Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 10 (1.10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492456-6352307-6352543--0694-4928861- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
schaftlicher Wille zur Sachlichkeit, wurde hier in beachtensi, werter Weise angestrebt. Auf welcher Höhe die Tagung stand, bewies vor allem die Tatsache, daQ die Aussprache über Wahlen, Statuten und Geschäftsordnung in kürzester Zeit erledigt wurde. In dem Schlußreferat von Karl Burin: „Jüdische Jugend — jüdische Zukunft", wurde noch einmal der Wille der Jugend zu ernster Arbeit gut zusammengefaßt. Die Tagung war ein großer Erfolg, wohl nicht zum wenigsten deshalb, weil Lübeck ein Zentrum bester jüdischer Kultur ist. Es zeigte sich, daß man es verstand, seinen Gästen wirkliche Gastfreundschaft zu zeigen. Ich bin überzeugt, daß der Norddeutsche Bezirksverband sehr bald einer der Hauptträger des Verbandes sein wird. Herrn. Lehmann, Bremen. mitteldeutsches Treffen Am Sonntag, dem 2. September, trafen sich die mitteldeutschen Vereine mit Ausnahme der thüringischen, die am Sonntag vorher eine Treffahrt. hatten, in Dessau. Zum ersten Male hatte man ein Treffen einberufen, das nicht mit einer Tagung und Vorträgen verbunden war, sondern lediglich der Geselligkeit und der persönlichen Fühlungnahme dienen sollte. Der Erfolg rechtfertigte diese Absicht. Der Besuch war außerordentlich stark und die Stimmung eine sehr gute. Vormittags wurde unter sachkundiger Führung das Bauhaus, Hochschute für moderne Gestaltung, besichtigt; nach Tisch sah man sich die Schönheiten der alten Residenz Dessau an und dann vereinigte eine von den Dessauern gestiftete Kaffeetafel alle Teilnehmer. Nachdem Kantor H e u m a n n die Gaste in Dessau begrüßt hatte, dankte Eugen Roth den Dessauern für die vorbildlich organisierte und gastfreie Aufnahme in Dessau. Vorführungen, Gesellschaftsspiele, Darbietungen der Junggruppen hielten alle noch lange zusammen. Treffahrt niederrhelnischer Bünde vom 26. August 1928 Der Jugendbund Hamborn hatte für Sonntag, den 26. August, zu 'einem großen Treffen nach Diersford bei Wesel eingeladen. Die Bünde Duisburg, Mülheim, Oberhausen, Gladbeck, Wesel, Krefeld, Recklinghausen waren aufgefordert, mitzumachen. Wir Hamborner trafen uns, 13 Mann stark, am Bahnhol Hamborn. Der Zug nach Wesel lief ein; mit einem fürchterlichen Geschrei wurden wir empfangen. Duisburg, Mülheim, Oberhausen saßen in einem Waggon und gaben auf diese etwas geräuschvolle Art ihrer Sympathie Ausdruck. Nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt hatten, stellten wir fest, daß vier Vertreter des noch nicht gegründeten Jugendvereins Sterkrade anwesend waren, mit denen nun schleunigst Freundschaft geschlossen wurde. Mit besonderer Freude nahmen wir von der Anwesenheit Alfred Hammerschlags, Mülheim, des Leiters' unserer Untergruppe West, Kenntnis. In Wesel stießen die Krefelder zu uns. Mit Spannung erwarteten wir das Kommen der Gladbecker. Wir hatten die Gladbecker 14 Tage vorher auf einer Fahrt zum ersten Male kennengelernt und die sympathischen Menschen schnell liebgewonnen. Deshalb wurden besondere Vorbereitungen zu ihrem Empfang getroffen. Sechs mehr oder weniger weiß gekleidete Mädel stellten sich zum Spalier mit Wimpel an der Sperre auf. Der Zug lief ein, die beiden ersten Gladbecker Mädel zeigten sich, der Wimpel senkte sich zum Gruß. Doch was ist das? Trotz größter Aufmerksamkeit konnten wir keine weiteren Gladbecker entdecken. Und so war es auch. Gladbeck hatte nur zwei Mädel geschickt. Wir stellten noch fest, daß Recklinghausen nicht erschienen war, dann ging es ziemlich geschlossen durch Wesel. Außerhalb der Stadt begann die eigentliche Wanderung. Nach einstündigem Marsch gab eine kurze Rast Gelegenheit zum Frühstück, wobei sich jeder die größte Mühe gab, möglichst die Vorräte des anderen zu ergattern. Dann ging es weiter. Richtung Diersford. Zur Hebung der an und für sich schon glänzenden Stimmung wurden lustige Lieder angestimmt. Großen Beifall errang Werner Cohn, Hamborn, ebenso die Hamborner mit ihrem Bundeslied. So wurde in fabelhafter Stimmung das Restaurant „Zum Jäger" in Diersford erreicht. Hier sollten wir vereinbarungsgemäß den Weseler Jugendbund treffen. Kaum waren wir einmarschiert, so stürzte ein dort sitzender Mann auf uns zu, stellte sich vor, erklärte, er sei zwar Weseler, aber kein Mitglied des Jugendbundes, die Weseler werden voraussichtlich bestimmt nicht kommen. Nachdem wir uns von dieser Hiobsbotschaft erholt hatten, entpuppte sich der gute Mann als Photograph, knipste uns, notierte sich unsere Adressen, schwang sich auf sein Stahlroß und weg war er. Wir waren zwar etwas reichlich erstaunt, beruhigten uns aber schnell. Nun ging es ans Tanken. (Für die, die es noch nicht wissen: Tanken ist der neueste Jugendbundausdruck für Essen und Trinken.) Dann zogen wir zum .„schwarzen Wasser". Drei Stunden lagen wir dort. Um 4 Uhr ging es weiter. Zum zweiten Male wurde unterwegs getankt. Bei dieser Gelegenheit winde beschlossen, als Abschluß der Fahrt das neue Jugendheim des Hamborner Bundes zu besichtigen und so den Hambornern Gelegenheil zu geben, ihre Gastfreundschaft zu zeigen. Der nächste Zug brachte uns um 7 Uhr nach Hamborn. Das Jüdische Jugendheim erregte den vorschriftsmäßigen Beifall. Im Nu war ein Grammophon zur Stelle. Noch schneller waren SO Flaschen Selters ausgetrunken. Man ließ allcs^ hochleben, toils den Verband, teils die Untergruppe West, teils, die im Verband sind, und teils die, die noch nicht im Verband sind. Zum Schluß trug Mizie Birnholz, Duisburg, einige nette Sachen vor. s— Mit dem Bewußtsein, einen schönen Tag verlebt zuhaben, und dem allgemeinen Wunsche, eine solche Fahrt schleunigst noch einmal zu veranstalten, trennte man sich.!; — Eigenfeld, Hamborn. westdeutsches Treffen Ein Liliputdresden war es, was sich am Sonntag, dem 9. September, im schönen Wuppertal bei Schloß Burg versammelte. „Wer zählt die Völker . . .?!" 50 Jungen und Mädel hatte die Pressastadt entsandt, ebensviele vertraten den Verbandssitz: die Düsseldorfer Junggruppe erschien in schmucker Fahrtenkleidung: Elberfeld stellte sich mit einer lustigen Mädchenschar ein und dann kamen immer neue Freunde aus Duisburg. Rochum, Wanne, Gelsenkirchen, Remscheid, Düren, Oberhausen, Hagen usw. Der Frankfurter „Montefiore" war durch Ernst Holzer und Jakob Jakobs vertreten und als Gast stellte sich der dem Verband noch nicht angehörende Krefelder Jugendverein vor. Freudig begrüßte man den wieder genesenen Levy Wolff und seine Familie. Das war ein Kommen, ein Treffen, ein Grüßen, ein- Ruten, ein Wiedersehen, ein Sichkennenlernen und überall e i n Zusammengehörigkeitsgefühl. Und dann kam der offizielle Teil, umrahmt von frohen Gesängen der Düsseldorfer Junggruppe und Darbietungen von Mitgliedern,der künstlerischen Arbeitsgemeinschaft der Düsseldorfer. Auf schattigem Abhänge hatte sich alles gemütlich gruppiert und lauschte den grüßenden Worten von Levy Wolff und Manfred Vöhl. Dann sprach Ernst Holzer über: „Der einzelne und der Bund". Die Diskussion fiel infolge des herrlichen Wetters und der übermütigfrohen Stimmung aus. Im übrigen kamen Spiel und Sport zu ihrem vollen Recht. Froh, wie die Fahrt begann, endete sie. einen glücklichen Abschluß der Verbandsarbeit im a'ten Jahr bildend. Glück auf zum neuen Jahr!!! i hämo. norddeutsches Treffen Lieber Verbandsfreund! Wie Du wissen wirst, fand am 25. 26 v. Mts. die nordostdeutsche Treffahrt bei Stettin statt. Ich will nun versuchen, Dir zu schildern, was wir während dieses glänzend verlaufenen Treffens erlebt haben: In der Samstagnacht nach 12 Uhr fand auf dem Platz vor der Jugendherberge Obermühle, wohin wir per Auto befördert worden waren, eine Feierstunde statt; unter Leitung des vielseitigen Erwin Se"B"gaII sang der Stettiner Chor "einige Lieder, dann trug ein Berliner ein Gedicht von Karl Bröger vor, dem folgte ein lustiges Hans-Sachs-Spiel, von drei Berlinern sehr lustig dargestellt, und als Abschluß sangen die Berliner: „Hört, ihr Herren . . ." Das Ganze bei mystischem Fackelschein sehr romantisch! — Die Mädel hatten es gut, sie konnten in der Obermühle bleiben, wir armen Jungen aber mußten noch eine Viertelstunde laufen, um zu unseren „luxuriösen" Schlafgelegenheiten zu kommen. Du mußt aber nicht glauben, daß wir gleich geschlafen hätten; eine Stunde lang unterhielt man sich noch auf alle mögliche Art und Weise; so u. a. kam mit einem Male von der oberen Etage ein . . . Kinderwagen, den die Jungens oben auf dem Boden gefunden hatten und dessen Anblick sie uns nicht vorenthalten zu dürfen glaubten. (?) Gegen 6 Uhr standen wir auf, .machten gemeinsam etwas Morgengymnastik, und schon waren die ersten Mädel da, die es vor Sehnsucht gar nicht meJir ausgehalten hatten (was ja schließlich auch zu verstehen ist). Nach sehr reichlichem und gutem Frühstück ging es dann zur Obermühle zurück, von wo aus wir dann in kleineren und kleinsten Trupps spazieren gingen. Am frühen Vormittag erreichte dann das Treffen seinen Höhepunkt in den außerordentlich interessanten Referaten von Dr. Elk, Stettin, und Dr. Goldberg. Berlin; die anschließende Aussprache brachte wertvolle Momente auch 13