Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 4 (1.4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Menschen auf dem Lande! Wer einmal eine Versammlung auf dem Lande mitgemacht1 und die Menschen gesehen hat, die von den Uli Inen Ortschaften hereinkommen und die aufatmen, 8U3 ihrer Isoliertheit für Stunden befreit zu sein, der weiß, daß diese Arbeit sich auch dann lohnt, wenn „verbandlich" . nicht so viel dabei herauskommt. Wir danken es dem Preußischer. Landesverband, daß er uns für unsere Landarbeit eine Subvention gegeben hat und meinen, daß diese Unterstützung nur ein kleiner Anfang sein kann. So sehr wir uns mit allen Glückwün;ch. .zum heutigen Tage freuen, wir können sie nur so auffassen, daß dahinter auch der Wille steht, mit uns zu arbeiten und mitzuhelfen: daß man von uns nicht nur fordert, sondern auch gibt. In dieser Hoffnung möchte ich schließen init einem Won, das ich der Veraammlrihg uiul unserem Verband als Wui.sch geben möchte: „Es rufen von drüben die Stimmen der Geister, die Stimmen der Meister. Versäumt nicht zu üben die Kräfte des Guten. Hier winden sich Kronen in ewiger Stille, Die sollen mit Fülle die Tätigen loben. Wir heißen euch hoffen." Referat: ZuKunftsgestaltung von Elsbeth capeii. Düren Ehe man über „Zukunftsgestaltung" diskutiert, hat man die Pflicht, klar zu erkennen, wäs die Gegenwart -bietet, i Dr. Hahn hat, als Vertreter der älteren Generation innerhalb r des Verbandes, fast ausschließlich über die Vereine ge- | sprechen. Als Junggruppenführerin werde ich über unseren Bund sprechen, der Gegenwart und Zukunft in sich vereint! Wir Junggruppier bekennen uns oifen zur Idee des V erbandes! Wir sehen in ihm die einzige jüdische Organisation der Galuth, in der wir arbeiten können. Bestände der Verband nicht, so würde die jetzige Junggruppenführerschaft ihn gegründet haben! Es ist uns durch die Idee des Verbandes i zur Pflicht geworden, jüdische Jugendarbeit zu leisten. Wie sehen heute unsere Junggruppen aus? Mehrere 100 junge Juden gehören zu unserem Bund. Die Zahl steigt immer mehr an, aber das ist nicht das wesentliche! Wir wollen zuerst einen Kerntnipp junger führerischer Menschen - erziehen, die befähigt sind, für unsere Sache zu werben und neue Gruppen zu bilden! Die Erziehung in unseren Junggruppen ist leider Jlt großen jüdischen Oeffentlichkeit noch nicht bekannt. Dr. Hahn forderte wiederholt für uns junge werdende Menschen eine Zeit der „Wachstumsstille"! Wir wollen der jüdischen Jugend im Alter von 10 bis 18 Jahren eine Stätte des ungestörtesten jugendlichen Lebens. Denkens und Fühlens geben. Unsere Jüngeren-, Mittleren- und Aclteren-Gruppen arbeiten, der geistigen Reife einer jeden Altersstufe angepaßt. Jüdische Geschichte, Tagesfrageti, Wandern und Singen, Sport,- Basteln, Hebräisch sind die Hauptpunkte unseres Arbeitsprogramms. Soziale Arbeit leisten wir. so weit es in unseren Krätten steht. Als Kinder unserer rationalistischen Zeit wissen wir die Verbindung mit dem Alltag nicht zu verlieren. Als den Primat unserer Arbeit haben wir die Erziehung zum Leben, zum Bestehen des Kampfes ums Dasein erkannt. Reales, wie die Verbandsidee, gibt uns Ideal und Leben in gesunder Harmonie. L'nser Weg heißt „Wirklichkeit". Die kontinuierliche Erzrehungslinie haben wir für unsere Gruppen akzeptiert. Frühjr war jede Junggruppe eine Getahr für den Verband, heute aber bietet sie eine große Chance. Von der Junggruppe zum Verein, und damit organisches Wachsen des Verbandes ist unser Ziel. Da aber der Verband nicht Selbstzweck ist. sondern nur Wegbereiter für die Zukunft des Judentums und seine Institutionen sein will, reifen wir vom Verband aus hinein in die Gemeinde und in die jüdische Gesellschaft. Wie wir uns nun auf Grund dieser Erkenntnis die Zukunft des \ erbandes denken? Wenn wir mit unseren jungen Kräften die Leitung der Vereine übernehmen, "werden wir sie mit dem frischen Geiste der Junggruppen erfüllen. Das Verbandsgeschick wird dann >n unseren Händen liegep! „Wir haben uns freudig der Masse verpflichtet", sagen wir mit Herbert FelsentHal. Der Verband muß die Massenorganisation der deutschen Judenheit werden! Aber die Masse wird unter unserem Regime nicht aus inaktiven Mitgliedern, die nur monatliche Beiträge bezahlen, bestehen. Die von uns geforderte Mitarbeit liegt auf geistigem Gebiet. Ein Minimalprogramm muß durchführbar, sein trotz der Verschiedenheit der Vereinet Systematisch erzogene Junggruppier leisten haute schon mehr als ein Minimalprogramm fordern dürfte. Aus unserer Mitte werden, so hoffen wir, die Führer der jüdisch-politischen Richtungen entstammen, das ist ein großes 4' i - " „Prae" für den Verband! Unsere Erziehungsgrundlage hci;;:: „Judentum und Leben"! Wer nach der geistigen Reife, wir nennen sie auch wohl Erlangung des „Gesamtbildes (;. > Judentums", politische Entscheidungen trifft, und das sollen und müssen wir als zielbewußte, junge jüdische Mensch > wird leicht erkennen, daß wir auf Grund der kontinuierlich.-i Erziehungsarbeit dazu praedestiniert sind, leitende ZionisU. C. V.er oder Führer anderer weltanschaulicher Gruppen /■ werden. Die jüdische Gesellschaft, deren Reform uns Junggrupple! unerläßlich erscheint, werden wir als Jugendvereinler OUrc! unsere Masse erobern. Wir Jüngsten im Verband kenn^i unseren .weiten Weg in die jüdische Wirklichkeit. Wir sehn, jede Station klar vor uns liegen, wir wissdn, was sich rech'i und links von unserrn Weg abspielt, aber wir lassen uns nicl. beirren! Wir wollen einen Fonds junger jüdischer Menscheheranbilden, die durch die Schule des Verbandes geganu. . sind. Mit ihnen wollen wir das schwere Werk fortsetze... daß die le.tzige Verbahdsgeneration begonnen hat. Wir wolk-'i auf unsere Weise die Aktivierung der indifferenten jüdischen Masse erzielen! Die Einheit des Judentums durch die Idee des V erbandes herbeizutühren ist unsere vornehmste Aufgabe! 1927 sagte einer unsere Freunde nach dem 1. Jungführerkursus in Düsseldorf: „Man empiand deutlich und freudig c!. ,i Marschschritt der Junggruppen, die eine pflichtbewußte, tre e Avantgarde des Verbandes sein werden." Gelingt es .lun^rupplern nicht, die jungjüdische Masse zu erfassen und unsere Ideen zu verwirklichen, so erfüllt sich wenigstens uns das Wort eines unserer Propheten: „Ich werde euch zu Vorwärtsschreitenden machen IM vi den Stehenbleibenden." Veranstaltungen im Reich i. Düsseldorf Die künstlerische Arbeitsgemeinschaft des Jüdische'n iugendvercins Düsseldorf führte anläßlich de6 20jährigen Verbandsjubiläums im überfüllten Rittersaal der Städtischen Tonhalle am 5. März das dramatische Gedicht von Stefan Zwe:g „Jeremias" auf. Wir entnehmen einer Besprechung w>n Rabbiner Dr. Eschelbacher im Düsseldorfer Gemeindeblatt u. 3. folgendes: „Nicht die ganze Dichtung wurde aufgeführt. Die Bilder . „Die Warnung", „Das Gerücht" und „Die letzte Not" sind weggelassen worden. Manches Gute blieb so unausgesprochen. Im ganzen aber hat die Streichung doch den tiefen Eindruck der Dichtung verstärkt. Unter den Gestalten des Schauspiels tritt vor allem Jeremia hervor. Mit einer herrlichen sch.i spielerischen Kraft hat Curt Friedmann den Propheten, Jen F.kstatiker, den Besessenen, der dennoch mit sich und d^r Welt im ewigen Kampfe liegt, verkörpert. Schon rein physisch eine bewunderungswürdige Leistung. Ergreifend wirk'.e in ihrer Liebe, in ihrem Glauben wie in ihrer qualvollen Sortje im Leben und im Sterben die Mutter (Ellen Gans). Fessel' i in seiner hilflosen Unsicherheit und Angst war der unglückliche König Zedekia (Vicus Simons). Aber der eigentlicb« Träger der Aufführung war die gesamte Arbeitsgemeinsch;'.:'.. Das Spiel wirkte wie die einheitliche Stimme der gesamten .Jugend, die sich zu dieser imponierenden Leistung zusamme1 - gefunden hatte. * Der Bühnenbildner des Schauspielhauses, Franz Merz, h>. der Aufführung den wirkungsvollen Rahmen geschaffen, gai 2 einfache Kulissen, die die Umgebung nur andeuteten, nie'il aber im einzelnen darstellen. So blieb alle Aufmerksamke auf die Handlung selbst konzentriert und wurde durch keinerlei Detail abgelenkt. Die Beleuchtung hat das Drama ein dringlich unterstützt, am stärksten in der furchtbaren Szene in der Jeremias dem König Zedekia sein Schicksal voraussagt, während blutrote Schatten auf die Bühne fallen. Nur einmal wurde das Bühnenbild farbig, in der herrlichen Szene nach der Katastrophe, da das Volk, das nun ins Galuth wandert. ..wie Gewürm, dunkel und verstrickt", auf den Steinen Wfet. Es war wie ein Bild von Minkowski oder von Sascha Bath Hillel, und ist doch unabhängig von ihnen entstanden. Die Versenkung in die gleiche Situation hat in diesen KüneUler:; und in Herbert Felsenthal die gleiche Stimmung und du gleiche \ ision erweckt. Die Darsteller sind nicht Schauspieler von Beruf. Sie haben sich von ihrem Tagespensum losgerissen, um das Werlgemeinsam einzustudieren, und waren noch wenige Stunden vor der Aufführung im Bureau, beim Studium oder auf der Tour. Alle sind sie lebendige Zeutfen für Hi« Tn«»mm»"-