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Der Jugendbund · 1928-10-01 · 10 (1.10.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
10 (1.10.1928)
Date
1928-10-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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wird bejaht. Die Wege zur Gemeinschaft werden angestrebt unter Betonung der Wichtigkeit, jeden Jugendlichen zu einer vollwertigen Persönlichkeit mit geistiger Klarheit und begeisterungsfähigem Empfinden zu erziehen. Die Weltkonferenz war für die Jugend ein bedeutsamer Schritt auf dem angestrebten Wege zur Völkerverständigung. Die Aussprache wies wertvolle und mit Ernst beschrittene Wege der praktischen Jugendarbeit. Als am Montagabend die offizielle Tagung schloß, trennte man sich mit Bedauern von vertrauten Räumen und von den Weggenossen eines weiten und steilen Weges, in dem Gefühl, nur sehr langsam den Weg zu dem fernliegenden Alltag zu finden, dessen Bejahung, Belebung und Veredlung aber doch der Sinn der Tagung war, wie man erst nachträglich spürt. Dann stand man plötzlich allein in dem großen Berlin, das ganz still geworden war. Und man fragt sich, ob die Welt da draußen wohl die Botschaft gehört hat, die aus vielen hundert bewegten Herzen ihr entgegengebracht worden ist? Man fühlt sich bereit, sie ihr an jedem Tage neu zu künden aus der Fülle des Erlebten. Die eigenartige Stimmung dieser Tagung klingt nach: es ging um die innersten Dinge des Lebens, um Religion und Gott, Individuum und Gemeinschaft, Judentum und Lebensgestaltung. Ueber solche Dinge zu sprechen, und sie in großem Kreis zu klären, ist schwer. Hier war es möglich, ja leicht, weil alle Menschen beseelt waren von dem Willen zueinander und zum Guten. Die ganz großen Dinge im Leben sind schlicht und einfach und freudig. Die Tagung war beherrscht von einer großen Kraft und Freude. Die Menschen waren ehrlich genug und hatten den Mut, ihr Bekenntnis freudig abzulegen. Kein Mißtrauen gegen den andern war da, keine kriechende Angst vor Angriffen und kein Klirren lastender Ketten. Vielleicht ist es die Mission des Liberalismus im Judentum, daß er vielen die große Freude an der Religion wiedergibt, die Freude an einem aus eigener Kraft erkämpften Besitz und die Freude, frei zu sein und diese Freiheit hinzuwenden zum Guten und zum Leben. Randglosse Verjüngung tur die Verwaltung der jüdischen Gemeinden Nachfolgende Ausführungen fand ich in der „Preußischen Lehrerzeitung": . Der alternde Reichstag. Der Gegensatz zwischen Alter und Jugend tritt selten deutlicher hervor, als in der Politik. Damit ist gewiß nicht gemeint, daß er sich in der Stellungnahme der Parteien dartut, vielmehr wirkt er dort, wo politische Ideen zu Formen werden, sich zu Begriffen gestalten und um Anerkennung ringen. Das ist in allen Parteien so uni war in allen Zeilen so. Darum ist es nicht ohne WertwiBj|S£n, welche Kraft die einen und die anderen in den Körp^PJWMtlcn, die sichtbarer Ausdruck des politischen Lebens unsSKffN^olkes sind, besitzen. Hans Zehrer hat in der „Tat" (Verlag Eugen Diederichs, Jena) kurz vor den Wahlen einen überaus interessanten und auch stark beachteten Aufsatz geschrieben, in dem er das Problem eingehend erörtert. Im „Heimatdienst", dem Organ der Reichszentrale für Heimatdienst, stellte Dr. Schauff Zahlen zusammen, aus denen hervorgeht, daß die Jugend unter den Wählern die Hauptmasse darstellt. Die Generation, die nach dem Kriege zum ersten Male das Wahlrecht ausübt, also ihre politische Meinung in die Waagschale wirft, das sind die 20—40jährigen, bildet die Mehrheit der Wählerschaft. Ihrer Stärke entspricht keineswegs die Zahl der Mandate. Sie konnte Anspruch auf 247 Mandate erheben, hat aber nur 77 erhalten. Die Durchschnittsziffer des Alters der Abgeordneten beträgt gegenwärtig 49 Jahre 8 Monate, ohne die Flügelparteien der Nationalsozialisten und Kommunisten sogar 53 Jahre 8 Monate. Hans Zehrer schreibt zu diesen Zahlen: „Es herrscht eine Generation, die ihre geistige Bildung lange vor 1914 abgeschlossen hatte, die deshalb mit Begriffen und Parolen arbeitet, die imaginär sind und der tatsächlichen Lage, dem was ist, nicht mehr entsprechen. Dreiviertel von dem, was heute die Gemüter beschäftigt und was durch Parlament, Zeitungen, Theater und Kunst ins Volk getragen, dem Volk angeboten wird, ist atavistisch, leblos und findet deshalb auch kein Echo, wird nicht mehr ernst genommen. Denn das Volk läuft ja unbewußt viel schneller der wirklichen Entwicklung nach und steht ihr viel näher, weil es sich nicht bewußt zu machen braucht, sondern unbewußt mit ihr Kontakt hat." Was hier über den „alternden Reichstag" gesagt worden ist. trifft weit mehr noch für unsere jüdische Gemeindeverwaltung zu: Auch hier herrscht allzusehr das Alter vor und nur selten verirrt sich einmal eine jugendliche Kraft in die Repräsentanten-Versammlung oder gar in den Vorstand. Und doch täte auch hier eine Verjüngung so bitter not. Die Jugend hatte recht, wenn sie auf der Dresdener Tagung mit allem Nachdruck das aktive und passive Wahlrecht für sich forderte, und nur eine stärkere Beteiligung jugendlicher Elemente in unserer Gemeindeverwaltung ist geeignet, dem öden Parteienstreit dort ein Ende zu bereiten und über trennende Einzelheiten das Wohl des Ganzen, die Zukunft des gesamten Judentums, zu stellen. M. Steinhardt. Briefwechsel Der Anregung Sally Ptaschniks, Frankfurt a. M., folgend, haben sich bei uns bisher nachstehende Verbandsfreunde gemeldet, die einen Briefwechsel aufzunehmen wünschen. Emil Landau, Saarbrücken, Ludwigstraße 20, wünscht Briefwechsel und Gedankenaustausch mit Jugendbündlerin (18—20 Jahre) über Fragen jüdischer Lebensgestaltung. Rolf Kleemann, Nürnberg 19, Ziegenstraße 75 (Mitglied des JJV. Nürnberg, 17 Jahre, Primaner). Sally Ptaschnik, Frankfurt a. M., Uhlandstraße 21. Biicherschau Felix Pinner, Tannerhütte, der Roman einer Sozialisierung. Avahm-Verlag, Hellerau. Der Roman eines Volkswirtschafters, der als Redakteur des Berliner Tageblatts nicht beruflich verpflichtet ist, Romane zu schreiben. Somit zeigt das Buch eine Fülle von Einzelheiten, vermittelt eine Menge von Kenntnissen, gibt ein oft außerordentlich klares und umfassendes Bild unseres heutigen hoch- oder spätkapitalistischen Wirtschaftssystems; der Roman aber entbehrt des in sich selbstverständlichen Ablaufes. Er ist nicht glaubwürdig in seinem Anfang: denn wo ist der Großindustrielle denkbar, der heute sein Werk seiner Arbeiterschaft, noch nicht einmal einer wohltätigen Stiftung, sondern partout seinen Arbeitern schenkt? Er ist aber auch unglaubwürdig in manch anderen Einzelheiten, und es erscheint schließlich zum mindesten zweifelhaft, daß dieses erste sozialistische Experiment an dem mangelnden Opferwillen der Arbeiter scheitern muß. Trotzdem ist das Buch lesenswert, weil es Kenntnisse und Einblicke vermittelt. __ H. Opatoschu, der letzte Waldjude. Aus dem Jiddischen von S, Schmitz. Heine-Bund, Berlin. Der letzte Waldjude kommt aus den Tiefen der polnischen Wälder, wo Juden in Generationen ihr Judentum jüdisch, d. i. frei, lebten. Er geht ins Städtel, lernt dort die Bewegung kennen, die einmal die Renaissance des jüdischen Volkes sein wollte, aber in Menschlichkeiten und Flachheiten zerging, den Chassidismus. Und Sohn einer Zeit, in der der geknechtete Pole sich erhob gegen seine Herren, die fremde Soldateska, aber auch den eigenstämmigen Gutsbesitzer, kämpft er mit den Unterdrückten gegen die Unterdrücker. Der letzte WaJdjude aber erlebt den Zusammenbruch von allem, was ihm wesentlich war: Zusammenbruch des polnischen Aufstandes, der auch sein Aufstand war, Zusammenbruch des Chassidismus, in dem er das Judentum überhaupt sah. Da verzweifelt er und flieht — in die Leere. — Der Roman, fesselnd geschrieben, eine große Zeit behandelnd und Menschen vorstellend, die heldisch waren, ist eine Bereicherung unserer jüdisch-deutschen Literatur. Weil es aber die Menschen des Ostens und ihre Probleme, die in unseren Tagen anders und doch so ähnlich sind, begreifen lehrt, darum ist es, als ein Lehrbuch zu besonderem Zweck, zu beachten und zu verbreiten. H. 11

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