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Der Jugendbund · 1928-06-01 · 6 (1.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
6 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Vornahme der Abstimmungen. — Der letztere ist der weitgehendere. Wer ist für den Antrag auf Abbruch der Debatte? — Gegenprobe? — Der Antrag ist mit großer Mehrheit angenommen. Wir treten in die Abstimmung ein. Wir stimmen zunächst über den Antrag Felsenthal-de Jonge ab. Er lautet: 1. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wolle in dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen, unverzüglich folgende Bestimmungen aufnehmen: a) Die Wahlfähigekit beginnt mit dem vollendeten zwanzigsten Lebensjahre, b) Wahlfähigkeit und Wählbarkeit dürfen nicht von einer Karenzzeit abhängig gemacht werden. 2. Die nichtpreußischen Landesverbände wollen dafür Sorge tragen, daß die Bestimmungen der Judengesetze in den einzelnen Ländern einem modernen Jugendwahlecht entsprechen, insbesondere die Wahlfähigkcit mit dem 20. Lebensjahre beginnen lassen, sowie Berücksichtigung des Zensus und Karenzzeit abschaffen. 3. Falls die geforderten Aenderungen von den zuständigen Landesverbänden nicht durchgeführt werden, wird von den Sv nagogengemeinden gefordert, daß sie die ihnen freigestellten Verschärfungen der Bestimmungen über Wahlalter, Karenzzeit usw. nicht durchführen. Im Falle, dal) das Gemeindestatut Bestimmungen enthält, die den Forderungen der VJJD. widersprechen, wird von den Gemeinden gefordert, daß sie unverzüglich eine Satzungsänderung vornehmen. 4. Der V JJD. erwartet von sämtlichen Parteien der Landesverbände und Gemeinden, a| daß sie ihren ganzen Finfluß für eine Neuregelung im Sinne der Forderungen des VJJD. einsetzen, , S( daß sie bei der Aufstellung von Kandidatenlisten für Landesverbände und Gemeinden Vertreter der Jugend an aussichtsreicher Stelle nominieren. 5. Der V JJD. spricht die Erwartung aus, daß die jüdischen Körperschaften, die die Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden vorbereiten, alles daransetzen'werden, um in kürzester Zeit eine demokratische Gesamlvertretung der deutschen Juden zu erreichen. Wir stimmen nun über den Antrag Felsenthal-de Jonge gemeinsam ab unter Fortlassung alles dessen, was über die Karenzzeit gesagt wird. Darüber wird dann besonders abgestimmt werden. 'Wer mit dieser Einschränkung für den Antrag ist, den bitte ich, die Hand zu erheben! — Das ist die Mehrheit. Gegenprobe! — Das ist ohne Zweifel die Minderheit. Der Antrag Felsenthal-de Jonge ist mit Ausnahme dessen, was über die Karenzzeit gelagt ist, angenommen. ' .letzt kommen wir zur Abstimmung über die Frage der Karenzzeit. Indern Antrag Felsenthal-de Jonge heißt e< unter lb: * Wahltähigkeit und Wählbarkeit dürfen nicht von einer Karenzzeit abhängig gemacht werden. Dazu die entsprechenden Bemerkungen über dje Karenzzeit in den anderen Absätzen! Wer ist für diesen Antrag' — Gegenprobe? — Der Antrag ist angenommen. Nun kommen wir zur Abstimmung über den Zusatzantrag de Jonge. Er lautet: „Der Hauptvorstand des Verbandes der Jüdischen Jugendv crcine Deutschlands setzt sich unverzüglich telegraphisch mit sämtlichen Organisationen der jüdischen Jugend in Deutschland in Verbindung und bittet sie um Zustimmung zu den vom Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands geforderten Aenderungen des Jugendgesetzentwurfes. 1 Mit den zustimmenden Organisationen der jüdischen Jugend soll sich der Verband unverzüglich telegraphisch an den Preußischen Landesverba-nd der Synagogengemeinden mit der dringenden Bitte wenden, sofort in Neuberatung des 22 Entwurfs einzutreten und ihn im Sinne der Forderungen des Verbandes abzuändern. Sollte vom Preußischen Landesverband bis zum 10. Juni 1928 keine Antwort eingehen, die Neuberatung zusagt, so zeigt der Verband dem Preußischen Landesverband an, daß er sich nach Htägiger Wartezeit an den Preußischen Landtag mit der Bitte um Abänderung im Sinne der Forderungen des Verbandes wenden wird. Nach 14 Tagen hat sich der Hauptvorstand an den Landtag zu wenden." Wer für den Zusatzantrag Aribert de Jonge ist, möge die Hand erheben! Ich bitte um die Gegenprobe! — Der Antrag ist mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Herbert Felsenthal (Düsseldorf), zu seinem Referat das Schlußwort: Meine lieben Freunde! Ich werde das Schlußwort nicht dazu benutzen, mich an die Freunde zu wenden, die glaubten, an meinen Ausführungen einen Denkfehler feststellen zu können. Mir kommt es vor allem auf folgendes an: Wir müssen in unseren Bünden den Weg zeigen, wie sie an die Menschen herankommen können. Nichts anderes wollte ich, nichts anderes haben die Redner, die positiv zu den gestrigen Referaten gesprochen haben, gewollt. Iis kommt nicht darauf an, daß wir von unserer Idee immer nur reden, denn wir werden die Einheit im Wortlaut niemals erzielen können, sondern es kommt darauf an, den Weg zu zeigen, wie wir an die Menschen herankommen. Liebe Freunde! Wenn eine Dclcgicrtentagung sich den Weg zur Wirklichkeit als Ziel setzt, kann es für sie nur eine Wirklichkeit: die Bünde, geben. Von der gegenwärtigen Lage der Bünde aus muß man -den Weg aufzeigen, wie wir zu der Wirklichkeit kommen, die uns als Ideal vorschwebt. Meine lieben Freunde! Wenn — Friedberg war es,'glaube ich — gesagt hat, es sei hier zu wenig von der gegenwärtigen Lage der Bünde, von der gegenwärtigen Lage der hinter den Bünden stehenden Menschen gesprochen worden, so halle ich das nicht für richtig. Bedenkt, daß Ihr Leiter von Bünden seid, und daß Ihr selbst am besten wissen müßt, wie es um uns bestellt ist. Ich bin durchaus der Ansicht der Freunde, die gesagt haben — und vor allen Dingen Wieners in seiner heutigen Rede —. daß es nicht darauf ankommt, im kleinen Ring zu bleiben. Deshalb lege ich der Abstimmung über die Karenzzeit zwar zeitliche Bedeutung bei, aber nicht die, die manche der E'reunde ihr beizulegen wünschen, die mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen sind. V.s ist eine sehr wichtige Frage gewesen, aber eine Frage, mit der wir uns nur vorübergehend beschäftigt haben, und über die wir jetzt, nachdem wir unsere Entschließung gefaßt haben, hinweg sind. Es kommt also darauf an, die Dinge, die uns eben bewegt haben, als Dinge der Gegenwart und des gegenwärtigen Lebens zu erkennen und ihnen keinen Ewigkeitscharakter .beizumessen. Meine lieben Freunde! Ich will davon absehen, die Kreiseinteilung, die ich gestern gefordert habe, noch einmal zum Gegenstand meiner Ausführungen zu machen. Es scheint, daß die Frage noch nicht soweit gefördert ist, daß sie der Gesamtheit des Verbandes vorgelegt werden kann. Aber die Frage, ob die Verbandsleitung ein Programm, ein Erziehungsprogramm aufstellen muß, nach dem sich alle Bünde zu richten haben, wen anders wir nicht nur eine Organisation wie die vielen andere, werden wollen, auch diese Frage müßte durch eine Resolution der Versammlung geklärt werden. Nach einer längeren Geschäftsordnungsdebatte, in der Schluß der Debatte beschlossen wird, und die während der Tagung eingelaufenen weiteren Anträge dem Haupt vorstand als Material überwiesen werden, erhält Präsidium: Dr. Rosenzweig. Schneidemühl Dr. Hahn (Essen): Da das bereits in den Statuten steht, und ich die Stimmung so überblicken kann, daß im ganzen genommen jedermann mit dem. was Felsenthal hat sagen wollen innerlich übereinstimmt, so glaube ich, erübrigt sich eine Abstimmung. — Ich glaube, darüber herrscht Einstimmigkeit im Saale. Herbert Felsenthal: Da bleibt mir nichts übrig, als mic der Satzung zu fügen. Es wird mein Bestreben sein, den

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