ein paar Minuten darauf erschien er im Zimmer des todkranken alten Mannes. „Was hast du denn für einen Wunsch auf dem Herzen? Wenn es in meiner Macht steht, will ich ihn dir gern erfüllen", sagte er. „Ich möchte nicht jrerade jetzt sterben", erwiderte der alte Mann mit gebrochener Stimme, „gibt mir nur das eine: gib mir nur die Augenblicke, die ich während meines Lebens verschwendet habe!" Der Wunschengel schüttelte betrübt das Haupt: „Das ist der einzige Wunsch, den ich nicht erfüllen kann. Keine Macht der Welt kann die Vergangenheit zurückbringen. Selbst im Linde der Engel liegt die Vergangenheit tot;" (Aus der amerikanischen Jugendzeitschrift „Younjr Israel". Ins Deutsche übertragen von J. R.) Religion und Gottesdienst Es gibt so vieles in der Natur, was ich nicht begreife, ind dessen Entstehung mir nicht klar ist. Wer hat das wohl rschaffen? frage ich mich da unwillkürlich. Ja. wem muß ich dafür danken? Wen muß ich wegen all der Wunder um mich anbeten? Worin liegt die Vervollkommnung all unserer Ideale? Das weiß ich nicht. Ich ahne es nur. Ich kann es aber nicht begreifen. Es gibt ein einziges Wort für das Wunder des Weltbestehens und Weltgeschehens. Das Wort ist: Göll. Die Religionsgesetze erinnern mich an Gott. Sie bewirken ther nicht, daß ich mich in Gott vertiefe. Das kommt von mir aus. Aus meinem innersten Gefühl verehre ich ihn. Für mich ist leider der Synagögenbesuch in meiner Stadt, die nur eine kleine Gemeinde hat, nur zum Minjanmachen. Meine Mitwelt läßt mich ja gar nicht in eine gottgeweihte s immung versetzen. Der Geistliche hängt eine große Tafel r .Veröffentlichung der „Schlachtstunden" auf. damit man ja die Tötung der auch von Gott erschaffenen Wesen erert wird: der Tiere. Meine Nachbarn reden vom Geschäft und 1 anderen Werktagsdingen, und so wird es mir unmöglich, "dächtig zu sein. , Solange derartige Zustände herrschen, steht die Ausübung der synagogalen und anderen Religionsgesetze weit zurück. Weil die Alten das noch nicht eingesehen haben, muß die Jugend endlich anfangen, Aenderung zu schaffen! Hans Borchardt (15 Jahre). noch etwas zur „Kluir;und dann - „cnasah- Bei all den begeisterten Kluftvertretern kehrt der Gedanke wieder: gemeinsame Kleidung erhöht das Gemeinschaftsgefühl. Ein Mädel behauptete sogar, durch Gegensätze in der Kleidung könne Uneinigkeit entstehen. Als ob die Junggruppier auf so etwas sähen! Und wenn, — dann sollen sie es sich abgewöhnen, nach der Kleidung zu urteilen. — Gemeinschaft ist etwas, was nur von innen heraus gefühlt werden kann. Wo keine, oder nur lose Gemeinschaft ist, hilft auch sicher nicht die den Wandervögeln nachgeahmte .de hinweg. Wir wollen keine so die die Gruppler zu Herdentieren stempeln. Die Geldfrage, - - daß andere Kleidun« zu schade sei — ist das nicht etwas an den Haaren herbeigezogen? Jeder hat alte Sachen, die er auf Wanderungen tragen kann. Uebrigens ist eine Kluftausriistung auch nicht billig. Eng verbunden mit der einheitlichen Kleidung ist der gemeinsame Gruß „C h a s a k". Sei stark! Ein schönes Wort, zur rechten Zeit gesagt oder auch nur — gedacht. Aber als Alltäglichkeit? Vor dem Schulanfang? Vor einer Mathematikarbeit? Der Gruß wird erniedrigt durch die, häufige Benutzung. Er mutet dann so an, wie etwa das „Heil" andrer Bünde. Er wirkt inhaltlos und nachgemachl. Und das wollen wir nicht! Wir kommen dann langsam vor lauter Aeußerlichkeiten zu nichts Innerem mehr. Deshalb: den Gruß mit Sinn und sparsam gebrauchen! Dann haben wir etwas davon. Hanna Levy, Osnabrück., meine Gruppe Von meiner Gruppe, von zehn Wildiängcn will ich erzählen. Ist denn eine Gruppe elfjähriger Mädels etwas Besonderes? Natürlich ist diese Gruppe etwas - Besonderes. Eine Schar frischer, lebhafter Kinder taucht vor mir aui. Diese streiten sich oft und passen doch' sehr gut zusammen. Am meisten freue ich mich, mit den Wildfängen eine Fahrt zu machen. Wer bringt mehr Leben mit sich, die grünenden, sprießenden Pflanzen oder diese zehn lustigen Gesichter? Wie die Sonne und der Frühlingshimmel lacht, so strahlen die Augen aller. Ja. und wie geht es im Heimabend zu! Da ist es genau so lustig. Und doch kennt man die Unbändigen oft nicht. Zehn Leutchen wandern mit dem Prinzen ins Märchenland, zehn mutige Mädels verfolgen die Abenteuer Jacks, zehn Kinder freuen sich oder trauern mit | den Helden. Ich will nie zuviel in diese quecksilbrigen Köpfchen hineinpressen. Denn sonst könnte did Geschichte langweilig werden. Nach der Arbeit kommt das ßpiel. Da staunt jeder, wie nett die Kleinen „Scharaden" spiilen. Dabei zuzusehen, macht mir den größten Spaß. Die Trennung fällt uns immer schwer. Hat eine der Freundinnen etwas auf dem Herzen, so weiß sie, daß ich gern helfe. Dann vertraqt sie mir manches an, und wir beide fühlen, daß wir uns noch näher gerückt sind. Das sind meine kleinen Freundinnen, meine liebsten Freundinnen. L'nd ich glaube, mancher wäre stolz, wenn er eine solche schöne Schar von Freundinnen hätte. Elfriede Mann, Heilbronn (16 Jahre) Ferienkurse in Beauvais * Schon in der vorigen Nummer ist über die Ferienkurse in Beäuvais (Oise) berichtet worden. Die Kurse sind international und finden statt: der erste vom 15. Juli bis 4. August, der zweite vom 5. August bis 25. August 1929. Anmeldungen müssen bis zum 1. Juli erfolgt sein. Der vollständige Preis beträgt für 3 Wochen etwa 1300 Frcs., für 6 Wochen 2iC0Frcs. Auskunft erteilt das Sekretariat, Professor Gaston Cahen, 6 Rue du Mont Capron, Bevauais, Oise. Ich habe diesen Herrn über die Aufnahme und Behandlung jüdischer Schüler und Schülerinnen befragt und veröffentliche nachstehend die wichtigsten Teile der inzwischen eingegangenen Antwort: „Wir nehmen bei uns alle jungen Menschen ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit und der Religion mit der gleichen Herzlichkeit auf. Was wir verlangen müssen, ist lediglich: gutes Betragen Fleiß in den Lehrkursen und pünktliche Erledigung der finanziellen Regelung. Da wir außerdem hier mehrere jüdische Lehrkräfte, Damen und Herren, haben, so ist natürlich eine besonders gute Behandlung Ihrer evtl. eintreffenden Verbandsfreunde gesichert. Aber wir können uns nicht auf einen bestimmten konfessionellen Standpunkt festlegen. In Beauvais gibt es nur katholische Kirchen und ein protestantisches Bethaus. Lnsere Schüler besuchen diese oder nicht, ganz nach persönlichen Wünschen. Jüdische Glaubensgenossen werden am besten vielleicht den Gottesdienst in Paris besuchen. Ich hoffe, daß die Zusicherung bester Aufnahme und Behandlung und guter Leitung genügen wird, um einige Ihrer Freunde zu einer Teil-, nähme an den Ferienkursen zu veranlassen. Ganz junge Mädchen werden noch besonders aufmerksam und mütterlich betraut. In Deutschland haben wir übrigens beste Referenzen (Universitätsprofessor Süß, Göttingen, Planckstraße 17), nötigenfalls auch mehrere sächsische und rheinische Schuler vom vorigen Ferienkursus . . . ." — , Diejenigen unsrer Freunde, die eine Teilnahme an den Kursen beabsichtigen, werden gebeten, sich außerdem bei mir zu melden. *•

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