Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 3 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1 M. das November,Dezember-Heft vom „Stachelschwein" (Verlag Die Schmiede, Berlin), das einen langen Auszug aus diesem „Schlump" — dem deutschen Schwejk — enthält; „Der Freie Geist". Eine Zeitschrift der jungen Menschen. Frscheint in Rheine i. Westf. (Herausgeber Hanns Isenbeck.) Monatlich einmal. Preis 75 Pf. — Für Reifere und für interessierte Führer! Diese Zeitschrift, im Sinne der „Weltbühne", hat in unserer nordwestdeutschen schwerfälligen Ruhe gefehlt! Jeder geistig Interessierte lasse sich eine Nummer kommen! Die Herausgeber hören gern die Ansicht der Jungen und werden alle zu Worte kommen lassen, die etwas in die Zeit zu rufen haben, und die von den gewöhnlichen Blättern einen Maulkorb umgehangen kriegen. Jüdische Bücher. „Palästina, Idee, Probleme, Tatsachen." Von Gerhard lloldheim. Bei C. A. Schwetschke, Berlin, Preis brosch. 3,50 Mark. Siehe Rezension in der Februarnummer der Verbandszeitschrift. Das Buch ist nur für Führer geeignet. Muß .iber unbedingt von diesen durchgearbeitet werden. Das Buch ist sehr wertvoll und beachtenswert. „Die Messiasbraut." Von S. Schachnowitz. Verlag Hermon, Frankfurt. Der historische Roman führt uns in die spannende Zeit des falschen Messias Sabbatai Zewi. Bei der Lektüre treibt man unauffällig Geschichte. ..Neue Menschen auf alter Erde." Von F. Saiten, dem Verfasser des neuen Simscnsromans. Hier werden wir durch das Palästina von heute geführt. Die Darstellung ist interessant. Preis des Buches 4.20 Mark. „Warum ich Jude bin." Von Edmond Fleg. — Ihr kennt gewiß das Buch „Ein kleiner Prophet" von diesem Dichter. Seine neue Schrift, erschienen im Philoverlag Berlin, wird die Aelteren sicher ebenso interessieren. Vielleicht kann man einzelne Teile in der Gruppe verwenden. Die Schrift ist ein guter Beitrag zum aktuellen Thema über die religirse Not und das große religiöse Suchen nach dem Wege des Jude- Seins. Laienspiellehrgange der nächsten Zelt Die Regierung Kassel beabsichtigt eine Werkwoche für Laienspiel unter Leitung von Dr. Gentges in der zweiten Hälfte des März. Der Pfälzische Verband für freie Volksbildung veranstaltet mit Dr. Gentges eine Werkgemeinschaft für Laienspiel am 23. und 24. März in Neustadt a. d. Haardt. Die Regierung Düsseldorf führt mit Dr. Gentges einen Fortsetzungslehrgang für Spielführer vom 1.' bis 9. April in der Jugendherberge in Alpen durch. * Wie in den beiden Vorjahren sollein auch im kommenden Sommer ' internationale Ferienkurse für Jungen und Mädel im Alter von etwa 12 bis 18 Jahren in dem schönen Ort B e a u v a i s , anderthalb Stunden von Paris, eingerichtet werden. Wer sich näher für diese Siehe interessiert, der bekommt von uns Einzelheiten über Unterbringung, Arbeitseinteilung, Kosten und Referenzen. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, daher erbitten wir baldige Stellungnahme. Nachtrag zum Anschrlflenverzeichnis der Junggruppen Detmold: Ernst Heilbrunn, Gartenstraße 12. Vereinigte Junggruppe West-Westfalen: Tint, Ahlen i. W., Westenmauer 10. F'.i t.-ctzung von Seite 6. tums wieder lebendig zu machen und in das Da-Sein einzuordnen? Sind das nicht Merkmale einer Bewegung? Man wendet ein, eine Bewegung sei nur möglich, wenn sie von einer einheitlichen Idee getragen sei. Und die fehlt uns, denn es zeige sich, daß wir heute noch ebenso heftig um unsere „Idee" streiten, wie am ersten Tage. Hier liegt eine Verwechslung vor: nicht die Idee fehlt uns, wohl aber — vorläufig — eine prägnante Formulierung dieser Idee. Wenn wir , die jüdische Jugendbewegung als eine der Reaktionen auf den seit der Emanzipation wahrnehmbaren Zerfall des Judentums erkannt haben, und wenn wir den gemeinsamen „Willen junger jüdischer Menschen zur Bindung und zum Bunde über den Parteien" (Gustav Löffler) festgestellt haben, dann ist es Spiegelfechterei, von mangelnder Idee zu reden. „Ueber den Parteien." Darin liegt das Wesen unserer So sehr mißverstandenen und Vielfach bekämpften Neutralität. Sie wird aus zwei einander entgegengesetzten Gründen bekämpft. Den einen sind wir nicht neutral genug, den anderen zu neutral. Ueber den ersten Vorwurf können wir zur Tagesordnung übergehen. Er geht teils von Bekennern jenes ..Judentums mit Seitenblicken" aus, teils von Menschen, die weder zu geistigen Dingen im allgemeinen, noch zu jüdischen im besonderen nennenswerte Beziehungen unterhalten. Es bleibt also der Einwand, wir seien zu neutral, Neutralität bedeute Sterilität, sie könne eine Jugend nicht begeistern. Nun denn, mal wieder: Neutralität ist uns nicht Programm, sondern Plattform, nicht Ziel, sondern Weg, nicht Zweck, sondern Mittel, nicht Inhalt, sondern Form, nicht ewige Entscheidungslosigkeit, sondern das Bestreben, alle jüdischen Menschen, wie sie auch immer ihr individuelles Judenproblem lösen möchten, zur Arbeit an gemeinsamen Aufgaben heranzuziehen. Diese Haltung, die^se Neutralität ist eine, Notwendigkeit: Was hätte mit den Tausenden von jungen Juden zu geschehen, die den Weg zu einer jüdischen Partei nicht gefunden haben, vielleicht auch nicht finden können? Und die in der Partei Verankerten? Dort sehen sie nur das Trennende, bei uns werden sie wieder an Einigendes erinnert. (Die befehdete „Neutralität" läßt uns auch mit Bekümmernis den tiefen Riß sehen, der durch die deutsche Judenheit geht, und den andere, weniger „Neutrale" zu ihrem und zu unserem Schaden nicht erblicken. In einer späteren Nummer dieser Blätter wird hiervon ausführlicher die Rede sein.) Unser Verband zählt etwa zwölftausend Mitglieder. Wir wissen, daß nicht alle „mobilisiert" sind, wir wissen, daß Mitläufer unter ihnen sind. Hat aber der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands nur einen Teil der Jungens und Mädels, die er in seinen Listen führt, zu bewußten Juden gemacht, dann ist ihm zu wünschen, daß er dem Jubiläum, das er in diesen Tagen feiert, noch viele gleicher Art wird folgen lassen können. Gegenwartsaufgaben des Verbandes uon Studienrat Lew Wölfl. Köln Jubiläum können leicht gefährlich werden, im Rausche der Feste und Feiern, der öffentlichen Dank- und Lobesbezeugungen überschätzt man nur zu gern sich selbst. .Fruchtbar werden sie erst, wenn über den Rückblick auf di«. Vergangenheit die Kritik der Gegenwart nicht vergessen wird. ~ 20 Jahre sind seit der Gründung des Verbandes ver- . gangen; 20 Jahre, in denen der Verband den Versuch gemachthat, die Masse 'der jüdischen Jugend zu erfassen, sie mit jüdischem Leben zu erfüllen. Die Haupttätigkeit der Vereine bestand ursprünglich darin, Kenntnisse von jüdischer Geschichte und Literatur zu vermitteln und Geselligkeit unter den Mitgliedern zu pflegen. #Die tiefgreifende Wandlung, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten unter dem Einfluß der Kulturkrisis, der Jugendbewegung, der jüdischen Renaissance und des Zionismus vollzog, beeindruckte naturgemäß auch die Arbeit des Verbandes und forderte eine vollkommene Umstellung; der noch immer abgeschlossene Kampf um die Ideologie des Verbandes und die Auseinandersetzung über die Methoden der Arbeit setzten ein. Die Ueberwindung des Intellektualismus, die Erkenntnis, daß das - Wissen um eine Kultur noch nicht ihre Aneignung zur Folge habe, wiesen der Methode neue Wege. Die großen Vorträge wurden abgelehnt, in Heimabenden und Arbeitsgemeinschaften sollten die Erziehungsaufgaben des Verbandes verwirklicht werden. Diese waren und sind dadurch besonders erschwert, daß es infolge der verschiedenartigen Struktur der dem Verbände angeschlossenen Vereine unmöglich ist, ein einheitliches Programm JL ' 11