Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 2 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Sollen die Jungen Menschen in die Gesellschaft gehen oder Out-Sider werden? — Die neue Gesellschaft muß den Stempel der Reformen tragen, darum hinein in die Gesellschaft und hessern, wo wir bessern und ändern können. Ueber dnsselbo Thema fand eine Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Hans May und eine dritte unter Martin Seligmann, Chemnitz, statt. Aus der Arbeitsgemeinschaft von Hans May: "Einleitung: Warum opfere ich als Führer meine Zeit in <\evfJunggruppe? Antworten: Weil ich keine Freunde habe (Ausspracheniöglichkeit), weil ich jüdisch erneuern möchte, weil ich Spaß an der Arbeit habe, woil ich die heutige Gesellschaft umändern möchte. Ausführung: Die heutige Gesellschaft ist schlecht. In der Gruppe haben wir vier Möglichkeiten der Besserung: 1. Unsre Menschen werden natürlich, 2. Unsre Menschen bekommen soziales Mitgefühl. Wir müssen Bie an alle Not heranführen, bis sie selbst empört sind und bessern wollen. Kleinere und größere Hilfen, revolutionärer Sinn, 3. Unsre Junggruppe als Probegemeinschaft für eine spätere Gesellschaft, 4. Persönliche Gestaltung. Eintritt ins Berufsleben, den Grundsätzen der Gruppe treu bleiben, neue Menschen um sieh sammeln. Schluß: Kein Mensch ist so schwach, um nicht wenigstens einen kleinen Teil von dem durchzuführen, was ihm vorschwebt! — Martin Se,ligmann führte aus: Unter Gesellschaft verstehen wir die Menschen und ihre Beziehungen zueinander. Unsre heutige Gesellschaft ist die bürgerliche, d. h. das Bürgertum beherrscht alle Schichten geistig, ideell, materiell und drückt allem Sein den eignen Stempel auf. Die bürgerliche Ideologie ist der Ausfluß des krassen Individualismus. Freies Sp-el der Kräfte. Ausbeutung des Proletariats. Immer weiter greifende Verelendung. Es ist unsre Aufgabe, die Zusammenhänge der Verhältnisse zu erkennen, uns geistig umzustellen und zu ändern. Innerhalb der Aussprache wurden die in Frage kommenden Schriften erwähnt und im Anschluß daran auch das Problem des Pazifismus gestreift, das ein Teilgebiet von der Wissenschaft Uber die Gesellschaftsentwicklung danstellt, und dessen Behandlung den Junggruppen zu empfehlen ist. * „Wandern und Sport" (Leitung: Hans May, Frankfurt a. IL). Um eine starke Gruppe zu haben, muß man versuchen, mit den Eltern in Verbindung zu kommen. Man muß den Eltern die Gruppe als Erziehungsfaktor darstellen. Man sagt dann: Der Führer ist das Werkzeug der Eltern! — Auf die Großsladtgefahren, auf Tuberkulose, egoistische Erziehung einziger Kinder muß hingewiesen werden. Auf Fahrt nimmt man mit: Brotbeutel, Rucksack ist für einen Tag zu groß! Tn das Fahrtenbuch schreibt man Lieder hinein, aber auch folgende 10 Dinge, die jeder mitführen muß: Geld, Sicherheitsnadeln, Taschenmesser, mehrere Taschentücher, Fahrtenbuch, Bleistift, Bindfaden, Verbandzeug, Streichholz, Becher und Badehose. Der Führer ferner: Führerausweis, Lupe, Signalpfeife, Fahrplan, Uhr, Kompaß, Karte, DJH-Ausweis (Deutsohe Jugend-Herbergen!) und irgend eine Medizin — für ängstliche Gemüter. Spiele auf Fahrt: In erster Linie solche, bei denen einzelne Sinne besonders ausgebildet werden! Schleichodor Hörspiele. Die Phantasie des Führers muß alle Spiele verschieden ausgestalten. Räuber und Gendarm, Schnitzeljagd (Aufpassen, daß die Gruppe sich wieder zusammenfindet!), auch BrUckenbauen über kleine Bäche, Errichtung von Hütten usw. Das Abkochen nützt sehr dem Gemeinschaftsgeist und erzieht zur Einfachheit. Gerichte dabei: Nudeln, Reisbrei, Obst, Pudding und dergl. Der Führer muß sich für die Fahrt vorbereiten, indem er sich über die Geologie, den Dialekt, die Kunstschätze, Sehenswürdigkeiten informiert. Sport auf Fahrt: Kugelstoßen mit runden Steinen, Sperwerfen, Hindernisläufen. Morgengymnastik, Waldlauf und Schwimmen. An der fesselnden Ansprache von vielen Stunden beteiligten sich alle Anwesenden ausgiebig. Das Ergebnis wurde in folgenden Leitsätzen zusammengefaßt. 1. Der Führer trägt die Verantwortung dafür, daß die Geführten an alle Erscheinungen anschaulich und unvoreingenommen herangeführt werden. 2. Die Autorität des Führers-iarf nicht verspürbar sein. 3. Der Fühier muß sich mit arideren Führern messen. 4. Der Führer muß der Gruppe gewissenhaft vor Augen fuhren, daß jede Anschauung sich ändern kann. 5. Der Führer ist verpflichtet, die Gruppe darauf hinzuweisen, daß jeder seine Anschauting und sein Leben in Einklang zu bringen hat. 6. Damit die menschlichen und jüdischen Anschauungen und Erfahrungen, die in den Junggruppon gewonnen worden sind, nicht verloren gehen, lind damit die Arbeit an der neuen jüdischen Gesellschaft gesichert werden kann, muß der Jugendbund eine Sammelstätte der den Junggruppen Entwachsenen und der nicht durch die Junggruppen Erfaßten sein. I IV. _ Organisatorische Fragen Die neue Gaueir. teilung der Junggruppen: 1. Gau: Aachen, Dusseldorf, Düren, Eschweiler, Euskirchen, Koblenz. (Gauleitung: Elsbeth Capell, Düren.) 2. Gau: Oberhausen, Hamborn, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Duisburg. (Gauleitung: Louis Isacsohn, Gelsenkirchen.) 3. Gau: Ahlen, Bielefeld, Bremen, Herford, Osnabrück, Wrsermünde. (Gauleitung: Siegfried Katzmann, Osnabrück.) 4. Gau: Bamberg, Chemnitz, Forst, Görlitz. (Gaulcitung: Jenny Brod, Chemnitz.)' - 5. Gau: Bernburg, Erfurt, Göttingen, Halle, Magdeburg. (Gauleitung: Hedwig Kohn, Halle a. S.) 6. Gau: Heilbronn, Haigerloch, Ulm. (Gauleitung: Herrn. Straßburger, Ulm.) 7. Gau:, Frankfurt, Neustadt a. d. Haardt, Offenbach, Worms. (Gauleitung: Herrn. Kiesel, Offenbach.) 8. Gau: Homburg (Saar), Kaiserslautern, Pirmasens, Saarbrücken, Trier. (Gauleitung: L<">nh. Felsenthal, Kaiserslautern.) » Gau 1 bis 3 bilden den 1. Kreis, Gau 4 und 5 den 2. Kreis, Gau 6 bis 8 den 3. K r e i 8. Die Kreisleiter sind: 1. Kreis: Leo Esehelboeher, Düsseldorf (Vertretung: Edith Goldonbcrg). 2. Kreis: Martin Seligm.inn, Chemnitz (Vertretung: Hans Reichmann). 3. Kreis: Hans May, Frankfurt a. M. (Vertretung: Walter Loeb, Saarbrücken). Die drei Kreisleiter bilden die .Junggruppenleitung, die technische Funktionen zu erledigen hat. Die Junggruppenlcitung, sowie die Gauleiter und die Stellvertreter (insgesamt 14 Leute) stellen die eigentliche Bundesleitung dar. Herbert Fcls?nthal hat als Mitglied der Verbandsleitung Sitz und Stimme innerhalb der Bundesleitung. Diese Regelung ist ein Provisorium. Wahlbefugnisse hat der Bundestag der Junggruppen, der erstmalig zu Pfingsten 1929 zusammentreten soll. Die Kordel ist anläßlich der Gelsenkirchener Tagung verliehen worden an:. Martin Seligmann, Leo Eschelbacher, Hans May, Gerd Weyl, Edith Goldenberg, Elsbeth Capell, Hedwig Kohn, Poldi Steinitz, Hans Reichmann, Hans Wendel, Carola Reis und Herbert Felsenthal. ■ :' '•'/••] v. Zwischen den Arbeiten. Liest man jetzt so einen Tagungsbericht, dann ist man erstens mal erstaunt darüber, daß man ein derartiges Uehermaß von Arbeit ertragen, und zweitens, daß man — trotzdem — noch Zeit für sehr fein ausgefüllte Atempausen finden konnte. 5