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Der Jugendbund · 1928-11-01 · 11 (1.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
11 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Organisation heraus, einen katholischen Standpunkt zu den angeschnittenen Fraßen präzisieren, jüdischer Jugend fehlt jedwede internationale, d. h. die über die Grenzen der einzelnen Wohnländer verbindende Organisation. — Die Aufgaben, die einem Weltbund jüdischer Jugend im innerjüdischen Lehen erwachsen, werden bei den Bestrebungen, die unser Verband mit jüdischen Jugendorganisationen anderer Länder verbindet, größter Aufmerksamkeit der weitesten Oeffentlichkeit weiter sicher sein. — Diese Organisation, und das ist das Positivste, was wir als Juden aus Herde mit nach Hause genommen haben, aber ist die Vorbedingung für eine Mitarbeit der jüdischen Jugend an den Fragen der Jugend der Welt, wenn wir überhaupt glauben, daß Juden noch die Aufgabe und Fähigkeit haben, uns aus jüdischem Kulturgut und der jüdischen Existenz heraus an diesen Dingen mitzuarbeiten. Erwächst uns noch eine Aufgabe? — Die beiden großen Fronten auf dem Weltkriegsschauplatz der Gegenwart, die Front des Orients gegen die des Okzidents, bedürfen eines Vermittlers, wenn sie sich nicht gegenseitig zerreiben sollen, wenn wir überhaupt zu glauben vermögen, daß die großen Fragen mit non violence, phne Anwendung von Gewalt gelöst werden können, und es will scheinen, als ob eine Gewaltlösung alles zerstöre. — Wer aber besitzt für diese Vermittlerrolle bessere Vorbedingungen als die Juden? Leayes Duhamel sagt in seinem in der „Neuen Rundschau" erschienenen Aufsatz „Vom europäischen Geist": „Ich habe oft daran gedacht, daß dieses Amt eines Verbindungsorganes zwischen dem Geist des Orients und dem Geist des Okzidents die natürliche Mission der Juden sein könnte. — Die Juden sind ein sehr kluges Volk, das im Westen kräftige Wurzel geschlagen hat und doch zu dem heimatlichen Orient feine Beziehungen gewahrt hat." Man sollte glauben, daß, wenn es so etwas gibt, wie die viel besprochene „jüdische Mission" — dies wahrhaft die natürliche Mission ist; wenn Duhamel von einem französischen Juden geantwortet wurde: „Wir sind schon zu sehr französisch," dient dieser Erkenntnis, daß wir die fejnen Beziehungen zu dem Orient nicht in dem Maße gewahrt haben, wie es Duhamel annimmt, ein Teil unserer Erziehungsarbeit, und man kann zu dem neuen Werden, in Palästina stehen wie man will, es ist unausgesprochener Wunsch, daß es gelingt, doch ein kulturelles Zentrum zu schaffen, das Mittelpunkt und Mittlerpunkt in der großen Auseinandersetzung der Zeit wird. — Wichtig im Anschluß an Eerde ist die innerjüdische Debatte. Daß man sich klar wird, was Zusammenarbeit nach innen und außen bedeutet, daß man nach Formen sucht, in denen der Gesamtwille einzelner Probleme Raum findet, daß man arbeitet, um zu einem anderen Auftreten, zu einem jüdischen Auftreten, zu gelangen. — . Zuerst heißt es eine Selbstdarstellung zu geben, und verständlich das Geteiltsein zu einer Idee zu synthetisieren. Dann hat jüdische Jugend im Weltbund jüdischer Jugend als sinnbewußter Teil der Jugend der Welt die Möglichkeit, jüdisch an der Frage des Friedens, die die Frage der Menschheit ist, mitzuarbeiten.— V. . Etwas sei noch über diesen Kongreß als Erlebnis gesagt, denn das war er, trotz allem! — Ein Erlebnis von noch nicht dagewesener Eindringlichkeit. — Ein in Heide und Wald hineingebautes Lager weißer Zelte, mit einem wohltätigen, von heißen Duschen umgebenen Waschhof, Post, Pressebüro und Krankenhaus, Eß- und Beratungszelle und das große Versammlungszelt, das war das Aeußere dieses Treffens, das ein Sprachengewirr buntfarbiger Menschen, in europäischen und kostbar gewirkten National-Trachten. •— So war man zehn Tage beisammen, als ob diese Einheit der Welt und der Menschheit ein Selbstverständliches wäre, ohne über diese Wirklichkeit zu staunen, von der man bestenfalls gehört und gelesen hatte. Aus jedem Land eigene, charakteristische Typen, Franzosen tanzten mit Deutschen Volkstänze, Indier, Chinesen und Neger saßen, Lieder singend, ums Feuer. — Diese Erlebnisse, heute fast Träume — heute bestaunt mit dem Willen zur Verwirklichung, ihm als ein Bleibendes Gestalt zu verleihen. Aufgaben der Jugendpressß beim Friedenswerk von Werner Jantscnge, Frankhirt a. ffl. Aus jeder Erkenntnis erwächst eine neue Verpflichtung. Alles Friedenswerk sollte eine Frucht höchster Erkenntnis der wahren Menschheitsaufgabe sein. Alles Friedenswerk sollte die Erkenntnis dieser Menschheitsaufgabe vermitteln helfen. Damit ist die eigentliche Aufgabe und der eigentliche Inhalt wahrer Friedensarbeit klar umschrieben. Damit ist zugleich der Weg gewiesen, der allein die Friedensarbeit sinnvoll machen kann. Alles was nicht vor dem innersten Ja bestehen kann, wird ohne Zweifel der Friedensarbeit nur einen sehr bedingten Dienst erweisen können. Voraussetzung der Friedensarbeit ist Wissen — selbst wissen und Wissen vermitteln. Nur aus dem Wissen ist ein Ja oder ein Nein möglich. Deshalb muß es für die Arbeiter am Werke des Friedens erstes Erfordernis sein, sich Wissen anzueignen — und zweitens, den anderen das Wissen zu vermitteln. Die „alte" Friedensbewegung hatte es leicht: sie konnte sich auf das Ethos berufen und den Krieg als unsittlich verdammen; sie konnte rufen: „Die Waffen nieder!" und im Patriotismus die Gefahr erblicken. Heute spricht alle Welt von der „Aechtung" des Krieges — und der Vötfcerbund ist eine (mehr oder weniger) anerkannte „internationale" Organisation. Den Frieden aber haben wir immer noch nicht. Es ist offenkundig, daß da ein Fehler stecken muß. Und er steckt höchst einfach in der Tatsache, daß das Kriegsproblem ein schwierigeres ist als nur das Tötungsproblem. Das Kriegsproblem liegt in der Gesamtheit der augenblicklich herrschenden Verhältnisse verankert. Man hat erkannt, daß nicht nur die nationalen und auch nicht einmal nur die wirtschaftlichen (obgleich man diese immer noch viel zu wenig beachten will!) Verhältnisse Ursachen von Kriegen sind, sondern daß außer ihnen fast sämtliche herrschenden Zustände den Keim zu kriegerischer Auseinandersetzung in sich tragen. Deshalb auf den „Friedenskongressen" das steigende Interesse für soziale, für wirtschaftliche, für pädagogische ja selbst für religiöse und lebensreformerische Fragen! Und deshalb die Notwendigkeit, sich mit allen Problemen des öffentlichen Lebens auseinanderzusetzen, allen Dingen womöglich auf den letzten Grund zu kommen, alle Ansichten anzuhören und ihren positiven Wert zu erkunden. sillu.sionierung! — Ernüchterung! muß die Parole unserer Zeit heißen. Wir müssen aufräumen mit den Vorurteilen und aufräumen mit den Illusionen, mit denen wir unsere eigene „Weltanschauung" verbrämen. Wir müssen den zahllosen Selbsttäuschungen zu Leibe rücken, denen wir uns hingehen, damit unsere Rechnung aufgeht, damit wir „in Frieden" leben können. Unruhvoll müssen wir werden, um die wahre Ruhe zu finden, nicht zufrieden sein mit dem Erreichten, um die höhere Weisheit zu erreichen. Immer nur einen Ruhepunkt wissen, der — jenseits unseres „Wissens" liegt; die Erde aber zerwühlen, um von allem die Schlacken zu hrechen und zum lauteren E r z zu stoßen, damit unsere Ohren wieder den helltönenden Klang auch von außen hören, den sie nur von einem fernen jenseitigen „inneren" Wissen her kennen. —■-- Den „Frieden" können wir nur erreichen, wenn alle Zusammenhänge so klar geworden und aufeinander abgestimmt sind, daß sie sich nicht mehr im Räume stoßen und Mißklänge erzeugen. Je klarer und reiner das Verhältnis der Menschen untereinander wird, desto gewaltiger wird der Akkord tönen in dieser Menschheitssymphonie. Aber bis zum vollen Gleichklang werden noch Jahrhunderte — Jahrtausende? — vergehen — oder wird er stets nur ein ewig unerfüllbarer Traum der Menschheit bleiben? Die Frage ist heute, wie wir Menschen am besten miteinander auskommen. Das ist die eigentliche akute Friedensfrage. Um das Wissen von den Dingen und den Zusammenhängen zu bekommen, muß man sich mit ihnen eingehend beschäftigen, Um seine eigenen Illusionen zu erkennen, muß man sich 'mit 3

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