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Der Jugendbund · 1929-02-01 · 2 (1.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
2 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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„Krziohungsfrsgen" (Leitung: Leo Eschelbacher, Düsseldorf). Leo Eschclbacher ging vom Führer aus. Die Gleichartigkeit des .Führers mit den Geführten bildet einen Hauptfaktor für den Konnex des Führers zur Gruppe, denn dadurch ist dem Führer das Hineindenken in die Psyche der Geführten erleichtert und t>ei den Geführten tritt keine Befangenheit Gegenüber dem Führer auf. Natürlich muß der Führer sich durch geistige L'eberlegeiiheit von der Gruppe unterscheiden, ton 'der er meistens sehr wenig Unterstützung hat. Er darf vki seiner Gruppe nichts erwarten, jedoch alles verlangen. Aus diesem Grunde muß er für jeden Heimabend präpariert aeiti. Die Gruppe soll nicht zu groß sein. Die Mitglieder sind 4urch Innelialtung kleiner Aemtcr an die Gruppe zu fesseln. Die gleiche Kleidung soll das Sinnbild der gemeinsamen Idee und des gemeinsamen Zieles darstellen. An einem Probcheimabend machten wir innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Studien zur Technik der Heimabende, (iber deren Einzelheiten bei jedem Führer eine andere Ansicht besteht Jedenfalls darf der Führer das Ziel des Heimabends keinen Moment aus den Augen lassen. Etwaige Definitiopen müssen unbedingt klar gegeben werden. » ' „Sexuelle Fragen" (Leitung: Hans May, Frankfurt a. M.) Um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, seien gleich ■eingangs hier die von Hans May gegebenen knappen Richtlinien veröffentlicht: I." Moral. 1. Für einen normalen Menschen ist „gut" das, was der Allgemeinheit dient und ihrem Uebereinkommen entspricht. W i r wollen versuchen, das zu tun, was wir vor unserem Leben verantworten können.. 3. Das Erlöschen aller Moral ist mit dem Tod verknüpft; das Erlöschen des geistigen Anteils mit der Lüge, das des körperlichen mit der Lüge. L Ks gibt drei Arten von Unsterblichkeit: a) Weiterleben im Himmel und Hölle, b) eine Kette von geistigen Sterblichkeiten, c) eine Kette von körperlichen Sterblichkeiten. IL Der Führer. 1. Der Führer muß über den menschlichen Körper Bescheid wissen. ■1. I 'er Fuhrer soll seine Leute beobachten. Er soll sich öfters unter vier Augen beichten lassen. Er soll verschwiegen sein. 3. Der Führer muß seine Anschauungen über Fortpflanzung im Tier- und Pflanzenreich gewinnen. 1 I'er Führer soll über sexuelle Dinge selbst Bescheid wissen. III. Füh rer und Gruppe. 1. Soll der Führer mit dam einzelnen sprechen, auch wenn er nicht gefragt wird? 2. Soll der Führer in der Gruppe sprechen? 3; Koedukation o-der nicht? 4. Kann ein Junge eine Miidchengruppe führen, bzw. umgekehrt? 5. Wie soll der Führer im Punkt der Aufklärung Verbindung mit den Eltern finden? Leber den dritten Hauptpunkt der Gliederung, „Führer und Gruppe", erfolgte dann eine Aussprache, in der die erste Frage von einigen bejaht wurde, da sie mit einer Befangenheit der Geführten rechnen, während andere die Frage ablehnten, um die Geführten nicht bevor sie selbst dazu Ver- -ang*hätten und gaben, in diese Dinge einzuführen. Die zweite Frage wurde im großen ganzen auch aus Furcht vor zu früher Aufklärung verneint. Die Frage der Koedukation wurde bejaht, mit der Einschränkung, daß von Zeit zu Zeit getrennte Heimabende stattfinden. — Der darauffolgende Punkt wurde in seiner oben aufgeführten Formulierung verneint, doch in der Umkehrung bejaht.. Bei der fünften und letzten Frage kamen wir zu verschiedenen Schlüssen, und zwar zu dem der Einzelunterredung des Fuhrers mit den Eltern, weiter zu dem der Elternabende, 4 d. h. Unterredung des Führers mit allen Eltern zusammen, unter Ausschluß der Gruppe, und zuletzt zu dem, den Eltern durch irgendwelche Mittel Lektüre zu geben, die sie von der Notwendigkeit rechtzeitiger Aufklärung ihrer Kinder überzeugt. * Zwei nicht im Programm vorgesehene, doch interessante Arbeitsgemeinschaften waren die über Jüngeren- und Mittleren-Arbeit. Die erste wurde von E 1 s b e t h Capell, Düren, geleitet. Die Beschäftigung der 10- bis 13jährigen muß sehr vielseitig sein. Man kann mit ihnen Tagesfragen besprechen und daraus auf' jüdische Dinge hinweisen. Man kann aber auch unmittelbar, natürlich dem Alter angemessen, jüdische Geschichte treiben. Das Lesen jüdischer Märchen und Geschichten ist zu empfehlen. Es ist aber durchaus auch nötig, manchmal nichtjüdische Lektüre der Gruppe vorzusetzen. Sportliche Betätigung in Form von Spielen im Freien und Wanderungen sind erforderlich. Bei ungünstiger Witterung müssen an deren Stelle passende Zimmcrspiele treten. Neben den angeführten Betätigungen steht das Basteln der Jungens und das Handarbeiten der Mädels. Das Hauptziel: Erziehung zum jüdischen Menschen darf bei all dem nie aus dem Auge gelassen werden. Außerdem wurde in der Arbeitsgemeinschaft geeignete Lektüre für die Jugendlichen und ihre Führer angegeben. In der zweiten Arbeitsgemeinschaft, von Hans May geleitet, über Mittlercnarbeit, wurde als Beschäftigung für die 13- bis 15jährigen dasselbe gefordert. Selbstverständlich muß Lektüre usw. dem Alter angepaßt sein, auch Diskussionen müssen stattfinden. Sport und Basteiarbeiten müssen auf höherer Stufe stehen als bei den Jüngeren. „Die Gestaltung von Festen innerhalb der Gruppe" (Leitung: Herbert Felsenthal). Als Wesentlichstes wurde erwähnt und nachdrücklichst festgestellt, daß zu den Festen innerhalb der Junggruppe Dinge gebracht werden, die unmittelbar aus der Gemeinschaft hervorgehen. Daher: nur nichts Gekünsteltes und Künstliches irgendwie aus abseits stehender Außenwelt heranzerren! Felsenthal führt praktisch die Einstudierung de» Schlußchors aus dem „Jeremias" vor. Man war mit Interesse bei der Sache. Und noch mehr Freude erzielte das sich daran anschließende Dramatisieren der Purimgoschichte in der Art eines Stegreifspiels. Neben unvermeidlich bizarren Szenen kamen recht viele köstliche Einfälle zum Vorschein und man schüttelte den Kopf über den Ideenreichtum der jugendlichen Dichter-Schauspieler. * „Stellung der Jugend zur Gesellschaft" (Leitung: II. Felsenthal). Was ist Gesellschaft? Ist es eine in Kasten getrennte Masse, oder ist es die ganze menschliche Gesellschaft? Gesellschaft nennen w i r die bürgerliche Masse, die die — geschriebenen — und ungeschriebenen Gesetze (Moral usw.) erläßt. Das Material der jüdischen Verbände kommt fast ausschließlich aus dem Bürgertum. — Worin besteht der Gegensatz zwischen jungen Menschen und der vergangenen Generation? Die Jugend nimmt Stellung zu den Ausdrucksformen der bürgerlichen Gesellschaft. Wir übernehmen nur die Formen, die uns gemäß -sind Was ist Form? Es ist der Ausdruck der Masse, aber auch ein Kompromiß gegen die Massel -Gehen Neuerungen von Einzelpersönlichkeiten aus, oder haben sie Beziehungen zur Zeit? Die Reife einer Zeit ist entscheidend für alle Reformen. Die Masse muß vorher bearbeitet, muß zur Resonanz vorbereitet werden. Die Masse muß empfänglich sein für Reformen. Die Jugend lehnt die gesellschaftliche Lüge ab, die sich unter der Form verbirgt. Darum Bundesarbeit, Erziehung aller jungen Menschen zur Einsicht, — sie ist das große Mittel, die Chance der Jugendlichen. Eine kontinuierliche Linie: Junggruppe, Jugendvereia, Leben, ermöglicht diese Reformen der Gesellschaft.

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