Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 12 (1.12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JUNGGRUPPE Die Schriftleitung dieser Rubrik liegt in den Händen von Jack Raphael. Beckum i. W.. an den alle Einsendungen zu richten sind. Zur Beisenhirctiener FOhrertagung Wir Junggruppier haben bisher nicht allzu viel Gelegenheit zu Zusammenkünften gehabt und mußten mit ein klein wenig Neid auf die zahlreichen gut vorbereiteten und glänzend verlaufenen Tagungen der Jugendvereine blicken. Weihnachten 1927 in Düsseldorf war der erste Versuch zu gemeinschaftlicher Arbeit, zur Schaffung der Junggruppengemeinschaft: Pfingsten 1928 in Dresden die stürmische Fortsetzung. Beide Zusammenkünfte litten noch unter dem Mangel persönlicher Fühlung, einer klaren Zielsetzung und — was nicht das Unwesentlichste ist — wir hatten allzu wenig Zeit. Aber nun ist die Einladung zu Weihnachten 1928 ergangen; ein dreitägiger Führerkursus wird in Gelsenkirchen stattfinden. Heute haben wir ein Programm und — drei Tage sind eine lange Zeit. Heute sind alle Voraussetzungen des guten Gelingens gegeben, ihr, die ihr nach Gelsenkirchen eingeladen seid, braucht nur einen guten und starken Willen und eure unverbrauchte Arbeitskraft mitzubringen. Wir wollen an diesen drei Tagen in drei geminschaftlichen Vormittagen und in zahlreichen kleinen Arbeitsgemeinschaften das gesamte Tätigkeitsgebiet eines Junggruppenführers an klaren Beispielen miteinander durchgehen. Es soll nicht geredet, sondern gehandelt werden. Die Führertagung dient nicht der Befriedigung persönlicher Eigenheit, ihr Gelingen liegt nicht in einer „Diskussion von Niveau", ihr Wert wird sich erst in der praktischen Gruppenarbeit zeigen. Was uns bisher fehlte oder nur in schwachen Ansätzen vorhanden war — das einheitliche Erziehungsprogramm —, die Tagung in Gelsenkirchen soll den Beginn seiner Festlegung und gleichzeitig auch seiner Durchführung bedeuten. Bereitet euch also in diesem Sinne auf die Gelsenkirchener Tagung vor, dann werden wir drei Tage schöner gemeinsamer Arbeit und, was viel wichtiger ist, hoffentlich viele Monate ernster und von einem gemeinsamen Rhythmus getragener Gruppenarbeit vor uns haben. Die genaue Arbeitseinteilung für Gelsenkirchen wird euch in den ersten Dezembertagen zugehen. Nur diejenigen, die sich bis zum 1. Dezember bei Leo Eschelbacher, Düsseldorf, Kasernenstraße 67 b, und Hans Abraham, Gelsenkirchen, Schalker Straße 167, angemeldet haben, erhalten die weiteren Zuschriften für Gelsenkirchen. Chasak! Die Jugendgruppenleitung: Herbert Felsenthal. ChanuMkas Botschaft an unsere Jugend Ein Gesicht des Propheten Secharjah: — Im Traumbild der Nacht erscheint ihm ein strahlend goldener Leuchter und, überwältigt von der Erscheinung, wendet er sich an Gott mit der Frage: „Was bedeutet dies, o Herr?" Und die Antwort: „Dieser Leuchter ist die Zukunft deines Volkes. — Denn nicht durch die Menge und nicht durch die Macht, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen." — Auch Euch — meinen lieben, jungen Freunden, erscheint ein Leuchter, strahlend im Glänze seiner Lichter, und seine Deutung ist die gleiche, die einst dem Secharjah zuteil wurde. — Im Strahlen der Chanukkalichter spiegeln sich Vergangenheit und Zukunft der jüdischen Gemeinschaft. — Makkabäergestalten und Makkabäergeist steigen auf, werden lebendig in unsrer Seele und rufen Euch zu: „Nicht durch die Menge und nicht durch die Macht, sondern durch den Geist." — „Wenige waren wir, und doch überwänden wir alle!" „Und wenn auch alle Welt von Gott abfiele, alle Völker im Reiche Euerem Könige gehorchen, ich und meine Söhne, wir würden Gott treu bleiben!" Diese Worte des greisen Mattathias tönen uns aus dem Leuch ■*<!<; Chanukkalichtcs entgegen. Dieser Geist des Glaul innere Seelenstärke, die ihm entquillt, sie wurd «vinder aller Widerstände, sie gaben jüdischen Man uen aller Zeiten die Kraft, daß sich das handvoll die Riesenmächte des Altertums und Mittelalte konnte. — Immer kämpfte Israel nicht mit auf? itteln, sondern mit den Waffen des Geistes. — Und diese Waffen des Geistes, schmiedet sie, so lange Ihr die Fähigkeit und Möglichkeit dazu habt. Wir brauchen sie, heute ebenso und mehr denn je. — Das Feuer hcijger Begeisterung laßt es lohen und glühen in Eueren jugendlichen Herzen! Seid Makkabäer in Wort und Tat! Werdet durch den heiligen Ernst, der Euch erfüllen soll, zum Ueberwinder der Gleichgültigkeit, die heute alles religiöse Leben zu vernichten droht!--Denkt nicht: „Ich bin ein Einzelner, was vermag ich gegen die Masse?!" Immer waren es Einzelne, die richtunggebend und führend wirkten, „w'rabbim b'jad m'atim", so heißt es im Chanukkagebet. „Und viele gab er in die Hand weniger.'* Wie der Chanukkaleuchter mit einem Licht den Anfang macht und Abend für Abend seinen Lichterglanz erhöht, entzündet — jeder nach Maßgabe seiner Kräfte — in Euerem Herzen das Licht ehrlich ringenden Willens zur Erkenntnis, laßt es sieht entwickeln durch eisernen Fleiß, daß immer feuriger es lohe, und weithin leuchte die Flamme reinen Menschen- und Judentums. S. Nußbaum, Dortmund. Der Einzelne und die Masse . (Eine Antwort zu dem Aufsatze gleichen Namens von Hans Cohn.) Unser junger Freund scheint sich seinen Weg zur Persönlichkeit zu suchen. Daß ihn dieser Weg von der Gemeinschaft entfernen will, scheint meines Erachtens ihn gleichzeitig von der erstrebten Persönlichkeit wegzuführen. Hans Cohn setzt dauernd die Begriffe „Gemeinschaft, Masse, Menge" gleich, und hier finden wir wohl auch seinen Hauptfehler. Von einem „Einspannen in die Masse" wird wohl bei keinem großen Menschen die Rede sein können, denn Masse ist nur eine Mengenbezeichnung, die keine Grenzen für den mitbetroffenen Einzelnen vorschreibt. Aber Gemeinschaft! Kann denn wirklich die Persönlichkeit auf die Gemeinschaft verzichten, auf ihren Kontakt etwa zu Volk, Religion - oder irgendeiner Geistesrichtung? Der wirklich Große überragt seine Umgebung, aber er entfernt sich nicht von ihr, selbst wenn es anfangs so scheinen .will. Und daß die Arbeit der Persönlichkeit nicht der Masse gutkäme, wäre, wenn es zutreffen würde, doch recht jammerschade. Welchen Zweck hätten dann diese Werte? Für sich selbst braucht man keine Kulturgüter zu schaffen, denn Kultur und Gemeinschaft sind Begriffe, die zusammengehören. Und die Menge ist gar nicht s o wenig aufnahmefähig, wie unser Freund glaubt. Ist nicht s i e es gerade, die in neuerer Zeit — allerdings durch ihre soziale Lage bedingt — sich zuerst der neuaufkommenden Ideen annimmt und dieselben in die Praxis überführen möchte, schon bevor sie die Ideen selbst versteht. Dann der Satz: „Wirkliche Werte, sei es auf irgendeinem Gebiete, erkennt'die Masse niemals — oder zu spät! Beispiele: „Mose — Rathenau". Ich glaube kaum, daß die Schöpfer wirklicher Werte erwarten, daß diese ihre Worte „erkannt" werden. Der Mensch, der in der Masse steht, will ja; gar nicht wissen, auf welche Theorien sich die Verbesserung des physischen und seelischen Lebens aufbaut, aber er will es „leben, erlebe n"! Und „erlebt" die Masse vielleicht nicht die Werke von Mose und Rathenau? Es wäre schade, wenn man mit Moses Tode den Untergang seiner Lehre hätte betrauern müssen, wenn die Kugeln feiger Mörder mit dem Schöpfer Rathenau sein Werk getroffen hätten. Und dann ein Gegenbeispiel. Ist nicht Jesus, trotzdem man ihn anfangs verkannte, zu seiner Riesenhöhe angestiegen (man darf das doch hier sagen), ist er es nicht gerade erst dadurch, daß man ihn anfangs verkannt und getötet hat? Schließlich der Zweck der ganzen Besprechung? Warum glaubt unser Freund die Trennung von Persönlichkeit und Masse fordern zu dürfen? Ich will nicht bestreiten, daß die _ Masse unter Umständen das Vorankommen des einzelnen 9