Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 11 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Stellung ein. indem sie die Formen und Gedanken der Meißner Jugend weiterzutragen versuchen, so stellte sich hier, im internationalen Zusammenhang klar heraus, daß Jugend und Jugendbewegung \ erschiedenstes ist: daß Jugendabgeschlossenheit gegen die Vielfalt der W elt. gegen jedwedes politische Dogma gerichtet, sein kann, im Geiste der Jugendbewegung sein kann: diese Jugend (die wir so gerne als die Jugend par exellence, möchte man sagen, nahmen) gab es nur bei den deutschen, und es ist vielleicht möglich, sie volkhaft zu erklären. — Aber dann war die Jugend aller anderen Völker und auch die der zukunits'4läubii;en III. Internationale nicht Jugend von vorgestern, sie demonstrierten durch ihre Existenz, daß Jungsein mit Traditionsgebundenheit einerseits und dogmatischem Zukunttsglauben andererseits durchaus keine Dinge sind, die sich einander ausschließen. — Die weniger Bündischen schienen (und vielleicht kamen sie sich auch so vor) zurückgebliebene Menschen einer verspäteten Entwicklung. — Falsch war es jedenfalls, die Organisationsform der Länderdelegationen zu wählen, die zum Teil, wie die deutsche, verbuchten, gemeinsame Aktionen durchzuführen. — Der Beginn des Kongresses zeigte schon, daß von geschlossenen Länderdelegationen nicht geredet werdenl könne; die Jugend hat anscheinend doch ihre geistige Entwicklung über die Grenzpfähle hinausgeführt, trotz Krieg, und man kann das Substantiv ..Welt" \ielleicht jetzt schon auch in anderem Zusammenhang als Vorsilbe benutzen, als in dem Begriii der Weltwirtschaft! — Die Länderdelegationen teilten sich in dem internationalen Zusammenhang dieses Kongresse auf. und die weltanschaulichen Gruppen aller Länder stellten rsich zusammen, am stärksten wirkten in dieser Richtung die III. Internationale trotz (oder weil?) die russischen Delegierten infolge Boßverweigerung nicht teilgenommen haben, sehr zum Schaden des Kongresses, denn sie hätten in der wichtigen ..Georgien-Frage", die nur unvollkommen behandelt werden könnte, vielleicht wertvolle Aufschlüsse geben können. — Gleich die Eröffnung begann mit einem Vorstuß der Kommunisten, den die gesamten Deutschen so heftig^ unterstützten, jdaß sie in den-Verruf kamen, eine Variante: des Konimunismus zu sein; das verursachte ein angelsächsisch-westliches in die Verteidigung gedrängtes Lager als Gegner: die Vorstoßenden verstanden ihre Chance nicht zu nützen, ein Tohuwabohu folgte, und von der Milte der Tagung an setzten sich die ursprünglich in die Verteidigung Gedrängten so durch, daß sie manche überlange, nicht immer hochstehende Rede der Kommunisten über sich ergehen lassen konnten, und brachte die Deutschen durch Aufdeckung .von ki ii promittierenden Verstößen zum Schweigen. — Das liest -.ich. als ob es ein Bericht vom Kriegschauplatz wäre, und das ist richtig so. denn die Gegensätze, die bestanden und das Bild dieses Kongresses ausmachten, sollen in aller Klarheit aufgezeigt werden. — Es war vor allem ein politischer Kongreß, aber trotzdem in jeder Situation ein Jugendkongreß. Es blieb immer guter W ille vorhanden zum Anhören des gegenseitigen Standpunktes. Die Kommunisten haben ihr Versprechen gehalten, mitzuarbeiten: in allen Kommissionen sagten sie das Ihrige zur Sache, sehr oft propagandistisch; aber es wäre besser für sie gewesen, immer propagandistisch zu bleiben und njeht dt-m Bürger allzu viel Angst ob der Nähe des Untergang« «einer bürgerlichen Existenz zu machen. Die Vertreter der unterdrückten Völker waren die Bevorzugten dieses Kongresses, Inder. Chinesen. Neger; alle waren mit ihnen eins in der Feindschaft gegen den Imperialismus, zum Teil, weil man sie als starke Verbündete im Kampf gegen die Feinde von Friede und Recht ansah. — Das Ergebnis der Arbeiten des Kongresses ist in Konimissionsberichten und Resolutionen niedergelegt. Alles, worüber sich die Staatsmänner den Kopf zerbrechen: Wirtschaft, Politik, Religion. Moral. Erziehung, Angelegenheiten der Rassen und Minoritäten ist Programm gewesen: ein allzu weites Programm für das erstmalige Zusammentreffen von Jugendvertretern aller Rassen und Länder. — Aber vielleicht ist die W'eite des Programms das Jugendlichste an diesem Versuch. — Praktische Politik konnte nicht geleistet werden, dafür waren die Umstände und die zur Verfügung stehende Zeit nicht geeignet. Auf eine Unmenge von Geschäftsordnungsdebatten — die nur der Amerikaner Motturs mit seinem über dem „point of order" 2 - stehenden Lächeln meistern konnte, folgten Monologe, die Ausdrücke starken Gruppenwillens waren — eine Diskussion gab es nicht. — Einstimmigkeit war nie vorhanden, und wenn jetzt beim Nachstudieren der Presse- und Kommissionsberichte eine gewisse Klarheit und Richtung Linie gewesen zu sein scheint, so ist das das Gegenteil von dem, was tatsächlich auf diesem Kongreß vorherrschte; die meisten Dinge wurden in einem Verhältnisbesprochen, das etwa dem der photographischen Platte zum abgezogenen Bild entspricht; auf jede Aeußerung folgte die Kundgabe der Reaktion, und so stehen die unmöglichsten und sich widersprechenden Beschlüsse gegeneinander, mit Gewalt und ohne Gewalt soll der Friede geschaffen werden, sozialdemokratische Evolution und kommunistische Revolution die Wege sein, die den schnellsten und sichersten Erfolg verbuchen, um nur einige drastische Beispiele herauszugreifen. — Der Erfolg dieser Resolutions-Manie war. daß einzelne Vertreter erklärten, an der Abstimmung von Resolutionen aus Gewissenszwang heraus nicht mehr mitwirken ■ zu können. — Trotzdem steckt hinter all diesen Resolutionen ein politischer Wille: aus' dem Bedürfnis geboren, den unbestimmten W illen in eine bekenntnishafte Form zu binden. Daß diese Jugendtagung mit den Problemen, die sie angepackt hat, nicht fertig werden konnte, besagt nichts gegen die politische Wirklichkeit der Tagung; was gewollt und von wem es gewollt wird, trat immerhin (wenn auch nicht in letzter Klarheit) in Erscheinung. — Gewiß, es wäre naiv, den Begriff „Vertreter" lo weil zu spannen, daß man die Delegierten als die Vertreter der Jugend von 29 Ländern auffaßt: aber, der Krieg hat Weltpolitik geschaffen und die großen Gegensätze wesentlich vereinfacht, und nur zwei große Mächte standen sich auf diesem, Kongreß gegenüber: der pazifistische Imperialismus des Okzidents und der östliche Kommunismus. Dazwischen standen die unterdrückten Völker, um die beide Mächte werben. Der Kampf der Generationen, der der Jugendbewegung, hat dem Kampf der großen, politischen Systeme Platz gemacht, ganz Bekenntnis zum Werk der Väter. — Der Pazifismus floss nicht aus einer besonderen Jugendlichkeit, sondern aus überjugendlichen Ideenkreisen. — Wie die Jugend dem Pazifismus die Macht zur Umgestaltung verschaffen will, davon wurde nichts gehört — die Kriegsdienstverweigerung war bis weit in die Linke hinein der umkreiste Pol. Aber aus den Worten eines Boten Gandhis klang es heraus, wie wenig die europäische Hoffnung auf Entwicklung mit der -Gehaltlosigkeit Gandhis gemeinsam hat. IV. Der Kongreß nahm in Kommissionen Beschlüsse an, die den Antisemitismus als einen Ausdruck des Imperialismus verwerfen und für die Juden, ■ die sich als Minderheiten bekennen wollen, als Minderheiten die selbstverständlichen (für diesen Kongreß selbstverständlichen) Rechte fordern. Das war alles, was von Juden und Jüdischem auf diesem Kongreß geh irt wurde. — Ist dies zu verwundern? — Juden kamen nach Eerde teils als Vertreter jüdischer Organisationen, teils als Verwalter von Mandaten politischer und überpolitischer V ereinigungen, einer in absoluter Unkenntnis vom anderen und seinem W ollen. — Es ist selten, daß die jüdische Jugend aus dem engen Rahmen ihrer Bundesarbeit hinaus sich dazu aufschwingt, an den allgemeinen Fragen im allgemeinen Rahmen als jüdische Jugend mitzuarbeiten; und für die wenigen Bünde, die den zu plötzlichen großen Sprung, über die Landesgrenzen hinaus in die Mitte des internationalen Jugendkongresses wagten, war dieser Versuch ein gutes Mittel zur Orientierung, ein Erlebnis, aber nicht vorderhand die Chance, das was Juden als Aufgabe haben zu proklamieren, als Weg und als Mittel aufzuzeigen. — Der Resonnanz war nur der sicher, der von der Basis einer sicheren Weltanschauung aus und unter Einstellung in eine der großen Gruppen dieses Kongresses sprach. — Die Zwiespältigkeit des jüdischen Seins, schon rein äußerlich sich darin dokumentierend, daß Juden Angehörige unterdrückter Gruppen sind, aber gleichzeitig am Werk des Imperialismus bauen, das Fehlen eines Gemeinsamen, daß die Synthese der vielen, einzelnen Teilanschauungen sein müßte, ist Ursache. — Die katholische Jugend der Welt konnte aus dem Rahmen ihrer Welt-