Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 7 (1.7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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großen Organisation zeigen müssen und auch gezeigt haben. In vielen Gesprächen, die ich vor, während und nach der Tagung mit Freiinden auallen Teilen des Reiches gehabt habe, habe ich aber zunächst festgestellt, und dies war mir sehr ertreulich, daß eine grundsätzlich negative oppositionelle und kritische Einstellung gegen Leistung und Leitung des Verbandes nicht zu bestehen scheint. Kritik und Opposition, die geübt wurden, bezogen sich \ic!mehr auf Kinzelfragen und l.inzeltatsachcn. die zum Teil recht wesentlich sind, und der größten Aufmerksamkeit nicht hur der V crbandslcitung, son- .dern aller Verbandsfreund» bedürfen, und nicht gegen Kxistenz und Tendenz des Verbandes I nd noch etwas war erfreulich. Die Opposition ging .nicht, wie es leider in jüdischen Organisationen heute üblich ist. von einer Parteigruppe und von politischen Gesichtspunkten aus, sondern von der Sorge um den Weg und die Entwicklung des Verbandes. Kine Frage, die die Herzen sehr vieler, namentlich jüngerer I eilnehmer, bewegte. w?r die F ü h r c r f r a g e. End zwar die Führerfrage nicht bezüglich der Leitung des Verbandes, sondern der der Einzetvereine. Ks wurde vielfach sehr bedauert, daß Felscnthal in seinem Referat diese Frage, die für manche Bünde eine Existenzfrage ist, kaum gestreift hat. Sie wäre einer eingehenden Behandlung in unserer Vcrbandszeitschrift unbedingt wert. Eng damit verbunden ist die Frage der Verjüngung des Verbandes. Im Gegensatz zur Düsseldorfer Tagung bot das Gesamtbild der Dresdener Versammlung, und das kam nicht nur durch die .lunggruppen, ein viel lugendlicheres B ld. Bei den Vorstandswahlen war man dann auch bemüht, dem Vorstand ein jugendlicheres Aussehen zu geben." Aber schon wenn man die Liste der Re- /irk sv erbandsv orsitzenden durchsieht, findet man — ohne die sachliche Eignung der 'ersönlichkeilcn irgendwie in Frage zu stellen —. daß diese vom Standpunkt des Jugendlichen aus überaltert erscheint. L nd bei den V ercinsvorsitzenden ist es in vielen Gegenden nicht anders. Die Bildung von Junggruppen bestärkt noch die Tendenz, an die Spitze des Vereins dann im Gegensatz zur .lunggruppe einen Lehrer oder Min»! einen an Jahren Gereiften zu stellen. Auch dieses Problem wäre der Diskussion und allgemeinen Aufmerksamkeit wert. Das Thema ...lugend und Gemeinde" ist in Dresden auslührlich zur Sprache gekommen, und es ist so manches Wertvolle dazu gesagt worden. Aber es bestehen doch noch so manche Unklarheiten und Zweifel, die vor allem die praktische Auswirkung und das taktische Vorgehen des Verbandsvereins in der Politik seiner Gemeinde betreffen. Eine Klärung dieser Zweifel wäre sehr angebracht, und es ist wohl auch noch seitens der Verbandsleitung beabsichtigt, eingehende Richtlinien über das Vorgehen in den Gemeinden herauszugeben. Daß auch in unseren eigenen Reihen noch viel und intensiv im Geiste der V crband'ideen gearbeitet w erden muß, scheint mir ein Vorfall zu zeigen, der sich in einem größeren Verbandsverein abspielt. Dort haben sich Mitglieder einer jüdischpolitischen Richtung -zu einer besonderen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, offenbar .... Dort haben sich die zionistischen .Mitglieder des Vereins zu einem „Zionistischen Kreis" zusammengeschlossen, offenbar, weil sie fanden, daß ihre Ideen innerhalb des Verbandsvereins nicht genügend zur Geltung kamen. Ohne der weiteren Entwicklung in diesem Falle irgendwie vorgreifen zu wollen, scheint es mir doch notwendig zu. sein, zu betonen, daß so sehr die Bildung von VrbeilAgemeinschaften innerhalb des Vereins zu fördern ist. eine Sonderung nach parteilichen und politischen Gesichtspunkten unbedingt abzulehnen ist. Auf der Dresdener-Tagung fiel das starke Interesse für die finanziellen Fragen allgemein auf. und es gab manchen, der dies recht ..unjugendlich" fand. Es wurde deshalb vielfach gefordert, und ich finde diese Forderung recht verständlich, daß künftig jährlich genaue Rechnungslegung durch den Verbandsvorstand erfolgt. Und zwar in der Form, daß nach Schluß des Rechnungsjahres die genauen, nicht abgerundeten oder zusammengezogenen Summen aller Einnahmen und Ausgaben den einzelnen Verbandsvcrcincn vorgelegt werden. Dies würde manches Mißtrauen beseitigen und manche Debatte auf der nächsten Verbandstagung vermeiden. Dies sind so einige der großen und kleinen Sorgen, die man rund um Dresden immer wieder, wenn auch mit einigen Variationen, zu hören bekam. Ich habe mich darauf beschränkt, sie hier wiederzugeben und zur Debatte und Beantwortung zu stellen. Die Arbeil der vergangenen zwei Jahre diente dem äußeren Aufbau und Ausbau unseres Verbandes. Die nächsten zwei Jahre müssen dem inneren Ausbau dienen. Hoffen wir, daß. dieser ebenso gut gelingt wie der äußere Rahmen. -\n der Mitarbeit auch aller derer, die in Einzclfragen anderer Ansicht sind als die Verbandsleitung, wird es gewiß nicht fehlen. In unserer Verschiedenheit liegt unsere Stärke, wurde in Dresden gesagt. Jede echte Harmonie ist eine Harmonie der Gegensätze. Daß die Gegensätze in unserem Verbände zur Harmonie werden, dafür laßt uns in den kommenden Jahren arbeiten! .Eugen Kulh, Kothen. » * * Zur TechiHN unserer Tagungen Die Dresdener Tagung war von unseren dortigen Freunden in mustergültiger Weise vorbereitet. Alles, was zum offiziellen und inoffiziellen Programm einer so großen Tagung gehört, war bis ins einzelne durchdacht und wurde aufs getreucsle durchgeführt. Darüber herrscht, nach all den Aeußcrungen, die mir nach der Tagung zugegangen sind, nur eine Meinung im Verband. Weniger zufrieden scheint man vielerorts mit der Abwicklung des rednerischen Teils der Tagung zu sein. Man bedauert, daß nicht alle Redner, die zur Diskussion sprechen wollten, zu Wort gekommen lind. Man behauptet, das Tagespräsidium habe in entscheidenden Augenblicken die Nerven verloren. Man neigt daher dazu, manche „unerwünschte" Abstimmungsergebnisse auf das Schuldkonto der nicht immer gut beratenen Leitung der Tagung zu setzen. Mit der Feststellung, daß wohl kaum eine Tagung, auf der es um den Austrag tiefgehender Meinungsverschiedenheiten gehl, die restlose Zufriedenheit aller Teilnehmer erwecken kann, ist uns in der gegenwärtigen Situation wenig gedient. Das Problem der sachgemäßen Gestaltung unserer Tagungen hat für die Fortführung unserer Arbeit seine ernste Bedeutung, die man mit allgemeinen Redensarten nicht aus der Welt schaffen kann. Es ist natürlich bedauerlich, daß nicht alle Redner, die sich hatten vormerken lassen, zu Wort gekommen sind. Ich bin aber überzeugt, daß eine Verlängerung der für die Diskussion vorgesehenen Zeit auch wenig genutzt hätte. Denn die Wortmeldungen überstürzten sich so sehr, daß eine Berücksichtigung aller Wünsche unmöglich gewesen wäre. Zudem ist es ■fraglich, ob eine wahllose Aufeinanderfolge von mehr oder weniger bedeutenden Debattenreden für den Gesamterfolg einer Tagung förderlich ist. Ich glaube vielmehr bemerkt zu haben, daß man auch einer Versammlung von Jugendlichen nur ein gewisses Maß von Reden vorsetzen darf. Was darüber ist. ist vom Uebel und macht auch Jugendliche nervös. Sicherlich soll die Versammlungsleitung ihre Nerven in guter- Ordnung halten, aber auch von der Versammlung soll und darf man verlangen, daß sie jenen Grad von Einordnungswillen mitbringt, der nun einmal für die Durchführung einer parlamentarischen Geschäftsführung unbedingt notwendig ist. * Nur damit dürften wir das Kernproblem, um das es sich bei dieser ganzen Erörterung dreht, berührt haben. § 11 unserer Satzungen besagt: „Auf die Verhandlungen der Delegiertentagung . . . findet die Geschäftsordnung des Deutschen Reichstags emtsprechend Anwendung. Man hat diese Bestimmung schon oft ins Lächerliche zu ziehen versucht. Man hat gesagt: Wir seien doch in einer Tagung von Jugendlichen und da ginge_ es nun einmal nicht an, mit solchen bureaukratischen Maßnahmen der älteren Generation die „Geschäfte" zu führen. Jugend lasse sich nicht in eine Geschäftsordnung einpacken. Das sei widersinnig, das sei unjugendlich! Und 6