Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 3 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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DIE JUNGGRUPPE Die SAriftleltung dieser Rubrik lieg« In den Händen von Jack Raphael. Beckum I. W.. an den alle Einsendungen zu richten sind. wie wird's in zehn Jahren sein? Die Junggruppen, die das Verbandsjubiläum mit besonderer Herzlichkeit miterleben, . werden der Verband von morgen sein — und so ist es kein Wunder, daß sie heute neben ihren Glückwünschen eine Unmenge anderer Wünsche und Erwartungen haben. J. R. 1. , Raum für die Junggruppenl Was wir heute dem Verband und damit — uns selber wünschen? Es gibt nur eines: Gebt Raum! Gebt Raum uns bei Euren Veranstaltungen! Gebt Raum in Euren Heimen! Gebt Raum in Euren Herzen! Nicht große Erörterungen, wie weit Vereine die Junggruppen unterstützen sollen, werden die Gegensätze hinwegzaubern, die schon nach kurzem Bestehen der Junggruppen zwischen den „Verbandsgenerationen" vorhanden sind. — — Gebt Rauml GerdWeyl, Düsseldorf. " 2. Rezept für einen Bund. Der Jugendbund wird in zehn Jahren das sein, was Du und ich und die anderen jungen Menschen aus ihm machen werden. Ich sehe zwei Arten Menschen in unseren Reihen: den „Genialen", den, der auf Beruf und Umwelt pfeift und nur seinem Lebensziel lebt, und den „Banalen", der sich ganz in Beruf, Umwelt eingefressen hat und über seine Jugendträume lacht. Ziel ist, einen Mitteltyp zu erziehen. Es gibt zwei Mitteltypen: den Nullmenschen, der weder „reüssiert", noch innerlich glücklich ist, und den Erfolgsmenschen, der Alltag und Seele in Einklang gebracht hat. Mein Ziel ist es, im Jugendbund aus Genialen, Banalen" und Nullen Menschen zu erziehen, die inneren und äußeren Erfolg im Leben haben werden. Weiter nichts. Ich halte es auch für das Endziel des Judentums: Erfolgsmenschen zu schaffen. Zur Ausführung: Der Jugendbund umfaßt Zehn- bis Fünfundzwanzigjährige. Die Zehn- bis Achtzehnjährigen bilden die Junggruppe. Die Sechzehn- bis . Fünfundzwanzigjährigen bilden die Hauptgruppe. A. Die Junggruppe: Gründung im Anschluß an einen Kaffeeklatsch am Sonntagnachmittag, Schaffung einer Wander¬ und Sportgruppe, und ein heller, kräftiger Junge von sechzehn bis achtzehn Jahren wird zum Führer gewählt. Erster Monat:. Fahrtenzettel. Heimabende dienen der Vorbereitung eines Elternabends. — Zweiter Monat: Elternabend mit musikalischer Einleitung, einem Hanswurststück, einer lauten, mitreißenden Rede und dem Schluß-Sprechchor. Heimabende werden getrennt. Zehn- bis Zwölfjährige Wölflinge, Dreizehn- bis Fünfzehnjährige Wölfe, Sechzehn- bis Achtzehnjährige Junger Kreis. — Folgende Monate: Verteilung von Pöstchen, Wölflinge strenge Pfadfinderei, Wölfe viel Jüdisches, Junger Kreis viel Menschheitliches. Dieser Kreis gleichzeitig in der Hauptgruppe! Ein Spielkreis für Sechs- bis Zehnjährige wird gegründet. Normung der Heimabende auf acht Leute. — Folgende Jahre: Freitagabende, jeden Sonntag Fahrt, jede Ferien große Fahrt, Eltern- und Freundeskreis, ■ Pfadfinderprüfungen, gemeinsame Tracht, Sportgruppen, Behandlung von Berufs-, Geschlechts-, politischen, religiösen Fragen, Betätigung in der Gemeinde und in der Wohlfahrtspflege, Uebergang in die Hauptgruppe. B. Die Hauptgruppe: Gründung durch einen Aufruf. Gründungsabend: Launige Begrüßungsrede, Tanz, kurze heitere und ernste Darbietungen. Die ersten zwei Monate: Jeden Sonntag Wanderung, jeden Freitagabend halten, den ersten und dritten Dienstag im Monat gesellige Abende mit oder ohne Tanz, den zweiten und vierten Dienstag im Monat Referate mit Aussprachen. — Organisation: Ehrenvorsitzender, Gesamtführer, Leiter der Wanderungen, Leiter der Freitagabende, Leiter der unterhaltenden*Dienstagabende, Leiter der Ausspracheabende, Kasse, Außendienst. — Folgende Monate: Fangt niveaulos an. Schafft einen Stamm von zehn bis zwanzig Durchschnittsmenschen. Macht Betrieb. Versucht nach den Briefen dies Verbandes Eure Ausspracheabende sachte zu gestalten. Versucht, Euch langsam mit Niveau einzuschleichen. Niveau ist ein Gift, das nur in kleinen Dosen gegeben werden darf. — Schmeißt alle eitlen Gecken über 25 Jahren hinaus. Bescheidene Leute, die ein warmes Herz für die Jugend haben, sind immer willkommen, auch über 25 Jahre! —. Das zweite Jahr: Ich' rege an, daß der Verband für die Vereine alljährlich Weihnachten einen Führerlehrgang veranstaltet, in dessen Mittelpunkt die Ausgestaltung der Freitagabende, der Wanderungen, der geselligen und ernsten Heimabende steht. Allerdings müßten die Verbandsführer lernen, sich auf Kleinigkeiten einzustellen. — Im zweiten Jahre werden die ersten Arbeitsgemeinschaften eingerichtet. Man wähle: Stenographie, Englisch, Hebräisch, Schach, Sprechchor, Theatergruppe, Sport, Gymnastik, Lebenserneuerung, Bibel, Sozialismus, Talmud, moderne Dichter, Wirtschaftslehre, Rußland, Kegelklub. Es wird systematisch ein Gebiet ein Vierteljahr lang behandelt. Die Mitglieder verpflichten sich, beim Verfassen des Ortes in die anderen Verbandsvereine einzutreten. — Treffahrten. — Haben so die ersten beiden Jahre eine Gemeinschaft geschaffen, die durch ihre Unbefangenheit in sich und im einzelnen schon himmelhoch über der gewöhnlichen Gesellschaft steht, so müssen die beiden nächsten Jahre das schaffen, was ich für das dritte Jahr „Bereitung" und für das vierte Jahr „Auslese" nennen möchte. Vielleicht kannst Du Dir unter „Training der Nächstenliebe", „Aufbauendes Verzichten", „Dynamik zu Gott" und „Entscheidung" etwas denken. Ich werde einmal in anderem Zusammenhang darüber schreiben, urti so mehr, als mir der Anfang und da wieder die Einzelheit am wichtigsten ist, und unsere meisten Vereine noch nicht einmal am Anfang sind! Han>M a y. Die „Kluftist Dein - Festtagsgewandl t Nachstehend sei das Ergebnis einerEundfrage zum Thema „Kluft in der Jung g*l p p e" gebracht. Und als Einleitung veröffentlicAlti wir eine nachdenkliche Stelle aus der im VerBan'dsverlag für Deutsche Jugendherbergen erschiBenen Schrift „Der Wanderführer", mit gütigS Erlaubnis des genannten Verlags. ■ Das liebste Kleid. Ti Schon der Name „Kluft" erweckt im Zünftigen Äen Wonneschauer. Und wenn er im Kleiderspind erst das Gew»pd seiner Fahrten erblickt, dann hält er leise Zwiesprache %it ihm. Es erzählt ihm von seligen StunnSejMim grünen Walde, auf stiller Heide, am weiten Meere, von lieber Gesellschaft und einsamer Fahrt, von Sommerluft und winterweißer Einsamkeit. Es ist ihm das liebste Kleid, denn in ihm ist er befreit vom Alltag, mit ihm hat er Freuden genossen, die frei waren von bitterem Nachgeschmack. — Oder möchtest Du etwa zu denen gehören, die in Gottes freier Natur wie die Gecken umherlaufen und sich zu einer Wanderfahrt wie zu einem Fastnachtstreiben entstellen? Aber verfall auch nicht in das 7