Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 9 (1.9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Opfer! Ein Rul an die Junggruppen! von J. Raphael Vor ein paar Monaten erging an unsere Junggruppen die Mahnung, einen ganz geringen monatlichen Beitrag an unsere Gemeinschaft zu zahlen. Nicht etwa, um irgendeine neuartige finanzielle Belastung damit in die Wege zu leiten oder um durch diese Maßnahme irgendwelche Schikane zu üben. Nein! Diese Aufforderung zur Zahlung geringfügiger Pfennige sollte einzig und allein das Bekenntnis zur Gemeinschaft durch Entrichtung eines winzigen Opfers bedeuten! Es wundert wohl niemand, daß bis heute bloß ein Bruchteil unserer Gruppen dieser Aufforderung freiwillig nachgekommen ist. Oder wundert es den einen oder andern doch? Denn: Eine Jugend, die nicht aus ureigenster Initiative heran* den Willen zum Opfer bekundet, immer und immer wieder bekundet, das ist keine Jugend! Ich weiß, daß Ihr keine Krösusse seid. Ich weiß, daß Ihr vielleicht mit Euren Taschengeldpfcnnigen sparen und knausern müßt (obwohl manche diese meine Ansicht streng bestreiten). Ich weiß, daß Eure Gruppen und was damit zusammenhängt, Euch viele finanzielle Sorgen bereiten. Ich weiß auch, daß Ihr „noch nichts verdient". Und dennoch fordere ich Euch, die Ihr eine begeisterte, bewußte Jugend darstellen sollt, hiermit in aller Oeffentl'chkeit und mit aller Deutlichkeit zum Opfer auf! Wir w o 1 I c.n eine Pfennigspende der Junggruppen schaffen! Ueberlcgt! Ihr könnt manchen Pfennig entbehren. Neulich machte ich mit jungen Menschen, mit Junggrupplern, mit Jugendlichen Euren Alters ein Treffen. Da sah ich mit Schrecken, wie unterwegs Geld im wahrsten Sinne des Wortes verpulvert wird. Habt Ihr keinen Sinn für den Kampf Eurer Gemeinschaft? Habt Ihr noch niemals nachgedacht über das, was man Opfer nennt? Kennt Ihr nicht die große, gewaltige Hingabe an den Kreis, in dessen Sphäre man steht und an dessen Not und Leid man gebunden ist? Gehört Ihr wirklich alle zu den Satten, die für nichts anderes mehr ein Interesse ^haben. als für das liebe Ich? Ich verlange von Euch: Erzieht Euch zum Öpferwillen! Lernt endlich einmal das, was andere Jugendliche und was andere junge Kämpfer schon lange als Selbstverständlichkeit empfinden: Entbehren! Persönliche Wünsche zurückdrängen, wenn es um die Gemeinschaft geht! Keiner warte, bis der andere anfängt! Jeder hfginne bei sich selbst! Viele Wege gibt es zum Opfer, wenn nur der Wille, und zwar der unbedingte, rücksichtslose Wille fest ist. Schreibt weniger Geburtstagskarten, schickt weniger Kitsch-Ansichtskartengrüße, geht unterwegs an ein paar Schokoladenautomaten trotz aller Versuchung vorüber, — und noch tausend andere Kleinigkeiten gibt es,. - und Eure Pfennige werden der Gemeinschaft nützen! Wenn einer viel hat und daxon abgibt, das ist kein Opfer. Darum sind diese Sätze geMTüe an Euch gerichtet, die Ihr keine festen Monatsgehälter bezieht und nichl einer bestimmten Besoldungsordnung eingruppiert seid. Wenn Ihr nicht die Freudigkeit des Opfers empfindet, wer sollte es dann sonst empfinden? Ihr seid die Jugend. Und Ihr ringt um die Gemeinschaft. Aber erst das Opfer wird Euch dieses Kampfes und seines erhabenen Zieles würdigzeigen! — Denkt immer und überall an die Pfennigspende der Junggruppen! Junggruppentag In Gelsenkirchen am 23. u. 24. Dez. 1928 von Hans Abraham Wohl in den meisten Junggruppen ist man von dem Wert der Aussprachen.— wie z. B. in Dresden — überzeugt. Bei der Jugend des Junggruppendezernates und teils der Junggruppen selbst ist persönliche Aussprache weit häufiger nötig als bei den Jugendvereinen. Besonders über unsere innere Arbeit und unser Ziel wollen wir Klarheit haben. Das soll der Zweck des Gelsenkirchener Junggruppentages sein. Er steht unter dem Motto: „Unsere Arbeit und unser Z i ^-f". Der Zweck der Tagung wird jedoch nur dann erreicht, wenn alle Junggruppen auf dem Junggruppentag vertreten sind. Haltet euch die Zeit vom 23. bis 26. Dezember frei, da im Anschluß an die Tagung eine zweitägige Fahrt stattfindet. Sollte eure finanzielle Lage nicht gerade günstig sein, so fangt jetzt 10 schon an zu sparen, damit eure Teilnahme nicht an der Geldfrage scheitert. Näheres wird an dieser Stelle noch bekanntgegeben. Schickt die Fragebogen sofort, möglichst genau ausausgefüllt ab! Junggruppe Saarbrücken Nach vieler Mühe konnten wir es nun endlich ermöglichen, auch die Jüngeren in unseren Kreis einzubeziehen. Nachdem alle Vorbereitungen mit Sorgfalt getroffen waren, wurde die Gründungsfeier auf den Jugendgottesdienst des 14. Juli atigesetzt. Neben unserer jüngeren Jugend, die sich zahlreich eingefunden hatte, sah man auch die Vertreter des großen Jugendbundes. Zunächst fand ein weihevoller Gottesdienst statt. Herr Rabbiner Dr. Jacob predigte eindrucksvoll und doch auch für die Jüngeren leicht verständlich über die leidenvolle Zeit des Tischo-be'aw. Nach Schluß des Gottesdienstes ergriff Walter Löb das Wort zu einer Ansprache. Er ging von dem Wochenabschnitt Pinchas aus, und zeigte, daß das Bewußtsein des Jude-Seins schon in der Seele des Kindes verankert werden müsse. Als den besten Weg, das jüdische Kind vor dem Untergehen in einer dem Judentum feindlichen Welt zu bewahren, und die Entfremdeten zum Judentum zurückzuführen, pries er die Gemeinschaft. Da alle Jungens und Mädels für die Junggruppe Feuer und Flamme waren, wurde die erste Wanderung schon für den nächsten Morgen angesagt. Entsprechend dem Alter wurden zwei Gruppen gebildet, aber keine Trennung zwischen Jungen und Mädels durchgeführt. In Gruppe 2 kamen alle von 13—15 Jahren und in Gruppe 3 alle von 10—12 Jahren. Am nächsten Morgen zogen beide Gruppen von verschiedenen Treffpunkten und verschiedenen Wegen nach demselben Ziel. Welch eine Freude verursachte dieses Treffen! Dann wurde eifrig gespielt. Als die Zeit um war, brachen wir trotz allen Bitten und Bcttelns auf. Alle waren außerordentlich befriedigt, und deshalb wurde für die nächste Wanderung der kommende Sonntag vereinbart. Diesmal zogen beide Gruppen getrennt. Die Kleinen spielten, während die Größeren die Zeit durch Spielen, Vorlesen und Scherzfragen vertrieben. Vor allem diese trugen nicht unwesentlich zu dem vollen Erfolg bei, und ich empfehle sie allen Führern aufs wärmste. Am dritten Sonntag endlich machten wir eine -Ganztagestour, die ebenfalls außerordentlich zufriedenstellend war. Zu dieser Wanderung hatten sich auch Mitglieder der Kaiserslauterer Junggruppe eingefunden, wodurch das Ganze ein harmonisches Gepräge erhielt. Auch in den Ferien setzten wir unsere Wanderungen fort, und zwar wochentags. Bucher für Junggruppen Deutsches Lagerhandbuch, erster Teil. Ausrüstung und Anlage. Von Walter Riem. Der Weiße Ritter-Verlag, Potsdam. Seit unserer Dresdener Zusammenkunft hat sich innerhalb unserer Junggruppen das Interesse für Zeltlager, Lagerleben und Führung eines Lagers deutlich gehoben. Das vorliegende Büchlein — mit zahlreichen Illustrationen, Skizzen und Abbildungen versehen — wird daher manchem unserer Führer sehr willkommen sein und gute Dienste leisten. Es unterrichtet gründlich über die verschiedenen Arten des Lagers, über Ausrüstung, Lagerapotheken, Anordnung des Lagers, Zeltformen und Hüttenbau. J. R. Reisen und Forschungen in Afrika. Von Herodot. Bearbeitet von Dr. H. Treidler. Brockhaus-Verlag, Leipzig. Preis Mk. 2,80. Wir hatten bereits mehrmals Gelegenheit, an dieser Stelle auf die wertvolle Schriftenreihe „Alte Reisen und Abenteuer" hinzuweisen. Diese Sammlung hat die Aufgabe, uns wieder mit den Originalberichten früherer Forscher und Entdecker bekannt zu machen. Was Jahrzehnte vergessen gelegen hat, wird hier neu „entdeckt". Unsere Jugend begrüßt diese Literatur. Ein ganz Klassischer kommt diesmal nun wieder zum Vorschein: Herodot. Den Namen kennt man. Vielleicht aus einer unfreundlichen Geschichtsstunde. Und — weiß nicht, daß derselbe Herodot ein begeisterter Entdecker und obendrein ein fesselnder Erzähler seiner großen Fahrterlebnisse gewesen ist. Natürlich schrieb er viel Phantastisches und Sagenhaftes, was man ihm wohl noch bis ins Mittelalter hinein geglaubt hat, — heute aber nicht mehr ohne Lächeln lesen kann. Interessant, wie sich in ihm die Welt gespiegelt hat! Herodot wird „der