Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 6 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Iralität des Standpunktes und Universalität der Aufgabenveruirklichung zu verhüten haben. Denn es gibt eine große Reihe von Gegenständen, die nicht allein dadurch, daQ sie von Jugend behandelt werden, auch Gegenstand der .lugend werden. Und Jugend bund zu bleiben, ist die große und der jüdischen Oeffentlichkeit gegenüber verantwortungsvolle Aufgabe des neutralen Verbandes. Der Verlauf der Tagung enthält für die Kniwicklung des Bundes in jeder Richtung Versprechungen. Wir hoffen, nach weiteren zwei Jahren ihre Einlösung freudig feststellen zu können. Alle Voraussetzungen hierfür sind gegeben. Jüdische Rundschau, 8. Juni 1928. Während in Breslau der Dclegiertentag der Z. V. f. D. tagte, hielt in Dresden der „Verband der Jüdischen .Jugendvereine Deutschlands" seine Tagung ab. Dieser Verband, bekannt als der „neutrale", hat ein wechsclvollcs Schicksal hinter sich. Immer wieder blüht er - entsprechend dem Verlangen der jüdischen Jugend nach möglichst weitgehender Zusammenfassung — auf, verfällt in aufgeregten Zeilen der Entscheidungsnot der Spaltung oder der inneren Auflösung, um dann wieder zu einer neuen Existenz zurückzufinden. Die Dresdener Tagung zeigte den Verband auf einem Scheitclpunkl dieser wellenförmigen Entwicklungslinic, und es scheint, daß die Aufwärtbewegung noch nicht zu Ende ist. Dementsprechend war auch das Interesse der Beteiligten und der jüdischen Kreise Deutschlands überhaupt rege. Nach den Mitteilungen des Büros waren 7C0 Delegierte und Gäste nach Dresden gekommen, man sah aber neben der numerisch starken Beteiligung auch eine intensive Anteilnahme an den Angelegenheiten des Verbandes, und das nicht nur von den Delegierten, sondern auch von den offiziellen jüdischen Kreisen Deutschlands, die durch markante Repräsentanten auf der Tagung vertreten waren. Charakteristischer aber für die Bedeutung, die man dem Verband beimißt, dürfte noch das kundgetane Interesse derjenigen jüdischen Kreise Deutschlands sein, welche Wert darauf legen, nicht „offiziell" genommen zu werden, vor allem der Jugendhünde aller Schaltierungen. Auch sie waren in Dresden vertreten und nahmen an den Geschehnissen lebhaften Anteil. Woher dieses Interesse, diese plötzlich erlangte Bedeutung des Verbandes? Es ist der Tatkraft einer Gruppe energischer Menschen gelungen, in einer Zeit, die ihren Absichten förderlich ist, in kurzerFrist aus einem nahezu vollendeten Trümmerhaufen einen starken Verband hervorgehen zu lassen, von dem man auf der Tagung immer wieder, je nach der Einstellung des Redenden, als Kritik oder mit Stolz, zu hören bekam, er sei das „Bataillon der Zwölftausend". Der VJ.ID. dürfte heute die numerisch stärkste Organisation der jüdischen Jugend Deutschlands sein, und er geht daran,, einen eigenen Willen zu formulieren und diesem Willen Gellung zu verschaffen (wie z. B.;n der Gemeindefrage); daher das manchmal etwas furchtsame Interesse der „offiziellen" Kreise. Und auf der anderen Seite: diese Menge junger jüdischer Menschen, in einem Verband vereinigt, mit Willen zum Verband und dem Streben nach Aufwärtsentwicklung, kann den lebendigen, strebsamen Teilen der jüdischen Jugend außerhalb des Verbandes nicht gleichgültig sein. Der „Verband" mit seinen Tausenden ist „der große Unbekannte" des jungen deutschen Judentums. . . . Wie ist dieser Verband zu beurteilen? In sehr vieler Hinsicht posiliv. Sein Aufstieg entspricht einer Entwicklungsnotwendigkeit. Die jüdische Jugend, aus ihrer Lethargie doppelt aufgerüttelt: durch die Ablehnung von außen und den Aufruf von innen, sucht Zusammenschluß, zuerst einfach menschlich-jüdisch. Sie hat keinen anderen Ausweg, als sich zusammenzuschließen. Die Tatsache dieses Zusammenschlusses aber wird weiter wirken. Daß das Judentum bei ihm das Bewirkende ist, muß Konsequenzen haben. Man wird nicht um eine Auseinandersetzung mit diesen Konsequenzen herumkommen. Man wird sich mit dem Judentum als forderndem Faktor auseinandersetzen müssen. Man merkt schon jetzt einen judaisierenden Einfluß des Verbandes, wobei es gleichgültig ist, ob er in Wahrheit schon von Menschen gebildet wird, die das Bedürfnis nach Judaisierung in sich tragen, oder ob er es erst in ihnen erzeugt. Der Verband ist für das deutsche Judentum eine Chance. Eine Chance allerdings, die vertan werden kann, und zwar sehr schnell. Die Gefahr sei. genannt: Selbstgenügsamkeit! Alles kommt darauf an, ob diese „Zwölftausend" an sich Genüge finden, ob sie die verkrüppelte Gegenwart zur „Wirklichkeit" erheben, der man sich zu beugen hat, oder oh sie eine zukünftige sehen, die zu, sei es fernen, Zielen ruf:. Es kommt darauf an, ob man, von der Macht der Zahl berauscht, zu übersehen geneigt sein wird, daß die Entscheidung der. jüdischen Jahrtausende in das Schicksal unserer Generationen gelegt ist, daß diese Entscheidung aktiven Einsatz verlangt und zu diesem Zwecke eine Durchdringung der jüdischen Situation, welche über den Rahmen des Verbandes und selbst über den des deutschen Judentums hinausgreifen muH. Die wahre Entscheidung über das Schicksal des Verbande^ liegt in seiner nächsteh Entwicklung: ob er nach dem zahlenmäßig so erfolgreichen Aufstieg den inneren intensiven Zusammenhang mit den jüdischen Fragen gewinnt: ob seine Neutralität — um mit den Worten des Max Wicnerschen Referates zu sprechen den Unwillen zur Entscheidung bedeuten wird, oder aber den Willen zu dem gemeinsamen, von der Empfindung jüdischer Wurzelhaftigkeit getragenen Lernen, dem die Entscheidung folgt. (Weitere Auszüge folgen.) Adressen des Vorstandes Leitung: Rabbiner Dr. Hugo Hah,n, Essen, K-milienstraße 59; Assessor Herbert Felsenthal, "Düsseldorf, Graf-Adoll-Strallc 14 Fritz Schwarzschild, Wiesbaden, Dreiweidenstraße 8: Karl Goeritz, Chemnitz, Zwickauer Straße 106 8; Rabbiner Dr. Klein,' Düsseldorf, Haroldstraße 4. 1. Waldemar Strauß, Berlin SW 68. Ritterstraße 52. Vorstand: Elsbeth Capell, Düren, Kölnstraße 67: Assessor Dr. Walter Einstein, Stuttgart, Augiistenslrallc 43: Hans Friedberg, Karlsruhe, Kriegsstraße 122; Irvin Jüppstcin, Saarbrücken, Petersbergstraße 96: Referendar Aribert de Jonge, Duisburg, Neudörfel StralK- 36. bei Neumann; f Alice Kovacs, München, Landwehrslraßc 73: Referendar Dr. Hans karger, Breslau 13, Viktoriastraße 62:' Rechtsanwalt Dr. Herrn. Lehmann, Bremen, U. L. Fr. Kirchhol 26- Lehrer J. Raphael,' Beckum i. W., Nordstraße. Landes- und Bezirksverbandsvorsitzende: Baden: Lutz Thcmal, Pforzheim, Schloßberg 7; Bayern: Rabbiner Dr. Rülf, Bamberg, Schillerplatz 14: Grenzmark: Rabbiner Dr. Rosenzweig, Schncidennihl, Bismarckstraße 5; Groß-Berlin: Ernst Popper, Berlin SW 19, Kommandantenstraße 82; Hessen: Dr. Josef Spier, Höchst a. M... Ralhenauslraße 29; Mitteldeutschland: Referendar Eugen Roth, Cöthen i. A., Dessauer Straße 29; Nordwcstdeutschland: Alfred Bonnin. Bielefeld, Gehrenberg 30; . Pfalz-Saar: Rabbiner Dr. Ernst Jacob, Saarbrücken, Dudwciler Straße 69; Rheinland'- Westfalen: Alfred Hcvman, Gelsenkirchen; Sachsen: Vorsitzender: Heinrich Gullmann, Chemnitz. Theaterstraße 34; Briefanschrift: Josef Weinsaft, Chemnitz, Zwickauer Straße 88; Westdeutschland: Studienrat Levv Wulff, Köln, Richard-Wagner-Straße 37; Württemberg: Vorsitzender: Rabbiner Dr. Julius Cohn. Stuttgart, Militärstraße 93, Briefanschrift: Lehrer Adelsheimer, Stuttgart, Hospitalstraße 36. Im Vorstand vertretene Organisationen: Groß-Loge: Dr. Benno Walter, Berlin SW 68, Zimmerstraße 92—93; Rabbinerverband: Rabbiner Dr. Max Wiener, Berlin W 30, Neue Winterfeldstraße 38; Lehrerverband: Prediger Rülf, Detmold, Elisabethstraße. Frauenbund: Mine Meyer, Düsseldorf, Schützenstraße 19. 27