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Der Jugendbund · 1928-12-01 · 12 (1.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
12 (1.12.1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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hemmen kann. Aber ich kann auch nicht glauben, daß es auf dieser Erde zu umgehen sein wird, bestimmt nicht, indem man sich über jede Gemeinschaft hinwegsetzt. Denn dann erst recht würden die We'rte, die geschaffen würden, in einem Nichts für ein Nichts, überhaupt selbst — ein Nichts! Derjenige, der den Weg zur wahren Persönlichkeit geht, fragt nicht, braucht nicht zu fragen, ob m i t der Gemeinschaft oder gegen diese. Für den Persönlichkeitsmenschen gibt es eben keine Norm. Es entscheidet einzig und allein — selbst die Persönlichkeit. E. Sch. masse oder Auslese? Jeder, der in einer Bewegung, zum Beispiel in der Jugendbewegung, steht, hat sich sicher schon einmal die Frage vorgelegt, oder sie vorgelegt bekommen: Masse oder Auslese? Sollen wir für unsere Idee möglichst,viele oder möglichst wertvolle Menschen zu erfassen suchen? Auf de"h ersten Blick läßt sich diese Frage nicht beantworten, man muß sich mit dem Wesen der Masse und dem Wesen der Auslese befassen. Die Masse in unserem Sinne ist der Zusammenschluß von Einzelindividuen, die wir häufig mit dem Ausdruck „M assenmenschen" bezeichnen. Ein Massenmensch ist — wiederum in unserem Sinne — ein Mensch, dessen geistige Ansprüche nicht über das hinausgehen, was ihm von Anderen ge- ' boten wird!.' Er nimmt zu dem Gebotenen nicht selbst Stellung, hnt keine ..individuelle Einstellung", sondern „Masseneinstcllung". FA fragt sich nun: Hat es Zweck, diese Masse für eine Idee zu erfassen zu suchen, oder, um bei der Jugendbewegung zu bleiben, nützt es der Bewegung, wenn wir versuchen, ihr möglichst viele junge Menschen zuzuführen? Ich sage: Ja. Ich meine, daß es ein Prüfstein für den Führer ist, ob er imstande ist, die „trige" Masse zu erfassen. Es ist nämlich gar nicht einfach, eine Masse zu führen. Man redet von ..Massenpsychose", von ..Massenpsychologie", es ist also eine besondere Kunst, zu führen. Ein Führer muß die Eigenschaften der Masse kennen und eine dieser Eigenschaften ist: Die Masse ist begeisterungsfähig, -iber es ist sehr schwer, diese erste Begeisterung bei ihr wachzuhalten. Diese Tatsache veranlaßt uns besonders zu unserer Frage: Masse oder Auslese? — Es gibt aber ein Mittel, das es möglich macht, die Masse der Bewegung dienstbar zu machen. Das ist die Erziehung. Der Führer muß die Masse erziehen. Hat er Willen und Mut genug, dann kann er durch Erziehung Hervorragendes an der Masse leisten. Es gibt daher für ihn kein* reizvollere Aufgabe, als eine „neue" Gruppe, das heißt eine Gruppe, die noch alle Fehler und Unarten hat. zu leiten. So liegt es in der Hand de? Führers, daß möglichst viele aus der ursprünglichen Masse' in der Idee aufgehen, sich zu ..Persönlichkeiten" entwickeln und so wertvolle Träger der Bei wegung werden.; Ganz anders steht es bei der Auslese. Die „Auslese" wird von'den Menschen gebildet, die geistig „regsam" sind und eine eigene Einstellung zu den Dingen haben, und die entschlossen sind, für ihre Sache Opfer zu bringen. Daß diese Menschen berufen sind. Träger der Bewegung I zu sein, ist wohl klar. Aus dieser Klasse kommen auch die Führer, wenn auch noch lange nicht jeder, der vorzügliche . Eigenschaften besitzt, die Fähigkeit hat. diese auf andere wirken zu lassen. Eine Auslese zu führen, ist also nicht so schwer, da das, was der Führer sonst aus der Masse mühsam herausholen muß, ihm hier schon entgegenkommt. Die Frage: Masse oder Auslese? ist eine Führerfrage. Ein! wirklicher Führer wird sich stets der Masse zuwenden. Das ist er ja schließlich auch der Idee, die er vertritt, schuldig. Leo Eschelbacher, Düsseldorf. Gruppenberichte Im allgemeinen haben die verschiedenartigsten Berichte und Mitteilungen um diese Zeit einen gemeinsamen Hauptnenner: Vorbereitungen für Chanukka! Ueber Aufregungen und Vorbereii lungen darf aber nicht die eigentliche Arbeit zu kurz kommen. 10 Und das tut sie nicht, — so weit eben Berichte vorliegen. Sollte etwa das Schweigen anderer Gruppen das Gegenteil beweisen? Bamberg. Singen, Spielen, Vorlesen wechseln ab. Der Leiter, Alfred Adelsdorfer, bittet interessierte Freunde, ihm einige spannende Gesellschaftsspiele mitzuteilen. Bisher spielte man meistens Quartett und Personenraten. Zwei größere Fahrten sind auch schon gemacht worden. Die Junggruppe befindet sich, wie es im Bericht heißt, auf gutem Wege. Aus Düren sendet Elsbeth Capell einen wirklich fein zusammengebrachten Bericht über das Jubiläum, das man da aus Anlaß des einjährigen Bestehens gefeiert hat. Leider kann hier nur ein kleiner Teil der Festkritik folgen. Wer den ganzen Bericht gern lesen will, bekommt ihn auf Wunsch. Also, Elsbeth schreibt: „Hauptnummer unsres Programms war „Kaspert als Nachtwächter", ein Poccispiel. Ihr hättet einmal die Kostüme unsrer Jungen sehen müssen! Alles war in eigner Werkstatt hergestellt. Der Mond hatte verzweifelte Aehnlichkeit mit einem beklebten Plakatträgcr. Der Tod sah aus wie ein Bcduinenhäuptling, der Nachtwächter verging fast aus Angst vor seiner brennenden Stallaterne und dem Pappdeckelspieß., Kasperl und seine Frau Gretel, er im Tiroteraniug, sie in Nachtjacke, Schlafmütze und mit einem Plüschpantoffel in der Hand, saherr sehr lustig aus. Gretel, der Hausdrache, drohte aus dem Fenster der kunstvoll gemalten Kulisse. Lachstürmc rief das Auftreten des Hahns hervor. Malt euch aus. daß ein langer, schmaler 'Junge mit Storchenschritten auf die Bühne kommt und eine möglichst naturgetreue Kopie eines Geflügelgewaltigen darstellt! Ein schwarzweißes Flügclpaar. ein Kamm, ein roter Schnabel, sowie ein beneidenswertes Krähorgan vervollständigten die Imitation. — Dann wurde eine Radioparodie gebracht. Es folgte die Darstellung einer mittelalterlichen Szene „Jude und Zöllner". Die Zuschauer staunten sich die Augen aus! Auch der materielle Erfolg des Festes war tfut: man kann nun ein paar neue Bücher für die Gruppe anschaffen! Das Beste aber ist. daß im Anschluß an das Jubiläum eine Junggruppe in Eschweiler bei Aachen gegründet worden ist. Erfolge stecken an. Nicht weniger erfolgreich war kürzlich ein Werbenachmittag der Junggruppc Halle a. S., die erste öffentliche Veranstaltung der dortigen Freunde. Der Versuch gelang. Der Nachmittag hat weite Teile der Gemeinde -irite'rcssiert und wird die Arbeiten der Junggruppen nicht so schnell vergessen lassen. Jakob Schartenberg, der Vorsitzende der Jugendgemeinschaft, begrüßte die erschienenen Eltern und Gäste und betonte die iroße Bedeutung der Junggruppc für das Leben der jüdischen Jugend überhaupt. Nach einer musikalischen und literarischen Einleitung tischte man eine Theaterparodie auf mit dem ominösen Namen „Der König von Afghanistan", die die Dessauer Freunde gelehrt hatten. Der Clou war dip lustige Aufführung von „Durchkreuzungen", einem heiteren Durcheinander verr zwickter Situationen. Die Zuschauer kamen aus dem Lachen nicht heraus. — Die Junggruppe Düsseldorf bereitet eine Aufführung des ^guten Chanukkastücks ..Der zerstörte Tempel" oder „Der 2j. Kislew", von Hermann Greid, vor. — . - Aus Kaiserslautern berichtet Albert Roos über ein Kinderfest, das im Oktober stattgefunden hat. und in dessen Mittelpunkt das auch im Junggruppenteil vor längerer Zeit empfohlene Schmökerspiel in vier Akten „Am Marterpfahl der Sioux" stand und beispiellosen Applaus hatte. Das drastische Stück macht das aufgedonnerte Pathos unsrer Schundfabrikanten zum Gespött. — Vorher rangen drei Teile der Vortragsfolge um die Palme, denn man hatte die erste Hälfte des Festes unter ein Preisausschreiben gestellt. Preisrichter waren die Zuschauer. Durch Abgabe eines Zettels sollten sie persönlich über die entsprechende Nummer ihr Urteil fällep. — Der Nach- mittag wurde eingeleitet durch die Begrüßungsworte von Hans Feibelmann und die Festrede des Herrn Rabbiners Dr. Baron, der in feinen Sätzen auf die Bedeutung der Junggruppenarbeit hinwies. .1. R. Bücher für Junggrupoen M. Pulvermann: Die Söhne des Bundes. Verlag Gustav Engel, Leipzig. Preis 2,— RM. Das Buch führt den Leser in die engen Vorstadtgassen des östlichen London, erzählt von einer Mutter' und ihren zwei Söhnen, wie sie sich aus bitterster Armut emporringen, getragen von unerschütterlichem Gottvertraucn. Und wie sie dann, als sie die volle Höhe ihres Strebens erreicht, ihr Vermögen, ihre Erfahrungen, ihre ganze Kraft einsetzen, um ihren weniger glücklichen Brüdern zu helfen, den jungen Menschen neue Wege zu zeigen, und vor allem, diese zu ebnen. Das Buch muß man lesen. Es ist getragen von dem tiefsten Ver-

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