Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 11 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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DIE JUNGGRUPPE Die Schrillleitung dieser Rubrik liegt in den Hfinden von Jack Raphael. Beckum I. W., an den alle Einsendungen zu richten sind. Der Einzelne und die messe Die Diskussion über dieses Thema, das unser Freund Hans Cohn, Kaiserslautern, angeschlagen hat, ist sehr rege. Heute bringen wir einen Teil der eingegangenen Erwiderungen. Eine Antwort. Auch von einem Fünfzehnjährigen. Bei der Erklärung des Wortes Gemeinschaft glaube ich, daß Gemeinschaft etwas allgemeiner aufzufassen ist. — Wenn sich Menschen irgendwo treffen und dann unterhalten, ganz gleich wie lange, bilden sie eine Gemeinschaft. Das Bewußtsein, daß es sich hier um eine solche handelt, kommt meistens erst den Neuhinzutretenden. Bei dieser Erklärung kann sich die Gemeinschaft ein Ziel setzen. Aber ein Ziel (der Zweck ja) ist durchaus nicht immer notwendig. Der Zweck, der oft nicht zum Bewußtsein kommt, ist zwar natürliche Voraussetzung einer Gemeinschaft. Trotzdem brauchen sich die Mitglieder der Gemeinschaft nicht aufzuopfern. Denken wir an. einen Kegelklub. Dort wird auch eine Gemeinschaft gebildet. Aber es bleibt zu fragen, ob die Mitglieder sich wirklich mit „größter Selbstaufopferung" dem Ziel und Zweck widmen. Dann: Kann es denn noch ein einziges frei und allein dastehendes Ich geben? Sind nicht alle Persönlichkeiten erst den Weg der Masse gegangen? Das Ich kann erst durch die Masse zur Geltung hommen. Es besteht wohl, aber erst durch die Masse! Ich will damit sagen, daß die Masse nicht nur tötet, sondern auch aufbaut! Führer entstehen durch die Erkenntnis der Masse. Solohe Führer können oft von großem Wert für die Menschen sein! Hat hier die Masse vielleicht einen Wert verkannt? Hat sie hier getötet? Es gilt also hier nicht die Parole: ..Was alt ist, ist gut", denn es ist etwas Neues entstanden. Verdammt darum die Masse nicht! Sie hilft und baut auf! Werner Borchardt, Bernburg. Gedanken eines etwas neueren Zunächst leugnet C. das Bestehen einer Gemeinschaft in der heutigen Zeit. Ich streite ihm durchaus nicht das Recht zu einer solchen Behauptung ab, glaube aber sagen zu dürfen, daß wohl die meisten jungen Menschen -diese Offenbarung als für sie nicht in Frage kommend durchaus ablehnen müssen. Daß sie unjugendlich ist, wird zunächst einmal niemand bestreiten können, ich hoffe aber, abgesehen davon, daß selbst dann, wenn wir, die wir heute jung sind, einmal alt, abgeklärt und weise sein werden, nie nötig haben werden, uns diese Ansicht zu eigen machen zu müssen. Wozu denn z. B. eine Junggruppe, wenn man nicht an die Gemeinschaft glaubt? Ich kann jedenfalls Hans Cohn nur bedauern, wenn er, der doch, wie aus seinen Artikeln hervorgeht, Interesse an diesen Fragen hat, nie eine Gemeinschaft, sei sie jugendbewegt, politisch oder sogar nur sportlicher (dies nur bitte nicht im Sinne der Minderwertigkeit, sondern nur so aufzufassen, daß ich sagen wollte, daß nicht einmal Geist bei einer Gemeinschaft unbedingt Hauptsache sein muß) Natur, kennen und lieben gelernt hat. Daß die Masse das Individuum hemmt, ist eine Selbstverständlichkeit, es steht aber für mich fest, daß gerade aus dieser Hemmnis die größten Erfolge erzielt sind. Ich glaube daran, daß sich jedes Genie, wenn es sein muß, auch gegen die Masse durchsetzen wird, wenn nicht, liegt das Manko eben bei dem Genie. Ungleich schöner und für mich als das einzig Wertvolle erscheint mir aber das Gehen mit der Masse eben als Führer im höchsten Sinne des Wortes. Wo wäre eine Möglichkeit für das Gedeihen einer'jeglichen Bewegung, wie auch z. B. des Jugendvereins, ohne die nie erlahmende Begeisterung der Führer oder, wie man will, auch der Dozenten, die doch eben nichts anderes tun als sich, eben durch ihre Tätigkeit, für den vorerwähnten Gedanken einsetzen. Alles, was bisher gesagt wurde, ist schließlich Ansichtssache, und man kann auch anderer Ansicht sein, der Hauptgrund meiner Entgegnung ist aber der Satz mit der Lohnerhöhung. Gerade der Jugendverein sieht seine vornehmste Aufgabe in der sozialen Arbeit. Man kann zu der Ansicht der Zweckmäßigkeit derselben stehen wie man will und wird selbstverständlich von den Junggruppen diese Arbeit nicht verlangen können und wollen, was aber selbstverständlich sein muß, ist soziales Gefühl, auch bei den Allerjüngsten.' Die Worte von C. wirken, ich bin sicher, ungewollt, direkt asozial. Bemerken möchte ich, daß ich durchaus politisch den Sozialismus ablehne. Trotzdem behaupte ich. daß eine Lohnerhöhung wichtiger sein dürfte, als jede Förderung eines einzelnen, da gerade vom kulturellen Standpunkt aus durch Forderung der Masse mehr erreicht wird als durch Spitzenkultur. Ich gebe absichtlich keine Beispiele, muß aber davor warnen, daß man, wie_Cohn, Masse und Mob gleichsetzt. Er steht auf dem Standpunkt äußerster Konsequenz des Ausleseprinzips und befindet sich damit in guter Gesellschaft, nämlich der gesamten Jugendbewegung; gerade durch diese Ucberspitzelung beweist er aber, daß der einzige Fehler der.Iugendbewegung eben das Ausleseprinzip ist, es ist ja allen bekannt, daß der Jugendverein auch auf dem entgegengesetzten Standpunkt steht. Den Schlußsatz von Cs. Ausführungen wird wohl jeder gern unterschreiben, seinen Weg hierzu wird wohl die Jugend geschlossen ablehnen müssen. Edgar Wolfers. Paris. Die Tat der masse Hans Cohn fragt: Was ist die Masse? Er gibt sich die Antwort: Die Masse ist nichts. Die Massie hängt sich zu sehr an Kleinigkeiten, an nebensächliche Dinge. — Lieber Freund, hast Du schon darüber nachgedacht, wem die Persönlichkeit mit ihrem Werk dient, sei diese Persönlichkeit nun Dichter. Komponist, Philosoph oder Staatsmann? Weißt Du nicht, daß die Kultur eines Volkes — der Masse — im Verhältnis zur Größe seiner Führer — der Persönlichkeiten — steht? Freilich, die Masse hat kein einheitliches Gepräge, und es braucht oft Jahrzehnte, ja Jahrhunderte, bis sich die großen Gedanken ihrer Führer verwirklicht haben. Müßte nicht eine Weltrevolution ausbrechen, um Staat, Wirtschaft, Gesellschaft derart umzugestalten, daß die Einzelpersönlichkeit — jede einzelne Person in der Masse — nicht mehr litte runter dem Fluch gesellschaftlicher Willkür? Ich sehe in der kommunistischen Idee das Zeichen kommenden Weltbrandes. Heute jedoch ist die Sprengung gesellschaftlicher Formen eine Unmöglichkeit. Schreitet der Mensch einst zu Gipfeln freieren Menschentums — durch wen war es möglich? Durch den G c d a n-k e n der Persönlichkeit und durch die T a t der Masse. Siegbert Weil, Konstanz. wie ich mir eine ChanukKateier denke Zunächst müssen wir eine klare Grundeinstellung gewinnen. Es gilt, sich zu entscheiden, ob wir den Zuhörern zu Gefallen etwas bieten wollen, oder ob wir uns von einer tief innerlichen Idee tragen lassen, die uns erfüllt, und dann auch all denen, die die Chanukkafeier mit uns erleben, etwas ganz besonders Erhebendes gibt: nennen wir es Weihe. Nur was aus diesem Geiste heraus sich formt, wird einen wahrhaften Wert verkörpern, soll unsre Feier mehr sein als ein Unterhaltungsabend. Eine schöne Chanukkafeier darf also kein Bunter Abend sein, der sich wahllos um das Entzünden der Lichter und das Singen des Chanukkaliedes gruppiert. Die tragende Idee des Ganzen soll unmittelbar aus der Idee des Festes herauswachsen: Lichterweihe — ist der uns nächstliegende Gefühlskreis. Das Lichte, Leuchtende, Gott als das Lichteste und Leuchtendste in der ganzen Schöpfung —, wir selbst durch innigste geistige Verbundenheit mit Gott immer lichter und leuchtender werdend; Licht und Freude um uns verbreitend, und dadurch Licht und Weihe in unser Leben, in die oft so dunkle Welt, hineintragend. Das wäre so ein K e r n g e d a n k e für eine Feier. Und halten wir solch einen Gedanken in Ergriffenheit fest, dann formt er sich von selber weiter, so wie ein Kristall in der richtigen Lösung von selbst weiter wächst. Allen Siegesfeiern üblicher Art dürfte irgendetwas Barbarisches anhaften. Sieg über ,,Feinde" —: liegt nicht das Ziel aller kulturellen Entwicklung auch darin, im Feind den Mit-