Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 9 (1.9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Kinder <>it>l. Ein meist sehr frisches Aussehen zeigen die angeführten Lehrlings- und Mädchenheime sowie die randwirtschaftlichen Siedlungen, an denen hauptsächlich jüngere Kräfte als Leiter oder Leiterinnen tätig sind. (Wie in der ganzen Arbeit, mußten auch hier die charakteristischen Anstalten ausgesucht und dargestellt werden. Ob die Auswahl überall glücklich ist, darüber läßt sich von mehreren Gesichtspunkten aus streiten.) Die Gesamtbedeutung der landwirtschaftlichen Siedlungen und Lehrgüter, die in erster Linie von zionistischem Geist getragen sind, scheint von der Verfasserin überschätzt zu werden, denn sie müssen notwendig dadurch ihre Begrenzung erfahren, daß ihr wichtigstes Ziel heißt: Möglichst gute Ausbildung der Jungen in der Landwirtschaft und der Mädchen im Haushalt. Bei dem Kapitel der ..Erziehung gefährdeter Kinder" schießen mir allerhand Gedanken durch den Kopf. Welches Kind ist — heute mehr denn ic — nicht sittlich gefährdet? Was heißt „gefährdet"? Wann ist ein Kind genug „gefährdet", um in das betreffende Heim aufgenommen zu werden? Und als letztes: (das rührt an die Wurzel aller Wohlfahrtspflege): Welch verschwindend winzigen Prozentsatz der in Wahrheit leiblich und seelisch gefährdeten .lugendlichen vermag die öffentliche Fürsorge zu erfassen! Fast automatisch fragt man sich, ob hier die Hilfe nicht doch zu sehr auf der Oberfläche herum fischt, während ein Strom von Schlamm sich ungehindert weiterwälzt. Es ist zu bedauern, daß der 3. Haupt teil nicht mehr ausgedehnt. Angefangenes und Angedeutetes nicht beendet wurde. ..Fördernde und hemmende Momente" lautet der Titel, unter dem fünf der wertvollsten Kapitel der Schrift zusammengestellt'sind. „Die Betonung der spezifisch jüdischen Einstellung der Heime" wird liebe- und verständnisvoll durchleuchtet. Kurz streift das zweite Kapitel die Beeinflussung der jüdischen Anstalten von der deutschen L'mwelt, von pädagogischen Ideen und pädagogischem Tun in Vergangenheit und Gegenwart. Gute, recht gute praktische Anregungen stehen darin, die sich mancher Leiter eines Heims zunutze machen sollte. Im nächsten Abschnittt „Zu ammensetzung und Herkunft jüdischer Heimkinder", tritt die Verfasserin warm für die Gleichberechtigung ostjüdischer Kinder mit deutschen Bedürftigen ein. — Durchbrechung und Reformveralteter Statuten tut dringend not! — Die Ablehnung der Koedukation Jugendlicher ist m. E. nicht s/o selbstverständlich wie Fräulein Dr. Coblenz schreibt. — Nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten bereitet der Mangel an geeigneten, modern-pädagogisch geschulten Lehrkräften. Der Ruf nach gesunder wirtschaftlicher Fundicrung aller Anstallen ist so zentral wichtig — hängt doch das A und O der Erziehung davon ab daß man i-hn flicht genug verstärken kann. Den guten Gesamteindruck der Arbeit vermag der bedauerlicherweise flüchtige, ungenaue und nicht genug erschöpfende, kurze Schluß nicht zu verwischen.;, /■ .lenesWort. das aufcrstehungsfreudig-zwf^hyn vielen Zeilen ruht und um dessentwillen ich hauptsächlich meinen Artikel schrieb, gilt es für uns, die jüdische .lugend aus allen Lägern zu erwecken: " Schaffung moderner, jüdischer La nd erziehungsheime! Das sei Anregung^ur Diskussion, zu Vorschlägen. Wün- Nchen. Ausgestaltungsplänen. Not- und Kampfruf unserer gesamten ..I u g e n d . die nirgends einen leuchtenderen Brennpunkt ihrer Forderungen, nirgends eint grundlegendere Zukunftsmöglichkeit zur Verwirklichung ihrer Ideale finden 'kann! Bertifsumschichtung darf uns nicht genügen, den Engherzigen donnere unser Verlangen nach G c i s t e s u m s c h i c h t un g entgegen! V ~ .. Zum Schluß ein paar Worte zu einer Rezension der Schrift, die in Nummer 50 der „Jüdisch-liberalen Zeitung" (Berlin) vom 16. Dezember 1927 enthalten ist. Es kommt mir an dieser Stelle nicht darauf an — auf Wunsch bin ich aber gern zu einem eingehenderen Strauß bereit — die vernichtend kritisierte Schrift zu verteidigen (das hat das Büchlein nicht nötig), auch ist hier nicht der Platz, auf die häufigen „Mätzchen" des Kritikers zu antworten, der sich unter dem Decknamen eines Haeroticus verbirgt, und der schon in Nummer 4 derselben Zeitung vom 27. Januar 192S als Verbreiter unrichtiger Behauptungen entlarvt wurde. Doch: Im Namen einer Jugend, die sich mit eiserner Kraft davor schützt, den Götzen der leeren Phrase anzubeten, im Namen aller Menschen, die sich nicht genieren, eigene Gedanken zu besitzen und selbst nachzudenken, verwahre ich mich gegen den das Leben aller westlichen Kulturen vergiftenden Wortfetischismus, der in dieser „Kritik" typisch zutage tritt. Da wird in der „Arbeit zwei- oder dreimal das Wörtchen ..kommunistisch" unpolitisch im Sinne einer Gemeinschaft von Jugendlichen gebraucht, die ihr Geld untereinander teilt, da stellt an einigen anderen Stellen die Verfasserin zionistische Einrichtungen etwas mehr in den Vordergrund — und schon haben wir's: Die Verfasserin ist Kommunistin und zugleich Zionistin. das ist doppelt gefährlich. Folge: Den ganzen Rummel auf den Scheiterhaufen. Schnell ist das Urteil mit ein paar nichtsbeweisenden „Belegen" über den „unreifen" „jugendlichen ( unselbständig denkenden)" Menschen gefällt, und der Oeffentlichkeit das zionistisch-kommunistische roto Tuch vor die Augen gehalten. Werter Herr Kritiker, nehmen Sie es zur Kenntnis "und Belehrung, daß es kein „zionistisch-kommunistisches Erzichungsideal" gibt, wohl aber veraltete und neue Erziehungsgrundsätze. Wenn es Ihnen nicht gelingen «ollle, durch fleißige Lektüre in pädagogischer Hinsicht einen Standpunkt zu gewinnen, der dem Verlangen der Zeit näher kommt als Ihr augenblicklicher, dann kann ich Ihnen nicht anders raten, als sich tief in der Wüste als Eremit niederzulassen, Bittgebete für die Sündenvergebung absterbender Erziehungsmethoden zu leiern, oder, dort auch ein „Museum für zurückgebliebene Grundsätze der Pädagogik" einzurichten. Dann hätten die unkultivierten Wilden etwas zum Lachen. Bücherschau Jüdische Jugendbücherei: Emil Bernhard Cohn. „Die Legende von Rabbi Akib a". Frankfurt a. M., Verlag ,1. Kauffmannn. 1928. Die Jugendschriftenkommission der Großlogc UOBB. hat sich mit der Herausgabe dieses Bändchens ein Verdienst erworben. Die ErzäMung ist dem Buche „Legenden" entnommen, das wir an dieser Stelle schon besprochen haben. Diese Legende ist wohl die beste aus dem Buche, dichterisch vollendet, fesselnd, die Gestalt des großen und starken Weisen gerade für Hinge Menschen nahebringend. Wie die ganze Zeit, insbesondere das Auftreten Bar Kochbas, lebendig gemacht wird, das gehört zu dem Feinsten, was in neuerer Zeit für die Jugend geschrieben wurde. Wir möchten dem Büchlein recht starke Verbreitung in unserem -Kreise wünschen. K. „Zedakah", Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege. Nach längerem Zwischenraum ist wiederum eine Nummer der „Zeiaka h", Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege, erschienen. Das umfangreiche Heft (51 S.) gibt eine U eberschau über das letzte Jahrzehnt und die gegenwärtige Lage jüdischer Wohlfahrtspflege in- Deutschland. 'Es enthält folgende Aufsätze: Denk! an die Fördererliste des Verbandes!