Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 2 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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m.it 4) i D ander werden. Der Gedanke des einen Judentums darf nicht vergessen werden! Es gibt nur ein Verbrechen gegen da« Judentum: Trennung Nicht der Austritt nach rechts oder nach links, sondern Einigung und Kinheit führt zum Ziel: Klall Jisracl! Fritz Srhwarzschild: „Die Jugend in der Gegenwart." Veranlaßt durch die, Folgen des Krieges und der Kevolution erkennt die heutige Gesellschaft die Jugend als bedeutende:, Faktor innerhalb ihrer Grenzen an. Die ältere Generation ist bestrebt, die Jugend zur Einordnung in ihre gesellschaftlichen Formen zu erziehen. Da aber Erziehung Schaffung eines Weltbildes bedeutet, und dieses bei jeder Generation auf anderer Basis stehen muß, setzt sieh die Jugend der Erziehung durch die altere Generation entgegen und nimmt einen Teil ihrer Erziehung in die eigene Hand. Selbstverständlich sind Familie und Schule immer noch entscheidende Faktoren. Doch dürfen besonders die Lohrer t . nicht diktatorische Erziehungsmaßnahmen, ergreifen, sondern ' ■ müssen sich darüber klar sein, daß ihre Methode von dem ' Willen der zu Erziehenden alihüngig ist. Den Lehrern und der Familie ist es, bedingt durch den Altersunterschied, nicht möglich, der Jugend im Punkte der Erziehung alles Erforderliche zu geben. Die Jugend fühlt die Unsicherheit der Erziehungskraft dieser Faktoren selbstverständlich und versucht, sich durch Selbsterziehung das Fehlende zu verschaffen. Aus diesem Gefühl der Jugendlieben heraus entstand'die Jugendbewegung, die in ihrer ersten Form anstrebte, ihre Anhänger aus dem Alltäglichen herauszuziehen. . Die Folge war, daß die Jugend, wenn materiell« Verhältnisse sie zwangen, Berufe zu ergreifen und damit in die Gesellschaft der Erwachsenen einzutreten, sich nicht in, das Leben hineinfinden konnte. Heute dagegen ist es das Bestreben der Jugendbewegung, ihre Mitglieder gerade für das Leben in der Gesellschaft vorzubreiten. Zu einer derartigen hündischen Erziehung genügt eine Zusammenfassung gleichgearteter ■Tugendlicher, bei denen aber, bevor die eigentliche Erziehung beginnt, ein Gemeinschaftsgefühl geweckt werden muß. Der Führer muß wissen, daß Bundesarbeit nicht Selbstzweck ist, sondern Dienst am jungen Menschen. Diesem Dienst muß er seine ganze Persönlichkeit zur Verfügung stellen, und zwar in der Art. daß er den Geführten das Leben, zu dem er sie erziehen will, vorlebt. Mit Theorien ist nichts anzufangen. Die zu Erziehenden verlangen Vorbilder. Durch rich'ige Erziehung wird dem Jugendlichen die- Berufswahl erleichtert. Der Beruf braucht, da er heute jn in den wenigsten Fällen auf einer Berufung basiert, durchaus nicht zu einem Bruch mil den eigenen Ueberzougungon zu führen, sondern kann eben nur materielles Mittel zur Gestalmng des Lebens sein. Da sich der Jugendliche die Formen der Gesellschaft, di < aus ganz anderen Verhältnissen erwachsen sind, nicht zu eigen machen kann, muß er sich neue erkämpfen. Das Schwanken der heutigen Gesellschaftsformen gibt die Hoffnung auf eine Besserung menschlicher Beziehungen. Der junge Mensch muß Kämpfer sein für eine Gesellschaftsordnung, die friedlich und gerecht ist. und die einen Sinn hat für den Aufstieg der Menschheit. III. Die Arbeitsgemeinschaften. .Jüdische Formung" (Leitung: Herbert Felsenthal). Im Anschluß an da« Referat von Rabbiner Dr. Philipp findet diese Arbeitsgemeinschaft ■ stnti. die sogleich hauptsächlich um die Frage kreist: „Wie kann Interesse) an jüdischen Dingen erweckt werden?" Im großen und ganzen bleibt diese Frage unbeantwortet. Hervorzuheben ist, was Dr. Philipp in Ergänzung zu seinem Referat erwähnt: In der Nachkriegszeit finden wir wieder ein starkes Sich-Hinwenden zum Gefühlsmäßigen in der Religion. Daher ein Hervortreten des Mystischen. — Wiederbelebung des Chassidismus beispielsweise. I'nd damit trifft man auf den Namen: Martin U u b e r. L eber ihn führt ein Weg zum Jüdischen. (Legenden den Baasth' in. ,— Drei Reden, — Der heilige Weg.) Die Gruppe sucht die Form, nber sie kann auch mn religiöse Form pflegen, wenn der Führer religiös ist. Man feiert Feste. Aber wie soll man sie feiern? Es ist gleichgültig, was man dabei tut, wenn man nur irgendwie etwas Jüdisches tut. -So kommt es allmählich allein zur Ausgestaltung' der Feste. Die praktische Fortsetzung findet diese Arheiisgenveinsrhafl in derjenigen über Feste und Feiern. * ' •[ „Jüdische Wohlfahrtspflege" (Leitung: Mine Meyer, Düsseldorf). Dieeo ganze, sehr straff durehgeführie Arbeitsgemeinschaft dreht sich um drei scharf herausgehobene Punkte: 1. Wie stelle ich mir Wohlfahrtspflege vor?" 2. Kann ein Mitglied der Junggruppe Wohlfahrtspflege treiben? 3. Was kann ein Mitglied der Junggruppe'tun? Zur ersten Frage Wurde fest gestellt: die Wohlfahrtspflege in organisierter und unorganisierter Form besteht hauptsächlich in persönlicher und in allgemeiner Hilfe, wie z. B. <icldbeschaffung, Kinderheime, Allershilfc usw. Sic bezweckt körperliche Ertüchtigung und Sell>stiindiginailiung der Fürsorglinge. Zu dieser Arbeit gehört persönliche Fühlung, die in der Großstadt heute kaum mehr vorbanden ist. Wni.lfabrtsübung entspringt teilweise unedlen egoistischen Motiven, teilweise einem sozialen Verantwortungsgefühl. Die zweite Frage wurde grundsätzlich bejaht, doch bemerkt, daß die Junggruppen nicht in die Methoden der „Barmherzigkeit" fallen dürfen: Zur dritten Frage: Die Junggruppen können bestehenden Organisationen helfen. Selbstverständliche Pflicht ist die Eiuzclhilfe bei alltäglichen Vorkommnissen (Hilfeleistungen auf der Straße usw.LL. Die eigne Arbeit der Gruppe nauB durch Ansihauung- Unterricht erst begründet werden. Nur dann kann die Gruppe (iemeinsames tun.' So kann sie manchem Jungen schon dadurch allein helfen, daß sie ihm in seiner Gruppe Gleichstellung verschafft. Gegenseitiges Helfen muß in allen Fällen in vornehmer Stille und tiiauffälligkeit vor sieb geben und darf nicht an die große Gloekr'gehängt werden. ..Hebräisch" (Leitung: Schüler der hobr. Spracbsebule. Lssen). Einleitend wurde darauf hingewiesen, daß das Hebräische niemals eine tote Sprache gewesen sei, wenn sie auch zeitweise durch Anpassung an die allgemeinen Landesgewohnheiten nur Gebetspraehe geblieben war. Al>cr dennoch ist die hebräische Literatur sehr umfangroirh, und man kann weder diese Literatur, noch die /.lebete restlos aufnehmen, ohne ihre Sprache zu können. Sehr schlecht steht es allerdings mit der Lernmethode. (Am besten wohl noch: Berlin.) Die Aussprache in der Arbeitsgemeinschaft bewies, daß allgemein die Notwendigkeit des Hebraischlernens anerkannt wurde. Einige hoben hervor, daß viele nur in der ..MulterspraclK" beton könnten, demgegenüber betonten andere wieder, daß das Gemeinschaftsgeist der Juden eben nur hebräisch sein Jkönne. Denn diese Sprache ist das Bindeglied der Gcsamtjudcnheit. Alle aber erkannten die Verpflichtung zum Hebräischen insofern an, als jüdische Literatur ein Teil uns res Seinsl und zu ihrem tiefsten Verständnis die heilige Sprache unerlässlich sei. Das Lernen ist vor allem auch durch den Lehrer- und Lehrbuchmaneel sehr uneinheitlich und erschwert. „Das napoleonische Svnhcdrion" t Leitung: Dr. Philipp. " Elberfeld). DioM Arbeitsgemeinschaft sollte nur als Beispiel für andere dienen. Hervorzuheben ist, daß Dr. Philipp innerhalb seiner Darlegungen nach bekannteren Dingen fragte, Paiallelen ziehen ließ und derglJ * Er gab einige Quellen an: Grnetz, Philippsohn. Elbogen. Höxter, und das neuere Gesehichtswerk von Dubnow. 3