Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 6 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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ständliche Pflicht, die nicht nur wegen der Verbundenheit mit dem Bundesircund eine Freude wird, sondern die den Geistigenunserer Kreise von jenen Menschen sich abheben läßt, die sich mit ihren Wissensschätzen selbstgenügsam in den engen Raum der Gleichgearteten zurückziehen. Mein, ihre 1.ehrarbeit gehört vor allem dem Verband, .lenem Verband freilich, dem ein einheitliches Erziehungsprogramrp zu eigen ist. Und hier, meine Freunde, stehen wir mitten in dem uns alle zutiefst berührenden Problem der Arheil in den kleinen in den Landgemeinden. Wir haben die Erhaltung und Förderung eines frischen jüdischen Lebens in diesen Gemeinden als eine unserer vornehmsten Aufgaben erkannt und haben auch dieser Aufgabe gerecht zu werden versuc'it. Wir schickten Redner in die kleinen Bünde, versandten Werhemateria! und Lesestoff und konnten hie und da auch eine Wanderbibliothek zur Verfügung stellen. LTnd trotzdem, will es scheinen, ist die Aktivierung dieser Teile des Verbände* im großen und ganzen nicht geglückt, ist auch, was auf Trcfffahrten zutage trat, das Band persönlicher Anteilnahme zwischen Bünden der Stadt und des Landes nicht so innig gewesen, wie es sein müßte. Ich glaube, daß dieses Versagen unter manchen außerhalb unserer Kraft liegenden Nebenumständen vor allem aber darauf zurückzuführen ist. daß wir dicken Vereinen die falsche Hilfe haben zuteil werden lassen. W3;. unserer .lugend auf dem Lande fehlt, ist der Anschluß an die große Gemeinschaft. Mehr noch als jede städtische Gruppe muß der Kleinverein wissen._ daß ihn über die organisatorische Zugehörigkeit ein starkes geistiges Band an den Verband fesselt. Nicht H i I f s a k t i o n -durch Bücher und Wanderredner, sondern Einbeziehung in das frische Eigenlehen der Bünde tut den Kleinvereinen not. Deshalb setze ich über den Posten Landarbeit im Etat, der höchstens einer Beschaffung von Arbeitsmitteln dienen wird, das freudige Opfer unserer Führer des engeren Kreises, die zu der Arbeit in ihren Bünden die Aufschließung des Landes übernehmen müssen. Vicht Vorträge werden gefordert, sondern A r b e i I mit den Freunden auf dem Lande. Solange die Menschen dort noch nicht so aktiviert sind, daß aus eigener Kraft geschaffen werden kann, sollt Ihr. Führer des engeren Kreises, in Durchführung des Erziehungsprogramms, die Auflodkerungsarbeit leisten. Das bedeutet, die menschliche Bindung mit ihnen tinden.-sie ständig und immer wieder und nicht nur einmal aufsuchen, kurz, ihnen ein wirklicher Führer zu sein. Und wenn wir bedenken, daß auch den Stadt vereinen mitt unter noch die Kraft zur schöpferischen Gestaltung ihrer Arbeit fehlt, daß auch hier noch ein Austausch führerischcr Kräfte vonnöten ist. so sehen wir. daß diesen Führern ein Ric-enmaß von Arbeit bevorsteht. Nur restlose Hingabc an den Verband >wird sie diese große Aufgabe lösen lassen können. Ihr haht im Etatentwurf einen Posten für die'Schaffung von Führerblättern gelesen. Ein guter Gedanke. Aber bilden wir vorher einen festen Kreis, der hinter diesen Blättern steht. Mein Vorschlag geht also dahin, daß die Menschen des dritten Kreises eine Gilde' innerhalb des Verbandes bilden, eine festumrissene Schar, nicht etwa des eigenen Vorteils wegen, im sie nach außen hin als Gehobene zu kennzeichnen, sondern um der Vcrhandslcitung eine Kerntruppe in die Hand zu gehen. Die Voraussetzungen für den Anschluß an diese Gilde dürfen nicht gering sein: wir sind berechtigt, an die Menschen dieses Kreises hohe Anforderungen zu stellen. Und so. wie Euch vorgeschlafen wurde, den Eintritt in den weiteren Kreis durch eine besondere Einführung der jungen Freunde zu begehen, glauben wir, von dem Anschluß an die Gilde ein feierliches Gelöbnis zum Verband und eine Verpflichtung auf seine Forderungen setzen zu dürfen. Ernst Hölzer hat im vorigen Monat einmal gesagt, daß wir Menschen brauchen, die \om Verband besessen sind. Es ist, mit anderen Worten gesagt, dasselbe, nämlich daß junge Menschen, nachdemsielängere Zeit in bündischer \rbcit gestanden haben, nicht aus Schwärmerei.' sondern nach reiflicher Ueberlegung und in Erkenntnis ihrer Verantwortung sich dem Bund voll und ganz verpflichte'n. Aber alle diese Dinge — Erziehungsmindestprogramm, Arbeitskreis und Führergildc — sind Forderungen unserer un- 8 vollkommenen Zeit, einer Wirklichkeit, der wir in unserer Arbeit Rechnung tragen müssen, der Tatsache, daß unsere Menschen zum größeren Teil nicht von jüngster Jugend an in ■die Gemeinschaft eingespannt sind, daß sie zu einem Zeitpunkt eintreten, wo sie durch den Existenzkampf in ihrer Kraft geschwächt, durch mannigfache Interessen abgelenkt sind, wo sie bereits kritisch geworden oder mit falschen, schwer zu bekämpfenden Vorstellungen belastet sind. Wir müssen diesen Mängeln Rechnung tragen, denn auch das gehört zu der Einstellung auf die Wirklichkeit: die Art der Arbeit und der Erziehungsmaßstab richten sich nach dem uns zur Verfügung stehenden Menschenkrcis. Wir haben aber die Aufgabe, nicht nur für den Augenblick zu arbeiten, sondern an die Zukunft zu denken, denn unser Ziel ist ebensosehr die Erfassung unserer Generation, wie die Schaffung einer kommenden Gemeinschaft. LTnd deshalb habe ich mit Bedacht an den Schluß meiner Ausführungen die Frage gestellt, die nicht der Beseitigung einer Fehlerquelle dient, sondern welche die größte, wenn nicht die einzige bedeutsame Leistung der abgelaufenen Jahre darstellt, die .lu n g g r u p p c. Schon einmal halle der Verband Junggruppen. aber damals halten sie sich gegründet als Protest fegen den Geist des .lugendpflegevereins. und der Rausch der Protestgründung hat' sie nie verlassen, hat sie von Anfang an sich immer weiter vom Verband fortentwickeln lassen: das Kapitel des .I.IWB. ist sicher eines der trübsten in der Geschichte unseres Verbandes. Es hat nicht an Freunden gefehlt, die uns vor der Wiederholung eines Experimenlcs der Junggruppengründung gewarnt haben. Zu Unrecht, glauben wir, denn die .lunggruppe unserer Tage ist nicht aus Prolest gegen den Geist des Verbandes von Verbandsmitgliedern gegründet, sondern in der Richtung des Verbandes für junge Menschen geschaffen, die aus erziehunfslechnischen Gründen nicht in den Bünden arbeiten können. Ich sagte, erziehungstechnischc Gründe, denn über der ganzen Junggruppenfrage steht ein Satz: .lugendbund und .lunggruppe liegen auf einer einheitlichen Er zieh u n g s 1 i-'n i e. Unser Ziel ist die kontinuierliche Erziehung des jungen Menschen zur Gemeinschaft von der jüngsten Schulzeit an bis zum tatsächlichen Eintritt in die Gemeinde. Das ist es, was uns von anderen Bünden ■n Deutschland, die ebenfalls Neutralität auf ihre Fahnen geschrieben haben- oder, ohne es auszusprechen, nicht in einer bestimmten parteilichen Richtung hin erzieherische Arbeit leisten wollen, noch trennt, daß sie eine Forlführung ihrer Arbeit in dem Augenblick, da der junge Mensch aus der Schule in das Leben tritt, aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen oder aus taktischen Gründen nicht leisten können. Wir aber glauben daß gerade die Jahre des Eintritts in den Beruf, die neuen Sorgen, der Verbrauch der Kräfte im Existenzkampf und in der Verstrickung mit neuen Interessen die kritischste Zeil in der Entwicklung des jungen Menschen ist, die den Anschluß an eine Gemeinschaft jüdischer Menschen nötig macht, und die Erfahrungen vieler Jahre geben uns recht. Die Jüngerenarbeit. die. ohne in eine auf gleicher Richtung liegenden Aeltcrcnarbcit ihre Fortsetzung zu finden, mehr oder minder iäh abbricht, i*t in den seltensten Fällen von so starkem Einfluß gewesen, daß die jungen Menschen auf der von der gemeinschaftlichen Erziehung angestrebten Linie verblieben sind. Die einheitliche Erziehungslinie von Junggruppe und Jungbund wird, so glauben wir. eine kontinuierliche Entwicklung der .Tugend innerhalb des Verbandes zur Wirklichkeit werden lassen. Freilich sind wir uns der zahlreichen Schwierigkeiten, die vor uns liegen, bewußt. Wenn auch die Erziehungs r i c h t u n g und das Erziehungsziel bei Jung.'ruppe und Jugendbund die gleichen sind, so muß doch notwendigerweise die Erziehungsm e t h o d e eine verschiedene sein. Und ich stehe nicht an, zu erklären, daß mir als Methode das aüch in Deutschland mehr und mehr durchdringende scouting, freilich in einer unseren Bedürfnissen angepaßten Weise, als die beste erscheint. Freilich, diese wie auch die andere, frei-jugendbeweglerischc Art der Arbeit, zeigt uns die große Schwierigkeit, die darin besteht, daß der Junggruppier kraft der ihm innewohnenden Aktivität und Frische nicht einsehen will, daß Arbeit im