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Der Jugendbund · 1928-07-01 · 7 (1.7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
7 (1.7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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da man sich in einer so „jugendbewegten" Zeit wie der unseren vor diesem letzten Vorwurf besonders fürchtet so gibt es in der Tat Führer bei uns, die, wenn sie zur Leitung einer Tagung tjerufen werden, ihre Hauptaufgabe darin sehen, möglichst wenig in den Gang der Verhandlungen einzugreifen und die „Führung" der Versammlung selbst überlassen. Ich mache keinen Hehl daraus, daß ich dies System für uns als durchaus untragbar bezeichnen muß. Wir sind nicht in der glücklichen-Lage mancher Jugendbewegungsbünde, die ihre Bundestage in die Schulferien legen und sich dann tage- und wochenlang miteinander aussprechen können. Unsere Mitglieder sind fast alle im erwerbstätigen Leben. Es stehen uns für unsere Tagungen höchstens ein bis zwei freie Tage zur Verfügung. In dieser kurzen Zeit muß natürlich konzentriert gearbeitet werden, soll etwas Sinnvolles erreicht werden. Ohne viel Selbstdisziplin und auch Selbstbcscheidung ist das nicht möglich. Gerade, weil Jugendtagungen mehr sein sollen als alltägliche Zusammenkünfte, muß die Form, in der sie sich uns bieten, wohlüberlegt sein. Mein Vorschlag geht darum dahin, daß die von der Versammlung gewählten Leiter nicht nur für die Durchführung der für „den Deutschen Reichstag geltenden Geschäftsordnung" Sorge tragen, sondern darüber hinaus mit viel größeren Rechten zu? sachgemäßen Gestaltung der Tagung ausgestattet werden. Was ich meine, deckt sich etwa mit den Ausführungen, die Dr. Allred Landsberg, Wiesbaden, im Anschluß an den diesjährigen Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in der „Jüdischen Rundschau" vom 15. Juli d. J. veröffentlichte. Er sagt dort u. a.: „Ehe wir zu den prinzipiellen Fragen . . . Stellung nehmen, wollen wir noch unter dem frischen Eindruck dieser Tagung zugestehen, daß ein Delegiertentag, wenn er nach allen Regeln eines Parlaments gestaltet wird, schon seiner äußeren Form wegen, die inneren Fragen der Bewegung nur unvollkommen zur Klärung bringen kann." Und dann: „Die einleitenden Referate . . . sollten in möglichster Kürze die im Augenblick wichtigsten Fragen anschneiden. Der Leitung der Tagung aber sollten über gewöhnliche parlamentarische Begriffe hinaus Machtmittel in die Hand gegeben werden, in die Diskussion einzugreifen und nötigenfalls Reden, Wenn sie zwecklos in die Länge gehen, abzukürzen. Die Breslauer (lies in unserem Fall Dresdener) Tagung litt ganz besonders darunter, daß nach zu ausführlichen Referaten die ersten Diskussionsredner sich nicht die Beschränkung auferlegten, die dringend erf orderlich ist, soll nicht gleich zu Anfang eine müde und lahme Stimmung entstehen, in der dann die wirklich brennenden Fragen nicht mehr mit der' nötigen Klarheit erkannt und dargetan werden könne n." Unter dem gestaltenden Eingreifen des Versammlungsleiters möchte ich auch die Pflicht einbegriffen wissen, daß er innerhalb der Diskussion die Gesichtspunkte herausfindet, die einer Klärung bedürftig sind, sie zur Debatte stellt, aber auch dafür sorgt, daß die Redner dann nur zu diesen Fragen sprechen und die ihnen zugebilligte Zeit möglichst nicht überschreiten. Dann werden Unzulänglichkeilen, wie sie auch in Dresden in der Geschäftsführung zutage getreten sind, auf ein Mindestmaß beschränkt werden können. Das sind zwar nur Aeußerlichkeiten, aber wir müssen mit ihnen zu Rand kommen, um den inneren Gehalt unserer Tagungen vertiefen zu können. Hugo Hahn. Wege zur Bibel Um das religiöse Gespräch, das auf der Essener Führerlagung begonnen wurde, weiter auszugestalten, wollen wir in Zukunft jeweils gemeinsam einen Abschnitt aus der Bibel lesen. Wir würden uns freuen, wenn viele sich entschließen könnten, den hebräischen Text zur Hand zu nehmen. An Uebersetzungen empfehlen wir vor allem die neue Bibelübertragung von Buber-Rosenzweig. Wir wollen den Anfang machen mit den ersten Kapiteln der Genesis.*) Wir bitten unsere Freunde (möglichst mehr als einmal), Kapitel I, II und III des I. Buches Mose während des Monats August zu lesen. Wer nach einer sachgemäßen Erläuterung sucht, den weisen wir vor allem auf die Erklärungen hin, die Rabbiner Dr. Jacob, Dortmund, zu diesen Kapiteln im „Morgen", Jahrgang I, Hell 1 und 2, gegeben hat. Natürlich kann auch jeder andere deutsche Bibeltcxt und Kommentar mitbenutzt werden. Wir haben einen Kreis von Freunden gefunden, der bereit ist, auf Fragen, die an den Unterzeichneten gerichtet werden, fortlaufend unter obiger Ruhrik in unserer Zeitung zu antworten. Wir danken auch an dieser Stelle Dr. Martin Buber und Dr. Franz Rosenzweig flür ih r-e- Bereitwilligkeit, uns bei dieser Arbeit zu unterstützen. Wir würden uns freuen, wenn die Vereinsmitglieder von dieser Möglichkeit, tiefer in die religiöse Welt des Judentums einzudringen, reichlichen Gebrauch machen würden. Die an uns gerichteten Fragen werden natürlich ihne Namensnennung veröffentlicht, so daß es jedem Mitglied möglich ist, sich in aller Olfenheil und Ehrlichkeit auszusprechen. D ie Verbandsleitung. L A.: Dr. Hahn, Essen, Emilienstraße 59. *) Buber-Roscnzweig: „Das Buch im Anfang". Randglosse Partei und Jugend Ueber dieses heißumstrittene Thema schreibt D i p 1 o - m a l i c u s im Frankfurter „Jüdischen Wochenblatt" vom 13. Juli d. J.i „Das Interesse für die Jugendbewegung wird in den jüdischen Reihen immer stärker^ Gemeinden und Vereine befassen sich mit ihr und suchen, sie materiell und ideell zu fördern. Das ist erfreulich. Im Judentum galt stets die Erziehung als heilige Aufgabe und kein Volk darf sich rühmen, opferfreudiger und idealistischer für die Jugend gesorgt zu haben, als das jüdische. Aber diese Aufgabe wird heute immer schwieriger. Nicht nur, weil der Kampf ums Dasein komplizierter geworden und die Auseinandersetzung mit dem modernen Leben und Denken zu den schwierigsten Problemen gehört, sondern auch weih die Jugend von vornherein einseitig eingestellt und von engem Parteigeist beherrscht ist. Wenn etwas nach einer falschen Seite hin verbogen ist, dann gehört doppelte Arbeit dazu, daraus etwas Nützliches zu machen. Wir haben heute keine jüdische Jugend schlechtweg, sondern meistens parteilich voreingenommene junge Menschen, die um so einseitiger und intoleranter sind, weil ihr Wissen und ihr Charakter noch nichi gefestigt sind. Wir haben heute in Deutschland eine orthodoxe und liberale, eine zionistische und vaterländische Jugend, und innerhalb dieser Richtungen gibt es noch viele Schattierungen. Da braust und stürmt es und es wird gekämpft und gefochten, und — zu einer klaren, gesunden Entwicklung gelangt man selten. Das ist nicht der Weg, der zum Ziele jüdischer Einheit führt. Es ist begreiflich, daß jede Bewegung sich eine Jugendgarde zu schaffen bestrebt ist, um die Zukunft ihren Ideen zu sichern. Aber die Jugend ist Selbstzweck und nicht Mittel, und sie darf nicht mißbraucht werden, grobe Handlangerdienste zu leisten. Die Jugend darf nicht Staffage und Parade sein, sie darf nicht dazu benutzt werden, für etwas zu agitieren, das sie gar nicht versteht. Die im traditionellen Geiste lebenden Juden wollen das von ihren Vätern ererbte Gut, vermehrt und vertieft, ihren Kindern übergeben. Sie wollen sie mit jüdischem Wissen und jüdischem Empfinden fürs Leben ausstatten, damit sie gesunde Glieder in der Kette der Ewigkeit bilden. Weiter kann und darf ihr Interesse nicht gehen. Sie in eine bestimmte Schablone zu pressen, sie parteimäßig zu binden, ihnen jeden Blick auf die großen Fragen, die das zeitgenössische Judentum bewegen, zu verwehren, ist für die Jugend verhängnisvoll. Man 7

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