Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 1 (1.1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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örtert werden, die die Heimerziehung von der Ausbildung in unseren städtischen Schulen unterscheiden. Solche Heime könnten die Grundlage für eine neue jüdische Erziehung werden, die eine harmonische Ausbildung von Geist und Körper anstrebt und eine Erneuerung der jüdischen Jugend in Deutschland einleitet. Hier erwächst dem künftigen Reichsverband und den Landesverbänden eine ideale Aufgabe, der sie sich nicht entziehen sollten. Aber auch der Reichsverbandjüdischer Frontsoldaten, der eine jüdische Siedlungs-Gesellschaft gegründet hat, sollte den Gedanken der Gründung eines solchen Landerziehungsheimes mit der Siedelungsidee verbinden. Die Persönlichkeiten, die hier als Lehrer wirken sollen, müssen allerdings sorgfältig ausgewählt werden; es dürfen keine Pedanten sein, sondern nur wirkliche Führer sind hier am Platze, die sich mit ganzer Seele ihrer Aufgabe hingeben, wenn das hohe Ziel erreicht werden soll. Zur Mädelarbeit in unserem Verband von lisa Lazarus, LüObecHe Liebe Mädel! Nun ist in unserem Verband ein Mädelamt unter der Leitung von Rahel Schwarzschild und Mine Meyer, Düsseldorf, eingerichtet worden. Es will uns Mädel in den einzelnen Jugendbünden zu besonderen Gruppen und darüber hinaus zu einer großen Mädelgemeinschaft innerhalb unseres Verbandes zusammenschließen. Das ist sicher ein sehr wichtiges Geschehnis im Leben unseres Verbandes, vorausgesetzt, daß wir Mädel nun aber auch diesen neuen Gedanken mit aller Freudigkeit und ganzem Wollen aufgreifen; denn daß wir einander bei der Lösung mancher Fragen bedürfen, daß es für uns aber auch große, gemeinsame Aufgaben gibt, werdet Ihr alle schon empfunden haben. „Die Not der jüdischen Jugend" ist der Gedanke, der in diesem Jahre über der Arbeit unseres Verbandes steht und der ganz natürlich die Frage in uns auslöst: „Was können wir Mädel dazu tun, daß die gesamte jüdische Jugend einen sicheren Weg aus aller Not in eine reine, helle Wirklichkeit findet, die Judentum und wahrhaftes Menschentum heißt?" Wir fühlen, daß in dieser Frage eine starke Verantwortung und ein großes Ziel liegt. Und darum wollen wir einander schwesterlich die Hände reichen und gemeinsam ans Werk gehen! Wenn wir uns nun in einem Mädelkreis zusammensetzen, so sei die Grundlage all unseres Tuns eine warme Herzlichkeit. (Irgendwelche gesellschaftlichen Unterschiede kennen wir nicht!) Wir wollen auch keine kalten, vereinsmäßigen Formen des Diskutierens bei uns aufkommen lassen (womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß unsere Aussprachen wild durcheinander' klingen können.) Wenn wir mit allem Herzenstakt versuchen,, uns in sachlichster Weise über die Probleme Klarheit zu verschaffen, so werden wir schon die richtige Form finden, in der alle ihre Meinungen kundgeben, aus denen wir den Kern dann herausschälen. Sachlichkeit ist hier vor allem im Sinne von größter Schlichtheit gemeint. Wir versuchen, alles Komplizierte und Unnatürliche von uns abfallen zu lassen und so nach dem Wesentlichen unserer Aufgaben zu suchen. Die erste Aufgabe wird dabei ein Neuerfassen und Beleben unserer Religion sein. Wir nähern uns ihr mit aller Sachlichkeit und inneren Wärme. Gewiß werden wir an. den Erzählungen, Gesetzen und Symbolen unserer Schriften, die uns reichen Stoff zu manchem Heimabend geben, einen tiefen Sinn finden und fühlen, daß dies alles etwas ewig Junges ist, das zu uns gehört und uns miteinander so stark verbindet. Mit dieser Erkenntnis versuchen wir dann auch jüdische Festtage in unseren Jugendvereinen — nun auch mit den Jungen gemeinsam — zu erleben und gestalten zu helfen. Zunächst sorgen wir Mädel natürlich stets dafür, unser Heim festlich zu schmücken; hier gibt es ja gleich für Handfertigkeits- und Schönheitssinn ein Feld. Und wir empfinden sicher selbst die größte Freude, wenn das Heim Festeszauber ausströmt. Dann aber hieß es noch vor kurzem in unserer Zeitschrift: „Nichts muß mehr beachtet werden, als die soziale Not der heutigen Welt." Dieser Ruf gilt uns Mädel ganz besonders, und wir wollen so viel wie möglich durch die Tat zu lindern suchen. Es werden sich allerorten. Persönlichkeiten bereitfinden, die unsüber ihre soziale Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten unterrichten und auch anschließend in die Praxis hineinführen; denn Helferhände sind es nie genug. Notwendig wird es auch sein, mancherlei Fragen der Lebensgestaltung, die uns Mädel speziell betreffen, miteinander in aller Aufrichtigkeit zu besprechen und zu klären. Es wird sich auch von selbst ergeben, daß wir Mädel dann und wann gemeinsame Fahrten unternehmen, miteinander Gymnastik treiben und zusammen singen und spielen. Sprechchöre, Singen im Geiste der neuen Jugendmusikbewegung und Laienspiel sollten auch unserer Geselligkeit neuen, lebendigen Inhalt geben und unsere Gemeinschaft immer weiter festigen und fördern. Ich glaube, daß es zu einem großen Teil uns Mädel vorbehalten sein wird, in unserem Verband mit kaltem Intellektualismus und seichtem Amüsement aufzuräumen und einem bewußten, starken Schaffen und reinen Freudan breitesten Raum zu geben. All unser Tun will nun das Mädelamt durch Rundschreiben anregen. Es wird vor allem hoffentlich bald zu einer Mädzltagung aufrufen. Da müssen wir dann alle mit frohem Wollen erscheinen; denn sicherlich wird eine persönliche Fühlungnahme aus der oben geschilderten Einstellung uns helfen, den rechten Weg zum großen Ziel zu finden. So laßt uns Herz und Hände regen! Praktische soziale Arbeit Die weiDiicne Jugend in Wirtschaft und Beruf von Allee Hirsch, magdeourg Lehrgang des preußischen Ministers für Volkswohlfahrt für Jugendpflegerinnen und Jugendleiterinnen vom 8. bis 12. Oktober 1928 im Liebfrauenhause auf dem Venusberge bei Bonn. Die Vertreterin unsres Verbandes bei diesem Lehrgang sendet uns folgenden, sicherlich allgemein interessierenden Bericht. Die Schriftleitung. Die Tagung war, nach verschiedenster Richtung hin, bemerkenswert: Zum ersten Male wurde auf Anregung des Staates für die weibliche Jugend nur von Frauen gearbeitet; zum ersten Male wurden die beruflichen Jugendpflegerinnen mit den Führerinnen der Jugend selbst zusammengeführt; zum ersten Male wurde als Form dieses Lehrgangs die Arbeits¬ und Lebensgemeinschaft gewählt; zum ersten Male war in dieser Arbeit einer Jüdin Gelegenheit zu gleichberechtigter Mitarbeit gegeben. Der Versuch, der in materiell großzügigster Weise durchgeführt wurde, kann als vollständig gelungen bezeichnet werden. Das Theoretische: Auch hier „der Weg in die Wirklichkeit". Wirklichkeit hier gleichbedeutend mit Alltagsleben, Berufsleben. Von prominenten Leiterinnen der verschiedenen Fachorganisationen wurden von dem Standpunkt der unterschiedlichen Weltanschauungen aus die Bilder der größten Frauenberufe gezeichnet: Der der Fabrikarbeiterin, der Landarbeiterin, der Verkäuferin und der kaufmännischen Angestellten. Führungen, bei denen die Fabrikarbeiterin und die Telegraphenbeamtin in ihrer Tätigkeit gesehen wurden, ergänzten die Vorträge. So wurde die eine Aufgabe des Lehrgangs restlos erfüllt, die Führerinnen der Jugend hineinzuführen in die Lebenssphäre der Jugend. Und die andere Aufgabe? Die Aufgabe, die Teilnehmerinnen der Tagung selbst menschlich einander näher zu bringen. Sie kamen aus allen Teilen Preußens, von der russischen Grenze bis zur französischen, sie gehörten allen ■ :' ..... " ,. ' 3