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Der Jugendbund · 1928-12-01 · 12 (1.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
12 (1.12.1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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zu fragen, ob sie die Vcranlwortung dafür tragen können, daß wir vor lauter Sonderbestrebungen uns nicht mehr finden können. Wir werden ihr Gewissen immer wieder von neuem schärfen, indem wir auf die vielen Massenmenschen in der Stadt und die einsamen jungen Menschen auf dem Lande hinweisen, die wir nicht restlos erfassen können, weil die Jugendbewegung uns die Führer njeht in '«enügender Zahl überläßt, mit deren Hilfe allein diese dringende Aufgabe bewältigt werden kann. Die Gründer unseres Verbandes haben bei der Namensgebung nicht an die Komplikationen denken können, die sich heute darob am Horizont des iüdischen .Jugendhimmels ankündigen. Uns aber ist der Name Symbol. Wir sind so stark von unserer „Idee" besessen, daß wir die Hoffnung nicht aufgeben, aus u n s e r m Verband doch einmal den Verband erstehen zu sehen, auf dessen Boden alle Schattierungen jüdischer Jugend sich zu geistiger Auseinandersetzung und ugendlicher Tat finden können. Die Befürchtung, daß daraus eine neuaufgelegte „Mittel'partei entsteht, teilen wir nicht, weil wir zu genau wissen, daß jede Jugend unserer Zeit die ...Mittel" verabscheut, die notwendig sind, um aus den bestehenden Gegensätzen eine Politik der geometrischen Mitte zu konstruieren. Es wird vielmehr aus diesem Zusammenschluß die ersehnte Gemeinschaft des „neuen Denkens" und. wie wir' hoffen, auch des neuen Lebens erstehen. Bis dahin bleibt noch vieles zu tun. Besonders bei uns selbst im Verband. Die Andern mögen von der Mangelhaftigkeit unserer Arbeit tief überzeugt sein. So tief wie wir selbst, können sie. es nicht. Denn wir sehen besser als sie die Größe unserer Aufgabe und darum auch die Entfernung von unserem Ziel. Und hier endet wohl die Aus-einandersetzung und beginnt die — Arbeit. Briefwechsel Grete Meyer. Mannheim. Städtisches Krankenhaus, Säug- Ün-gshau. möchte mit jungjüdischcq Menschen, die sozial tätig sind, in Briefwechsel treten. Max Rothschild. Göppingen in Württemberg, Gartenstr. 29. 16.':' Jahre alt. wünscht Briefwechsel mit Verbandsfreund, der möglichst im Rheinland oder in Berlin wohnt. Randbemerkungen Die Weltordnung, in der man trotz aller Krisen und Konkurse so fabelhafte Geschäfte machen kann, sorgt schon dafür, d;<ß der Bürger zu „guten Taten", zur unentwegten Wohltätigkeit erzogen wird. Mal ist es für die Ferienreisen ausgehungerter Kinder, mal für einen ganzen Industriebezirk, der in das grauenhafteste Elend geraten ist. Waldenburg! Alle Sorten Skatbrüder entdecken ihr Herz: man kann ja so einen Abend auch, mal verdösen, indem man groGzügigerw-eise den „Umsatz" den armen Menschen sendet. Auch die Damen, die mit der Wohltätigkeit einen Kelloggpakt geschlossen haben, hasten aufgescheucht umher, — denn es gibt \\as zu tun! ' Daß sich die Leute keine Gedanken über den tieferen Sinn dieser Hilfsaktionen machen! Warum schreien sie. die vor Nächstenliebe uberfließen, nicht den Widersinn anklagend in alle Welt: Hier gehl eine ganze Bevölkerung zugrunde, und dort schachert man mit ungezählten Millionen um ein Panzerschiff! Ein Jude, der sich an das Donnerwort seiner Propheten erinnert, kann sich in diesem Chaos verschlampter Ethik überhaupt nicht mehr zurechtfinden! J. R. Her Engländer ist ein undurchsichtiger Mensch. Wenn es die politischen Notwendigkeiten erfordern, stellt man die bigotte Bibelfestigkeit in irgendwelche Hintergründe. Man muß nicht immer gleich eine heilige Johanna verbrennen, — es k nn auch mal der Fall eintreten, daß man am Versöhnungstag CBäuerlichemeise" ein paar betende Juden verprügelt, weil sie an einer ihnen sehr, heiligen Stätte einen Wandschirm aufsteilen. . 8 Was in Jerusalem geschieht, ist old merry England, wie es leibt und lebt, ist Politik der alten Schule. Die Juden der Welt protestieren, Zionisten, die Agudah. sogar indifferente Außenseiter. Voran ist es die Jugend, die ganz richtig erkennt, daß in diesen seltsamen Vorgängen in der heiligen Stadt nicht etwa das übermäßig blöde und tolpatschige Benehmen deutscher Nationalsozis zu finden ist. — sondern, daß hier das Gesicht einer nicht mehr aktuellen, schwer zu durchschauenden Kolonialpolitik hinter dem seidenen Vorhang" von Völkerbund ind Kelloggpakt grinst. Die Methoden sind aber nicht mehr — wie es eine ganze Generation so felsenfest geglaubt hat — Bahnbrecher oder Schildträger für europäische Kultur! Die jüdische Jugend wird sich mit aller Entschiedenheit gegen ein System auflehnen. das sich gründlich selber degradiert hat! J.R. Aus dem Leben des Verbandes verband Nachdem allenthalben die Verbandsarbeit in verstärktem Maße eingesetzt hat, zeigte sich auch im Osten des Reiches die Notwendigkeit engerer Fühlungnahme mit dem Verband. Seit Anfang November befindet sich deshalb Frilz Schwarzschild auf einer Tournee, die ihn über Erfurt, Meiningen, Halberstadt, zur Tagung des Nordwestdeutschen Bezirksverbandes nach Oeynhausen führte. In Berlin, der Grenzmark, Pommern und Schlesien besuchte er die bestehenden Vereine und knüpfte darüber hinaus neue wertvolle Verbindungen an. Landesverbände Bayern: Am 2. Dezember findet in Nürnberg im Israelitischen Gemeindehaus die diesjährige Delegiertenlagung unsres Bezirksverbandes statt. Dr. Hahn wird über „Die Welt des jungen Juden", Dr. Heilbronn, Nürnberg, über „Probleme der Organisation" sprechen. Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Nummer. Grenzmark: Die diesjährige Delegiertenlagung wurde am 11. November in Landsberg a. d. W. abgehalten. Es waren die Vereine Schneidemühl, Krojanke, Schlochau, Preußisch-Friedland und Landsberg vertreten. Außerdem erschienen zahlreiche Gäste aus Gemeinden, in denen noch keine Vereine bestehen. Für den Verband waren Fritz Schwarzschild und Waldemar Strauß zugegen. Im Vordergrund der Tagung standen die Referate von Fritz Schwarzschild und Rabbiner Dr. Rosenzweig, Schneidemühl, über „Die Stellung der Jugend in und zur Gemeinde". Beide Redner wandten sich gegen die Auffassung der Gemeinde als reine Verwaltungsorganisation und forderten Mitarbeit der Jugend an der Neübclebung der Khillo. Nach einer mehrstündigen anregenden'foiskussion wurde der bisherige Vorsitzende, Dr. Rosenzweig, wiedergewählt. « Mitteldeutschland: Bei der Delegiertentagung am 28. Oktober in Eisenach waren Delegierte der Vereine Gotha, Erfurt, Mühlhausen, Eisenach, Halle, Bernburg, sowie Vertreter aus Kassel — das sich inzwischen auch dem Verbände angeschlossen hat —, Meiningen, Ilmenau, Geisa, Walldorf und Arnstadt zugegen. Fritz Schwarzschild referierte über die Arbeit des Verbandes. Eugen Roth gab einen Bericht über die Arbeit des Bezirksverbandes, aus dem zu ersehen war, daß sich der Bezirksverband trotz manchen Schwierigkeiten sehr gut entwickelt hat. In Erfurt und Magdeburg sind neue Junggruppen gegründet worden. Nordwestdeutschiard: Am 4. November hatte der Nordwestdeutsche Bezirksverband in Bad Oeynhausen seine diesjährige Delegiertentagung, die von 12 Vereinen besucht war. Die Tagung wurde durch eine Begrüßungsfeier, zu der die Vertreter der städtischen und jüdischen Organisationen erschienen waren, eingeleitet. Besonderen Beifall fanden die Worte des Bürgermeisters Dr. Neuhäuser. Die Hauptverhandlungen eröffnete Jack Raphael, Beckum, mit einem Referat über „die Arbeit unserer Junggruppen", dem eine lebhafte Aussprache folgte. Den Höhepunkt der Tagung bildeten die Ausführungen von Fritz Schwarzschild über „Jüdische Entwicklung und die Aufgaben der Jugend", und Dr. Kronheim, Bielefeld, über „Jüdische Not". Zum 1. Vorsitzenden wurde an Stelle des verdienten langjährigen Leiters des Bezirksverbandes, Alfred Bonnin, Bielefeld, Joe Israel, Hannover, gewählt. Nordwestdeutschland: Die erste Tagung der Bezirksgruppe West eres Nordwestdeutschen Bezirksverbandes BV. fand am (Fortsetzung Seite 11.)

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