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Der Jugendbund · 1928-06-01 · 6 (1.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
6 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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als eine im allgemein-jüdischen Interesse liegende Arbeit anzuzusehen und diese Arbeit im Rahmen des Möglichen zu fördern. Darum nochmals herzlich willkommen! Möge diese Tagung ein Geist des Friedens beherrschen, möge „Neutralität" im besten Sinne über Ihnen schweben, mögen die großen Probleme, die zu behandeln Sie sich vorgenommen haben, getragen sein von dem einzigen Willen, rastlos vorwärts zu streben zum Segen für das gesamte Judentum. Möge der Wunsch, den wir Ihnen an anderer Stelle schon zum Ausdruck gebracht haben, in Erfüllung .gehen, dali von dieser Tagung ausgehen mögen: Neue Wege zu schönem Ziel! Rabbiner Dr. Leo BaecH. Berlin Meine lieben Freunde! Eine Aufgabe ist Ihnen vor allem gestellt, die Aufgabei, jung zu sein. Für jeden Abschnitt unseres Lebens ist es wesentlich, dali wir Menschen den Willen und den Mut zu uns selber haben. Aber wenn für irgendeine Zeit dies ein Wichtiges ist, so ist es für die Zeit, in der Sie leben, für die .luvend. Wille und Mut zur Jugend, Wille und Mut, jung zu sein, das ist es, was von Ihnen gefordert ist, was Sie bewähren sollen. Die Tage, so hoffen wir, liegen hinter uns, in denen viele junge Menschen Furcht vor ihrer eigenen Jugend hatten, die Tage, in denen dei junge Mensch sich ausprägen wollte zu einem Menschen, der über die Jugend schon hinaus sei, der Achtzehnjährige ein Achtundzwanzigjähriger sein wollte. Mit diesem Willen, jung zu sein, verbindet sich für Sie ein Besonderes noch. Unser Leben hat zwei große Kraftquellen, die einzigen, die ihm gegeben sind: Kindheit und Jugend. Die Kindheit ist dem Elternhause anvertraut, und es ist die große Aufgabe, welche Mutter und Vater zu erfüllen haben, dem Kinde zu geben, daß es seine Kindheit ausformen urd gestalten kann. Die Jugend, diese andere Kraftquelle, kann nicht mehr unter dem Schutz und unter der Leitung des Elternhauses stehen. Jugend kann nur sich selber schützen, kann nur sich selber leiten und führen. Jugend sich selber, und das will sagen, daß die Jugend sich zusammenschließen soll. Da?, was das Elternhaus der Kindheil gegeben hatte, sollen die Bünde der Jugend für die Jugend leisten. Junge Menschen sollen einander führen und leiten, damit .sie imstande sind, Form und Gestaltung ihres jungen Wesens zu lieben, sie sollen einander helfen, jung zu sein. Damit ist ein Drittes und Letztes gegeben. Es liegt im Wesen dieser beiden großen Kraftquellen unseres Lebens, der Kindheit und der Jugend, daß sie entspringen und fließen, um ihre Ströme über sich selbst hinauszuführen. Kindheit geht vorüber und Jugend geht vorüber, und darum ist die . große Frage, die schon bei der Kindheit, um so vielmehr bei der Jugend sich erhebt: wofür sind wir jung? Und auch das sollen Sie darum, jeder von Ihnen sich selbst und Sie alle einander, gewähren, daß Sie es begreifen, wofür Sie jung sind, daß Sie iung sind, um eines Tages ganze Frauen, ganze Männer zu sein, daß Sie jung sind, um eines Tages ganze Juden zu sein. Dieses Wesentliche Ihres Lebens, das, was aus den Jahrtausenden, aus denen heraus Sie geboren sind, kommt, sollen Sie einander nahebringen, damit es zum Leben, das Ihnen gehört, werde. Jung sein um der Jugend willen, jung sein, um einander zu helfen, jung zu sein, um zu wissen, wofür man jung ist, das ist die Aufgabe, die Ihnen gestellt ist. Aller Wirklichkeiten Wirklichkeit ist am letzten Ende auf unserer Erde der Mensch. Der Mensch ist die eigentlichste Realität. Der 'Weg in die Wirklichkeit ist darum immer, früher oder später, der Weg zum Menschen. Diesen Weg mögen Sie gehen, den Weg zu sich, den Weg zueinander, den Weg zu Ihrer Zukunft, für die Sie leben, zu Ihrer Zukunft, die unsere Zukunft ist. Das ist der Wunsch, den darzubringen mir gestattet sei. Dr. Ludwig Tietz. Berlin Der Reichsausschuß "der jüdischen Jugendverbände nimmt besonderen Anteil an der Tagung der größten zu ihm gehörigen Organisation, und ich freue mich, Ihnen die Glückwünsche des Reichsausschusses überbringen zu können. Der Weg in die Wirklichkeit, zu dem heute viele Kreise der jüdischen Jugend streben, wird, so hoffen wir, über die Arbeit im eigenen Verband hinaus, zu dem gemeinsamen Ziele führen und eine Intensivierung der Arbeil herbeiführen, die Sie und wir erstreben. Heinrich Buttmann, Chemnitz Es ist der Wunsch der Leitung, die Begrüßungsreden nach Möglichkeit zu beschränken. Obwohl ich diesen Wunsch durchaus respektiere, bin ich diesmal nicht in der Lage, ihn von mir aus zu erfüllen, weil es mir in der Tat ein Herzensbedürfnis ist, ^Sie im Namen.des Landesverbandes Sachsender jüdischen Jugendvereine willkommen zu heißen. Abgesehen davon, daß der Landesverband Sachsen stets das stärkste Bollwerk unseres Verbandes gewesen ist, ist nicht zuletzt ihm' die Lrstarkung des Verbandes in den letzten Jahren zuzuschreiben. " " Und nun wollen Sie, meine Freunde, heute und morgen Zeugnis ablegen von der ungeheuren Durchschlagskraft des neutralen Verbandes, von dem ungebrochenen Verständigungswillen. Möge die Tagung auch den Gegnern des neutralen Gedankens beweisen, daß allen Skeptikern zum Trotz unsere Idee sich innerhalb der jüdischen Jugend durchsetzt zum Heile des Judentums und unseres Vaterlandes. Rabbiner Dr. Klein. Düsseldorf Ich will es mir versagen, den einzelnen Rednern, die uns in so wundervoller Weise begrüßt haben, unseren Dank auszusprechen. Wir freuen uns der warmen Anteilnahme, die in ihren Worten zum Ausdruck gekommen ist und hoffen, daß ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Wir schreiten nunmehr zur Wahl der Tagungsausschüsse Die Wahl ergibt: Tagungspräsidium: Dr. Klein, Düssetdorf Felsenthal, Düsseldorf -r~ Goerrtz, Chemnitz Schwarzschild, Wiesbaden — Dr. Hahn, Essen — Guttmann, Chemnitz — Hirschel, Dresden — Dr. Wolf, Dresden — Dr. Rosenzweig, Schneidemühl — Dr. Berliner, Berlin. HauptausschuB: Felsenthal, Düsseldorf — de Jonge, Duisburg — Hölzer, Frankfurt — Hirsch, Hamm — Jastrow, Forst Seegall, Stettin — Friedberg, Karlsruhe — Arcnds, Bremen Israel, Hannover — Bonnin, Bielefeld — Neißer, München — Wißmann, Stuttgart Cohn, Halle — Dr. Karger, Görlitz — Felix, Berlin. m anüatspr uiu ngsa u ssch u ß: Dr. Lehmann, Bremen — Rosenthal, Schneidemühl — Roth, Cöthen. Finanzausschuß: Goerilz, Chemnitz — Rauner, Kreuznach Eppstein^Saarbrücken — Dr. Rosenzweig, Schneidemühl — Themal, Pforzheim — Wißmann, Stuttgart — Frank, Chemnitz Burin, Lübeck — Guttmann, Chemnitz. Wahlausschuß: Wolff, Köln — Rülf, Detmold — Berliner, Berlin — Dr. Spier, Höchst — Meyer, Düsseldorf — Dr. Löffler, Frankfurt — Vöhl, Düsseldorf — Dr. .Krämer, Karlsruhe. „Unser Weg in die Wirklichkeit" Dr. man Wiener. Berlin Liebe Verbandsfreunde! Die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit Dieses Thema soll hier vor allem unter dem Gesichtspunkt behandelt werden, daß wir den Beitrag ermessen,, den Denken und Empfinden des Juden für die Erziehung zu einem auf Sachlichkeit, auf Ernst und Wahrhaftigkeit der Arbeit gekehrten Streben leistet. 3

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