Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 6 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Jugendbund, gegenüber seiner bisherigen ,Gruppenarbeit, nur eine andere Methode darstellt, gewissermaßen die mit einem anderen Kleid ausgestattete Arbeit. Die Ueberwindung dieser schwierigen Situation kann nur durch eine frühzeitig beginnende Erziehung zum Verband kommen. Der Junggruppier muß das Gefühl haben, daß auf ihm die Zukunft des Verbandes beruht, daß er demnächst zur Führung des Jugendbundes berufen sein wird. Er muß von früh an sich als notwendigen Bestandteil des Verbandes fühlen. So sieht das Junggruppengesetz, dem von heute ab alle Junggruppen im Verband unterworfen sein werden, neben der selbstverständlichen generellen Verpflichtung zur Arbeit auf dem Boden des Verbandes und neben der organisatorischen Einordnung in das Verbandsganze als wichtige Teile des Junggruppen-Erziehungsprogramms vor die Mitarbeit im Verband und Verein durch: a) Teilnahme an geeigneten Veranstaltungen, b) Lektüre der Verbandszeitschrift und Einführung in die Arbeit des Verbandes. c) Mitarbeit am Junggruppenteil der Verbandszeitschrift. Im übrigen liegt die Einordnung des Junggrupplers ebensosehr an dem Verständnis und dem guten Wallen der Vereinsführer und -raitglieder. Verständnis für die Unterschiedlichkeiten der Arbeitsweise, Interesse für die Leistungen der Junggruppe und Entgegenkommen beim Uebertritt in den Verein sind notwendige Voraussetzungen für eine gedeihliche Mitarbeit der Junggruppen in den Jugendbünden. ' Weshalb aber bedeuten die Junggruppen die große Chance für die Zukunft des Verbandes? Weil durch sie in absehbarer Zeit die von uns als Zweck der Stunde und als Notbehelf erkannten Forderungen gegenstandslos werden. — Der jüngste Mensch ist frei von den vielen Hemmungen, denen wir Berufsmenschen unterworfen sind und die uns zu der zeitraubenden, aber notwendigen Auflockerungsarbeit im weiteren Kreise zwingen. Ihm ist die Bereitwilligkeit zum Erleben der Gemeinschaft und der Ausdruck des Willens zur Gemeinschaftsarbeit in reichem Maße geschenkt. Und wenn das Junggruppengesetz neben einem Maximalein Minimalerziehungsprogramm für die Gruppen aufgestellt hat, so handelt es sich hier nur um eine den Fähigkeiten und Leistungen der Mitglieder entsprechende Regulierung des Tempos der Bildungsarbeit. Die Junggruppen sollen und können von Anfang an lernen. Niemals wohl kann man die Wahrheit des Sprichwortes „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", deutlicher erkennen als in der Frage des „Hebräisch-Lernens". Als dringende Notwendigkeit erkannt und auf vielen Tagungen von uns gefordert, können wir sie meines Erachtens doch nicht guten Gewissens als notwendige Voraussetzung für die Vereinsarbeit auf unserem Weg in die Wirklichkeit mitnehmen. Wohl können wir den Menschen auf Umwegen über Gleichnisse und Beispiele zu der Erkenntnis der Benutzung der Sprache führen, um dann denen, die den Weg in den Kreis der Lernenden aufstiegen, die Verwirklichung durch das Lernen zu überlassen. Nicht so die Junggruppen. Ihnen ist die Grundlage gehaltmäßigen Erfassens, die Intuition, gegeben, und alles, was sie tun, sogar das Spiel, ist Arbeit in der Wirklichkeit. Um also bei dem gleichen Beispiel zu bleiben, das hebräische Lotto, das Fahrtenlied, die Teilnahme an dem Jugendgottesdienst, all das vereint sich mit dem gleichzeitig einsetzenden Unterricht zu einem gemeinschaftlichen Lernerlebnis. Diese gleichzeitige Vereinigung von Lernen und Gemeinschaftsarbeit ist unsere große Chance. Von hier aus wird es gelingen, den Verband unter Auflösung der verschiedenen Kreise zu einem nicht nur in der Gesinnung und Arbeitsweise, sondern auch in der Arbeits 1 e i s t u n g einheitlichen Gebilde zu gestalten. Die Forderungen der Stunde fasse ich folgendermaßen zusammen: I. Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands und die ihm angeschlossenen Bünde sind ein einheitliches Erziehungsgebilde. Daher muß ihnen ein einheitliches Erziehungsprogramm zu eigen sein. Die Durchführung dieses das Mindestmaß der zu leistenden Arbeit darstellenden Erziehungsprogramms ist Pflicht aller Vereinsführer. II. Der Verband und die Bünde dienen der Gesamtheit der jüdischen Jugend in Deutschland. Die Verbindung von Massenarbeit und Erziehungsarbeit wird in der Errichtung von drei Kreisen unserer Arbeit durchgeführt: 1. Der Werbekreis dient der Verbindung des Vereins mit der Oeffentlichkeit, 2. Der Arbeitskreis dient der Verwirklichung des Erziehungs - Mindestprogramms. Die Zugehörigkeit wird durch feierliche Einführung in den Bund erworben. 3. Der engere Kreis oder die Gilde dient licm doppelten Zweck: des Lernens jüdischen Wissensstoffes in Kursen, und des Lehrens, d. h. der führerischen Arbeit in weiterem Kreis ohne Begrenzung auf einen bestimmten Bund. Die Mitglieder der Gilde verpflichten sich durch ein feierliches Gelöbnis zur restlosen Hingabe an die Verbandsarbeit. III. Der Verband sieht in 'der Schaffung von Junggruppen die einzige Möglichkeit einer kontinuierlichen Erziehung von der jüngsten Jugend bis zur Verwirklichung jüdischen Lebens in der Gemeinde. Daher sind die Junggruppen als dessen wesentlichste Bestandteile in das Verbandsganze einzuordnen. Die Verwirklichung dieser Forderungen durch die Verbandsleitung und die Vereinsführer sollte, so glaube ich, den Inhalt der Arbeit im Verband und in den Bünden für die nächsten Jahre darstellen. Dr. Julius Herzfeld, Essen Die Arbeit der Jugend in der Gemeinde. Liebe Verbandsfreunde! Wir haben heute von Herbert Felsenthal etwas über die Arbeit innerhalb der Bünde gehört. So wichtig sie auch für uns ist, so darf sie doch nicht unsere ganzen Kräfte in Anspruch nehmen; denn es genügt uns nicht, in unserem Kreise allein zu arbeiten und zu wirken. Unsere innere Arbeit ist uns nicht Selbstzweck. Wir als Angehörige eines überparteilichen Verbandes betonen von jeher den Gemeinschaftsgedanken. Wenn wir uns nun auf unserem Wege in die Wirklichkeit umsehen, w o wir Arbeit in diesem Sinne leisten können, so finden wir, daß unsere Verbandsfreunde sich, gleichviel welcher Richtung sie angehören, alle nur treffen können auf dem Boden der Gemeinde. Die Gemeinden sind es gewesenj die in ihrem jahrhundertelangen Bestehen zwar mancherlei Wandlungen erfahren, dennoch aber das Judentum erhalten und weiter fortgebildet haben. Die Gemeinde ist von den Zeiten der Zerstreuung an die Organisationsform der Juden gewesen. Sie ist der Ausdruckdes jüdischen Gemeinschaftswillens. Unsere Aufgabe ist es, der Gemeinde wieder einen lebendigen Inhalt zu geben. Zur Zeit bieten uns unsere Gemeinden vielfach kein erfreuliches Bild. Einmal deshalb, weil ihre Tätigkeit zu einem erheblichen Teile nur in der Regelung organisatorischer Fragen besteht. Andererseits, weil vielfach sachliche Arbeit nicht möglich ist, da Zwiespältigkeiten und Parteiinteressen ein gedeih, liches Arbeiten nicht zulassen. Wir alle wollen, daß in die Gemeinden neues Leben hineinströmt, daß das Gemeinschaftsgefühl der Gemeindemitglieder gestärkt wird, daß ihnen wieder jüdische Werte nahegebracht werden, daß also aus einer Organisation ein Organismus wird. Es ist, wie Ernst H o 1 z e r kürzlich im Jugendbund gesagt hat, kein Wunder, daß wir in unseren Reihen keine Anhänger der separatistischen, der Trennuhgsorthodoxie haben, obwohl uns zahlreiche gesetzestreue Jugendliche angehören. Unsere Einstellung verlangt ein Bekenntnis zur Einheitsgemeinde. Mit allem Nachdruck müssen wir uns dafür einsetzen, daß diese Verkörperung der Einheit des Judentums erhalten bleibt. Wir treten deshalb allen Bestrebungen, die auf eine Zersplitterung von Gemeinden hinzielen, gleichviel, aus welchen Motiven sie erfolgen, entgegen, weil wtr-sie im Interesse des Judentums nicht gutheißen können. 9