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Der Jugendbund · 1928-07-01 · 7 (1.7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
7 (1.7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Reiz, zu fragen, wie die Dinge sich weiter entwickelt hätten, wenn dies oder jenes anders als in Wirklichkeit verlaufen wäre. Ja, was wäre geschehen, wenn die beiden Männer sich einander gegenübergetreten wären und der Vizekön'ig erkannt hätte: „Was du kündest und verwirklichen willst: Recht an Stelle der Macht, Satyagraha, Sieg der Wahrheit durch die Kräfte der Seele und der Liebe, Ahisma Gewaltlosigkeit, ist eine Botschaft, die in der erhabenen Sprache der Propheten Israels, an das aus solchem Begreifen heraus ein Strom der Sympathie vom Herzen des Vizekönigs zu Gandhi geflossen wäre, wenn er sich gefragt hätte, vielleicht hat gerade die Vorsehung mich auf diesen Platz gestellt, um diesen Gandhi zu verstehen? Man hätte, glaube ich, kaum Veranlassung gehabt, Lord Reading hierfür zur Rechenschaft zu ziehen. Denn wenn er den großen Inder verstanden und aus einem solchen Feinde einen Freund sich gemacht hätte, dann hätte er England seine reichste Kolonie für lange Zeit gesichert, dann hätte das Judentum ihm den Weg gewiesen, Kampf und Erbitterung zu beseitigen. So war ein wichtiger Moment nicht allein für England, sondern auch für das Judentum verpaßt worden. Denn welch eine Heiligung des göttlichen Namens wäre es gewesen, wenn auf Grund seiner jüdischen Ueberzeugung der Vizekönig Gandhi verstanden hätte und den Sinn seiner Aulgabe darin erblickt hätte, die ihm verliehenen Machtbefugnisse zur Versöhnung der Visier zu benutzen. Eine Gelegenheit, wie sie in der Weltgeschichte ganz selten ist, hatte das Judentum zu zeigen, daß die Anschauung, daß der Sinn der Zerstreuung der Juden über die Welt der sei, unter den Völkern für Gotteserkenntnis, Wahrheit, Recht und Frieden einzutreten, nicht eine leere Phrase für Festtagspredigten sei, sondern daß sie verwirklicht werden kann, wenn wir Juden, an verantwortliche Stelle gestellt, nicht mit der Genugtuung über das Erreichte uns begnügen, sondern — freilich in ganz anderem Sinne als die Phantastereien der „Weisen von Zion" unsere jüdische Lebensanschauung zur Geltung bringen. Der jüdische Staatsbeamte, das gilt für den englischen wie für den eines jeden Staates, dient seinem Vaterland am besten, nicht indem er die Wesensart der anderen kopiert, sondern indem er das Beste in sich, die Ideale des Judentums, Gerechtigkeit und Liebe, Wahrheit und Frieden, die Grundmotive seines Handelns sein läßt. Tagungs-Tribüne „Nach Dresden" Die Schriftleitung eröffnet hiermit die Aussprache über Dresden, die in den nächsten Nummern fortgesetzt wird. Alle Einsendungen, die der Weiterführung unserer Arbeit dienen, werden in der Reihenfolge des Eingangs veröffentlicht. was nun? Dresden ist vorüber. Soll es von irgendeiner tiefer gehenden Bedeutung für uns und den Bund und das Judentum, dem unser Schaffen gilt, sein, so muß sich uns die Frage nach der Nutzbarmachung, der Fruchtbarmachung der Tagung auf die Zunge drängen: Was nun? Dresden war für diejenigen in unserem Verbände und in' der jüdischen Oeftentlichkeit, die nicht da waren, ein Ereignis. Denn zum ersten Male wohl hat das offizielle Judentum, die berufenen Vertreter unserer Gemeinschaft, unserer Organisationen und der Parteien in solcher Weise an einer Tagung der Jugend Anteil genommen, waren gekommen, um zu hören, was dieser Jugend Weg in die Wirklichkeit sei. Es ist sicherlich von größter Bedeutung, daß die Belange und die Stimme der Jugend nun auch im jüdischen Menschenkreise anfangen, beachtet zu werden, wie es in unserer Umwelt schon lange der Fall ist. Und in dieses Bild paßt es auch, wenn die Vertreter der zersplitterten jüdischen Jugendbünde, die die Kraft noch nicht gefunden haben, in unseren Kreis hineinzugehen, da waren, um zu hören und zu schauen, was und wer dieser Verband eigentlich sei und was er wolle. Es sei in diesem Zusammenhang das deshalb betont, weil das Ereignis, die Einmaligkeit des Ereignisses wohl in dieser Anteilnahme aller deutschen Juden an unserer Tagung liegt, weil aber in dieser Popularität gewisse Gefahrenquellen liegen, auf die aufmerksam gemacht werden muß. Es ist gewiß erfreulich, wenn wir beachtet werden; wir dürfen aber die Aeußerungen, die über uns getan werden, nicht als Sensation und auch nicht als Zweck der Uebung auffassen. Popularität ist als propagandistisches Mittel sicherlich unerläßlich. Aber wir müssen uns doch davor hüten, in all dem, was die anderen über uns sagen, etwas anderes zu sehen, als Reflexwirkungen unseres Tuns. Vorwärtsbringen können jene uns nicht, das können nur wir selbst. Bleibt die Erkenntnis der Pirke Owauß, daß, wer nicht für uns, gegen uns ist; daß es gemeinsame Arbeit nur in unserem Kreise und nur gemeinsam mit uns gibt; daß sich ausschließt und abschließt von uns, wer den organischen Zusammenhang mit uns nicht findet; daß wir die Aeußerungen von Menschen, die außerhalb des Verbandes verblieben sind, wohl als Symptome einer Entwicklung beachten können, aber eben immer nur als Stimmen von draußen, von weil draußen, werten dürfen. .Dieses Kraftgefühl, das uns die Dresdener Tagung schenken* konnte, beweist gleichzeitig; daß für diejenigen, die dabei waren, die Tagung ein Erlebnis war, das Erlebnisdes menschlichen Zusammenhangs, des Zusammenklingens. Und daß hier junge Juden zusammengekommen waren, die ungeachtet ihrer verschiedenen, auch landschaftlich ungeheuer auseinanderliegenden Herkunft, doch eine gemeinsame Sprache fanden, daß hier tatsächlich eine Organisation der Zwölftausend sich würdig und eindrucksvoll vertrat -7das war für die Vertreter der „Alten", für die Menschen außerhalb unserer Reihen, aber auch für diejenigen Verbandsfreunde, die nicht in den letzten Jahien das Neuwerden des Verbandes auch in seinen kleinsten und verdecktesten Phasen beobachten durften, etwas Neues. Daher sind sie, die Freunde von draußen und die Jungen von drinnen, befriedigt von Dresden weggegangen. Wir aber, die wir ja wußten, daß die Organisation da ist und lebt, schieden nur von einem befriedigt, und das war der kritische Geist. L Denn es herrschte in Dresden ein kritischer Geist. Alle, auch der letzte Mann, fühlten, wenn nicht in der gegenwärtigen Situation, so doch in der Aufgabe für die Zukunft, ein Vacuum. Alle fühlten wir, daß etwas oder daß vieles schlecht und ungenügend sei —, eine „heilige Unzufriedenheit". Und daß dieser kritische Geist da war, sich bemerkbar machte und über dem Ganzen schwebte, das war das stärkste Erlebnis für uns alle, die wir um die Erkenntnis unserer Zukunftsaufgabe rangen und ringen. Daß dieser kritische Geist Erlebnis bleiben mußte und noch nicht derart schöpferische Kraft hatte, um zum Ergebnis zu führen, das ist nicht unsere Schuld. Es würde aber unsere Schuld sein, wenn wir uns nun nicht seiner bedienen würden, um nach Ablauf weiterer zweier Jahre zum Ergebnis zu kommen; wenn wir aus diesem kritischen Geist' nicht die schöpferische Kraft herausholen würden, die aus dem Kampf und dem Ringen um die Aufgabe unseres Verbandes und um die Gestaltung des Verbandes und — um die Verwirklichung seiner Gestaltung und seiner Aufgabe erwächst. Deshalb bleibt den wirklichen Führern des Verbandes, wer und wo immer sie auch seien, die Pflicht: :Den Kampf um die Gestaltung unserer Aufgabe, um die Zielrichtung unseres Weges an all unsere Menschen immer wieder heranzutragen, die Auseinandersetzung mit unseren Ideen zu erzwingen, um so den kritischen Geist in naher Zukunft zu schöpferischer Wirkung ausreifen zu lassen. Denn bereits das Wort ist der Anfang zur Tat! II. Es ist also immer wieder die Frage nach der Zielrichtung unseres Weges zu behandeln. Mir scheint hier nun, daß der Weg der Atomisierung, den unsere Väter-Generation bis heute gegangen ist, nicht der unsere sein darf. In bewußter Abkehr

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