Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 7 (1.7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ahlen: Kurz vor der Dresdener Tagung fand ein wohlgelungenes Frühlingsfest statt. Im Programm konnte man ein paar feine Sachen aus dem Arbeiteriugendverlag verwerten. Bei dieser Gelegenheit sei erneut auf die Erscheinungen dieses Verlages hingewiesen. — Bielefeld und Osnabrück trafen sich am 10. Juni in Bad Rothenfelde zum ersten Male. (Und Dank für die Grüße! •. . .) Im Jugend verein Bielefeld referierte Werner Mühlfelder über die Junggruppenbesprechungen von Dresden. Seit einiger Zeit leitet Gerda Dreyer eine .Mädelgruppe in Bielefeld. — Aus Bremen schreibt Ludwig Markreich ausführlich über die Arbeit und über allerlei neue Pläne. Gelesen hat man den Gronemannschen „Schalet". Auch das „Zelt" wird jeden Monat gern durchstudiert. Zwei Fahrten nach Langwedel (Hannover) und Worpswede wurden gemacht. Hoffentlich wird der Plan, eine Fahrt in die alten historischen Rheinstädte zu unternehmen, Wirklichkeit! Die Aufnahme vom Bezirksgruppentreffen in Rotenburg (Hannover) am 1. Juli ist gut. — Chemnitz: Mäly Fischer berichtet über ihren Zug, der im Dezember 1927 gegründet worden ist. Sie schreibt: „Wir besprachen Themen wie Schule, Selbstbeherrschung, Selbsterziehung, Respekt, Nächstenliebe, Freundschaft, Gemeinschaft. Jeden fünften Heimabend benutzten wir zum sogenannten Nestabend, an dem nur gesungen und gespielt wurde. Wir lasen Kybersche Märchen. Einem jeden gefiel natürlich eine Figur daraus am besten. Die mußte dann in Plastilina nachgebildet werden . .." — Im Anschluß an die Dresdener Tagung gingen die Chemnitzer auf große Fahrt in den Thüringer Wald. Standquartier war das wunderschön gelegene Ruhla. (Die Grüße habe ich bekommen!) — Düsseldorf: Das Programm für die Augustfahrt durch den Schwarzwald ist so verlockend, daß man am liebsten mitfahren möchte, anstatt sich durch die Pressa zu drängen. Drei Wochen will man unterwegs sein. — Die junge Gruppe in Forst i. L. hat sich mutig in die Arbeit gestürzt. Die beiden Züge lesen „Das verschlossene Buch" — hübsche jüdische Märchen von Irma Singer — und „Der Born Judas". — Frankfurt a. M.: Kurt Jonas schildert die sephstägige Pfingstfahrt nach dem Vogelsberg. Uebernachtet wurde in dem mustergültigen Jugendheim auf der Herchenhainer Höhe. Dem Bericht über die Arbeit des BJP. Frankfurt ist] zu entnehmen: „Auf Vorschlag von Frank Schwarz wurden dtie Heimabende durch Arbeitsgemeinschaften ersetzt. Diese Besprechungen aus Vergangenheit und Gegenwart, Literatur, Basteln und Sport haben zwei große Vorteile. Erstens kann jeder einen Nachmittag, der ihn interessiert, besuchen, und dann muß jedesmal von irgendeinem ein Vortrag gehallen werden, der dann diskutiert wird. Fahrten wurden gemacht durch den Spessart und nach Worms, der alten jüdischen Stätte. Eine Treffahrt mit dem Mainzer Kadimah verlief sehr schön. — Gute Arbeit wird in Gelsenkirchen geleistet. Aussprachen erfolgten über „Meine Stellung als jüdischer Schüler", „Bedeutende jüdische Männer". Ein hebräischer Zirkel trat in Tätigkeit. Das schöne Wetter veranlaßte eine Reihe von Radtouren. Die Junggruppe unterhält — das zeigt mir der Katalog — eine sehr schöne Bibliothek. Ueber den Elternabend am 7. Juli schreibt Hans Abraham: „Die Arnos-Loge hatte uns ihre Räume zur Verfügung gestellt. In einem kurzen Referat erklärte ich die Bedeutung des Elternabends für den Schülerbund. Der Elternabend sei am besten dazu geeignet, den Konnex zwischen Eltern und Jugend herzustellen und dann zu befestigen. Ich berichtete über geleistete und beabsichtigte Arbeit und betonte zum Schluß, wie notwendig es sei, von den Eltern in jeder Weise unterstützt zu werden. Otto Guthmann wies auf das gute Verhältnis zwischen Jugendverein und Schülerbund hin. Er gab seiner Freude über den gut arbeitenden Schülerbund Ausdruck. Er erwähnte als ehemaliges Mitglied des Schülerbundes, daß dieser jetzt schon neun Jahre bestehe. Unser alter Lehrer, Herr Katz, betonte namens der Loge, daß diese dem Schülerbund gern ihre Räume zur Verfügung stelle, da sie die Unterstützung der Jugend als eine ihrer Hauptaufgaben ansehe. Herr Dr. Galliner gibt uns die Mahnung, wie unsere Vorfahren durch Einfachheit und Arbeit zum Guten zu streben. Herr Stamm appellierte an die Eltern, dem Schülerbund ein größeres- Interesse entgegenzubringen und ihn auch finanziell zu unterstützen. Hans Plaut gibt eine sehr nette Schilderung von dem Leben unserer mittleren Gruppe. Hans Block spielt Grieg, An den Frühling. Sehr fein. Die mittlere Gruppe führt auf „Der Herr Sohn von Marcellus Schiffer". Nach einer Erfrischungspause spielt das Schülerbundtrio einen Walzer. Es folgen Gedichte, Lieder zur Laute, dann eine lustige Radioszene. Zum Schluß der Marsch „Heil der Zukunft!" — Die Görlitzer Gruppe hat eine wunderschöne Junggruppenzeitung (selbst geschrieben und ^♦Uustriert!) herausgebracht. Die bunten Zeichnungen stammen Aon M. R. (Mira Rosental?) Da steckt ja ein Talent drin! Auch der Text ist originell. Verse solltet ihr keine machen! — Hamborn: Die Führerin Helga Simoni schreibt über die ersten Ausflüge der Gruppe. Am 3. Juni war man in Kettwig- Werden, in der herrlichen Gegend an der Ruhr. — Neues Leben regt sich in Heilbronn am Neckarstrand! Richard Meyer und Carola Reis haben jetzt das Regime übernommen. ' Die Aufnahmen vom Jugendheim (Blockhaus) sind interessant. Das Heim ist von Angehörigen des Jugendbundes im Jahre die Wirklichkeit gestalten aus der Idee der Heiligkeit (des Judentums)." Das war der Eingang. Dr. B a e c k spricht, und etwas von der Güte seines Wesens, von der Verinnerlichung seiner hohen Geistigkeit ruht auf der Versammlung. Epe Persönlichkeit spricht von dem, was alle bewegte, wer wollte sich dem Eindruck entziehen?! Kein Wort, das unverstanden blieb, kein Gedanke ohne seinen Widerhall in aller Herzen. — Anders Dr. Wiener! Die Stimme der Philosophie erhebt sich. Schon hat sie den engen Rahmen des Gegebenen gesprengt und erhebt sich frei im kühnen Flug der Gedanken über Zeit und Raum (manchmal auch über die Köpfe der Hörer). Aber nicht stoische Geruhsamkeit, sondern sich jagende Gedankenkraft schöpft hier aus der Fülle und überströmt uns mit der Energie des Redners und seiner Ueberzeugung. Zuletzt sprechen die beiden Redner unseres engeren Kreises — Dr. Herzfeld, Essen, und Herbert Felsenthal. Beide sachlich — programmatisch. 4. Spezielles. Die Schlacht der Diskussion hebt an. Ueberschrift: Weniger wäre mehr. Aber laßt's gut sein, wenn noch mehr Zeit gewesen wäre, wir hätten auch noch alle gesprochen. Es fiel manch gutes Wort! Wohin? — Hoffentlich auf den Weg in die Wirklichkeit. Wer dort Worte findet, hebe sie auf und schmelze sie zu Taten um! 5. Individuelles. Zwischendurch! Man verkrümelte sich in Dresden. Rundfahrten. — Manche und andere wieder zu zweien und dreien. Weißer Hirsch und Opernhaus, Synagoge und Museum usw. Jeder nach Bedarf und Neigung — individuell. Aber man sah viel und freute sich der schönen Gegend, des guten Wetters und der neuen Freunde. Aber andern Tags war man pünktlich (siehe Ueberschrift) wieder auf dem W a h 1 p 1 a t z (— wörtlich zu nehmen!). Rabbiner Dr. Hahn ward der neue Führer!! Seine Rede feurig wie immer, klug wie immer, energisch wie immer, und alle begeistert wie immer, wenn er zu uns spricht. Man ehrt Rabbiner Dr. Klein! Er hat es sich verdient. Sehr verdient! 6. Reelles! Man aß öfter Würstchen und abends war Ball! Stimmung: Reaktion der Arbeit, daher Persiflage der Tagung. Sprechchor, Reden usw. Alles nochmal, aber mit umgekehrten Vorzeichen, aber kürzer — aber — (und überhaupt!)! 7. Prinzipielles. Die Tagung war ein wohlgelungenes Wochenendhaus. Ihr Wert lag in ihrer Stimmung und ihrem Wollen! Dank den Dresdenern. Glück auf zur neuen Arbeit! 9