Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 2 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/6492456-6352309-6352548--0764-4928926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Palästina von Gerhard Holdhelm*) Die Gegenwart Palästinas ist gerade jetzt maßgebend für wichtigste Entscheidungen des Weltjudentums. Pro oder contra, das ist heute d i e politische Frage, vor die das Judentum gestellt ist. Die meisten Zeitgenossen fällen nun ihre Entscheidung nicht auf Grund abstrakter Theorien, sondern sie wollen Realitäten sehen. Wie sind in Palästina die wirtschaftlichen Möglichkeiten? Entspricht die Lösung der sozialen Frage in Palästina ihrem Ideal? Man will sich informieren. Nicht jeder hat Zeit, Muße oder Verständnis für dickbändi'je Sammlungen von Gutachten, für in Zeitschriften verstreute Originalberichte oder für scheinbar trockene Statistiken im ..Erez Israel Merkbuch". Man will kurze Zusammenfassungen haben. . I Die Zeit der wirtschaftlichen Krise in Erez Israel hat zur Folge gehabt, daß böswillige Kritiker das ' uidische Aufbauwerk in Erez Israel herabsetzten. Und die Zionisten (die allein das moralische Recht zur Kritik hatten) sprachen so viel über die Krise, setzten die Ursachen der Krise so ausführlich in aller Oeffentlichkeit auseinander, vergaßen darüber all das, was trotz Krise Positives in den landwirtschaftlichen Kolonien geschaffen wurde, daß Außenstehende den Eindruck bekamen, das Aufbauwerk stände vor der Liquidation. Heute vermögen wir die Lage in Palästina wieder ruhig*r zu betrachten und wir können Idee, Probleme, Tatsachen wieder ohne Aufregung abwägen. Gerhard Holdheim, der durch seine zusammenfassenden zionistischen Werke schon der nichtzionistischen Oeffentlichkeit bekannt ist. hat vor wenigen Wochen ein Buch herausgebracht, das alle wichtigen Tatsachen bis zum SpätherSst 1928 zusammenfaßt.*) In flüssiger, spannender Sprache führt uns Holdheim die Probleme und Tatsachen Palästinas vor Aujen. Das Lesen des Buches wird nicht durch unnützen Zahlenballast erschwert. Die wichtigsten Tatsachen sind leicht erkennbar und nicht in einem Wust von Material erstickt. Wer mehr will als Holdheim bringt, der wird durch •^liindliche Literaturnachweise auf das Wesentliche hingelenkt. Die besondere Bedeutung des Buches liegt m. E. in der klaren Besprechung der jüngsten Ereignisse. Alles, was vorher war, kann man zur Not auch etwa im Handbuch von Davis Trietsch lesen. Noch nie sind aber die heute aktuellen Fragen so schön klar, und doch so knapp und übersichtlich zusammengefaßt worden: Der Streit um Siedlungsformen. Probleme der städtischen Kolonisation, Mittelstandscinwandcrurvg. Verhältnis zu den Arabern usw. Besondere Beachtung verdient die Einleitung: „Die Zionistische Idee". Früher hat man in dicken Büchern gestritten, ob es ein jüdisches Volk, eine jüdische Rasse, eine jüdische Nation oder nur eine jüdische Religion gibt. „Heute besteht überhaupt kein Anlaß mehr, sich mit derartigen theoretischen Spielereien aufzuhalten." Geistreiche Ideologien dieser Art rühren unsere Generation nicht mehr. Wir haben es heute einfacher. Holdheim zeigt im ersten Teil seines Buches einen — wenn auch nicht mathematisch beweisbaren, so doch plausibeln und ohne Einführung uns fremder Begriffe arbeitenden — elementaren Weg zum Zionismus: Erkennen wir an. daß es eine jüdische Gemeinschaft gibt, bejahen wir die Zukunft dieser Gemeinschaft, so müssen wir, da das Judentum im Galuth keine Zukunft hat Ruppin u. a.) logisch zur Idee der nationalen Renaissance in Palästina kommen. Und dafaus ergibt sich der zweite Teil des Buches: Taten. Paul Dreyfus, Bonn. *) Gerhard Holdheim: ..Palästina. Idee, Probleme. Tatsachen". (C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin 1929, brosch. 3,50 Mark. Ganzleinen 4.80 Mark.) Aus dem Leben des Verbandes In der Mappe der Schriftleitung schwillt die Flut der Berichte aus den Vereinen immer mehr an. Das ist ein erfreuliches Zeichen dafür, daß einerseits allenthalben Arbeit geleistet wird, über die man Kunde geben möchte, und daß anderseits die Verbundenheit mit dem Verbandsorgan immer stärker wird. Die Verbandsleitung begrüßt diese Berichte sehr, weil sie dadurch ein immer klareres Bild darüber gewinnt, in welcher Weise sich ihre Bemühungen um Intensivierung der Arbeil durch Rundbriefe. mündliche und schriftliche Anregung auswirken, und weil sie dadurch selbst neue Anregungen erhält, die sie für die Gesamtheit fruchtbar machen kann. Aber nun die-Kehrseite der Medaille: Aus den letzten Nummern unserer Zeitschrift ist jedem Einsichtigen klar geworden, daß es mit der Art der Veröffentlichung, wie sie bisher gehandhabt worden ist, nicht mehr weiter geht. Jeder Verein verlangt „ungekürzte Wiedergabe des Berichts". Wißt ihr, liebe Freunde, wohin die Erfüllung dieser Wünsche führt? In der Januar-Ausgabe haben die Vereinsberichte den vierten Teil des gesamten Raumes eingenommen, trotz reichlichen Gebrauchs unseres großen Redaktionsrotstiftes. Wenn wir die heute vorliegenden Zuschriften ungekürzt bringen würden, so würde bestimmt für das übrige, reichlich vorliegende wichtige Material kein Platz mehr übrig bleiben. Wir haben uns deshalb entschlossen, für die Berichte eine andere Form zu wählen und von bestimmten Gesichtspunkten aus, für die das Verbandsinteresse maßgebend ist, in zusammenhängender Form die Einsendungen zu bearbeiten. Die Vereine werden dafür Verständnis zeigen und können versichert sein, daß wir uns immer freuen, von ihrer Arbeit zu hören. Wir werden bemüht sein, alles, was allgemein interessiert und uns vorwärts bringt, der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Verbandsleitung hatte am 13. d. Mts. eine Sitzung in Essen, die sich hauptsächlich mit der Verlegung der Kassenverwaltung von Chemnitz nach Essen, dem Finanzexpose des Geschäftsführers, der Einrichtung von Führarkursen, der Verteilung der Dezernate im Vorstand und dem 2Jjährigen Jubiläum des Verbandes befaßte. Der Hessische Landesverband hielt am 14. Oktober v. J. eine geschlossene Delegiertentagung in Wiesbaden ab, die am 9. September durch eine Vorstandssitzung in Frankfurt vorbereitet wurde. " Der Verband war durch Fritz Schwarzschild vertreten. Die Berichte der Delegierten ergaben allenthalben eine Intensivierung der Arbeit. Nur über Limburg wurde Klage geführt, die sich insbesondere gegen den Vorsitzenden richtete. Die Landesverbandsleitung unter Dr. Spier, Höchst, leistet vorbildliche Arbeit. Es war selbstverständlich, daß der Gesamtvorstand einstimmig unter Betonung herzlichsten Dankes wiedergewählt wurde. Auf Vorschlag des JJV. Mainz wurden für die Arbeit des Landesverbandes im kommenden Jahre folgende Leitsätze angenommen: „1. Der Landesverband konzentriert seine Arbeit auf die Vereine in den Städten, und zwar auf die Stärkung der vorhandenen Positionen. Neugründungen sind nur dort vorzunehmen, wo sich eine Gewähr für die Dauer und den Wert der zu leistenden Arbeit bietet. 2. Der Landesverband versucht mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, aus jungen Menschen, die in dem Verein die Arbeit tragen, einen einheitlichen Führerkreis zu schaffen. Dieser sich bildende Führerkreis wird später aus der Gemeinsamkeit menschlicher Beziehungen und des Wollens heraus die eigentliche Landesverbandsarbeit leisten. Aus diesem Grunde veranstaltet der Landesverband in regelmäßigen zweimonatlichen Abständen an einzelnen Orten des Verbandes Führertreffen und sucht auch durch die Herausgabe geeigneter Rundschreiben die Arbeit im Landesverband anzuregen und zu vertiefen." Ferner wurde eine Kommission zur Prüfung der Gemeindeverhältnisse zwecks Wahl der Jugend in die Gemeindevertretungen gebildet. Der BezirkWestwestfalen des Nordwestdeutschen Bezirksverbandes vereinigte am 6. Januar die Vereine Ahlen, Beckum, Bielefeld, Lippstadt, Münster und Paderborn in Beckum zu einer Arbeitsgemeinschaft. Fritz Schwarzschild sprach einleitend zu dem Thema: „Die jüdische Jugend zu den Problemen der Zeit". Die neue Form einer Tagung als Arbeitsgemeinschaft brachte ein äußerst reges und interessantes Bild und soll am 3. März in Ahlen unter dem Motto: „Die Not der jüdischen Jugend", wiederholt werden. Die ordentliche Delegiertentagung des Mitteldeutschen Bezirksverbandes wird am 2. und 3. März in Halle stattfinden. Sie soll durch einen großen Festabend des JJV. Halle eingeleitet werden. Am 3. März ist vormittags eine akademische Feier und nachmittags die Organisationstagung vorgesehen. Aus den Berichten der Vereine geht deutlich ein ständiges Vorwärtsschreiten in der Richtung der von der Verbandsleitung geforderten Intensivierung der Arbeit hervor. Immer 14