Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 6 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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und wer an führender Stelle steht, weiß, daß nur die Einordnung uns die Ordnung gibt — werden wir auch im Bund weiterkommen. Rudi Markus (Worms): Das Programm Felsenthals bedeutet eine Intensivierung unserer Arbeit. Die Intensivierung bedeutet eine Hineinstellung unserer Persönlichkeit .n die Arbeit des Verbandes. Das Programm Felsenthals bedeute), daß der Verband für den einzelnen Menschen unsere« Verbandes etwas ganz anderes sein muß als bisher. Deshalb müssen wir mehr als bisher Junggruppen haben. Wir bekommen umwandlungsfähige Menschen nur aus den jungen Gruppen. Ich glaube, Felsenthal hat das gefühlt und hat deshalb auch besonderen Wert auf die Junggruppen gelegt. Er hat gemerkt, daß wir mit Rundbrieten und Werbewochen die Menschen, die wir jetzt haben, durchaus nicht ändern I können. Ich befürchte nur, daß, wenn wir das Programm Fclsenthals durchführen werden, in allerkürzester Zeit eine Reihe von Vereinen nicht werden folgen können. Wir wollen aber an diesem Programm festhalten, selbst wenn wir einen kleineren Jugendbund haben werden. Hauptsache ist, daß er in diesem Sinne arbeitet. Präsidium: dp. cora Berliner. Berlin Dr. Herzfeld (Essen, zu seinem Antrag): Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir dem Gedanken der Einheitsgemeinde Ausdruck verleihen müssen. Wir wollen alle an der Gemeinde mitarbeiten. Das war der Eindruck, den ich von der gestrigen Tagung mitgenommen habe, und dem habe ich dadurch Ausdruck gegeben, daß ich sage, ich erwarte von allen Landesverbänden und Gemeinden, daß sie die Jugend in 'weitestgehendem Maße zur Gemeindearbeit heranziehen. Aribert de Jonge (Duisburg, zu seinem Antrag)! Liebe Freunde! Ich spreche zunächst zu dem Gesamtantrag von Felsenthal und mir. Hier habe ich zu sagen, daß mir der Antrag Herzfeld nicht genügt. Was Herzfeld vorschlagt, ist Papier. Wenn er sagt, wir erwarten, so warten wir. i Hoffen und Harren macht in diesem Falle auch uns zum Narren. Wir müssen uns, und zwar auch nach Ansicht Felsenthals, an den Landesverband wenden, an die Institution, die den Entwurf vorgeschlagen hat, und müssen ihn darauf aufmerksam inachen, daß dieser unter Hintansetzung sämtlicher Jugendrechte gefaßt wurde. Man hat den größten Verband jüdischer Jugend nicht gefragt. Wir zerstören keine Einheit, wenn wir unseren berechtigten, aber nicht berücksichtigten Forderungen Ausdruck geben. Zum Landesverband konntenwir natürlich nicht wählen, weil noch heute diese unsinnigen Statuten bestehen, sonst saßen wir vielleicht früher im Landesverband und; hätten die Zustimmung verhindern können. Nun, Freunde, es ist die letzte Stunde. Das Gesetz ist eingebracht. Am 10. Juni tritt der Landtag zusammen. Man hat In kürzester Zeit damit zu rechnen, daß der Gesetzentwurf zur Beratung vorgelegt wird./Da gilt es, die uns betreffenden Punkte, die uns in unserer ganzen Ideologie, in unseeer Arbeit zurückwerfen, zu verhindern. Ich gehe selbstverständlich, wenn ich diese Detailfoiderung stelle, von der Situation der Weltjudenheit aus. Meines Erachtens erfordert es die Situation der Weltjudenheit, da 3 jeder an seinem Platze das Bestmöglichste für seinen kleinen Bezirk herausholt, in dem er lebt, ohne natürlich die größeren Aufgaben zu vergessen. Wir haben die Pflicht, uns diese Frage der Karenzzeit und der Wählbarkeit, des Jugendwahlrechts nicht bagatellisieren zu lassen. Das ist keine Bagatelle, das sind Menschenrechte für uns. Ich bitte Sie deshalb, dem Antrage von Felsenthal und mir zuzustimmen, dem Antrabe, der sich direkt an den Landesverband wendet, der sich weiterhin auch darüber hinaus an die nichtpreußischen Landesverbände wendet. Schließlich 'wollen wir uns weiterhin an die Gemeinden wenden und ganz präzis an die Parteien, die nachwuchsbedürftig sind, und von ihnen verlangen: nun setzt Ihr einmal Euren Einfluß für uns ein. Nominiert auch unsere Kandidaten, bringt auch unsere Leute in die jüdischen Vertretungen. Liebe Freunde! Ich gehe hier mit sehr vielen Freunden einig, insbesondere mit unserem allverehrten Dr. Lötfler, daß für uns, wenn nicht heute, dann morgen, aber bestimmt einmal der Tag kommen wird, wo wir aus der Kräftigung unserer Verbandsidee, aus unserem Zusammenhalten heraus die Forderung erheben können, eine jüdische Partei über die bisherigen Parteien zu stellen. Das ist das Ziel unserer Anträge, eine Partei zu schaffen, die andere aufhebt, die auf gesamtjüdischem Boden steht. Endlich mein Zusatzantrag! Alle diese Resolutionen sind Demonstrationen, wenn man sie nicht garantiert, wenn man ihnen nicht Zwangsmittel zur Seite stellt. Wenn der Landesverband der Synagogengemeinden lässig ist und unsere Forderungen wiederum brüskiert, müssen wir zu dem letzten Mittel greifen, das nicht das idealste ist, und uns an den Preußischen Landtag wenden. Wir müssen zu diesem letzten Mittel greifen, sonst sind wir auf die Dauer zurückgeworfen in die Reaktion der Gemeindebürokralie. Sonst ist es überhaupt unmöglich, unsere sachliche Arbeit in der Gemeinde zu leisten. Liebe Freundel Ich empfehle dringend, den Antrag Felsenthal-de Jonge anzunehmen, aber zur Sicherheit auch .den Zusatzantrag. Dr. Hermann Lebmann (Bremen, zum Antrag de Jonge): Meine Freunde! Hört mir zwei Minuten zu'. Aribert de Jonge und ich haben uns gesagt, daß es erforderlich ist, die Frage, die in seinem Zusatzantrage umrissen ist, hier auszutragen und auszukämpfen. Worum handelt es sich? Aribert de Jonge will, daß wir an den Landtag gehen, um unsere Forderungen für das künftige Gemeindestatut durchzubringen, und wir sagen, daß das der helle Wahnsinn ist. — (Zuruf de Jonges: Aber der helle!) — Meine lieben Freunde! Warum ist das Unsinn? Wir als neutraler, das heißt gesamt-jüdischer Jugendverband haben nicht das Recht, Dinge, die uns sicherlich nahe angehen, über die wir aber nicht zu beschließen haben, sondern andere, so stark zu unserer eigenen Sache zu machen, daß wir anderen Leuten ins Handwerk pfuschen, ja, liebe Freunde, daß wir anderen Leuten in den Rücken fallen. Meine Freunde! Es wäre früher an der Zeit gewesen, uns darum zu kümmern, und dem Verbandsvorstand sind hier Vorwürfe zu machen, daß wir uns nicht früher darum bekümmert haben. Ich hoffe, daß es durch das Kulturamt nicht mehr vorkommen wird, daß politische Fragen, die die Jugend betreffen, erst in 12. Stunde hier zur Sprache gebracht werden. Aber, meine Freunde, wenn die Situation so ist, dürfen wir nicht einen größeren Fehler machen und übereilte Dinge vornehmen, die doch nicht zum Ziele führen. Ich frage Euch, was die Sozialdemokratische Partei Deutschlands oder die Nationalsozialisten — denn an alle Parteien soll die Eingabe gehen — wohl sagen werden, wenn der Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands ihnen schreibt: ■ Das, was der Landesverband der Synagogengemeinden sagt, ist nicht richtig. Ich sage also zum Schluß, lehnt diesen Zusatzanträg Aribert de Jonge ab. Ich bedaure es, zu der Frage der Karenzzeit, bei der wir auch anderer Ansicht sind, heute nicht mehr sprechen zu können. i Herbert Felsenthal (Düsseldorf): Wir haben geglaubt, diese Dinge vor die Delegiertentagung bringen, zu dürfen, weil wir in unseren Vereinen vor acht Monaten als Aufgabe gestellt hatten, sich mit der Frage „Jugend und Gemeinde" zu beschäftigen. Diejenigen Bünde, die das getan haben, konnten heute diesen Dingen mit klarem Kopfe folgen. Diejenigen, die es nicht getan haben, haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie nicht gewußt haben, worüber geredet wurde. Es kann keine Rede davon sein, daß jemand vergewaltigt wird. Diese Dinge haben seit Monaten in der Luft gelegen und sind seit Monaten besprochen worden. Die Delegiertentagung hat das Recht, über diese Dinge zu sprechen. Ich bitte, daß sich die Aussprache wieder den Dingen zuwendet, die kommen sollen", also der künftigen Arbeit unserer' Bünde. Dr. Cora Berliner (Berlin): Es liegen zwei Anträge vor: 1. Ein Antrag des Präsidiums auf Schließung der Rednerliste und Redezeit von drei Minuten, 2. ein Antrag auf Abbruch der Debatte über die Anträge zur Gemeindegesetzgebung und 21