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Der Jugendbund · 1929-01-01 · 1 (1.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
1 (1.1.1929)
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Konfessionen an (schätzungsweise 35 Katholikinnen, 50 Protestantinnen. 15 Dissidentinnen, eine Jüdin), sie vertraten teilweise die Jugendbünde entgegengesetztester Richtung, jungrational einerseits, SAJ. anderseits. Auch diese Aufgabe wurde erfolgreich gelost. Das Heim, in dem die Nächstenliebe sichtbar in die Tat umgesetzt wird (im Liebfrauenhause sorgen katholische Schwestern für das Wohl ihrer arbeitenden Glaubensgenossinnen), das auch für uns seine Tore so türsorglich öffnete, wurde uns zum lebendigen Beispiel. Da wurde die anfängliche Zurückhaltung bald überwunden, beseelt von dem starken Willen, bei eigener innerster Wahrhaftigkeit dem anderen zu dienen, den anderen zu hören, den anderen zu verstehen. Uns alle verband ja dasselbe Ziel, die Not zu lindern, die überall unter der Jugeoid herrscht, wenn unsre Wege dahin auch verschieden sind. So ianden wir uns frei und froh ais Pioniere einer gemeinsamen Aufgabe und wurden zu einem Ganzen. Und wohl jede von uns schied in dem beglückender. Gefühl, selbst mitgebaut zu haben an dem Bau dieser Gemeinschaft. So weit mein Bericht. Was können wir für unsre Arbeit aus dieser Veranstaltung lernen? .Mir scheint, bei uns herrscht eine Tagungssucht. Tagungen. Werden abgehalten, die durch ihren kostbaren Rahmen, oft in großen Hotels, ungeheures Geld verschlingen, das, auf direktemWege ingewandt, der Jugend viel mehr nützen würde. Führen wir die Lebensanschauung unsrer Jugend auf ein Maß von Unkompliziertheit zurück und die Lebensweise unsrer Jugend auf ein Maß von Einfachheit und gehen wir in unsren Tagungen beispielwirkend voran! Laßt uns dafür nicht die steifen Hotels und die großen Städte nehmen, sondern laßt uns in jüdischen |sder pa-itätischen Heimen, selbst wenn sie nicht so ..komfortabel" sind, nach eigenem „Jugendstil" wahre jüdische Gemeinschaften bilden. I Und noch: Lassen wir unsre Zusammenkünfte nicht zu einer Plattform der ..Berufssprecher" werden, sondern schaffen wir Kreise, in denen die sich zusammenfinden, die aus der Arbeit an sich selbst und für andere kommen. Ihrer geistigen Schulung, ihrer körperlichen Stärkung sollen unsre Tagungen gelten! Zürn ArtiKei ..Praktische soziale Arbeit" uon Altred neher Saarbrücken, in der Novembernummer. Wie erwartet, sind uns auf die Ausführungen Nehers hin .(vgl. „Jugendbund" Nr. 11)- einige Zuschriften zugegangen, die wir nachstehend ver- I. öffentlichen: Sozialismus halte ich für den Dienst an der Allgemeinheit.!— Ich glaube nicht, daß ein Mensch nur dann der Allgemeinheit einen Dienst leistet, wenn er Sozialist ist. Man soll den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Ich meine damit: Laßt uns bei uns selbst einmal anfangen! Jeder Mensch soll die ihm auferlegte Pflicht voll und ganz erfüllen und es nicht so leicht damit nehmen, wie man es zuweilen tut. Ob nir dann der Allgemeinheit nicht auch einen Dienst geleistet liabcn? — Liegt denn der Kernpunkt des Lebens darin, welcher Partei man angehört? Ist es nicht viel wichtiger, was für ein Mensch man ist? Ist am Lebensende nicht der Mensch der glücklichste, der sagt: „Ich hab' mein möglichstes getan; ich habe meine Pflicht als Mensch erfüllt?" Wenn wir das sagen können, dann haben wir der Allgemeinheit einen großen Dienst geleistet, gleichgültig, welcher J a r t e i wir angehören. Edith Rosendahl, Düsseldorf. „Praktische soziale. Arbeit", so führte Neher, Saarbrücken, in Nummer 11 aus, „kann nur geleistet werden durch aktive und materielle Mitarbeit am großen Ziel des Proletariats, am Sozialismus. Aber um Mitkämpfer des Proletariats zu werden, müssen wir unsre bisherige Lebensführung ändern. Keine Salonsozialisten, sondern wahre Anhänger dieser Idee." Wir leisten also praktische soziale Arbeit, wenn wir unser Vermögen dem Sozialismus, d. h. der sozialistischen Parteileitung Deutschlands, zur Verfügung stellen, damit diese neue Mittel zu Propagandazwecken besitzt. Alsdann legen wir unsren guten Anzug ab und ziehen »dafür den Arbeitskitel an. damit wir nicht wie Salonsozialisten aussehen. Das also soll der l „erste Schritt zum Weg in die Wirklichkeit" sein. Aber ist es denn der erste Schritt in die Wirklichkeit, oder in die praktische soziale Arbeit, wenn das Proletariat um einen oder zwei Arbeiter vermehrt worden ist? Sicher nicht! Ich, der ich kein Sozialist bin, glaube, daß ein Vermögender ein ebenso guter Anhänger der sozialistischen Idee sein kann als einer, der seine bisherige Lebensführung nach obigem Rezept geändert hat. ja sogar, daß ersterer besser soziale Arbeit, gerade praktische soziale Arbeit, leisten kann als letzterer. M. Z w a s, Saarbrücken. Die Arbeit im Sozialismus ist der Weg in die Wirklichkeit, so lautet die Antwort auf die Frage: „Wie leisten wir am besten soziale Arbeit." Die Frage wäre sehr einseitig, würde man sie nur von dieser Seite betrachten; ein Demokrat, selbst ein Nationalgesinnter würde sich das Recht zugestehen, an einer sozialen Arbeit in Sicht mitzuwirken. Die Aenderung der Lebensführung kann man für jeden Stand unterschreiben; das Leben der heutigen Zeit verlangt mehr denn je die Zurückstellung des Ichs. Mit allen Reden und allen Schreibereien wird wenig erreicht. Der Jugend muß von klein auf klar gemacht werden, daß die Beobachtung des Ichs, die Erkenntnis der Zurückdämmung, der einzige Weg in die Wirklichkeit ist. Es ist eine schwere Selbstarbeit, eine Selbsterziehung, die auch dann von Wert und Erfolg gekrönt ist, wenn sie in jungen Jahren durch die Selbsterkenntnis und den Willen zur Tat das ,,Du" erprobt und gehalten wird, i Anonymus. * Ich stehe auf dem Standpunkt, daß man soziale Arbeit leisten kann, ohne deshalb durchaus Sozialist sein zu müssen. Wie manches Mal kann man auf der Straße helfen, wenn jemand ohnmächtig zusammensinkt oder wenn ein Pferd oder sonst ein Tier stürzt!! Wie dankbar sind Mensch und Tier für solche Hilfe! Auch habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, alleinstehende jüdische Menschen zu besuchen; man merkt es diesen Leuten an, wie sie sich freuen, daß man sie nicht ganz vergessen hat!! Auch habe ich mir vorgenommen, Sonntags, wenn ich Zeit habe, das Görlitzer Altersheim zu besuchen und die Alten durch Gesang zu erfreuen, denn ich bin ein begeisterter Sänger. Von den Breslauer Kameraden konnte man einst erzählen, 'daß sie sich nicht gescheut haben, Alten und Gebrechlichen die Kohlen nach Hause gebracht zu haben!! Und ach, wie vielen ist schon mit menschlich warmen, teilnehmenden und tröstenden Worten geholfen! Gerade, wenn einfache Leute merken, daß man sich mit ihnen abgibt, daß man Verständnis für ihre Sorgen und Schmerzen hat, sind sie schon halb getröstet! Freilich gehört Geduld, Takt und ein gutes Herz dazu, und nicht jeder ist dazu geeignet! Wenn wir so im Kleinen üben, wird auch uns der Segen des Wohltuns zu teil und wird der Begriff der Zedokoh wieder zu Ehren kommen. Dann wird uns auch die Achtung und Liebe der Mitmenschen zu teil! Ueberlegt's einmal!! Hans Rothschild, Görlitz. Stellenvermittlung! uon Hans Cantor. Vorsitzender des Bezlrksvernandes norddeutschiand und des Jugendbundes Lünen Die wirtschaftliche Notlage schreitet vorwärts und damit auch der Niedergang des jüdischen Mittelstandes. Die Berufsumschichtung macht nur schüchterne Ansätze, ihr sollten unsre Junggruppen ihre Aufmerksamkeit mehr zuwenden. Es ist eine wichtige Arbeit für unsre Junggruppen, wir aber, die Aelteren. die ja noch einen größeren Prozentsatz der Verbandsfreunde stellen, übersehen eine ebenso wichtige, ja im Augenblick drängende Frage — ich meine die Stellenvermittlung. Sagt nicht, das ist Sache der Loge, wir wollen ihr rricht ins Handwerk pfuschen, nein, das wollen wir nicht, nur sie unterstützen. Mir scheint die Frage der Stellenvermittlung eminent wichtig, viele unsrer Bünde sind auf die jungen Menschen angewiesen, die von auswärts kommen und die die. Arbeit der Vereine befruchten. Für diese Bünde ist es einfach unmöglich, richtig weiterzuleben, wenn nicht für die Fortgehenden neue Menschen herankommen. Dieser Grund wäre wichtig genug, die Frage zu erörtern, hinzu kommt aber die Stellensuche unsrer Freunde selbst. Wie oft können wir einem jungen Menschen dienen, indem wir ihm eine Position nachweisen, und sind da-zu

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