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Der Jugendbund · 1928-06-01 · 6 (1.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
6 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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die Ausarbeitung des für unsere Erziehungsarbeit notwendigen Minimalprogrammen. Ihr fragt, wie Ihr es werdet durchführen können, wie die Führer sind, wie es in den Landvereinen oder bei „schwierigen lokalen Verhältnissen" gehandhabt werden soll. Und damit sind wir bei dem zweiten Fehler, den wir zu beseitigen haben, angelangt: Die mannigfachen Unterschiede in der altersstuflichen, gesellschaftlichen und wissensmäßigen Zusammensetzung der „Mitglieder unserer Bünde; die Abgrenzung von Bund zu Bund. — Großstadt, großstädtischer Verein* — Kleingemeinde, und Landverein — Schüler und Kauflcute, Handwerker und höhere Töchter, Führer aus der Jugendbewegung und Mitläufer. Denn, was manche noch bewegt, die Frage, ob Masse oder Auslese, ist uns heule keine Frage mehr, weil wir uns freudig der Masse verpflichtet haben. Man kann nicht, wie man es in anderen Kreisen wohl noch hört, im Hinblick auf späteres Führertum Auslese-Erziehung treiben. Die Erziehungsarbeit im .lugendbund ist nicht Schule, und das Verhältnis des Führers zur Gruppe darf nicht ein Lehrer-Schüler-Verhältnis sein, wie es der Fall sein müßte, wenn man die Führer abseits von den andere.n in besonderen Bünden heranzöge. Weil wir die Beziehung zur Masse nicht verlieren wollen, stellen wir die Massenarbeit in den Vordergrund. Die Freunde aus den kleinen Bünden werden mir verzeihen, wenn ich mich zunächst mit der Arbeit der größeren Bünde beschäftige, um so mehr, als ich hier auch den Weg für die wertvollste Landarbeit im Verband zu finden hoffe. Ich fordere für die Arbeit der großen Vereine in Zukunft die Einteilung der Arbeit in drei Kreise, Der erste Kreis ist der Werbekreis. Er stellt die Verbindung des Vereins mit der Oeffentlichkeit dar. Ihm gelten die Vorträge auswärtiger Redner, die Feste, die künstlerischen Veranstaltungen und Kundgebungen. Nicht aber dürfen wir in den Fehler verfallen, dieser Arbeit zu viel Zeit zu schenken, denn was für unsere Erziehungsarbeit gewonnen werden kann, zeigt sich erst im zweiten, dem sogenannten W e i l e r e n - oder Arbeitskreis. Ihm dient die Hauptarbeit des Bundes, denn hier gilt es, das V e r c i n s mitglied zum Mitglied der Erziehungsgemeinschaft zu machen. An dieser Stelle stelle ich zur Erwägung anheim,'ob wir nicht die feierliche Einfuhrung neuer jugendlicher Mitglieder von Verbandswegen vorschreiben sollen. Gewiß sollen wir unsere Arbeit nicht mit einem ausgedehnten Zeremonial belasten, aber meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß die Vorstellung neuer Mitglieder vor dem Bund, der öffentliche Appell an ihre Mitarbeit, die Mahnung an die durch den Eintritt übernommenen Pflichten, viel zur Auflockerung des Bodens beitragen. Denn, sehen wir den Dingen klar ins Auge, die Mehrzahl der Menschen, die neu zu uns kommen, verfolgt bestimmte," außerhalb unserer Arbeit liegende und ihr vielfach widerstrebende Zwecke, zum mindesten will sie von einer Verpflichtung, die sie mit dem Eintritt übernimmt, nichts wissen. So muß, wie Gustav Löfflcr es einmal genannt hat, unsere erste Arbeit der Auflockerung des Bodens dienen, der gefühlsmäßigen Einstellung des Mitgliedes zur Gemeinschaft, zu den kommenden Dingen der Arbeit. So muß das Mitglied möglichst bald in einen Prozeß gestaltender Arbeit eingespannt werden, damit'es für die Gemeinschaft schaffen lernt. Ihr habt soeben den Düsseldorfer Sprechchor gehört. Er besteht seit zwei Jahren, und es sind bereits 80 junge Menschen durch ihn hindurchgegangen, die in ihm ihre erste gemeinschaftliche Betätigung vollzogen und von ihm aus den Aufstieg zu intensiver jüdischer Arbeit getan haben. Hier liegt auch der Schlüssel zu dem, was vielen unserer Bünde fehlt, zu wahrer und edler Geselligkeit. Es gibt keinen gemeinschaftsbildenderen Faktor als die Vorbereitung und Durchführung von Festen. Welche Gelegenheiten werden hier von unseren Bünden versäumt. Man plant ein Purim- oder I Ghanukka-Vergnügeh. Man könnte die Mitglieder im Geiste dieses Festes zu einer schöpferischen Tat vereinigen und zerreibt statt dessen die Kraft an außerhalb unserer Arbeit liegenden Dingen. Man fördert die Eitelkeit und die Sonderinteressen des Einzelnen, statt den Stolz auf die Gesamtleistung und den Sinn für die hinter der Feier stehenden geistigen Werte zu wecken. Darauf kommt es aber an, den gefühlsmäßigen Anschluß an und das geistige Verständnis für das lebende Judentum in allen seinen Erscheinungsformen zu wecken. Und deshalb -i>t dieser weitere Kreis der Boden für die Verwirklichung unseres Erziehungs-Mindestprogramms. Wir sahen den ersten Kreis als die Stätte, wo Interesse geweckt werden soll; wir kennen den zweiten Kreis als die Stelle, wo Arbeit geleistet werden muß. Wir fordern den dritten, den engeren Kreis, die Menschen, von denen.-, wir das Opfer verlangen. Man kann die innere Kraft einer Bewegung nicht besser beurteilen als durch die Opfer, die ihre Anhänger für die Sache zu leisten gewillt sind. Es braucht für uns, liebe Freunde, nicht entmutigend zu wirken, daß bislang das Maß der von unseren Führern für die gemeinsame Sache geleisteten Opfer noch nicht allzu groß ist. Wir lebten bisher in einer Uebergangszeit, und es war den meisten von uns vielleicht noch nicht klar, daß die Arbeit an der Verwirklichung unseres Zieles den Einsatz der gra nzen Persönlichkeit fordert. Nun aber sind wir, glaube ich, so weit, daß wir von den Med« sehen, die an der Spitze von Bünden oder ArbeiTsgemeinschaften stehen, ein bedingungsloses J a für den Verband fordern können. Es gab Menschen unter uns, welche die. Arbeit im Verband als quantite ncgligeable betrachteten, als die einzige Möglichkeit, an eine größere Zahl jüdischer Jugend heranzukommen. Diese Einstellung, wie auch das Wort vom Notverband, muß bei den Menschen des dritten Kreises, den Führern, verschwinden. Von ihnen muß die vollkommene Bejahung des Verbandes und der Einsatz aller Kräfte für die Arbeit im Bund verlangt werden, wobei wir unter den Führern aber nicht nur die Menschen verstehen, welche die organisatorische Spitze eines Bundes bilden, sondern alle diejenigen, welche aus der Arbeit des zweiten Kreises herausgewachsen sind, die Menseben, denen aus der gefühlsmäßigen Verbundenheit mit der Gemeinschaft und dem Verständnis für jüdische Gegenwart ihre weitere Arbeit zu einer Aufgabe geworden ist. Ein Doppeltes wird von ihnen verlangt: zum ersten das Lernen. Der Berliner Rabbiner Joachim Prinz hat vor einigen Wochen in einem Vortrag über Bildungsarbeit in der jüdischen Jugendbewegung eine Schule der jüdischen Jugendbewegung als den besten Weg für die Vermittlung jüdischer Kulturwerte an die Führer der jüdischen Jugend bezeichnet. Wir möchten diesen Vorschlag, allerdings in veränderter Umgegend, aufnehmen und müssen dabei zugleich zu Bestrebungen Stellung nehmen, die einer Vermittlung jüdischen Wissens durch Organisationen überbündischen Zusammenschlusses das Wort reden. Wir glauben, nämlich nicht, daß, solange die Grundlage jüdischen Wissens nicht allgemein und erschöpfend durch die jüdische Schule und im- Verein mit dem jüdischen Elternhaus gewährt wird, irgendeine Organisation, und sei sie auch von jüdischer Jugend geschaffen, ausreichenden Ersatz bieten kann. Wir sind vielmehr überzeugt, daß die für die jungen Menschen unserer Zeit aus unterschiedlichen Gründen problematische Frage des Lernens nur auf der Grundlage einer schöpferischen Gemeinschaft gelöst werden kann. Darum ist der engere Kreis der aus dem Arbeitskreis des Verbandes erwachsenen Menschen das wahrhafte Lehrhaus der jüdischen Jugend. Denn alles - Lernen, jedes Wissen kann nur dann Bedeutung haben, wenn es sich in der Gemeinschaft auswirkt. Die wechselseitige Beeinflussung von engerem und weiterem Kreis sichert den Lernenden die Verbindung mit der Allgemeinheit und den Anderen den Zufluß stetiger neuer Anregungen. — Hier, im Kreis der Lernenden, scheint mir der Führerplatz unserer Rabbiner und Lehrer zu sein. Man mag über die Eignung des Lehrers zur Fährung eines Kreises suchender Menschen stehen, wie man will; die Leitung von" Menschen, denen Wille und Weg stetig ist, gebührt den Wissensreichen, dem Rabbinerf und Lehrer. Die zweite Aufgabe, die dem engeren Kreis aufzuerlegen sein wird, ist die des L e h r e n s; nicht nur im eigenen Bund, wie es soeben angedeutet wurde, durch Vermittlung des Erlernten an den zweiten Kreis. Dies ist eine selbstver- 7

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