Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 3 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Gegenteil und denke: „Da draußen ist es einerlei, wie ich mich kleide." Kleider machen Leute? Nein, aber man kann von Deiner Kleidung auf Dich schließen, und gib niemand Ursache zu Trugschlüssen! Gib vielmehr auch Deine^ Kluft ein persönliches Gepräge! II. Der Ausdruck unserer Idee. Leo Eschelbacher, Düsseldorf:. Die Bundesleitung hat für alle Gruppen einheitliche Kleidung eingeführt. Die Gründe für diese Maßnahme: 1. Auf Fahrt müssen wir eine Kleidung haben, die möglichst billig und möglichst unverwüstlich ist und die durch Farbe und Zusammenhang allen Ansprüchen der Fahrt (Geländespiel . . .) genügt. 2. Die „Kluft" soll der Ausdruck unserer gemeinsamen Idee sein. Sie soll zwar eine Form sein, aber eine Form, die Inhalt hat. Es ist grundverkehrt, eine bestimmte Form als Ausdruck für unser gemeinsames Ziel, sei es aus Blasiertheit, sei es aus Angst, abzulehnen. Niemand soll behaupten, in seiner Gruppe ließe sich die „Kluft" aus „besonderen Gründen" nicht einführen. Auch hier müssen eben die Führer mit gutem Beispiel vorangehen! III. Siegfried Katzmann, O s n.a b r ü c k : Die „Kluft" ist in der Gegenwart keine Gesinnungsäußerung mehr, wie sie es zur Zeit des Wandervogels war. In der Junggruppe wollen wir sie tragen, weil sie schön und praktisch ist. Außerdem stärkt die gemeinsame Kleidung noafc unser Zusammengehörigkeitsgefühl. IV. Die Meinung eines Mädels. Leni Scheffer, Recklinghausen: Gerade die Kleinen unserer Gruppen legen großen Wert darauf, an Heimnachmittagen gut und anständig gekleidet zu erscheinen. Aber nicht alle Eltern sinddazu imstande, und so entstehen bald vielleicht die größten — wenn auch anfangs äußerlichen — Kontraste. Bei den weniger Begüterten wird Scham, Schüchternheit und Bedrücktheit hervorgerufen — die Scham,. Schüchternheit und Bedrücktheit hervorgerufen — die „Besseren" kommen möglicherweise in die Situation, von den anderen „abzurücken"! — Womit' könnte man derartige Gegensätze schon von vornherein besser unmöglich machen, als durch eine einheitliche Kleidung? — Die Aelteren wieder werden durch eine „Kluft" zur Einigkeit erzogen, die doch jederzeit auch nach außen hin in Erscheinung treten will. Ein kurzes Beispiel für Treffahrlen: Die einzelnen Gruppen, die zum erstenmal die Fahrt mitmachen, kennen sich anfangs kaum oder gar nicht. Hier ist es wieder die gemeinsame Kleidung, die uns sofort ohne irgendwelche Hemmungen einander näher bringt. Man hat gleich das bestimmte Bewußtsein der Gemeinschaft. V. Der Gegner- Werner Mühlfelder, Bielefeld: Ich lehne die „Kluft" in der Junggruppe ab. Die Uniformierung einer Gemeinschaft liegt mir nicht.. Das individuelle, persönliche Moment geht dabei verloren. Außerdem sind wir keine Wandergruppe, sondern eine Junggruppe, die dem neutralen Jugendverband angeschlossen ist. Wandern ist unser Privatvergnügen. Jugendbewegt im eigentlichen Sinne sind wir nicht. Das paßt auch gar nicht zur Verbandsidee. Chemnitz fand ich in keiner Weise vorbildlich. Wenn der Korporationsgeist einer Gruppe von der „Kluft" abhängt, so verzichten wir lieber darauf. Ich finde, es gibt zur Organisierung des Gruppenwesens so viel wichtige Dinge zu tun, daß wir derlei Kleinigkeiten vorläufig zurückstellen sollten. — Mit Wimpel und Kluft loszuziehen, mag für viele geeignet sein, es paßt darum noch längst nicht für alle. Letzten Endes kann und will ich es auch nicht jedem Junggruppier zumuten, sich plötzlich neue „Kluft" zuzulegen. Es gibt Ausgaben, die notwendiger sind! 8 Briet an die Eltern „Ich habe zwar einen Wink von oben bekommen, auf die Herren Schüler in der nächsten Zeit achtzugeben. Dennoch, meine Herren. . . ." (Polizist Holzapfel in dem Roman „Der Kampf der Tertia" von Wilhelm Speyer.) Kinder können nicht immer sprechen. Das werden Sie, als Eltern, gemerkt haben. Obwohl natürlich — man sagt mir — viele Eltern der festen, aber nicht beneidenswerten Ansicht sind, daß ihre Kinder „nicht so" sind. Doch lassen wir hier endlich mal die Ausnahmen beiseite. Ich möchte Ihnen jedenfalls gleich eingangs — verzeihen Sie mir diese unvermeidliche Arroganz — einen guten Rat geben: Wenn Ihre Sprößlinge zu Ihnen nicht reden sollten, dann fangen S i e eben damit an, ohne Besorgnis und ohne die übliche Angst, daß im Uhrwerk der Autorität ein Rädchen platzen könnte. Und ich werde Ihnen, damit Sie nicht zu lange auf die Folter gespannt sind, sofort verraten, um was es sich handelt. Oder — sollten Sie es doch schon selber gemerkt haben? Haben Sic nicht in den letzten Wochen die große Erwartung mitgefühlt, die auf Ihren Söhnen und Töchtern, so weit sie mit Ihrer Erlaubnis die Junggruppen besuchen, liegt?* Es mag sein, daß der eine oder andere Junge in einer übervollen Stunde Ihnen von dem neufrischen Hauch unserer Gruppen gebeichtet hat, unc'i von den Plänen, Hoffnungen, Arbeiten und Aussichten. Hat e* Ihnen dann auch schon plausibel gemacht, 'daß — entschuldigen Sie, aber es gehört eben zur Schaffung der Gemeinschaft — zu Pfingsten der erste allgemeine Bundestag in einem herrlichen Winkel Süddeutschlands stattfinden soll? Und daß, was niemals extra betont zu werden braucht, er selbst, Ihr Junge, und sie ebenfalls selbst, Ihre Tochter, auch dabei sein wollen, Pardon, möchten! Wie gesagt, es kann sein, daß Jungen und Mädel Ihnen diese Geheimnisse anvertraut haben. Es muß aber nicht sein. Und deswegen habe ich eine Bitte an Sie: Fassen Sie Mut, seien Sie großzügig und schießen Sie ungefähr so los: „Na, Junge und Mädel, ich bin eigentlich erstaunt, daß ihr mir von dieser feinen Sache eurer Junggruppen zu Pfingsten dort unten am Neckarstrand nicht schon längst berichtet habt. Nun erfahre ich — durch Zufall — von dem Bundestag. Als rechte Junggruppier verlange ich von euch, daß ihr bis Pfingsten das Reisegeld zusammenhabt. Selbstredend werde ich nachhelfen! Denn ihr müßt unbedingt die Sache mitmachen! Das wäre noch schöner, wenn ihr zu Hause bliebet!" So etwa werden Sie zu den Kindern ermunternd sprechen, denn Sie sind ja mit mir der Meinung, daß die Junggruppenarbeit etwas außergewöhnlich Segensvolles ist. Sie wissen, was aus Ihren Jungen und Mädel durch das Band der Junggruppe und durch deren Erziehungsarbeit geworden ist, und Sie haben sich mit Recht auf den pädagogisch höchst wertvollen Standpunkt gestellt, daß man, als Eltern, die ganz lapidare Pflicht hat, ab und zu die Idee der Gruppe auch im Hause mit ein paar anfeuernden Worten zu unterstützen. Und dann befürchte ich wirklich nicht im mindesten, daß Sie den Plan des gemeinschaftlichen Bundestages Ihren Sprößlingen gegenüber nicht mit dem erforderlichen, gutgemeinten Nachdruck fördern könnten. Mehr Kopfschmerzen machen mir Ihre Kollegen, die eine ewige Besorgnis, eine etwas sentimental wirkende Wachsamkeit oder gar eine Art gesellschaftlicher Rücksicht gepachtet haben und bei allen verschiedenen Versuchen der Kinder, das Interesse für die Idee der Junggruppe offenkündig werden zu lassen, die in Frage kommenden Bremsen in Funktion treten lassen. Das sind zum Teil diejenigen, die „prinzipiell" dagegen sind, und zum anderen Teil die Eltern, die noch unentschieden sind, ob sie die Junggruppe für ihre Kinder sanktionieren dürfen oder nicht. Die letzteren sind die am schwersten zu belagernden Festungen. Denn: sie schlagen zwar die ersten Anstürme, und besonders wenn diese von einem akkreditierten Führer ausgehen, keineswegs erbittert ab — im Gegenteil, es kommt sogar vor, daß sie uneingeschränkt kapitulieren. Aber .