Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 10 (1.10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdischer Kinder-Kalender, I. Jahrgang, 56S9, herausgegeben vnn Emil Bernhard Cohn, Jüdischer Verlag, Berlin NW 57, in Pappband 3.60, in Geschenkband 4.80 Mark. Urcr Freund Emil Cohn bat uns zum neuen Jahre ein schönes Geschenk gemacht. Ein Kindcrkalender in Buchform fehlte uns, und dieses Buch vom Verlag vornehm ausgestattet, reich illustriert, auf bestem Papier gedruckt, wird kleinen und großen Kindern eine Quelle vieler Freuden sein. Gleich das Kalendaritim mit seinen schönen Zeichnungen, die den Charakter jedes Monats einprägsam wiedergeben, wird unserer Jugend viel Anlaß zum Nachdenken und Fragen geben. Und dann die Geschichten, Jugenderzählungen ernster und heiterer Art Legenden. Lebensbeschreibungen (z. B. von dem jüdischen Erfinder Schwarz), belehrender Gedichte. Rätsel, Scherzfragen, Fragmichwas. Noten. Bastelarbeiten wie nett der Chan.ikkaleuchter aus Garnrollen). Strickmuster, ein brauchbares Chanukkastiiek, ein Schattenspiel zu Purim, eine Schreibecke und vieles andere! -MI das lebendig gemacht durch viele;chöne Bilder und Tafeln. Ich glaube dies Buch ist ein Treffer, wie lange keiner. Junggruppler. das Buch ist so etwas, wie Ihr es schon lange wünscht. Das müßt Ihr Euch alle kaufen! K. Maximilian S'ein, Vorträge und \n.prachcn. J. Kanffmann- Verlag. Frankfurt a. M. 1928. Das verehrte Mitglied unsere« Beirats, Kommcrzienrat Stein, Berlin, hat zu seinem 60. Geburtstag in einem umfangreichen Bande seine Reden und Ansprachen herausg2gcben. Leo Baeck heb! in seiner Vorrede die Bedeutung eints solchen Werkes heraus: ..Der-Mann der diese Reden gehaltenhat. steht-arbeitsreich und erfolgreich in Wirtschaftsleben, auf einem Platze also, der den Menschen leicht bloß ein .Mensch der Geschäfte sein läßt. . . Diese Vorträge . . beweisen es, wie zu ihm. und von ihm aus, das Geistige, das, .was über das Arbcitsiahr und das Arbeitswissen hinausführt, immer sprach." Für uns im Verbände ist dieses Buch eine Genugtuung. Nächst den Lugen, deren Vizegroßpräsident Stein ist, gilt seine Liebe unseren Jugendvereinen. Er ist einer der \ tcr unseres \ erbandes. Dafür ist Zeuge seire warme und verständnisvolle \n-prache: ..Zur Begründung von JügentJvereineh' . gehalten 19 -S bei der . Großlogensitzung, dafür zeugen die eindringlichen Worte, die er zu der Wiederauirichtung unseres Verbandes bei der Vorstandssitzung in Berlin 1923 (nicht 1926. wie es in dem Buche heißt) an unsere Führer richtete. Selten ist das. was der \ erband erstrebt, klarer und zu Herzen gehender gesagt worden. Wir haben das schöne Gefühl, daß unser Werk, zu dem Stein nicht wenig beigetragen hat, auch ihm zur Kraftquelle geworden ist, die ihn befähigte, über da- Alltagswerk hinauidealen Bestrebungen zu dienen. K. Jüdisches Lexikon, ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens, .begründet von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirchner. Band II. Jüdischer Verlag, Berlin. Wa wir von dem 1. Bar.de dieses verdienstvollen Werkes ■e-e-.igt haben, trifft auf den soeben erschienenen IL Band in verstärktem Malte zu. Es ist eine Wahrhafte Fundgrubejüdivchen Wis-en«. Gerade die konzentrierte Form der einzelnen Artikel sind Prüfsteine. Es ist durchweg gelungen, das Entscheidende in klarer, übersichtlicher Fi rm trotz der gegebenen Kurze vor Augen zu stellen. Dieser Band bringt besonders lehrreiche und wichtige Abschnitte. So „Deutschland" mit den l ntcrabttilungen: Früheste Niederlassungen von Juden, Rechtsverhältnisse der deutschen Juden (bis Ende des 19. Jahrhunderts). Judenverfolgungen und Vertreibungen. Wirtschaitsge chichte. Inneres Leben, geistige Strömungen. Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Ferner ..England", eine gedrängte .und doch klare und anschauliche Geschichte der Juden in England. , Erziehungswesen", „Fauna Palästinas", ..Flora Palästinas" m"it 'ehr guten. Tabellen. „Frankfurt am Main", eine gute Darstellung der Geschichte dieser Gemeinde, ..Frankreich", „Galizien". Sehr wichtig und erschöpfend ist auch der Artikel „Gemeinde"', der diesen Begriff und das, was ihn erfüllt in den Abschnitten Altertum. Mittelalter, neuere Zeit und Gegenwart, behandelt. Besonders lesenswert sind auch die Artikel „Gerichtswesen". ..Gesamtorganisation" und schließlich „Geschichte, politische, der Juden", der ein sehr brauchbares Kompendium unserer Geschichte von der Bibel an bis heute ist. Die angefügten Tabellen geben eine klare Lebersicht. Aus den angeführten Beispielen ist schon die Fülle des Gebotenen ersichtlich. Viele Illustrationen, Karten, Tabellen und Beilagen ergänzen in glücklicher Weise den vorzüglichen 12 Eindruck. Die beiden übrigen Bände sollen noch in diesem Jahre erscheinen. K. Krisis der Religion? Süddeutsche .Monatshefte, München, Juni-Heft 1928: I.S0 Mark). Mag man auch sonst mit der politischen Art der Süddeutschen Monatshefte in keiner Weise einig gehen, mag auch einzelnes in diesem Heft politisch recht unmodern anmuten, gleichwohl wird man die Herausgabe dieses inhaltsreichen Heftes warm begrüßen. Kommen doch darin zahlreiche Vertreter der verschiedensten konfessionellen Richtungen zu Wort, die mit einer erfreulichen Offenheit die religiösen Nöte innerhalb ihres Lagers beleuchten. Und, wir sehen mit einer gewissen Beruhigung, daß vieles, was uns als persönlichste Not erscheint, Not, in der wir uns vereinzelt und verlassen wähnen, Zeitnot ist. Ich glaube, daß gerade auch Heimabende, wo Interesse für solche Fragen besteht, Gewinn aus der Lektüre einzelner Abhandlungen schöpfen könnten. Ich verhehle allerding, nicht, daß manches Kapitel nicht für jedermann ist, sowohl in Stil wie Inhalt, Für un« ganz besonders interessant ist darin die Abhandlung „Die religiöse Krisis im Judentum", von Dr. phil. et jur. Felix Wcltsch in Prag. Die Auseinandersetzung mit diesem tiefschürfenden Aufsatz. gleichgültig, welche endgültige Stellungnahme gewählt wird, dürfte auf jeden Fall lohnend sein.' Es hat keinen Zweck, Vogel-Strauß-Politik in Weltanschauungrfragen zu treiben. Nur wenn wir Schwierigkeiten mannhaft ins Auge sehen, werden wir wahrhafte Ueberwinder. Mancher Zweifel, manche Frage mag hierbei auftauchen. Aber solange wir nicht klar sehen und einen klaren, festen Standpunkt gewonnen haben, sind wir noch nicht gefestigt. Dr. Arthur Reichenberge r. flus dem Leben des Verbandes Gründung des norddeutschen Bezirksverbandes am 26. August 1928 in Lübeck Seil längerer Zeit waren sich die Beteiligten darüber klar, daß der, Nordwestdeutsche Bezirksverband zu groß geworden war. Da der Verband in Norddeutschland immer mehr Fuß faßte, wurde die Gründung 'eines besonderen Norddeutschen Bezirksverbandes erwogen. Am 26. August 1928 kamen Abgeordnete der sich um Lübeck gruppierenden V erbandsvereine in Lübeck zu einer Delegiertentagung zusammen. Schon äußerlich zeigte die Tagung, daß es sich hier um eine bedeutende Gründung handelte. Die Tagung war von etwa 150 Personen besucht, die den Verhandlungen mit der allergrößten Anteilnahme folgten. Die Organisation war über jedes Lob erhaben. 1 Die Tagung wurde eröffnet mit einem von Lola Salomon gut vorgetragenen Melodram „Die Palme". Ein neugegründeter Sprechchor des Lübecker Vereins unter der Leitung von Felix Carlebach zeigte, daß der Lübecker Verein alles daran setzte, die Tagung würdig zu gestalten. In" den Begrüßungsansprachen kam die besondere Bereitschaft aller jüdischen Organisationen zur Mitarbeit an der. Jugendarbeit zum Ausdruck. Es fiel besonders angenehm auf, daß in diesen Worten der Begrüßung keineswegs nur billiges Loh enthalten war. sondern daß die Organisationen ersichtlich .feil allem Ernst mahnend und helfend an der Jugendarbeit teil hatten. * Im Mittelpunkt der Tagung stand das Referat des Rabbiners Dr. Schorsch, Hannover: „Das jüdische Haus, die Grundlage jüdischen Lebens". Ich habe selten ein Referat gehört, das mir so \ iel Anregung gegeben hat, wie dieses. In vorbildlicher, einfacher und anschaulicher Weise legte der Referent dar, welche Bedeutung das jüdische Haus für uns heute noch und heute erst recht hat. Er stellte seine Ausführungen ab auf den Gedanken, daß das Menschenleben sich rhythmisch gestalte, und zeigte, wie stark das Judentum diesen Gedanken in die Tat umsetzte. - * Die Aussprache zeigt zunächst das erfreuliche Bild, daß nicht nur die Berufsredner längst Gehörtes von sich gaben, sondern daß hier wirklich einmal die Jugend selbst das Wort nahm und sich mit den Dingen auseinandersetzte. Angenehm fiel besonders auf, daß Phrasen und billiges Wortgeklüngel streng vermieden wurde. Das, was mir immer als das Ideal einer freien Aussprache vorschwebt, ein leiden-