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Der Jugendbund · 1928-07-01 · 7 (1.7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
7 (1.7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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eifrigst bemüht, unsere frohe Gesellschaft im Bilde festzuhalten. Leber die Karlsbrücke gehl es auf die andere Seite der Moldau. Von der Brücke aus haben wir ein schönes Panorama Prags mit der Moldau-Partie. Viel Interesse findet die Christus-Statue aus Gold, die die Inschrift Kodausch, Kodausch, Kodausch trägt und sich etwa zur Mitte der Brücke erhebt. Die Inschrift geht auf die folgende wahre Begebenheit zurück. Ein jüdischer Goldschmied hat nach damaliger Anschauung ein Heiligenbild entehrt. Seine Hinrichtung wird beschlossen und die Stunde der Vollstreckung festgesetzt. In letzter Minute wird er begnadigt mit der Bedingung, eine Jesus-Statue aus reinem Gold nach eigenem Körpergewicht mit der genannten Inschrift anfertigen zu lassen. Gram und Verzweiflung treiben ihn in den Tod. Die letzte Erinnerung an die traurige Begebenheit bildet das überragende, wundervoll ausgeführte Werk. Einen tiefen Eindruck vermittelt uns die Besichtigung des Wallenstein-Palais. Es dient heute Museumszwecken und birgt eine Fülle von historischen Erinnerungen. Im Groltenbad und im wundervollen Garten verweilen wir längere Zeil. Das Pferd Wallensteins, von dem sogar das Mittelstück noch Original ist, erregt allgemeine Heiterkeit. Dann geht es schnell weiter, denn wir haben noch gar viel vor und wollen unsere kurze Zeit gut nützen. Der Hradschin, dem Prag vor | allem seinen Namen einer alten, kunstsinnigen Stadl verdankt, gewährt einen weilen Ausblick auf das Prager Stadtgebiet. Zwar ist der Blick selten ganz frei, doch verleiht gerade der leichte Nebel, der die Kirchen und Kuppeln einhüllt, dem Bild einen eigenartigen Reiz. Oben liegen die Burg, der Veitsdom und die Alchemistengasse usw. In der Burg werden alte Schulweisheiten an dieser Stelle einmal wieder ausgegraben und „historia" uns aus unmittelbarer Nähe des" Ortes vermittelt. Der Veitsdom ist zwar seit jetzt 1003 Jahren im Bau, aber dafür soll er auch im nächsten Jahr wirklich fertiggestellt werden und dann das Meisterwerk einer Kirche darstellen. Uebrigens verspricht der Eindruck, soweit das bei den baulichen Unebenheiten zu beurteilen ist, wirklich für die Fertigstellung sehr viel. Besondere Kunstwerke innerhalb der Kirche sind die Silber-Statue und eine kleine Kapelle aus Mosaik. Augenblicklich werden die Grüfte der Kaiser und Bischöfe freigelegt, die allen Besuchern zugänglich gemacht werden sollen. Die Alchimistengasse macht auf den Besucher, der sie zum ersten Male betritt, einen ganz eigenartigen Eindruck. Wir mögen im ersten Augenblick an unsere Märchen erinnert werden, in denen Puppenhäuser für uns eine selbstverständliche Wahrheit sind. Aber hier ist unser Märchen zur Wirklichkeit geworden. Unwillkürlich bücken wir uns beim Eintritt in die kleinen sauberen Wohnungen. Und ich glaube, die Größeren von uns haben es mit vollem Recht aus der Notwendigkeit der ga'nzen winzigen Anlage getan. Eine Kammer und die Küche, ein schöner Ausblick auf eine Allee grüner Bäume, das ist das Reich einer Anzahl zufriedener Menschen, deren Vorfahren einst als Beschützer der Stadt Prag für sich und ihre Familie ihr Heim in der Festungsmauer der Stadt geschaffen haben. Mit der Besichtigung dieser Gasse ist die Rundfahrt für den Vormittag beendet. Wir haben eine Mittagspause von zwei Stunden, ein gemeinschaftliches Essen im Hotel Bristol und anschließend eine kurze Zeit zum Ausruhen von dem schönen, aber immerhin anstrengenden Vormittag. Um 4 Uhr sind wir alle wieder aufnahmebereit für den zweiten Teil der Besichtigungen, die in keiner Weise denen des Vormittags irgendwie nachstehen. Wir besuchen den jüdischen Friedhof, der mit seinen 12 000 Grabsteinen seit 1300 Jahren die sterblichen Hüllen der Prager Ghettobewohner birgt und seit etwa 140 Jahren keine neuen Gräber mehr aufnimmt. Was uns die Worte des Professors Steinherz vermittelt haben, sehen wir jetzt mit eigenen Augen. In einzelnen Gräbern ruhen immer mehrere Tote. Dieses findet feine Begründung in dem Raummangel der jüdischen Bevölkerung im Ghetto. Die sachkundige Führung Dr. Jeiteles läßt Jahrhunderte jüdischer Geschichte Prags wieder lebendig werden. Der Kreis der Besichtigungen dieses Tages wird mit dem Besuch der Altneuschul geschlossen.. Wie schlicht und doch wie eindrucksvoll ist dieses ehrwürdige Gotteshaus. — Wie viele Generationen haben hier in ihrer Not gläubig gebetet. Nach dieser Kette von gewaltigen Eindrücken ist der Abend und der folgende Vormittag für uns freigegeben. Am nächsten Nachmittag um '3 Uhr treten wir unsere Heimreist an. Nicht ganz so froh wegen des Abschieds, wie wir gc-< kommen sind, doch in tiefer Dankbarkeit -tmscren Präge Freunden verbunden. Mögen. Sie uns recht bald Gelegenheit geben, ihnen ein wenig von ihrer herzlichen Gastfreundschaft in unserer deutschen Heimal zu vergellen. -Werner Mühlfeldcr, Bielefeld. Zugleich mit den Führungen durch Dresden und der Fahrl nach Prag fand am Dienstag, dem 29. Mai, ein Ausflug in die Sächsische Schweiz statt, an dem sich eine größere Anzahl von auswärtigen Gästen beteiligte. Nach einer 3J4slündigen wundervollen Dampferfahrt durch das Elbtal, an beiden Seilen die steilen Felsen der Sächsischen Schweiz, stiegen wir von Rathen auf die Bastei und hatten hier einen guten Ausblick bis nach Böhmen. Den Abschluß dieses Tages bildete dann der Tecabend im -Jugendvercin, der uns noch einige nette Stunden bereitete. Bericht eines Berliners über die Beriin-stenin-straisunder Treflahrt in Chorin am 1. Juli Am Stettiner Bahnhqf treffen sich langsam die Jugendbiindler, und zugleich beginnt es langsam aber sicher zu regnen. Jeder denkt: das .'richtige Trcffahrtswetter, besonders als der vollbesetzte Zug die Halle verläßt: es scheint ein richtiger Landregen zu werden. Aher kaum sind wir einige Stationen hinter Berlin, scheint die liebe Sonne auf lauter freudige Gesichter hinab, trotzdem es im Zug sehr voll ist und „dicke Luft" das Atmen nicht gerade zur Annehmlichkeit macht. Bemerkenswerterweise waren trotz der frühen Zeit (8,25 Uhr) 35 Berliner mitgekommen. - Alles hat sein Ende, auch eine Bahnfahrt von 1 % Stunden. Auf dem Bahnsteig Chorin erwarten uns unter Blumenschwenkcn die Stettiner: allgemeines Vorstellen und Pfötchcngcben; man geht langsam los, ein Teil direkt zum Amtsscc, ein anderer zum Bahnhof Chorinchcn, um Waldemar Strauß, der schon früher hinaus' gefahreft ist, und einige Nachzügler zu treffen. Man verpaßt sich selbstverständlich und gelangt nach mannigfachen Irrfahrten zum verabredeten Treffplatz am Amtssec vor der schönen Jugendherberge. Ein großer Spielplatz steht uns zur Verfügung, und sofort beginnt man mit Faust- und Völkerball, und 100-Mcter-Lauf, geht spazieren oder läßt sich von der Sonne bräunen. Nachher wird gemeinsam gesungen, gegessen, weitergespielt, im See gebadet. Unterdessen sind auch die letzten Stettiner mit Moturrädern eingetrofien und es beginnt das große „Freundschaftschließen". Alles in bester Harmonie, bis auf einige gewohnheitsmäßige Meckerer, man duzt sich zum Teil bald und freut sich schon jetzt auf das große Stettiner Treffen; geheimnisvolle Andeutungen Erwin Segalls lassen Großes erhoffen. Einzelne Gruppen besuchen die Klosterruine, sind aber fast alle sehr enttäuscht, da das Kloster „Auf Neu renoviert" wird. Es gibt Leute, die noch immer Völkerball spielen, und mit Sorge denkt man an den „Muskelkater", der den eifrigen Spielern blüht. Man schaut auf die Uhr, und siehe da, es ist schon Nachmittag: natürlich geht man Stettin, Berlin und Slra4sund — zusammen Kaffee trinken, während der „Rat der Alten" tagt. Leider müssen einige schon weg, um den Zug 18,23 Uhr zu erreichen; mannimmt Abschied und verbleibt mit dem zurückgebliebenen größeren Teil zusammen. Ein Berliner macht mit drei Stettiner Mädels einen Erkundungsgang zum alten Treffplatz und findet zu seinem Erstaunen noch immer zwei Mannschaften im erbitterten Völkerballkampf. Aber, aber die Zeit rückt vor, und langsam macht man sich auf den Heimweg. Die Stetliner haben sich so mit uns angefreundet, daß sie mit uns bis Eberswalde mitfuhren; sie 11

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