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Der Jugendbund · 1928-10-01 · 10 (1.10.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
10 (1.10.1928)
Date
1928-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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uns über jede Meinung, die geäußert wird. Wir haben alle einmal anfangen müssen. Ueberwindet euch nur einmal, und der Bann ist gebrochen. Zum Schluß noch eine Bemerkung über die Heimabende innerhalb unserer Bünde. So wie unsere Bünde zusammengesetzt sind, umfassen sie in der Hauptsache Menschen, die vorher nicht jüdisch erfaßt waren. Die Heimabende sind die größte, wenn nicht einzige Chance, unsere Menschen zu jüdischer Arbeit zu erziehen, sie mit unserer Absicht und unserem Wollen vertraut zu macheh. Die Heimabende bedürfen daher der intensivsten Durcharbeitung und größten Pflege seitens der Führerschaft. Der Heimabend muß der Mittelpunkt einer jeden Vereinsarbeit sein! Sukkaus - das Fest der lugend von Rabbiner Dr. Rüffl. Bamberg Das Hüttenfest sagt dem Wesen des jungen Menschen mehr zu als irgendein anderes der jüdischen Hauptfeste. Schon im alten Israel wurden von der Jugend in den Nächten des Hüttenfestes Fackeltänze und sonstige Volksbelustigungen veranstaltet. Bis in die Gegenwart hinein üben diese Tage einen ganz besonderen Reiz auf unsere Jungen und Jüngsten aus. Die Mitwirkung am Bau und an der Ausschmückung der Hütte gehört wohl für die meisten von uns zu den schönsten Jugenderinnerungen. Aber auch in einem tieferen Sinne darf man das Symbol der Hütte als bestes Eigentum der jüdischen Jugend bezeichnen. Einmal im Jahre die festgefügten Häuser zu verlassen und in der leichten Hütte zu wohnen, wo das Leben eng und einfach wird, aber zugleich geschmückt mit den schönsten Gaben der Natur, — das bedeutet für den jungen Menschen nicht bloß eine Pflicht, sondern ein beglückendes Geschenk. Wir fürchten uns nicht vor den Unbilden der herbstlichen Witterung, denn wir fühlen uns so eng mit der Natur verbunden, daß wir sie nicht bloß da lieben, wo sie uns Blumen und Früchte spendet, sondern auch da, wo sie uns ihren herben Charakter offenbart. Gerade die Einfachheit und Herbheit der Natur lockt die Jugend hinaus. Der Spießbürger fühlt sich in seihen vier Wänden wohl, wo er möglichst gründlich vor den Wirkungen der Jahreszeiten geschützt bleibt, wo er möglichst wenig in seiner Bequemlichkeit gestört wird und das ewige Gleichmaß seines Alltags und seiner armseligen Belustigung nicht zu unterbrechen braucht. Der junge Mensch aber will den Wechsel der Jahreszeiten spüren und erblickt darin keine Unbequemlichkeit, sondern ein ständig wirkendes Element der Erneuerung; er will den Alltag unterbrechen, weil er ihm nicht als das Höchste erscheint; er will den städtischen Komfort, wenn auch immer nur vorübergehend, abstreifen, — weil er nicht in dessen Abhängigkeit geraten will. Vor nichts graust uns so sehr wie vor der Hilflosigkeit und Blasiertheit des Zivilisationsmenschen. Wir wollen Behausung, Speise, Kleidung, Wärme und Licht nicht als eine Selbstverständlichkeit hinnehmen, um in einem Augenblick der Störung des Versorgungsbetriebes hilflos und erschreckt zu sein, - sondern wir wollen lernen, uns diese Dinge selbst zu erwerben, auch wenn wir uns dabei mit geringerem Komfort begnügen müssen; und vor allem wollen wir lernen, vor den Wundern ihrer Erzeugung in der Natur Ehrfurcht zu haben und dem Spender alles Guten dankbar zu sein Nichts bekämpfen wir so sehr wie jene banale Spießergesinnung, die in einer modernen 6-Zimmer-Wohnung mit Zentralheizung und Warmwasserversorgung das höchste Ideal erblickt. Deshalb kommt das Judentum mit seinem Symbol der Hütte unserem jugendlichen Empfinden so meisterhaft entgegen. Eng und primitiv ist es in der Hütte — und doch so schön. Die bunten Farben der Blumen und reifen Früchte geben uns einen Abglanz der ewig schaftenden und zeugenden, ewig lebenspendenden Natur. Durch das Gewirr der Zweige sehen wir den guten Himmel, die Strahlen der Sonne und das milde Licht der Sterne. Kann es ein schöneres Jugendzelt geben? 4 Der Talmud sagt: „Eine Hütte, die nicht wenigstens drei Wände hat, ist unbrauchbar." Die fehlende vierte Wand mag als Eingang dienen. Das Dach muß offen sein. In dieser talmudischen Anordnung liegt das schönste Sinnbild unserer jüdischen Existenz. Nach drei Seiten abgegrenzt gegen die Welt, nach einer Seite der Welt ungehinderten Zutritt gewährend und — nach oben den Blick freilassend: so muß unser Leben gefügt sein. Jüdische Jugend muß zu allererst jüdisch sein. Wir dürfen uns nicht der Umwelt völlig hingeben, weil uns die . Eigenart unseres Wesens zu schade ist, als daß wir sie der Verwässerung und Auflösung preisgeben würden. Drei Wände von den vieren müssen dem Judentum gehören; aber die vierte soll weit geöffnet sein für alles Schöne, Gute und Reine aus den Geistesschätzen der Welt. Nach oben aber halten wir den Blick' frei für die religiöse Idee, die unser jüdisches Dasein schützen und segnen soll. So wollen wir auch dieses Jahr in die Hütte gehen und dort den Sinn jüdischer Jugendlichkeit neu erleben. Die soziale Hrbeit Einführendes von Dr. Emes. Essen Auf der Essener Tagung wurde die Einrichtung einer ständigen Rubrik „Die soziale Arbeit" in unserer Zeitung beschlossen;'s. „Jugendbund" vom 1. August). In ihr soll besprochen werden, welche Möglichkeiten den einzelnen Bünden in der Ausübung sozialer Tätigkeit gegeben sind; praktisch heißt das: Arbeit auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege und des Fürsorgewesens in ihrem weitesten Sinne. Außerdem sei die Schaffung von Stellen für Berufsberatung und Stellenvermittlung hervorgehoben. Die folgenden ersten Ausführungen in der „Sozialen Rubrik" wollen nun nicht näher darauf eingehen, wie sich im einzelnen das oben skizzierte soziale Tätigkeitsfeld in den Rahmen der Jugendarbeit einordnen läßt; das mag späteren Ausführungen vorbehalten bleiben. Hier soll kurz etwas gesagt werden von der „sozialen Einstellung", von unserem Verhalten unseren Mitmenschen, der Gemeinschaft gegenüber. Denn jede soziale Arbeit setzt Klarheit über diese Frage voraus. Wir wollen sie mit dem obersten Grundsatz unseres Sittengesetzes, „liebe deinen Nächsten wie dich selbst", beantworten. Fragen wir uns nun, ob unser Verhalten unseren Mitmenschen gegenüber in allen seinen Erscheinungen dieser ethischen Forderung gerecht wird. Es bedarf keiner groß angelegten Untersuchungen, um die sich auf diese Frage ergebende ungünstige Antwort zu belegen. Ein Blick in das Wirtschaftsleben zeigt uns die großen Gegensätze zwischen reich und arm, zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden, zeigt uns eine Schicht von wirtschaftlich Starken und eine Masse von wirtschaftlich Schwachen und Schwächsten, jene mit der Möglichkeil zu einer angenehmen Lebensführung, diese ohne die Möglichkeit, auch nur den notwendigen Lebensunterhalt erlangen zu können. Den wirtschaftlichen Lebensbedingungen kommt deshalb größte Beachtung zu, weil sie vor allem seinsbestimmend sind. — Diese vielleicht etwas extrem scheinende Darstellung führt zum Kernpunkt unseres Problems, zu unserer Einstellung gegenüber der bestehenden Wirtschaftsordnung, die wir in der Gesamtheit ihrer Erscheinungen als Kapitalismus bezeichnen. Diesem modernen Kapitalismus sind wir alle mehr oder weniger allzusehr verfallen, und hier heißt es nun, diesen Zustand nicht als unabänderliche Gegebenheit betrachten, sondern eine Ueberwindung dieses kapitalistischen Geistes zu versuchen. Die Möglichkeit einer Ablösung des Kapitalismus von einem anderen Wirtschaftssystem, etwa einem sozialistischen oder kommunistischen, über den Weg der Gewalt soll hier außer Betracht bleiben. Das System des Kapitalismus nehmen wir als gegeben, verlangen aber in ihm als Forderung des Tages eine geistige Umstellung — vielleicht geistige Revolution —, die dem Kapitalismus dasjenige nehmen oder zum wenigsten mildern soll, was an ihm brutal und unmenschlich ist".') Mit Löffler ') Sombart.

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