Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 3 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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aufzustellen.' Alle Versuche dieser Art sind fehlgeschlagen, weil die Führer an dieser iür den Verband wesentlichen Tatsache einfach vorbeigesehen haben und vielfach noch vorbeisehen. In den mittleren und kleinen Gemeinden -sind die Jugendvereir.e meistens die einzige jüdische Organisation, in ihnen spielt sich das ganze Gemeindeleben ab. ihre Arbeit muß daher' selbstverständlich ganz anders eingestellt sein als :r. eir.err. Gr-3stadtverein. der in der Hauptsache nur junge Menscher, umfaßt, oder in den Jur.ggruppen. die man. um e:r.er. neuerdings beliebt gewordenen Ausdruck zu gebrauchen, als c rgar.isierte Jugendbewegung" bezeichnen kennte. Trotzdem ist es möglich, gewisse einheitliche Erziehungs- 3 ifgaben zu stellen «renn auch die Durchführung und die V etbede ihrer DurchfObruntj ans der. eben angeführten G'ür.foT. £--rz verschieden sein muß. Die Jugend unserer Zeit historisch" e:-geste!!t. sie' will die Gegenwart erfassen mit ihrer, Problemen, und erst von-der Gegenwart au^ zur Vergangenheil Stel'ur.g nahmen. Der Jügend1- ' Bewegung der voriger. Generation fehlte diese Verbindung ~i: der Gegenwert worauf es wohl in der Haurtsache zurück- 7 :führ*i) ist i;2 s:e so -'. '.z'jch erlahmte. Heute bemühen d;e Bünde -!!e: Richturg=n. sich mit den we'tanschaulichen k.rf.ler:«-'-»-.. v :-!st-haft!iehen und r<~!itisrh«*n Proplefren orserer Zeit: auseinander!-set7em Sie suchen, wie »t eirr-al usgedrj>l-t hat. die Verb-In'^ng mit dem - uhd wollen im Gegensatz zur Jugendbewegung der - r>r Generativ irre Ideale in den Alltag hineintragen, statt reh — - Uend vre ihm fem zu halten. Wenn i<" Verband «•»-•'g?o:« will k*rn such er" sich dieser Hinwendung 7 — Alltag** -;. e-«c-':e2en and wird s'<-h wie bisher dem — der A 2er.weit r.ic'r.t er.'.r>r»r. dürfen. Gewiß. Ansätze c'azu STjd vorhsndeB: aber irr habe den Eindr-ck. und — vjelf rreur.de c?3 diese H!nw»edrng zum Alltag im .■^ugerb'ick rirht in der Form geschieht die unsere Jugend r«»-e Zeit verl-.rger. Wer o'ie Programme der Vereine veri'lgt hat.'wird :'es:gec;el!t haben, -daß man rch immer — ä't r---ger. und Abgaben de* Gegenwart: Gemeindeprfrtik. Palästinaaufbau E-lerr.=n des Hebr'is'-hen. *"seinsndersetzurger. mit der -äd-£;«cher. und s<-z:s!er. Problemen r'er Gegenwart bescrä;t:gt. Le:der s'r.d aber die von dem Verband in dieser Beziehung aufgestellten Forderungen bis- Unr :'r. der. seltensten Fällen verwirklicht vorder.. Die zahlenmäßige Größe des Verbandes, die verschiedenart'ge Struktur seiner Bünde, die vielfach falsch ausgelegte ..Neutralität" erschweren diese Verwi'klichung. Ein Re:spie! mag dies zeigen: e« bedeutet keine Hinwendurg. sondern Abwendung vom Alltag, wenn man Palästina-Resolutionen faßt, in deren man den Aufbau Palästinas begrüßt, aber die einzelnen' Bünde und die emzelnen Renschen des Verbandes keinerlei Kc-«»quenzen aus dieser feier!:ch gefaßten und erneuerten Resolution für ihren ..Alltag" ziehen Ebenso ist es mit dem Friemen des Hebräischen. Ein großer Teil der;üdisehen Jugend Deutschlands ist in den 20 Jahren seine« Bestehens durch den Verband hindurchgegangen. Viele dieser Menseben stehen heute in den verschiedensten Parteien und Organisationen an führender Stellung. B'sher hat der Verband es verstanden, wie ich in der oben skizzierten kurzer. Geschichte versucht habe darzulegen. Schritt zu halten und sich auseinanderzusetzen mit den Forderungen des Augerblick«. In der Gegenwart wird es wesentliches Kriterium, für die Lebensfähigkeit des Verbandas als ..Jugendverband" sein, ob es ihm gelingt, seine Menschen so zu beeinflussen, daß sie die von ihm aufgestellten Forderungen in. ihren ..Alltag" hineinnehmen und verwirklichen: verwirklichen nicht durch w erte, die die Jugend unserer Zeit ablehnt, sondern durch Taten. Grundsätzliches zur Mädelsarbeit von mine meyer and Rahef Schwarzsctifld. Dflsseidorf Die Idee der Schaffung eines Mädelsamtes bzw. von Mädelsarbeitsgemeinschaften wurde in Dresden von einigen Mädels geäußert. Wir glaubten, diese Idee und diesen Wunsch um so mehr zur Tat werden lassen zu sollen, weil wir von der Notwendigkeit überzeugt sind, unsere Mädels im Verband zur 12 aktiven Arbeit im Bund und Verband zu erziehen und heranzuziehen. Wir wollen keine Trennung der Mädels und Jungens. sondern glauben, in kleinen Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Bundes- und Verbandsarbeit sie von ihrer Scheu und Ungeübtheit, ihre Ansichten und Meinungen zum Ausdruck zu bringen, eher befreien zu kennen. Gerade weil wir ein Bund sind von Jungens und Mädels, ist es unser Wunsch, daß die Mädels in ihrer Art ihr Teil zum Ganzen der Arbeit und zum Wesen des Verbandes beitragen sollen. Wir wissen, daß die Ziele und Aufgaben, die sich unsere Gemeinschaft gesetzt hat. in gleichem Ausmaß für Jungens wie für Mädels bestehen, aber die Wege und Mittel zur Erfüllung dieser Aufgaben müssen in ihrer Art oft und in ihrer Auswirkung gerade aus der Verschiedenartigkeit der Jungens und Mädels heraus verschiedene sein. Um eben über die Mittel und w'ege und ihre Auswirkung sich klar zu werden, sind besondere Mädelsarbeitsgemeinscbaften notwendig. Nur wenn ^eder ven sich aus das ihm Eigene beiträgt, kann ein wertvolles Ganze entstehen. Deshalb ist es wohl denkbar und - netwendig, wenn z. B. die Mädels sich in einer eigenen Arbeitsgemeinschaft über soziale Fragen aussprechen, um sich darüber klar zu werden, auf welche Weise sie als Mädels helfen können, soziale Arbeit zu leisten: deshalb auch ist es notwendig, wenn sie zunächst unter sich zu dem sexuellen Problem Stellung nehmen. Und wenn sie für sich zu einer klaren Stellungnahme gekommen sind, werden sie in gemein- -a-er Arbeil mit den Jungens wesentliches zu sagen haben. — Die Berufsfrage und die Berufsnot berührt gleicherweise Jungens und Mädels. Wie der Berufsnot zu begegnen, wie d:e Berufsfrage zu lesen, wird von Seiten der Mädels aus andere Wege zeitigen wir; die der Jungens. Die prinzipielle Einstellung zu all diesen Fragen wird stets dieselbe sein, die -es rdere weibliche Note, die jede dieser Fragen in sich schließt, wird ven den Mädels selbst zu bestimmen sein. Darüber hinaus aber wünschen wir, daß durch diese gerreir.same Arbeit das Vertrauensverhältnis der Mädels untereinander gestärkt, daß die menschliche Bindung zueinander, die die Grundlage für alle weitere Arbeit werden soll, eine größere wird. Wir glauben, daß, wenn dies erreicht ist. der gegenseitige Einfluß in menschlicher und geistiger Beziehung ein viel stärkerer sein wird. Und wenn dann die Mädels, die jetzt in unseren Bünden sind, aus ihrer gemeinsamen Arbeit unter sich und mit den Jungens zu einer wahren Arbeitsgemeinschaft kommen, wird ein Hineinwachsen der jüngeren Mädels in unsere Gemeinschaft ein viel leichteres, werden für das Erfassen der noch nicht zu uns gehörigen Mädels ganz andere Voraussetzungen geschaffen sein. Und nun einiges zur praktischen Arbeit. Man soll versuchen, in den Arbeitsgemeinschaften von irgendwelchen Tatsachen auszugeben. Es ist notwendig, den Mädels dazu zu verhelfen, die Rechte, die die Frauenwelt sich erkämpft hat, geistig und menschlich näher zu bringen, damit sie von diesen Rechten nicht nur äußerlich Gebrauch machen, sondern sie in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen vermögen. Im' Bürgerlichen Gesetzbuch Kapitel „Familienrecht" z. B. werden so viele Fragen berührt, die heute für alle so interessierend sind, daß ven hier aus die Grundlage für eine Aussprache geschaffer. werden kann. Bekommt keinen Schauder, wenn Ihr BGB. hört, wir wollen, wie gesagt, nur von hier aus die Möglichkeit zu einer Aussprache schaffen. Im Zusammenhang hiermit stehen Fragen über Körperlehre und Hygiene, von da ausgehend Fragen über moderne Wohnungsbauten und Hygiene der Kleidung usw. Fragen der Berufswahl werden vorwiegend Mittelpunkt der Arbeitsgemeinschaften der jüngeren Mädels sein, für die älteren Gruppen kann es sich in der Hauptsache noch darum handeln, die Probleme der Frauenarbeit aufzuzeigen- Wir müssen versuchen, zu unserem Beruf eine andere Einstellung zu bekommen wie bisher. Beruf ist heute nicht mehr und nicht nur Zeitausfüllung bis zur Heirat, Beruf ist heute eine Aufgabe, der wir uns unterworfen und die wir zu erfüllen haben. Unseren ganzen Menschen wird der Beruf, besonders da, wo er nicht selbst gewählt wurde, nicht ausfüllen können. Wir werden immer Ausgleich suchen in der Arbeit außerhalb des Berufes, in Geselligkeit, — in »oxialer Arbeit — in Jugendbundsarbeit.