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Der Jugendbund · 1928-11-01 · 11 (1.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
11 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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menschen, das Gottesgeschöpf zu erkennen?, Als Vorbilder körperlicher Ertüchtigung mögen die Makkabaer gerade uns Juden stets vor Augen bleiben, auch als Vorbilder in höchster, scheinbar hoffnungsvoller Not. 'Vergessen wir nicht dabei, daß" sie den Kampf nur als 1 e t z t e Selbsthilfe wählten! Die rührende Erzählung vom Oelkrüglein, das acht Tage sein Licht spendete, obwohl es nur für einen Tag gereicht hätte, mag wörtlich oder symbolisch genommen werden: sie bleibt immer schön. Nachdem wir uns so Klarheit ,über einzelne Grundfragen verschafft haben, mag eine Darlegung am Platze sein, wie sich ein Programm im einzelnen formen könnte. Ich vermeide absichtlich die Angabe einer bestimmten Reihenfolge^ sondern be. schränke mich darauf, verschiedene Arten von Teilen eines solchen Abends zu erörtern. Dem Geschmack des einzelnen Leiters sei dann die Gruppierung überlassen, deren Mittelpunkt das Entzünden der Lichter zu bilden hat. . Die meisten von uns wissen heute, was ein Sprechchor ist: die Wiedergabe durch einen Chor hebt das Gesprochene in eine höhere Sphäre. Die Biegsamkeit der menschlichen Stimme bewirkt, daß ein Orchester menschlicher Sprechstimmen einen neuartigen, harmonieartigen Gesamtklang erstehen läßt. Gerade das "Erhabene und Feierliche eignet sich in besonderem Maße für den Sprechchor. Wie naheliegend ist es, eine gute deutsche Ucbersetzung des Chanukkalicdes als Text zu wählen Oder einen Psalm. Worte, die in die Seelen klingen. Aber es sollen Worte sein, die auch von Herzen kommen, damit sie wieder zu Herzen gehen können. Wehe, wenn dabei Effekthascherei mit im Spiele ist! Pose. Schauspielerei, Sichzurschaustellcn: wie unjugendlich und wie abstoßend ist doch dies •lies! Auch das Gekünstelte und Gezierte kann niemals Echtheit vortäuschen, sondern verbirgt Hohlheit! Musik ist ein Gift, das in geringen Mengen heilend wirkt. Denkt daran und mißbraucht nicht die Gastfreundschaft, um eure Gäste musikalisch zu foltern. Gerade weil ich Musik außerordentlich schätze, äußere ich diese Ansicht. Aber es gibt ein einfaches Mittel, um die gefährliche Wirkung abzuschwächen: Maßhalten in der Größe der Stücke und Abwechslung! Einzelgesang, gemischter Chor (Jungen und Mädel). Knabenchor. Mädchenchor. Violine. Klavier, Kammermusik (Streichtrios. Streichquartette usw.). Orchesterstücke usw. haben ganz verschiedenen Klangcharakter undj können mit einigem Geschick Nmit anderen Vorträgen (Gedichten. Ansprachen. Einaktern) zu einem farbenfrohen Kranz vereinigt werden. Aber auch hier gilt das gleiche wie oben: keine Effekthascherei! — Vermeidet in der Auswahl der Stücke alles Banale. Flache und Niedrige. Echte Freude soll indes zu ihrem Recht kommen: das ist kein Widerspruch zu der weihevollen Stimmung. Nichts Dumpfes soll uns . beschweren, leichtbeschwingt und freudig soll unser Geist sein, besonders bei einer Chanukkafeier. Empor, aufwärts, der Sonne entgegen — sei unsre Einstellung. Vergessen wir aber nicht, daß selbst die Sonne nur einen schwachen Abglanz der göttlichen Unendlichkeit widerspiegelt. Aus1 dieser Einstellung heraus wählet die Stücke. '■ Ein Gewinn wird es euch allen sein, wenn ihr die Gäste nicht als Gäste betrachtet, sondern euch alle als eine Gemeinde fühlt, wenn das gleich in der begrüßenden Ansprache zum Ausdruck gebracht wird und wenn ein unsichtbares Band alle umschlingt. Gebt einmal für Augenblicke eure Eigenpersönlichkeit auf. Im Anschluß an den Vorschlag, auch mit Tanz und Reigen und mit gvmnastischen Vorführungen aufzuwarten, wäre die Frage zu überlegen, ob am Chanukkaabend allgemein getanzt werden soll. Diese Frage berührt im Grunde die sogenannten Aelteren, aber im Interesse der Stileinheit des Abends muß hier gesagf Werden, daß — wenn wirklich das Verlangen zürn Tanz durchbrechen will — es am besten in einer Nachfeier zu seinem Rechte kommen mag. Sorgt füreine nette Verlosung! Euer Bekanntenkreis wird sicher vorher manches schöne Geschenk stiften, besonders wenn ihr zusagt, an jeder Spende den Namen des Gebers anzubringen. Ich halte es für empfehlenswert, allen Anwesenden Lose unentgeltlich zukommen zu lassen. Ihr werdet dabei bestimmt nicht schlechter wegkommen. Wenn die Jugend nicht großzügig denkt — wer dann? Vielleicht klingt euch manches aus diesen Zeilen unmodern und unzeitgemäß in den Tagen der Sachlichkeit, der Sportleichtigkeit und des Bauhausstils. Ich las einmal ein schönes Wort: daß nämlich modern und modern mit den gleichen Zeichen geschrieben werden! Wir suchen doch das Bleibende, das über den Tag und Alltag Hinausragende, wenn wir eine 12 Feier für unser Chanukkafest vorbereiten. Dieses Unvergängliche ist, was wir mit dem Namen Gott zu begreifen suchen, das wir in dem Bleibenden in uns selber, in unsrer Seele, die vielleicht ohne Zeit und Raum ist, zu erleben vermögen. Nicht nuf als nationales Fest, vor allem als religiöses Fest — religiös im weitesten Sinne — unabhängig von jeglicher dogmatischer Einschränkung — wollen wir unsren Chanukkaabend feiern, und wir finden dann in ihm. wenn auch in anderer Art, das, was einst ünsre Väter suchten und fanden: Befreiung! Dr. Artur Reichenberg er, Ichenhausen. Das Programm für eine ChanuKKafeier Auf eine Anfrage gibt mir Rabbiner Dr. Schönberger, Aachen, die fügenden Hinweise: An dem Anfang der Feier steht das Anzünden der Lichter durch einen Junggruppier. Die Tafel darf ruhig mit mehreren Menauraus geschmückt sein, an denen alle Lichter brennen. Dann folgt das hebräische Moaus Zur im gemeinsamen Gesang. Kurze Ansprache: Makkahäergeist und das Ewige in ihm. Moaus Zur in guter deutscher Ucbersetzung, auch wieder gemeinschaftlich gesungen. Nach der Kaffeetafel ein Festspiel. Zu empfehlen ist das neu verfaßte Spiel von Emil Cohn im jeizt herausgekommenen Jugendkalendcr für das Jahr 5689 (Jüdischer Verlag. Berlin). Das Buch ist an sich überhaupt für die jüngere Jugend äußerst geeignet! Auf besonderen Wunsch kann auch ein Festspiel für die reifere Jugend (Chanukka-Sprechchor) von Dr. Siegfried A s c h n e r beschafft werden. An das Ende der Veranstaltung komnjen etwaige künstlerische Darbietungen, Gedichte usw. J. R. und was ich noch außerdem vorschlagen mochte Chanukka in der Junggruppe ^- das muß unter allen Umständen etwas Besonderes werden! Das sollten sfeh die Führer zunächst überlegen! Aber wirklich eingehend und gewissenhaft überlegen! Sonst kriegen diese unsre Junggruppenfeiern dasselbe unpersönlich-banale Gesicht, das uns aus tausend Chanukkafeiern her geläufig bis zur Gleichgültigkeit geworden ist. Festspiele? Fein. Sprechchöre? Noch feiner. Aber — —! So was darf nur wie ein elementarer Sturm emporsprudeln. Das Anöden mit wundervoll dressierten Gesten und Tanzbewegungen und die Protzerei mit auswendig gepaukten Versen irgendeines traditionellen Chanukkapoeten — nichts wirkt grotesker und beschämender bei so wirklich jungen Menschenkindern, wie wir sie doch in unsren Gruppen haben! Ach so — vielleicht reflektieren diverse Tanten und ähnliche Verwandte auf die Glorie und auf die billigen Effekte regelrecht einstudierter Theatermacherei. , . Werft das Wunderkindersystem aus euren jugendlichen Reihen! Chanukka in der'Junggruppe! Das muß man schon an den Vorbereitungen, Vorfreuden, Vorahnungen erkennen. Viel niedlicher und geistreicher als das ellenlange Memorieren kunstvoll geschweißter Gedichte und Prologe wären die Bastelabende letzt vor dem 25. Kislew. Warum müßt ihr euch den vernickelten Chanukkaleuchter von Madame Soundso für euer Fest pumpen? Wetzt Verstand und Messer, schnitzt, kleistert und klebt, zeichnet und probiert — möglicherweise könnt ihr endlich auch selber so eine Menorah fabrizieren. Sie muß wahrhaftig keine Aehnlichkeit mit einem Erzeugnis der Kunstakademie haben! Diese Bastelabende — ja! Wolltet ihr nicht eine Verlosung am Chanukkaabend arrangieren? Lauft bitte nicht durch die Familien, um dafür Gegenstände, unmoderne Bhimcnvascn, Nippes aus der seligen Zeit des Jugendstils und die übrigen überflüssigen Gewinne vom vorigen Jahr zu ergattern. Bitte, strengt euch lieber ein bissei an und bastelt selber die Gewinnliste zusammen: Geschnitzle Flaschenkorken, geklebte, gerahmte Bildchen. Silhouetten, kleine Laubsägearbeiten — kurz und gut: macht jetzt für sechs Wochen eine kleine Werktstatt auf. Wenn es dann so weit ist und die offiziellen Menschen sich mit offiziellen Gesichtern zu den offiziellen Chanukkafeiern begeben, dann setzt euch um einen Tisch. Zwanglos, gemütlich, ohne Lampenfieber — wie in einer Familie. Selbstverständlich auch Eltern. Freunde und andere sogenannte Erwachsene, die jede feierliche Aufregung und jede aufregende Feierlichkeit verabscheuen. Auf dem Tisch steht eure eigenhändig zusammenkomponierte Menorah, ringsherum stellt ihr — nach altem Brauch — die Teller mit Nüssen usw., und nach dem Moaus Zur wird erst mal, was auch alter Brauch ist, ordentlich gespielt. Es soll da so alte Spiele geben, an die man heute vor lauter Feierei kaum noch denkt. Habt ihr schon einmal vom Trendel gehört? Trendel ist ein Stück alt,üdischcr Gemütlichkeit.

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