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Der Jugendbund · 1928-10-01 · 10 (1.10.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
10 (1.10.1928)
Date
1928-10-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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man keine andern wußte. AU wir dann wärmer geworden waren und ich schon guter Kamerad war, leitete ich mal die Spiele, zeigte neue, die alle fesselten und bei denen wir uns recht vergnügten. Ich erzähle auch aus der Arbeit, wir knüpfen an Zeitungsberichte an und problematisieren. Wir machen alles, haben immer viel zu tun und bedauern oft, daß die Abende so schnell vergehen. Die früher so lang gefürchleten Winterabende haben wir letzt besonders gern. Dann wird gearbeitet, gebastelt. Und zum Schluß bringen wir alle fertigen Arbeiten zu einer kleinen Ausstellung zusammen. Es wird gesägt, gemalt, gezeichnet, geschnitzt, gewebt, genäht, geflochten usw. Beim Arbeiten selbst ist nur Anleitung notwendig, es sind immer Jugendliche dabei, die handwerklich begabt sind und die dann viel besser die Sache beherrschen als ich selbst. Ich helfe dann nur bei Auswahl der Formen und Farben. Es ist allgemein bekannt, daß bunte Sachen die Arbeitsfreudigkeit heben, daß das schnelle Vorwärtskommen ebenfalls anregt. Nicht zuletzt darf an die Zweckmäßigkeit der Arbeiten gedacht werden. Keine Arbeit darf unnütz sein, es ist schade um das verschwendete Material und die verlorene Zeit. So findet auch das kleinste gewebte Band noch seine Verwendung als Buchzeichen. Die früher so beliebten Arbeiten (Durchbruchlaubsägesachen, gehäkelte Tischläufer, gehäkelte Küchenkanten und Sofaschoner) machen wir natürlich nicht. Wir sind in unseren Arbeiten modern und bevorzugen einfache, glatte Formen und achten dafür auf Farbenfreudigkeit. Eine bei den Mädchen sehr beliebte Arbeit ist die vielfache Verwendung von Bast, den es in allen Farben zu kaufen gibt (eventuell kann naturfarbener cingefärbt werden), und bei dem besonders die Verwendung der Spiralnäherei einfach ist. Wir weben ihn auch auf einfachen Weberahmen und fertigen daraus Basttaschen. Biicherhüllcn. Ich verweise hierbei auf die beiden im Verlag Otto Meier. Ravensburg, erschienenen Bücher „Bastflcchten und Bastwehen" und „BasJnähen und Baststicken", jedes Buch kostet 2 Mark. Brief Kasten Chanukka. - Da die Zeit bekanntlich rast, muß man sich so langsam auf das Fest im Kislew vorbereiten, das den Junggruppen besonders viel Freude. Erwartung und Kopfzerbrechen macht. — ,In der nächsten Nummer werden wir daher mit einigen Ratschlägen zur Ausgestaltung von ChanukkafeicVn aufwarten. Wer spezielle Wünsche hat, soll sich jetzt schon bn uns wenden! *' Korrespondenz. Den Freunden, die einen Briefwechsel mit ausländischen Jugendlichen wünschen, werden in diesen Tagen die notwendigen Hinweise übermittelt, nachdem die vorbereitenden Schritte in die Wege geleitet worden sind. Wer sich sonst noch an einem derartigen interessanten und auch wertvollen Briefwechsel beteiligen will, soll sich ungeniert melden und mitteilen, welche Spräche und Gebiete in Frage kommen. Ferner sei darauf hingewiesen, daß die Weltjugendliga einen sehr billigen internationalen Zeitungsversand eingerichtet hat. Auch hier werden von uns etwaige Interessenten nähere Einzelheilen erfahren, wenn sie uns ihre Adresse schreiben. J. R. Bucher für Junggruppen Hurra! Ferien! Ein Reisebuch für unsere Jugend. Verlag Williams 8; Co., Berlin-Grunewald. Malheur! Eine verspätete Rezension, die aber nicht zu spät kommt. Ich glaube nämlich, so ein Reisebuch sollte man ganz ruhig auch n a-c h dem Rummel der Sommerfrischen, der Sandburgen, Wanderfahrten, Zeltlager und so weiter lesen. Wer seine Pappenheimer kennt, der weiß, daß eine Lektüre i n den Ferien, auch wenn sie noch so toll verregnen, nicht gern in Frage kommt. Alles, was nach Buch riecht, ist in "diesem schullosen Zettabschnitt verfchmt, zumindest aber Ursache c'nes — Mißtrauens. Die Jugend will nichts von Reiselektüre wissen .... Auch wenn es sich um ein Ferienbuch handelt, das so geschickt und raffiniert jugendlich zusammengestellt worden ist, wie das vorliegende. Wer die Ferien hinter sich hat und nun von der Erinnerung zehrt, wird gewiß gern so ein Büchlein, das gleich mit einem zahmen Prolog von Theobald Tiger einsetzt, lesen. Höchst unterhaltsam wirken diese Beiträge wohl gerade in den beginnenden Herbsttagen, diese ganz nette Plauderei von Leo Freund über Lokomotiven, und dann weiter die — übrigens gar nicht unwirkliche _ Ausflugsbeschreibung vom Jahr 1958. Das Kreuzworträtsel (warum sollt ihr es besser haben als die Alten!) wird erst recht im 10 September-Oktober willkommen sein. In den Ferien selbst gibt es ohne Zweifel bessere Sachen zu lösen. Und was das große Ferientagebuch betrifft, das da am Schluß des Buches euch Raum für Eintragungen von 40 (vierzig!) Ferientagen darbietet, so ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß ihr es hübsch unbenutzt gelassen hättet. — Darum: ein Reisebuch, das man ohne Bedenken nach den herrlichen Tagen des Juli und August in die Hand nehmen darf. Und man wird gern das nächste Rcisebuch dieser Art erwarten. Ji R. Das Zelt. Zeitschrift für die jüdische Jugend. Verlag Heller, München. Das neunte Heft dient den Festtagen des Herbstes, bringt wieder viel guten, wenn auch nicht immer neuartigen, Lesestoff für unsere Gruppen und ist geeignet, neue Freunde zu bekommen. - 4 (Fortsetzung von Seite 8) Mosse-Haus am Sonntagabend, von guter künstlerischer Tradition umgeben, zu einem wahren Fest. Der Festgottesdiensl der Reformgemeinde am Sonntagvormittag verlief in würdiger Weise und war überfüllt, gewiß njeht nur von Neugierigen. Lily Montagu aus London, die die Predigt hielt, hatte offenbar das Pech, als erste Frau in Deutschland auf der Kanzel zu stehen und dadurch der Tagespresse Gelegenheit zu geben für eine Sensation, die gewiß nicht in ihrer Absicht lag, und die ihrem vornehmen Wesen in keiner Weise entspricht; denn ihre Worte waren schlicht und gedankentief. Der Sonntagvormittag brachte dann endlich das Hauplthema der Tagung zur Durchführung: „Die Botschaft des liberalen Judentums an den Juden von heute". (Bezeichnend genug die englische Formulierung: „The message of liberal Judaism for modern life"). Das Hauptreferat wurde von Baeck gehalten. Drei Teilreferate schlössen sich an. Der Inhalt dieser feinsinnigen Referate und der Aussprache ist durch eingehende Berichte in der jüdischen und allgemeinen Presse bekannt und ist eingehend gewürdigt worden. Zu dem' geistigen Eindruck kommt für den Teilnehmer noch die starke persönliche Wirkung hinzu, die von den bedeutenden Führern ausging. Die stärkste gefühlsmäßige Wirkung strömte aus von dem Mann, der als Führer die Menge der Menschen zu "einer wahren Seelengemcinschaft einte. Kann der Einzelne sich noch einsam und ausgeschlossen fühlen, wenn er ein einziges Mal die Güte eines Claude Montefiore erlebt hat? Er hat viele feine und entscheidende Dinge über Judentum und über Liberalismus gesagt. Wer ihn ansah, wußte mehr als alles Gesagte von der Kraft seiner Ueberzeugung. Erst der Sonntagnachmittag brachte eine Entspannung. Die geschäftliche Sitzung verlief ruhii Eine würdige Gedenkfeier tiir Bernhard Brcslauer ließ die Srtzung des Sonntags weihevoll ausklingen. Es war der vierte Tag in Berlin, als man mit der Aussprache im Anschluß an die Referate, des Sonntags, vor allem an die Ausführungen von Baeck, begann. Durch diese Einteilung und den starken Wechsel im Rhythmus hatte man das Zeitgefühl fast verloren, es war ein dauerndes Schwingen. Die Aussprache, am entscheidensten beeinflußt von Dr. Wiener, bewegte sich natürlich in Wellenlinien und hatte im ganzen eine hohe geistige Stufe und große Gesichtspunkte, die nur durch zeitliche Beschränkung oft eingeschränkt zur Geltung kamen, die aber auch unausgesprochen lebendig sind. Die Aussprache war am Nachmittag einige Stunden unterbrochen durch drei gleichzeitige Fraktionssjtzungen. Von besonderem Interesse für uns war die stark besuchte Jugendsitzung. Die liberale Jugend gliedert sich als Jugend den Ideen der liberalen Bewegung ein, ihr Schöpfer ist sie nicht. Der ehrliche Wille, ein gemeinsames Ziel zu erkennen und dieses Ziel klar zu erfassen, ist stark spürbar. Zum Teil werden die Fragen auf dem Weg der Jugendbewegung, aber auch bewußt über sie hinausgehend,, gelöst. Der Wille zum Judentum ist erste Voraussetzung, um in liberalem Sinne an der religiösen Erneuerung wirken zu können, das Bekenntnis zur Tradition

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