Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 1 (1.1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Einige Tage vor Beginn der Werbewoche erschien eine 36 Seiten starke, schmuck und ansprechend ausgestattete Festschrift. Sie enthält Beiträge von Alfred Lichtenberg, dem Vorstand der Synagogengemeinde, Dr. Hahn, Essen, Dr. Schorsch, Fred Stein, Regierungsbaurat Rosenfeld, Joe Israel, Dr. Freund, Hete Jacobsen, Rudolf Herzberg, Herbert Horn, Cläre Arnstein, Siegfried Bachartich, Trudi Kamm und Herbert Müller. Für Interessenten, die sie zufällig nicht erhielten, stehen auf Verlangen noch einige Exemplare zur Verfügung. Die Morgenfeier am 9. Dezember wurde eingeleitet durch „Kol nidre" von Bruch. Cläre Arnstein hatte als Vorspruch den 125. Psalm gewählt. Fred Stein gliederte seinen Begrüßungsworten einige programmatische Gedanken an. Herr Herzberg überbrachte die Grüße der Gemeinde. Für die Zionloge und für den Zentralverein sprach Herr Moritz Salomon. — Herr Alfred Fischer, vor 20 Jahren Vorsitzender des Vereins, betonte, daß es in dieser Gemeinschaft heute wie damals keine sozialen Unterschiede gäbe. Wachsen, Blühen, Temperament, Pathos und Ehrfurcht zeichne diese Jugend aus. — Die Grüße des Reichs- und Bezirksverbandes überbrachte Joe Israel. — Jugendtührer Rabbiner Dr. Schorsch sprach über „Entwicklung der Jugend". In der Bewegung stecke — unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit — ein außerordentlicher Wahrheitskern. Sie stelle dar eine Entwicklung von der Gemeinschaft zu der in Persönlichkeiten aufgelösten Gemeinschaft. Gerade im Zeitalter der Technik sei das Streben zur Gemeinschaft besonders stark entwickelt. Jeder Mensch sei eingeordnet ins Geschäftsleben, in den Welthandel. Diese neue Strömung sei in vielem besser als der Individualismus des vorigen Jahrhunderts. Der Wert des Lebens bestände nicht in einzelnen Individuen, sondern in der Gemeinschaft. Redner behandelte dann die Wandervogelbewegung und (als Gegensatz) die Jugendpflege, um dann auf die diesbezüglichen Gegensätze im jüdischen Lager einzugehen. Mit dem Psalm 150 beendete Cläre Arnstein die eindrucksvolle Feier. Im Mittelpunkt der Werbewoche (nicht nur zeitlich) stand der Vortrag des Verbandsvorsitzenden Rabbiner Dr. Hahn, Essen, über „Die Not der jüdischen. Jugend". Ende gut, alles gut . . . Der Gesellschaftsabend, seit Monaten mit rührender Sorgfalt vorbereitet, übertrifft die kühnsten Erwartungen der Veranstalter. Etwa sechshundertfünfzig Besucher leisteten dem Rufe des Jugendvereins Folge. Der Clou des Ganzen ist die Revue „Die lebende Zeitung". Sephi Rosenbaum schreibt einen Text, der sogar seinen Inhalt hat (welche Revue kann den noch aufweisen?), verschönt von Erich Neumanns Musik. — Wir gratulieren dem Jüdischen Jugendverein und seinen vielen selbstlosen Helfern zu dem vollen Erfolg seiner Werbewoche, wir danken seinen Freunden und Gönnern, die ihn bei seinem Unternehmen durch Teilnahme und Mitwirkung vorbildlich unterstützten. S. B. Hildesheim. Am 18. November feierte unser Jugendbund sein erstes Stiftungsfest, das unter starker Beteiligung der Mitglieder und Organisaticnen glänzend verlief. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Dr. Hermann Lehmann. Bremen, über „Jugend und Staat". Die Glückwünsche des Nordwestdeutschen Bezirksverbandes überbrachte der Vorsitzende, Joe Israel. Hannover. Höchst. Die neugegründete Skigruppe unseres Vereins unternahm ihre erste Fahrt auf den großen Feldberg im Taunus. Die Verbandsleitung dankt herzlich für die von dort gesandten Grüße. Ingolstadt a. D. Am 25. November sprach vor der jüdischen Oeffentlichkeit der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern, Herr Rabbiner Dr. Rülf aus Bamberg, über „Das Element der Jugendlichkeit im Judentum". Die zahlreichen Anwesenden folgten mit großer Aufmerksamkeit den stellenweise hoch philosophischen Ausführungen des Redners. — Am 8. Dez. veranstalteten wir unsere Chanukka-Feier. Der erste Teil des Abends brachte neben dem Entzünden der Lichter eine Sprechdarbietung des neu ins Leben gerufenen Sprech- Chores des Vereins; im zweiten Teil hielt nach der Begrüßungsansprache des Vorstandes, Herr Hauptlehrer Rosen- Festrede: der dritte Teil bestand in rezitatorischen. :hen und gesanglichen Darbietungen, die allseits ung fanden. Am 26. November fand unsere Generalversammlung r Name „Jugendverein" wurde in „Jugendbund";ßer umgeändert. Wegen des dauernden Anwachsens derzahl war es notwendig, einen Beirat zu wählen. Dr. Robert Salomon als 1. Vorsitzender und Ernst Hurwitz als 2. Vorsitzender verblieben auf ihrem Posten. Als Heimabendthema haben wir „Jude und Staat" gewählt. An den beiden Chanukka-Freitagabenden veranstalteten wfr zwei interne Feiern unter Leitung von Fräulein Konrektorin Löb und unserm Freund Studienrat Levy Wolff, die über „Chanukka in der jüdischen Literatur" und „Die Bedeutung des Chanukkafestes in moderner Zeit" sprachen. Unsere öffentliche Chanukkafeier im Elisabethsaal, Klapperhof, war eine wohlgel'ingene Veranstaltung. Wir hatten die Feier zu einem Elternabend ausgestaltet. Weihnachten gehen wir zwei Tage in die~Eifel auf Fahrt. Konstanz. Am 21. November fand ein interessanter Vortrag von Bruno Danziger, Freiburg, über „Lassalle als Politiker und Mensch" statt, in welchem uns der Redner in wunderbaren Worten ein Lebensbild dieses Kämpfers entwarf. . Kusel. Der Jüdische Jugendbund veranstaltete am 8. Dezember eine Chanukkafeier mit Theateraufführung und Konzert. Die Feier war sehr gut besucht und verlief glänzend, so daß der allgemeine Wunsch geäußert wurde, an Puriiti eine gleiche Feier abzuhalten. Landstuhl (Pfalz). Unser Verein veranstaltete am 8. Dezember eine wohlgelungene Chanukkafeier. Im Mittelpunkt stand eine von einem Vereinsmitglied gehaltene Ansprache über die Bedeutung des Chanukkafestes. Die Feier war mit gesanglichen und sonstigen Darbietungen umrahmt. Magdeburg. Im Rahmen eines Werbeabends des jüdischen .lugendvereins Ludwig Philippsor. sprach am 29. November Rabbiner Dr. Prinz, Berlin, über. „Die Not der jüdischen Jugend" vor^ ungefähr 110 Personen. Mainz. In unseren Heimabenden wurden die Themen ..Kunstgeschichtliche Grundbegriffe", allgemeine und jüdische Tagesfragen, Rechtsfragen des täglichen Lebens und ..Drama. Theater und Film in Sowjetrußl.md" behandelt. Der Verein beteiligte sich an einer Treffahrt der hessischen Vereine auf den Feldberg und im September an dem großen Treffen des Hessischen Landesverbandes. Neu war für uns im Sommer die Aufnahme des Rudersportes, Neheim. Unsere Chanukkafeier fand Samstag, den &. Dezember statt. Nach dem Anzünden der Lichter wurden ernste und heitere Gedichtsvorträge zu Gehör gebracht. Einen Vortrag, zu dem wir auch die benachbarten Gemeinden eingeladen hatten, hielt Herr Lehrer Höxter. Brilon, über das Thema „Das Judentum in seiner Vergangenheit". Oberhausen (Rhld.). Am 17. Oktober fand unser Haupt- Werbearbend statt. Jakob Jacobs, Frankfurt a. M., sprach über „Die Not der jüdischen Jugend". Der Vortrag wurde umrahmt yon rezitatorischen und musikalischen Darbietungen. Noch an zwei Abenden unserer Werbewoche war Jakob Jacobs unser Gast. Er leitete eine Freitagabendfeier und' las anschließend an die religiöse Feier ein Kapitel aus Ernst Glaesers Roman „Jahrgang 1902". Auf dem folgenden Heimabend erzählte er uns von der Weltjugendtagung in Eerde. Es folgte eine rege Diskussion über die auf der Tagung behandelten Fragen „Kapitalismus", „Imperialismus", „Krieg", „Frieden". Wenn unsere Werbewoche Erfolg hatte (wir gewannen mehrere neue Mitglieder), so war gewiß das nrchj zuletzt ein Verdienst von Jakob Jacobs, dem an dieser Stelle nochmals für seine Arbeit gedankt sei. — Heimabende und Freitagabendfeiern fanden regelmäßig statt. Nur einiges sei hier erwähnt. Im Anschluß an die Delegiertentagung des Rheinisch-Westfälischen Bezirksverbandes in Dortmund berichteten Dr. Eckstein und Elsbeth Rosenbaum über die Tagung. Dr. Prinz' Vortrag, besonders seine Darstellung der sozialen Not der jungen Juden, war Gegenstand einer ausführlichen Debatte. --> Herr Rabbiner Dr. Krakauer aus Osnabrück sprach am 27. November in einem Vortragsabend, zu dem auch passive Mitglieder geladen waren. Se c Ausführungen zum Thema „Krisis der Religion?" waren s 'nteressant für uns. Eine erregte Aussprache folgte diesem ig, bsonders die Aelteren forderten von der Jugend statt ucr l. zu großen Sachlichkeit wieder mehr „Ideale". — In der Chanukkawoche feierten wir am 11. Dezember das Fest mit einem kleinen Heimabend. Das künstlerische Programm war klein, aber gut. — Das Thema des letzten Heimabends, ein Referat von Frau Dr. Rosenberg, hier, über „Die. neue Sachlichkeit", war noch durch Dr. Krakauers Vortrag angeregt worden. Im allgemeinen sind unsere Veranstaltungen gut besucht. Die Freitagabende werden meistens von Herrn 9