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Der Jugendbund · 1928-07-01 · 7 (1.7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
7 (1.7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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1924 gebaut wurden. Der Architekt des Bundes entwarf den Plan und leitete den Bau. Den Boden stiftete der Vater de« damaligen Führers Georg Schwarzenberger. Die Kosten wurden durch Sammlungen bei der Gemeinde gedeckt. Das Heim liegt drei Minuten von einer Straßenbahnhaltestelle und ist vom Zentrum der Stadt in etwa 15 Minuten zu erreichen. Im Heim ist elektrisches Licht und Heizung vorhanden. Da in Heilbronn bis (Vor kurzem die Jugcndherhergsverhältnisse schlecht waren, wurde im Dachgiebel ein Schlafraum eingerichtet. Neuerdings wurde aber eine große Jugendherberge /eröffnet. — Aus Herford: Eine Treffahrl mit Osnabrück wurde arrangiert. Die Gruppe kommt mehrmals im Monat zusammen. Kaiserslautern: Leber die geistige Arbeit sendet mir Lisel Bergheimer einen ganz ausführlichen schönen Bericht. Bei der älteren Gruppe konnten bereits Stoffe behandelt werden, wie Spinoza Liebermann, Bismarck und die .luden. Die Verbandszeitschrift wird jedesmal vofgelescn und besprochen. Die reichhaltige Bücherei sorgt für empfehlenswerte Lektüre. Besonders interessiert hat das Buch „Die jüdischen Flieger im Weltkriege". Seil einigen Wochen werden Freitagabendfeiern veranstaltet, d'e immer einen würdevollen Verlauf nehmen. Franz Kehr und Hans Cohn schicken nette Fahrtschilderungen, die gelegentlich noch gebracht werden sollen. — In Osnabrück war am 31. Mai ein Sommerfest, über das Friedcl Katzmann schreibt. Es fand statt auf der Friedenshöhe bei Osnabrück, und zwar mit Kaffeetafel, Sackhüpfen, Wettlauf und Pfänderspielen. Zwei lustige Theaterspielc ergänzten das Bild. Grete Falk las lustige Geschichten. Dieselbe Grete sendet einen famosen Bericht über die Wanderung nach den Johannissteinen. Lektüre: .losclmann. von Rosheim. Man hat über Maimonides gesprochen. Sa arbrücken: Führung jetzt Walter Loeb. Bisher hatte die Junggruppe bloß „Aeltere". Nun sind auch Zehnjährige eingereiht worden. Wöchentlich werden Sprechchorproben veranstaltet. Die Gruppe hat sich an mehreren Tagestreffen des Gaues Pfalz-Saar beteiligt. Trier hat eine Knaben- und Mädelgruppc. Beide waren am 17. Juni in der Luxemburger Schweiz. Kurt Joseph berichtet darüber. Fs muß eine wirklich herrliche Wanderfahrt gewesen sein! Und jetzt — gehen wir bei 33 Grad im Schatten in Ferien! J. Raphael. Berichte Judische Jugend in Prag Einen wundervollen Ausklang unserer erlebnisreichen Dresdener Tagung brachte die gemeinsame Reise von 130 Verbandsfreunden aus allen Teilen des Reiches nach Prag. Reisefreudig gestimmt, voll gespannter Erwartung, versammeln wir Prag-Reisende uns am Dienstag nach der Tagung um 11 l'hr auf dem Dresdener Hauptbahnhof. Liebe Dresdener Freunde geben uns ein kräftiges Lebewohl und gute Reisewünsche mit auf die frohe Ferienfahrt. In für uns bereitgehaltenen Sonderwagen richten wir uns für unsere vierstündige Fahrt ein, und nachdem wir alle gut untergebracht sind, gehl es durch die landschaftlich einzigartige sächsische Schweiz längs der Elbe unserem Ziel entgegen. Die Fahrt verläuft harmonisch. Paßkontrolle und Koffer-Revision werden gut überstanden. Nur wenig reisemüde, viel eher erwartungsfroh und aufnahmebereit für die in Aussicht stehenden Eindrücke gelangen wir am Frühnachmittag auf dem Wilson- Bahnhof in Prag an: empfangen von einem Prager Freund, der sich unser für die ersten Stunden des Aufenthalts in liebenswürdigster Weise annimmt. Einem bereitstehenden Wagen übergeben wir unser Gepäck, und unbelastet gehen wir mit unserem Führer aufmerksam durch freundlich angelegte Grünanlagen, eine Anzahl vom Verkehr ziemlich belebter Straßen zum Logenheim. Nachdem uns unter möglichster Berücksichtigung aller besonderen Wünsche unsere Privat- oder Hotel-Quartiere zugewiesen sind, wird uns unser reichhaltiges Programm für unsere zweitägige Aufenthaltsdauer vermittelt; dann entläßt uns nach herzlichen Begrüßungsworten Herr Schneider, Prag, in unsere jeweilige Unterkunft. 10 Für den Abend ist eine offizielle Begrüßungsfeier von den Prager Logen vorgesehen. Wir haben genügend Zeit, uns irisch zu machen, etwas zu ruhen und ein wenig Umschau zu halten, uns vertraut zu machen mit all dem Neuen. Wir treffan uns um 7,30 Uhr im Logenheim, unsere ersten Eindrucke austauschend. Wir sind alle recht vergnügt. Warum sollten wir auch nicht? Zwei lange Tage ganz frei, ganz ungebunden, und dabei so viel Schönes, Neues und eine solche Fülle Wissenswertes und Interessantes in Aussicht. Dazu kommt, daß wir — jüdiche Jugend — einmal aus allen Fernen zusammengekommen, gleich gestimmt ein paar anregende Tage miteinander verbracht haben, und ein paar frohe Tage miteinander verbringen wollen, daß wir die warme Herzlichkeit unserer Prager Freunde empfinden, die aus ihrem ehrlich gemeinten Willkommen spricht. In diesem Sinne wird uns allen ihre feierliche Begrüßung zu tiefempfundenem Erlebnis. Schlicht begrüßende Worte des Vorsitzenden der Herder- Vereinigung. Dr. Bondy, gehen dem eindrucksvollen Referat des Prorektors der deutschen Universität Dr. Steinherz voraus. Professor Steinherz führt uns in einem allgemein verständlichen Abriß des alljüdiscben Prag in dessen engere Heimatsgeschichte ein. Der verehrte Redner weckt unser Interesse für all die Eindrücke, die uns die kommenden Tage in seiner Heimat bringen werden. Er gibt uns ein Bild von den furchtbaren Verhältnissen, die das Prager Ghetto mit sich gebracht hat, von der Ein- und Abgeschlossenheit seiner Bewohner, der mangelhaften Hygiene und dem Elend, das doch nicht vermocht hat, die in sich gefestigte jüdische Bevölkerung aufzureiben. Der Redner zeigt in klaren Umrissen die Ausdehnung des bürgerlichen Rechtes auf die jüdische Bevölkerung, und damit ihr allmähliches Freiwerden. Das Ghetto ist seit etwa dem Ende des 19. Jahrhunderts geschleift. Doch schon 2 bis 3 Generationen vorher ict es von der Mehrzahl der Prager Juden mit bürgerlichen Wohnungen vertauscht worden. Herr Professor Sleinherz schließt, herzlich wie er begonnen, seine mit großem Beifall aufgenommenen Worte. Nach ihm begrüßt uns der Präsident der Bohemia-Loge, Professor Dr. Flüsser, und Rabbiner Professor Dr, Arje im Namen der drei Prager Logen. Bohemia, Praga und Humanitas. Mit dem Wunsche, daß wir uns bei ihnen heimisch fühlen mögen, übermittelt er den deutschen Logenbrüdern seine und seiner Freunde Grüße. Ihm wie den übrigen Rednern merkt man die aufrichtige Freude an, die aus dem Rahmen einer offiziellen Begrüßung herausgeht. Fritz Schwarzschild bringt als Vertreter der deutschen Gäste in kurzen Worten unsere dankbaren Gefühle zum Ausdruck. Er nimmt in seinen Ausführungen auf das Referat von Rabbiner Dr. Hahn auf der Dresdener Tagung ,,Jüdische Jugend im Welt-Jugend-Bund" Bezug. Mögen sich die einmal geschlagenen Brücken von uns zu den Prager Freunden erhalten, möge das Näherkommen und die herzliche Uebereinstimmung von bleibender Dauer sein. In feinen Worten unterstreicht der Redner die Stimmung des Abends. Nach dem gemeinschaftlich eingenommenen Essen erklingt, froh mitgesungen, das alte Schir Hamaalous, dann benscht mit feierlichem Sang Siegfried Weinberg. Als besondere Ehrung wird zum ersten Male fremden Gästen der Logentempel geöffnet. Nicht einmal die Herder-Vereinigung hat ihn bis zu diesem Abend betreten. Der Tempel in seiner schlichten Einfachheit erhöht die festliche Note des Abends. Gegen Mitternacht trennen wir uns notgedrungen, um uns den vielen Eindrücken des kommenden Tages frisch zu erhalten und die eben gewonnenen in Ruhe verarbeiten zu können. Der nächste Tag beginnt für uns früh. Bereits um 8 Uhr versammeln wir uns munter und vergnügt vor dem „Blauen Stern", einem zentral gelegenen Hotel Prags. Vier Aussichtswagen stehen für den Verlauf des Vormittags zu unserer Verfügung. Jeder Wagen hat seinen Führer, und so fahren wir mit großen Erwartungen zu unseren ersten Besichtigungen, die den Vormittag ausfüllen. Als erstes wird uns das alte Rathaus mit dem Grabmal des unbekannten Soldaten gezeigt. Vor dem Rathaus befindet sich das monumentale Huß-Denkmal. Hier werden wir das erste Mal photographiert, das erste Mal, denn man ist in der Folge dieses unvergleichlichen Vormittags

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