Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 11 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Fast halle ich an der Festrede vergessen! Verzeihung! — Der Führer also wird eine Unterhaltung über Chanukka, Makkabäer und Judentum beginnen. Habt keine Angst, es soll kein Referat sein, sondern eine Diskussion, eine ungezwungene Aussprache, bei der jeder ein Wörtchen riskieren darf! Niemand wird dabei stecken bleiben. Der Führer wird immer gern und taktvoll die Unterhaltung leiten. Und zum Schluß gibt es wohl noch eine Ueberraschung.; Eine Verlosung. Oder eine nette Geschichte, die ihr noch nicht kennt. Oder es wird aufgefordert, unter dem Eindruck des gemütlichen Chanukkaabends eine gute Tat für diejenigen Menschen zu tun, die in irgendeiner Not sind. Ihr müßt nämlich wissen, daß es zu jeder Zeit Mensthen gibt, die mit irgendeiner Not zu ringen haben! Eine schlichte Weihestunde der Junggruppe und' in aller Stille eine jüdische Tat — das ist richtiges Chanukka in der Junggruppe! Ob eure Eltern und Freunde mit so viel jugendlicher Bescheidenheit zufrieden sein werden? — Wenn sie sehen, daß die Junggruppe den Sinn für echt«, jüdische Gemeinschaft stärkt, dann werden die einfachen ungekünstelten Chanukkastunden ihnen sicher mehr Freude bereiten, als ein großartiger aufgeplusterter Tantam mit Bühne, Kulisse und — Schminke. Wir müssen den Weg in die Stille zurückfinden! J. Raphael. Ein gutes ChanuKkaspiei ist von Frau Klarenmeyer, Bielefeld, Detmolder Straße 41, verfaßt worden. Es heißt „Menorah" und ist von der Verfasserin zu beziehen. Im übrigen empfiehlt unser Freund, Lehrer M. Steinhardt, in der letzten Nummer der „Jüdischen Schulzeitung" noch folgende Aufführungen: „Der Mutter Traum". Verlag B. Heller, München; „Die Feste des Jahres", Verlag B. Grünebaum, Kassel. Der Verband hat eine kleine Aufstellung verwertbarer Spiele und kleiner Stücke gemacht. Sie kann beim Verbandsbureau angefordert werden. J. R. Bücher für Junggruppen Moritz Steinhardt, „A us dem Ghett o". Erzählungen aus dem vorigen Jahrhundert. Verlag Gustav Engel. Leipzig. 2,— RM. Das Buch führt uns in eine Welt zurück, die in irgendwelchen Winkeln wohl noch ihr kümmerliches Dasein führen, die'nicht leben und nicht sterben können wird, und die wir westeuropäisch übertünchten, technikbesessenen Verstandesmenschen kaum noch zu begreifen vermögen. Darum ist es gut, fast eine Wohltat, daß diese seltsame, bizarre, lustige und leidvolle Welt, dieses halbvergessene jüdische Treiben und Träumen eines ungarischen Ghettos wenigstens in so ein paar Szenen eingesponnen wird. Wir lesen gern ein derartiges Büchlein. Denn es liegt in ihm so etwas wundervoll Anspruchsloses. Etwas, von dem wir bestimmt wissen, daß wir es verloren haben. Das Gegenstück: ein Buch, das jedes Romantisieren zerreißt. Es heißt „Jäger des hohen Nordens", verfaßt vom Revolutionär des Nordpols, Vilhjalmur Stefansson, und herausgebracht vom Brockhaus-Verlag in der schon mehrfach empfohlenen Sammlung „Reisen und Abenteuer". Nach der Amundsentragödie unsrer Tage ist ja alles, was sich um Nordpol und Nordpolfahrt dreht, besonders aktuell geworden. Eine ebenso zeitgemäße Energie dringt aus den interessanten Kapiteln, aus den spannenden Situationen und den wirklich fesselnden Schilderungen. Das Buch hat viele Abbildungen. Der Preis beträgt, wie für alle Bücher dieser Sammlung, 2,80 RM. J. K. „Das Zelt". Von dieser ausgezeichneten Jugendzeitschrift (Verlag B. Heller. München, und kostet im Vierteljahr bloß 1,20 RM.) liegt nun das Oktoberheft vor.— Es ist reichhaltig in seinem Inhalt. Neben einem interessanten Bericht über die Juden in Indien und der Fortsetzung des Romans „Abner" bringt es u. a. auch einen Auszug aus dem soeben erschienenen historischen Werk „Simson" von Felix Saiten. Es ist wirklich nicht angenehm, wenn man gleichzeitig erfahren muß, daß die Weiterführung dieser Zeitschrift durch den demnächst beginnenden zweiten Jahrgang noch keineswegs gesichert ist. Viele, viele unsrer Jungen und Mädel sollen „Das Zelt" überhaupt noch nicht kennen! Und was das Allertraurigste, aber auch das Allerunverständlichste ist: auch die Führer der jüdischen Jugend sollen noch immer nicht das erforderliche mutige Interese für diese Sache der Jugend aufbringen! Das darf nicht sein! Seht mal um euch, wie da die nichtjüdischen jungen Freunde für ihre Zeitschriften sorgen und wie da die Führer auf dem Posten sind! J. R. Euskirchen. Architekten, Bauarbeiter aller Welt, Fuhrleute, Elektriker, Innenarchitekten — sie alle wurden von unsrer Junggruppe gestellt. So gab es: Balken- und Bretterschleppen, Sägen, Hämmern, Klopfen, Indenwaldfahren, Zanken und Schreien, und so bauten sie für sich, für die „Großen" und für die Gemeinde „ihre" S u k k o h! Zanken und Schreien waren nur die notwendigen äußeren Zeichen der inneren Begeisterung. Alles in allem war es praktische Arbeit, die den Jungens Sukkaus zum jüdischen Erlebnis werden ließ! — Nicht genug kann solche Arbeit empfohlen werden! M. S. Staat zusammengeschlossen ist. In Wirklichkeit reicht die Tätigkeit des Reichsausschusses, wie der vorliegende Jahresbericht zeigt, schon Jahre zurück. Wenn die wirklich gemeinsamen Aufgaben der verschiedenen Jugendverbände — und der Reichsausschuß faßt grundsätzlich nur einstimmige Beschlüsse! — auch naturgemäß beschränkt sein müssen, so scheint doch allein die Tatsache, daß solche gemeinsame Arbeit möglich ist, bedeutsam genug zu sein, um die Aufmerksamkeit aller amtlichen, privaten und nicht zuletzt politischen Körperschaften und Persönlichkeiten zu beanspruchen, die an der Arbeil für unsre junge Generation in irgendeiner Weise beteiligt sind. Der Jahresbericht enthält u. a. die genauen Anschriften der °>b dem Reichsausschuß angeschlossenen Jugend-Reichsverbände sowie der einzelnen Landesausschüsse, worauf besonders hingewiesen sei. „Los vom Zionismus". Von Fritz Blankenfeld. Kimchi, Ernst Ludwig Pinner. J. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a. M. Preis brosch. 2,— RM. Ehemalige Zionisten legen in dieser Schrift die Gründe ihrer Abkehr vom Zionismus und ihren Weg zu einem anderen, ihnen höher erscheinenden Ideal dar, der ihnen durch die Schriften Konstantin Brunners gewiesen worden ist. , K. flus dem Leben des Verbandes Landesverbände Der hessische Landesverband war am 14. Oktober in Wiesbaden. — Aus allen Vereinen eine große Anzahl Menschen, Wiesbadens Judenheit mit Abordnungen aus all ihren Organisationen vertreten, der Verband durch Fritz Schwarzschild. Dr. Hans Karger, Breslau, sprach über „Die Aufgaben der jüdischen Jugend bei der Neugestaltung der jüdischen Gesellschaft". — Den Grundlagen gesellschaftlichen Lebens nachspürend, die formenden Kräfte darlegend, zeichnete er jüdische Jugendaufgaben. Ihre Aufgaben bei der Reorganisation. — Lebendige Diskussion, nach einem Frankfurter Ansturm auch \<>n den anderen Vereinen bestritten, am Gesagten kritisierend und wertvoll Ergänzendes hinzufügend, war das Ergebnis dieses Morgens. Der Verein Montefiore hatte Anträge, Protestanträge zu den Verhältnissen in der hessischen Landeskonferenz eingebracht, die Gegenstand erregter Debatten wurden. — Eine Kommission wird in Gemeinschaft mit den Vertretern der Gemeinden die aufgeworfenen Fragen des Wahlrechts und des Reichsverbandes der deutschen Juden zu studieren haben.. Am Schluß des Arbeitsteils sprach Dr. Paul Lazarus, Wiesbaden, meisterhaft in der Form und begeisternd im Wort, über „Jüdischer Jugend Sinn und Schicksal", von den atemlos Zuhörenden, bejubelt. Ein gut vorbereitetes Fest schloß den Tag ab. — Gedacht sei vor allen Dingen des Dichters und der Aufführenden der „Sendung", der Liebhaberkapelle, der man am Schwung anmerkte, daß sie die Musik lieb hat, der Sängerin und aller anderen, einschließlich derer, die bis rn die frühen Morgenstunden fröhliche Gemeinschaft hielten. S. Das Programm der Oelegiertentagung des Rheinisch- Westfälischen Bezirks Verbandes-, die am 4. November im Silbersaal der Westfalenhalle in Dortmund stattfindet, lautet: 13