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Der Jugendbund · 1928-04-01 · 4 (1.4.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
4 (1.4.1928)
Date
1928-04-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Fahrtenbericht von Richard Schüler. Düsseldorf 19. Februar 1928, 8.30 Uhr, Uhlandstraße. „Guten Morgen, Lie." — „Chasak da." Die Fahrt beginnt. Wir sind zu füni Jungen und vier Mädels. Les, Siegfried, Paul, Franz, Richard, Edith, Inge, Friedel und Irene. Das Wetter ist gut, sogar sehr gut, wenn auch noch ein bissei kühl. Bald kommt die 12, die uns nach Ratingen entführen soll. Richard überlegt hin und her, ob er pfuschen soll oder nicht. Glücklicherweise entschließt er sich, an der Graf-Recke-Straße einen Fahrschein zu lösen — glücklicherweise, denn eine Haltestelle weiter, Honigheim, steigt ein Kontrolleur ein. Zwei Mark wären fällig gewesen, aber . . . Glück muß der Mensch -haben. Bald sind wir in Ratingen. Von hier wollen wir nach Angermund. Vorher beschließen wir, einen kleinen Abstecher zu machen, damit Paulchen (ch von Paulchen wie ch in Bach zu sprechet»!-) einige alpine Kletterkunststücke vorführen kann. „Ich komm' den Berg nicht rauf"; der Berg ist ein Hügel am blauen See bei Ratingen, aber nichtsdestoweniger ist er für Paulchen ein unüberwindbareres Hindernis, als die Zugspitze es „vielleicht" wäre, denn auf die Zugspitze fährt eine Zahnradbahn und auf unseren „Berg" leider noch nicht. Paulchens und damit auch unsere Kletterpartie ist eigentlich beendet und wir sind schon wieder auf dem Weiterweg durch den Steinbruch, als plötzlich, o Graus, o Schreck, ein Schlammloch vor uns liegt. Friedel, die ihren Makkabimut natürlich zeigen muß, ist die erste — aber auch die erste im Schlamm. Der Schuh fühlt sich an ihrem Fuß nicht mehr wohl und will solo auf Wanderschaft gehen. Er kann aber noch von diesem wahnsinnigen Unternehmen abgehalten werden. Die nächste im Schlamm ist Inge — aber wie? Nun, ich will nicht lange darüber reden, weil es kurz zu sagen ist: Sie war „nur" mit „halber Länge" drinnen. Siegfried rettet sie mit seiner Löwenkraft und erhält dafür das Dezernat für Rettungswesen. Imaginär bekommt er die goldene Rettungsmedaille. Nach glücklichem Durchzug des „Totenmeeres" (leider haben sich die Schlammassen nicht geteilt, damit das Volk Israel trockenen Fußes hindurchgehen könne) und nach großer Säuberung von Schuhen, Strümpfen und weiteren, im einzelnen nicht aufgezählt sein wollenden Kleidungsstücken wird auf Franz' Vorschlag „Mittag gemacht". Franz entwickelt am lustig flackernden Lagerfeuer ein großes Koch- und Brattalent. Er hat nämlich Aepfel mit Musik gebraten. Sobald die Aepfel gar oder fertig waren, ertönte aus ihrem Inneren ein langgezogener Pfiff, zum Zeichen, daß sie gegessen sein wollten. Hierfür erhielt Franz das Dezernat für Kochkunst. Nebenbei reinigt er mit dem Messer Beine, Strümpfe und Schuhe vom Schlamm. Nachher haben wir mit drei Düsseldorfer Jungens, die sich zu uns gesellt haben, ein feines „Räuber und Schandiz" gespielt. - Auch hierbei zeigt sich, von Friedel durch eine waghalsige Kletterpartie verkörpert, „Makkabi, jüdischer Turn- und Sportverein". Alle Achtung! Fabelhafte Leistung! Abends zurück nach Ratingen, dann Düsseldorf. Aus der Fahrt nach Angermund ist nichts geworden aber dafür eine Fahrt zum blauen See, die das Prädikat 1 + erhielt. Zensuren Was sich die Junggruppier für Gedanken darüber machen. Mira Rosenthal, Görlitz: „Zensuren an und für sich sind meiner Meinung nach etwas Richtiges. Nur dürfen sie nicht als so eine sehr wichtige Sache aufgefaßt werden! Deshalb müßte es an jedem Monatsende Zeugnisse geben. Dann wüßte man viel besser, auf welches Fach man mehr Fleiß legen muß. Denn wenn wir jetzt unsere Zensuren bekommen, ist es oft schon zu spät, sich zu bessern. Man denkt z. B., man steht in Mathematik drei und hat dann eine vier in der Zensur, also eine große Lücke, die schwer wieder auszufüllen ist. Das könnte nicht passieren, wenn man öfters im Jahre Zensuren erhielte! Folglich würde es nicht so viele schlechte Schüler geben, und das ist ja schließlich Zweck der Sache!" — Mira ist 14 Jahre alt. Lotte Mühsam, Görlitz: „Die Schule hätte keinen Reiz für uns, wenn wir nicht öfters im Jahre den Erfolg unserer Arbeit sehen würden. — Durch die Zensuren wird in uns Ehrgeiz erweckt und wir werden angespornt. — Ein großer Teil der Schüler, besonders die kleinen, ist sich noch nicht bewußt, daß man für das Leben arbeitet. Die meisten streben nur nach dem Ziel, jedes Vierteljahr ein gutes Zeugnis zu bekommen. Also nur mit Zensuren gehen wir freudig ans Werk und erreichen das, was wir sollen." — Lotte zählt 15 Jahre. Ernst Grünwald, Görlitz: „Ich möchte nur zweimal im Jahre Zensuren. Auch sollte es zwischen den bekannten 5 Zensuren noch, wie in Sachsen, Zwischenzensuren geben, dadurch könnte manche Leistung gerechter beurteilt werden, und mancher Schüler würde nicht entmutigt sein." — Ernst ist 13 Jahre. Aber da schickt Hans Cohn, Kaiserslautern (Alter 15 Jahre), folgende Ansicht: „Die Zensuren bilden, wenn ich so sagen darf, die Grundlage des heutigen Schulsystems. S i e sind darum ein notwendiges Uebel. Fallen— die Zensuren, und sie müssen fallen, so stürzt unser ganzes Schulsystem mit. Ach, wie wünschenswert wäre das! Die Noten sind eigentlich nur für den Fleiß des Schülers maßgebend. Hat ein Schüler wirklich gute Noten in seinem Abgangszeugnis, so ist damit noch lange nicht gesagt, daß er im harten Kampfe ums tägliche Brot seinen Mann stehen wird. „Büffeln" kann jeder. Aber der Fleiß allein genügt heute nicht mehr! Man muß sehen, muß erkennen lernen. Das ist das Wichtigste. Und gerade den Blick fürs Leben besitzt manch einer nicht. Nach diesem Blick sollte heute geurteilt werden, und nicht nach Noten. Deshalb sind die Zensuren überflüssig! — Es gibt Stimmen, die sagen, es muß Noten geben. Sonst kann man nicht den Klugen vom Dummen trennen. Nein! Das Leben siebt grausam! Es zensiert strenger und gerechter als alle Lehrer. Wer nichts kann, den zerschmettert es. Zensuren haben heule keine Existenzberechtigung mehr." J. R. dotlzen „Das Zelt", Zeitschrift für die jüdische Jugend. Verlag B. Heller, München. — Uns liegen nunmehr Heft 2 und Heft 3 vor. Beide sind gut zusammengesetzt und wohl imstande, unsere, Arbeit zu ergänzen. Besonders gelungen ist das Märzheft (Purimnummer), nur ist es etwas spät in unsere Hände gekommen. Purim ist zwar schon lang vorüber, aber man ergötzt sich auch noch hintennach an diesen schönen Geschichten. — Die Zeitschrift kostet vierteljährlich 1,20 Mark. Im Arbeiterjugendverlag erscheint in 8. Auflage das ..J u g e n d 1 i c d e r b u c h" von Aug. Albrecht. Es enthält etwa 350 Liedertexte, hat einen feinen Druck und kostet bloß 60 Pfg. Wir empfehlen das Buch. Eine Besprechung folgt noch. J. R. Junggruppen-BrletKasten Düren-Euskirchen. Gern läßt man sich solche „Treffahrten" gefallen! Nämlich, wenn es gemeinsam zu einer Barmizwah- oder Geburtstagsfeier geht. Ich wundere mich nicht, daß Ihr dann schreibt, so was sei sehr nett. Bloß darüber wundere ich mich, daß derartige Feiern bei benachbarten Gruppen nicht — überall inszeniert werden! Jugendgemeinde. Darüber war eine Notiz in der „Jüdischen Rundschau" vom 21.; Februar zu lesen. Ich werde in einer unserer nächsten Nummern über diese Einrichtung euch den gewünschten näheren Bescheid geben. An mehrere. Die kleine „Rezension", die in den Iii-Blättern (Datum nicht zu ersehen!) über unsere Düsseldorfer Junggruppiertagung zu finden war, habe auch ich gelesen. Schade, daß der Verfasser der, „Rezension" unseren Bericht nicht genau gelesen hat. Dadurch ist ihm nämlich das Malheur passiert, daß er unsere wundervolle Düsseldorfer Zusammenkunft als eine „Tagung der Führer des Verbandes" angesehen hat. Hm. Vielleicht soll diese unabsichtliche Verwechselung — eine Prophezeiung für die Zukunft sein. Nicht übel! Neugieriger. Du fragst, warum nun in Deutschland auch für die russischen Juden und ihren Verband Aufrufe und Sammlungen veranstaltet werden, und warum indessen die jüdische Jugend in ihren Organisationen und Verbänden aus der geldlichen Krabbelei nicht herauskommen kann ... — Sei nicht so neugierig! J. R. 11

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