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Der Jugendbund · 1928-11-01 · 11 (1.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
11 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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deutschen Jugend gibt, die weiß, daß ihr Schicksal' sich nicht abstrahiert von dem der Jugend aller anderen Völker gestalten wird. .1. „Jahrgang 1902". Von Ernst Glaeser. Erschienen bei Gustav Kiepenheuer. Potsdam. 354 Seiten. Preis geb. 6.— RM. Es ist etwas Eigenartiges um diesen Dichter und dieses Buch. — Zuweilen las man in der ..Frankfurter Zeitung" durch ihren knappen Stil auffallende Feuilletons Ernst Glaesers, und •in der ..Weltbühne" die Besprechung und Wertung der „Rheinischen Dichtertagung". Nun erscheint bei Kiepenheucr. der Zweigs „Grischa" herausgebracht hat. der „Roman" „Jahrgang 19*02". — Nein, dies ist kein Roman, das sind in Aufrichtigkeit zu einem Buch gestaltete Eindrücke: Spiegelbilder unsrer selbst, und jeder von uns. der Generation, die nicht alt genug war, um in den Krieg zu ziehen, erkennt in einer der Personen dieses Buches sich selbst und sein Milieu, die gestaltet sind, nicht als ob zehn Jahre Distanz dazwischen lägen. — Daß wir zehn Jahre auf dieses Buch, das die Beziehungen aller Geschehnisse zum Krieg meisterhaft darstellt, handle es sich um die Jungenspiele, bei denen den Mädchen die Rolle der Krankenschwester zufiel, handle es sich um das Inbeziehungsctzen des Unterrichtsstoffes zum Krieg, warten mußten, daß es nach zehn Jahren uns die Erlebnisse wieder so sinnfällig macht, daß das Rad Gedanken rückwärts gedreht zu werden scheint, zeugt von der Stärke dieses Dichters, der bei allem, wie er in einer Zwischenbemerkung betont, nichts andere« als die Wahrheit sagen will, und iede Absicht zu dichten * on sich weist. — „Jahrgang 1902" ist eins der wichtigsten Bücher, und keiner von uns wird daran vorbeigehen können, wird darum nicht daran vorbeigehen können, weil Ernst Glaeser die junge Generation, die Kriegsbrot und geistige Kriegsko«t gegessen hat. vor denen legitimiert, die zu wissen vorgeben, welche Haltung und Leistung ihr zukommt. J. J. Das Taschenbuch für Laienspieler. Herausgegeben von Dr. Rieh. Beitl. 1928. 1. bis 10. Auflage. Preis kart. 1— RM. Bühnenvolksbundvcrlag. Berlin. Endlich ein Spielberatcr. der im wahrsten Sinne des Wortes das Wesentliche seiner Aufgabe erfüllt! Das künstlerisch ausgestattete, mit Festzeitenkalendariura und Jahreskalender versehene Werk bringt auf mehr als 250 Seiten eine Zusammenstellung aller im ßühncnvolksbundverlag er'scrttenenen Spiele, ungefähr 180 Werke, die in 15 Spielarten aufgeteilt sind. Die Ausführungen zu den einzelnen Spielen sind frisch, inhaltvoll, anregend geschrieben, sie gehen ferner — und das ist das Wesentlichste —, vielleicht zum ersten Male in einem Spielkatalog, von den lebendigen Erfordernissen der Spielarbeit aus. Sie berücksichtigen, abgesehen von der Begründung ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spiel- Gattung, das Lebensalter {Kind. Schüler, Jugendliche usw.), den Lebens räum (Dorf, Stadt usw.), das Spiel m o t i v , technische Voraussetzungen der spielerischen Durchführung, Regie - und Spielmöglichkeiten besonderer Art, also eine Fülle von praktischen Merkmalen, die für eine sachgemäße Selbstberatung unentbehrlich sind. Darüber hinaus wird das gesamte Werk ebenso wie jede einzelne Spielart von Aufsätzen eingeleitet, in denen der Sinn des Spielens und der der einzelnen Gattung im Gesamtspielgut seine grundsätzliche und richtunggebende Deutung erhält. Was diese Aufsätze und das gesamte Werk auszeichnet, ist, um es noch einmal zu wiederholen, die überall sichtbare Verbundenheit mit den Gegebenheiten und lebendigen Erfordernissen des Spieles, die Spielerfahrung langer Jahre und die verantwortungsbewußte theoretische und sachliche Auseinandersetzung mit den Fragen einer umfassenden, sinnvollen Spielberatung. Mehrere Register am Schlüsse des Werkes, ein Anhang mit Angaben über Hilfsbücher des Spiels sowie andere Mittel zur Ausgestaltung spielerischer Betätigung, endlich ein Notizenteil und eine Tasche für Regiezcttel und Ergänzungen dienen zur rein praktischtechnischen Unterstützung dieser ehrlichen, ganz Spiel und Spielern gewidmeten Arbeit. Den Vereinen, insbesondere den Junggruppen, ist daher die Anschaffung dieses vom Verlag zum Selbstkostenpreis billig abgegebenen Beraters dringend zu empfehlen, wenn natürlich auch Jüdisches nicht zu Worte kommt. Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände. Tätigkeitsbericht für das Geschäftsjahr 1926 27, der Hauptversammlung zum 16. Oktober 1928 zu Berlin im Auftrage des Vorstandes vorgelegt von dem Geschäftsführer Hermann Maaß, Berlin. 1928. 64 S. Preis 1,— RM. Als im Vorjahre im Berliner Schloß Bellevue die Ausstellung „Das neue Deutschland" eröffnet wurde, sah sich ein großer Teil der Öffentlichkeit zum ersten Male der Tatsache gegenüber, daß im „Reichsausschuß der deutschen .1 u g e n d v e r b ä n d e" der größte Teil der organisierten Jugend Deutschlands zu gemeinsamen Aufgaben und zu verantwortungsvoller Mitarbeit der Jugendverbände in Volk und (Fortsetzung siehe Seite 13.) angehörte, fühlte sie die Notwendigkeit, etwas für die Aussöhnung mit dem uralten Vorurteil zu tun. Ihr bedeuteten Männer und Frauen nichts weiter als Männer und Frauen; sie teilte sie nicht in Juden und Christen. Zweifellos war sie lieber Jüdin als sonst irgend etwas in der Welt, dennoch stritt sie heftig gegen den. der ihr vielleicht sagte, sie könne keine gute englische Frau sein. Ihr Sohn, der ein Zionist war, hatte es*einmal behauptet, und das konnte sie ihm nicht ohne weiteres verzeihen! Ein milder Novembernachmittag. Ueber der Straße flattert ein matter Nebel. Kleine Tropfen rannen an den Laterncnpfählen herunter. In Cohens Wohnzimmer war's nicht weniger unbehaglich. Kläglich mühte sich das Feuerchen ab: Mary konnte es nicht richtig zum Brennen bringen. (Der Wind war verkehrt.-. . ■—.) Um die Bilderrahmen und Stühle wand sich der eklige Qualm. Das einzig Warme im Zimmer war die Vase mit herrlich roten Rosen. Zwei Minuten später hatte sich die Situation geändert. Frau Cohen stürzte in die Ungemütlichkeit hinein — diesmal in Brokatschuhen. A la bonheur! Sie zupfte an den schweren Gardinen, stocherte das Feuer auf. stocherte und stocherte. Ur.d es kam Leben in die Bude! Die Tür wurde weit geöffnet: Onkel Isaak mit wundervoller Glatze und ansehnlicher Beleibtheit lächelte durch die Pfosten. Ihm folgte das ganze Haus Israel. Ein babylonisches Stimmengewirr erhob sich: Wissenschaft. Kunst, Literatur — alles wurde von tauserd Gesichtspunkten aus durcheinander diskutiert, manchmal mit besonderem Sinn, immer aber mit Interesse. Frau Cohen war überall, prahlte mit den neu gekauften Gemälden, meckerte über Onkel Isaaks jüdische Witze, behandelte ausgiebig die Neuigkeit, daß die Schwester irgendeiner Freundin in Paris ein Baby bekommen hätte. . . Aber zwischendurch lauschte sie: Ob sie wohl noch kommen werden?? 10 Die Gespräche wogten. . „Meines Erachtens gehen all diese sogenannten modernen Werke auf Aegypten zurück!" ..Hüte dich vor einem fremden Doktor, meine Liebe, er redet nicht zu, doch ich sage jedesmal---" „Musik, ja Musik ist die Grundlage der Poesie!" „Wieviel, hast du gesagt, hat Cohen für die Bilderchen gegeben?" „Nu, er ist ein glücklicher Mensch, daß er sich so was leisten kann!" Sie aber lauschte, lauschte. . . Ob sie vielleicht doch nicht —.? In allerliebsten Porzellantäßchen wurde der Kaffee serviert. Berge von Schnittchen und Brötchen schmolzen dahin. (Uebrigens teilte der Butterkuchen dasselbe Schicksal.) Vier Uhr dreißig. Noch plauschte und schnäbelte man. — Fünf Uhr! Das Zimmer wurde leerer. Ein paar Spielratten setzten sich zu einer Partie Bridge in eine Ecke. Onkel Isaak sah auf die Uhr und ging. Fünf Uhr dreißig: Nur die Bridgespieler waren noch da und nebenan plapperte und lachte das junge Volk. Eine halbe Stunde darauf waren alle fort. | „Ich glaube, es war ein äußerst gemütlich"- V tag. außer für deine christlichen Freunde . . ." sa len und zwinkerte, seinen Töchtern zu. Frau Cohe >fa Weinte. „Die Juden von Nummer 10 hatten heute n. Empfang", sprach Frau Smith, „sie sandten uns t eine Einladung!" „Well", brummte ihr Gatte, und was er hii verdammte Aehnlichkeit mit einem be—rühm Zitat aus dem Götz von Berlichingen. (Deutsch von J. I en :h

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