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Der Jugendbund · 1928-07-01 · 7 (1.7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
7 (1.7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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erweist dem jungen Menschen einen schlechten Dienst, wenni man ihm'den Kampf und das Ringen um eine gefestigte jüdische] Weltanschauung nimmt, denn „Kämpfer sein, h«ißt Mensch sein". Nur im Kampfe stählen sich die geistigen und sittlichen Kräfte und formt sich der Charakter. Daher soll man bei aller Wahrung der als richtig erkannten Weltanschauung der Jugend nicht die Möglichkeit nehmen, den großen, jüdischen Rahmen zu sehen und mit Andersdenkenden zu verkehren. Durch Anregung erweitert sich der Blick, bereichert sich die Seele. Sie soll mit sich und mit der Welt ringen, um den Weg zu Gott zu finden. Ob es ein Glück ist, daß man heute in den jüdischen Reihen aus allem Politik macht, ist sehr fraglich. Für die Jugend aber ist jede Parteipolitik verhängnisvoll, weil sie das Werden und Reifen der Persönlichkeit hemmt. Man lasse die .lugend jüdisch leben, man gebe ihr Liebe und Wärme, man zeige ihr den Weg zum ganzen, vollen Judentum — alles andere findet sich dann von allein." Eine bessere Rechtfertigung der von uns eingenommenen Grundhaltung innerhalb der jüdischen Jugendarbeit können wir uns gar nicht wünschen. Nur schade, daß Diplomaticus (aus lauter Diplomatie?) verschweigt, daß seine Richtlinien gar nicht neu sind und vom „Verband der jüdischen Jugend vereine Deutschlands" seit einigen Jährchen — trotz mancher Widerstände — treulich befolgt werden. Sollte ein- Diplomaticus das wirklich nicht wissen, oder bei der Niederschrift einer so grundsätzlichen Bemerkung vergessen können? Das wäre, wie gesagt, schade — für ihn. Wir jedenfalls danken ihm recht herzlich für seine feinsinnige Umschreibung und Propagandierung unseres Tendenzparagraphen. Neck. Junggruppen Ein Weckruf an alle Junggruppier! von Richard Cohn. Halle a. S. Die Dresdener Tagung hat vielleicht nicht alle Eure Wünsche erfüllt, aber der Verband hat den Junggruppen doch eine unerwartet tatkräftige Unterstützung zuteil werden lassen. Das erfüllt Euch mit berechtigtem Stolz. Aber mit dem Augenblick, da Ihr eine Macht im Verbände darstellt, ist auch Eure Verantwortung ungeheuer gewachsen. Denn nunmehr heißt es, in Euren Gruppen mehr als bisher die Erziehung zum Verbandsgedanken zu betonen. Dazu braucht es keine gelehrten Auseinandersetzungen über die Verbandsidee. Was ich von Euch fordere, ist Erziehung zur Opferbereitschaft für den Verbandsgedanken. Für jeden von Euch kommt einmal der Zeitpunkt, in dem er seinen Uebertritt von der Junggruppe in den Jugendbund vollziehen muß. Jugendbund und 'Junggruppe haben zwar dasselbe Endziel, aber völlige verschiedene Wege. Deshalb behagt es auch manchem neueintretenden Junggruppier im Jugendbund nicht, die Art der Arbeit ist ihm fremd, er vermißt das vertrauliche „Du", kurz, es erscheint ihm vieles unjugendlich und verkalkt. Da könnte sehr leicht so ein Junggruppier dem Jugendbund bitter enttäuscht wieder den Rücken kehren oder, was schlimmer wäre, den Kampf gegen das ewig Gestrige aufgeben und selber ein innerlich alter Mensch werden. Endlich aber, und auch das gilt es offen auszusprechen, wäre es nicht ausgeschlossen, daß sich die Junggruppen, wie schon einmal, vom Verbände lossagen, um dann ohne (ideellen und materiellen) Rückhalt, dem sicheren Untergang entgegenzugehen. Dahin, Junggruppier, darf Euer Weg nicht führen! Nach dem neuen Junggruppengesetz soll bereits jeder Junggruppenführer ohne weiteres Mitglied und Mitarbeiter im Jugendbund sein. Darüber hinaus verlange ich: 1. gleichzeitige Mitgliedschaft aller Junggruppier im Jugendbund während des 17. Lebensjahres, 2. mit dem Eintritt in das 18. Lebensjahr endgültiges Ausscheiden aus der Junggruppe, mit Ausnahme der Führer, 3. möglichst gemeinsamer Uebertritt in den Jugendbund aller, die ungefähr zu gleicher Zeit diese Altersgrenze erreichen. Viel wichtiger noch erscheint mir aber die oben geforderte Erziehung zur Opferbereitschaft für den Verbandsgedanken, und jetzt wird man auch verstehen, was damit gemeint ist: Junggruppier, stellt Euch rechtzeitig darauf ein, daß Ihr später im Jugendbund manches nicht so vorfinden werdet, wie Ihr es ersehnt. Bestärkt Euch deshalb von der ersten Stunde an gegenseitig in dem Vorsatz, nie zu erlahmen in der Arbeit für den Verband, selbst wenn es Euch hin und wieder Opfer kosten sollte. Ueber allem aber stehe die Aufgabe, die Jugendbünde zu erfüllen mit frischem Junggruppengeist. Dann ist die Junggruppenbewegung nicht Selbstzweck, sondern Dienst am Verbandslebcn. Rundgang durch die Jungruppen Zahlreiche interessante Berichte liegen mir vor. Nur Auszüge können natürlich hier wiedergegeben werden. Wer gern die Originalberich'te lesen möchte, bekommt sie auf Wunsch zugestellt. Ohne Zweifel wird daraus manche Anregung zu entnehmen sein. Wir haben folgende neue Junggruppen zu begrüßen: Forst in der Lausitz, Hamborn, Homburg (Saar), Aachen und München. Weitere Gruppen sind im Entstehen. Unsere Gemeinschaft wächst von Woche zu Woche. Und nun beginnen wir den Rundgang durch unsere Gruppen. Stimmungsbild der Dresdener Tagung von Rabbiner Dr. Schönberger, flachen 1. Allgemeines. Man sollte von großen Tagungen eigentlich immer nur Stimmungsbilder entwerfen, denn ihr Wert liegt in ihrer Abgestimmtheit! — Eine Tagung ist einem mit Fleiß aufgebautem Wochenendhaus vergleichbar, in das die kleinarbeitsmüden Delegierten mit gehobener Stimmung einziehen, um neue Kräfte zu sammeln. Die Vorträge sind die schmückenden Zierate und Möbel zur größeren Bequemlichkeit, die Diskussionen bilden den natürlich entstehenden Schutt, den wir eine „Wohnung abwohnen" (nicht mit „zum Abgewöhnen" zu verwechseln) nennen. — Außerhalb des Hauses wird Sport getrieben (in unserm Fall die Kommissionen), und schließlich zieht man wochenendshäuschen- und sportsmüde, aber dennoch erfrischt, wieder in seinen Verein zur Arbeit! Wer mehr von einer großen Tagung sich verspricht, wird enttäuscht. Noch schlimmer gar der, der die Diskussionen für die Hauptsache hält — er wird erschüttert und deprimiert, zuweilen auch kopfschüttelnd und belustigt das Weite suchen. 2. Ideales von der Dresdener Stimmung. Herrlich die Ouvertüre! — Man mußte sie nur sehen, die frischen Jungen und Mädel, 'auch ältere natürlich),- wie sie vbn allen Seiten kamen, gleich munteren Quellen, die zum 8 Strom schwülen, um schließlich sich jubelnd ins Meer zu ergießen. — Das allein schon war die Tagung wert, dieser Wille zueinander hin, dieses Sich-Begrüßen und Händedrücken, diese Erwartung und diese Ankunft! — Der Empfang — die Organisation — all das schöne Zusammenarbeiten der Dresdener Jugend soll ihnen unvergessen bleiben! Wehende Wimpel, die Jungmannen in Kluft, weithin sichtbare Auskunftsschilder mit dem Vereinswappen, großartige Auskünfte und Unterkünfte — alles das wurde zum Bild und zur Stimmung, erfüllte jugendliches Erwarten und zerstörte pessimistische Bedachtsamkeit! Die helle, lachende Sonne und das Panorama der schönen Stadt Dresden taten das ihrige, Das Tagungslokal, ein stilvoller, würdiger Bau, ward in Kürze heimatlicher Mittelpunkt. Den Dresdenern Dank! Großen Dank! 3. Ideelles. Einzelheiten sollen hier nicht gegeben werden! Und die Stimmung! — Künstlerisches Cellospiel gab den Aufklang. Sodann der Düsseldorfer Sprechchor. — Auch sein Wert ruht nicht im Hauptgewicht in der künstlerischen Leistung, als vielmehr in der Harmonie der Seelenabgestimmtheit seiner Mitglieder — einheitlicher Wille, straffe Konzentration, Begeisterungsfähigkeit (und dadurch begeisternd) — kurz — Herbert Felsenthal! Dann „der Weg in die Wirklichkeit". Rabbiner Dr. Wolf begrüßte! „Ideal ist —

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