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Der Jugendbund · 1928-09-01 · 9 (1.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
9 (1.9.1928)
Date
1928-09-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Vater der Geschichte" genannt. Der weniger bekannte Geograph tritt uns in diesem fein ausgestatteten Buche entgegen. Man sollte sich mit ihm beschäftigen. J. R. Jugendwanderer auf großer Fahrt. Von Erich Falk. Diese Schrift ist vom Verlag „Wanderlust", Berlin W 35, unentgeltlich zu beziehen. Sie gibt denen, die sich zum ersten Male auf große Fahrt wagen, gute Fingerzeige. Heller, Das Zelt. Zeitschrift für die jüdische Jugend, Verlag München. Heft 5, 6 und 7 liegen mir vor. Alle enthalten guten Lesestoff, und mir wurde neulich sogar gesagt, daß nicht bloß Junggruppen diese Zeitschrift regelmäßig lesen, sondern auch mehrere Jugendvereine, die schon „ältere" Mitglieder haben. Heft 5 entspricht der Omerzeit, das sechste Heft bringt den Anfang einer längeren neuen Erzählung „Abner" von M. Smeliansky. Heft 7' behandelt die Trauerzeit der drei Wochen. In dem heimgegangenen S. Dingfelder hat die Zeitschrift einen ihrer feinsten Mitarbeiter viel zu früh verloren. Noch im Maiheft fand sich eine Erzählung von ihm: „Das höchste Gut". — Zu wünschen wäre es, wenn endlich einmal auch die Jugendlichen etwas intensiver an dieser Zeitschrift mitarbeiten würden! J, R. Individuelle Belehrung und Geselligkeit durch Briefwechsel von saiy Ptaschnm. Franktun a. m. Vor einiger Zeit wurde in unserer Zeitung die bedeutsame Frage aufgeworfen: Soll der jüdische Jugendverein nur bildende und rein menschliche oder speziell jüdisch-religiöse Werte vermitteln? Die Antwort scheint mir klar jzu sein. „Sorge zuerst für dich, dann kannst du auch für andere sorgen", sagt ein Sprichwort, das man in unserem Fall j treffend anwenden kann. Freue dich erst einmal, heißt das mit anderen Worten, an deinem Menschsein hinieden, dann kannst du auch die hochhängenden Früchte der Religion und des Gotterkennens pflücken, sieh zu, welche Art und Weise j dir" den ■ Verkehr mit anderen jungen Menschen gleicher Gesinnung ermöglicht, dann erst kannst du nach Belieben trachten, dein religiöses Bedürfnis zu befriedigen. Her Jugendverein ist eines der Mittel zu diesem Zweck; dieses Mittel baut sich auf den bekannten Methoden der Vortrags-Aussprache-Abende usw. auf, ein Verfahren, das Bildung und Geselligkeit nur mit vielen erlaubt, aber individuelle Möglichkeiten beim einzelnen so gut wie ausschließt. Auch' kleine Zirkel von Arbeitsgemeinschaften ändern an dieser leidigen Tatsache sehr wenig. Das schönste Ziel eines Vereins, seinen jungen Freunden einen wahren Kamerad zu schenken, wird sehr selten erreicht. Der unabweisbare Wunsch, diese Frage zu lösen, hat mich lange beschäftigt. Ich habe verschiedene brauchbare Lösungen gefunden; wenn es nicht möglich ist, im eigenen; Verein kameradschaftlichen und geselligen Anschluß zu finden, dann muß eben ein auswärtiger Verein in einer möglichst weit entfernt liegenden Stadt aushelfen. Die Fremde hat den Reiz des Neuen, Unbekannten, und bietet deshalb am leichtesten eine Möglichkeit des Sichfindens. Geradezu ein idealer Weg dafür ist der ungezwungene, unterhaltende-und belehrende Briefwechsel, der zwischen jungem Mann und jungem Mann oder Mädchen und Mädchen stattfinden kann. Was hätte ich nicht alles aus unserem schönen und lebendigen Frankfurt a. M. in solchen Briefen zu erzählen, auch aus unserem Vereinsleben, wie gerne hätte ich selbst Nachricht von einem hingen Mann, sagen wir aus Lübeck oder meinetwegen aus einer kleinen Provinzstadt. Zehnerlei Möglichkeiten gibt es in einem solchen Briefwechsel, zu wahrer und dauernder Kameradschaft zu kommen, hunderterlei Dinge kann man darin besser sagen als in irgendeiner mündlichen Unterhaltung. Es gibt auch sicherlich viele Jungen und Mädchen, die gerne einmal gewußt hätten, wie man in Frankfurt lebt und strebt. Wenn der Schriftleitung des „Jugendbundes" die Wünsche ihrer Leser am Herzen liegen, so wird sie beide Parteien zu befriedigen suchen. Sie wird sich nicht damit begnügen können, diese Zeilen nur zu veröffentlichen und danach die darin enthaltene Anregung im Sande verlaufen zu lassen, sondern sie wird eine ständige Rubrik im „Jugendbund" mit der Ueberschrift „Gewünschter Briefwechsel" einrichten müssen und jedesmal die jugendlichen Leser in einer kurzen Notiz auffordern, sich dafür zu melden und davon regen Gebrauch zu machen. Der „Jugendbund" wird auf diese Weise zum Vermittler einer ebenso interessanten wie angenehmen Form von Geselligkeit und Belehrung werden, was gewiß im Interesse dieser Zeitung und erst recht im Interesse ihrer Leser liegt. I ' i v ■ | v -, (Wir geben dieser Anregung gerne Raum und würden uns freuen, wenn der Gedanke des Briefwechsels zwischen .lugendbündler rasch in Taten umgesetzt werden würde. In der Oktober-Nummer werden wir erstmalig Adressen derjenigen, die einen" Briefwechsel aufnehmen wollen, veröffentlichen. Meldungen nach Düsseldorf. Die Schriftleitung.) lüdieche Heimerziehung Von Altred LOhnberg, Koin-unna Als „Beitrag zur Geschichte der jüdischen, geschlossenen Jugendwohlfahrtspflege in Deutschland, unter besonderer Berücksichtigung ihrer sozialpädagogischen Bedeutung" erschien vor einigen Monaten von Dr. Henny Coblenz (Köln) eine kleine, etwa 90 Seiten umfassende Schrift, deren Haupttitel „Die Erziehung der Schulpflichtigen und Jugendlichen in jüdischen Heimen" lautet. Dieses Büchlein, vorher als Dissertation an der philosophischen Fakultät eingereicht, verdient insofern erhöhte Aufmerksamkeit, als hier das stark differenzierte jüdische Anstaltswesen unter gemeinsamen Gesichtspunkten zusammengefaßt und von jugendlich-frischem Geiste kritisiert wird. Wie sehr es notwendig ist, die oft jahrhundertealte Luft unserer Erziehungsanstalten zu erneuern, weiß jeder, der gespürt hat, wie weit sich Leben und Erziehung in den letzten Jahrzehnten voneinander entfernt haben. Die Arbeit gibt in ihrer Einleitung einen historischen Ueberblick über die Entwicklung der Heimerziehung innerhalb des gesamten jüdischen Erziehungswesens und läßt schon auf den ersten Seiten erkennen, welch liefen Einfluß jenes tragische Schicksal auf die einzelnen Anstalten ausübt, das als Zwiespalt zwischen Assimilation und Selbstbehauptung auf ihnen lastet. Die Geschichte des Anstaltswesens seit der Emanzipation mit interessanten, kulturhistorischen Querschnitten, gesondert für die normale und geistig und sittlich anormale Jugend betrachtet, enthält der t. Haupt teil. Wie die Waisenhäuser, Internate und Fürsorgeanstalten auf dem fruchtbaren Boden der Humanität des ausgehenden 18. Jahrhunderts erwachsen oder aus der bitteren Notwendigkeit geistiger, körperlicher und wirtschaftlicher Armut gezeugt werden, wie sich die Heime dem in fortwährender Wandlung weiterschreitenden Geist der Zeiten anschmiegen und ihm entfliehen, wie sich jüdische Religiosität, talmudische Gelehrsamkeit und profane Lehrfächer, patriarchalisch-autoritative und freiheitlichere Erziehungsmethoden durchdringen, gegenseitig Kraft und Stärke messen, wie die Gefahr der Berufseinseitigkeit unter den deutschen Juden einwirkt —■ von alledem entrollen diese Kapitel anschauliche Bilder. Im 2. Teil ihrer Schrift betrachtet die Verfasserin die einzelnen Formen der jüdischen Heime in der Gegenwart, die, je nachdem, ob sie schulpflichtige oder ältere Jugendliche aufnehmen, verschiedene Organisation und Aufgaben haben. Neben weniger ermutigenden werden erfreulichere Züge aufgezeigt, die manches Gute für die Gegenwart erblicken und für die Zukunft erhoffen lassen. Man sieht in die Schwierigkeiten des Alltagstums, ist verwundert über die vielseitigen Beschäftigungsmöglichkeiten, die mehr oder weniger ausgenutzt werden, staunt, daß es in Waisenhäusern immer noch etwas Aehnliches wie Kasernenhausdrill für 1 tl

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