Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 4 (1.4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Krieg führen wird. Die riickhallslo.se Verurteilung der Gewalt ist aus jüdischer Weltanschauung nicht wegzudenken. Gehaltlosigkeit ist ein charakteristischer Grundzug des messianischen Herrschers,, der nach dem schönen Wort des Propheten Jesaja nicht mit Gewalt, sondern durch die Kraft seiner belehrenden Rede „mit dem Stabe seines Mundes den Bösewicht beseitigt, dessen Hüften Gurt Gerechtigkeit, dessen Lenden Schurz die Treue ist." Und wie Gewaltlosigkeit prophetische Forderung ist', so war Noncooperation, Fernhalten von der Teilnahme an der Regierung, die Haltung, die die Lehrer des Talmuds, von geringen Ausnahmen abgesehen, der römischen Gewaltherrschaft gegenüber einnahmen. (Schluß folgt.) lunggruppen .Jugend und arter bei der Befreiung" Von Gustau spler. Halgerioch Das Pessachfest ist uns das Fest der Befreiung aus der Knechtschaft der Pharaonen. Fs ist zugleich der Zeitpunkt, an dem unzählige Generationen im Golus den „Elia Hannowi", den Boten der künftigen Erlösung, erharrten und erharren. Als einst Gott dem Mose den ersten Befehl zum Befreiungswerke gab, da sprach er: „Geh und versammele die Aeltesten des Volkes." (II. M. 3, 16.) Als es aber an den Auszug aus dem Lande der Knechtschaft gehen soll, sagt Mose auf Pharaos Frage: „Mit unserer .lugend und mit unseren Alten wollen wir ziehen." (IL M. 10, 9.) Warum nennt die Thora das eine Mal nur die Alten als die Wichtigeren, warum stellt sie aber beim anderen Mal die Jugend voran? Das hat seinen tieferen Grund. An der ersten Stelle handelt es sich um Vorbesprechungen, Beratungen; da sind die Alten, die Erfahrenen, Gereiften vor allem anderen geeignet. Im anderen Falle aber handelt -es sich — wörtlich — um den ersten Schritt zur Befreiung/um die kühne Tat. Da brauchte man den frischen Drang der Jugend, da gehen die Jungen voran. .„Die Alten zum Rat. die Jungen zur Tat!" Das sollte in weitem Sinne auch für uns gellen. Und es gilt die erste Hälfte des Spruchs schon insofern, als ihr, liebe junge Verbandsfreunde, eure Gruppen meist von Menschen leiten laßt, die euch an Jahren und dadurch an Erfahrung um einiges voraus sind. Und wo ihr euch frischen Muts auf eure eigene Kraft zur Führung verlaßt — und das ist gut —, da greift ihr doch zurück auf die Erfahrung der Früheren, der Aelteren. die aus den Zeilen der Bücher und Zeitschriften zu euch spricht. Fs gibt ja nirgends eine reine „Jugendkultur": es gibt keine Kultur, die nicht auf den Schultern der Früheren stünde. Aber es ist nicht alles gut. was uns die Alten überlassen haben, und nirgends sieht's in dieser Hinsicht so trostlos aus, wie in der deutschen Judenheit. Da ist — durch die Schuld der letzten Generationen — soviel Tiefes. Echtes, Jüdisches in Verfall geraten, daß das Judentum bei uns in schwerster Gefahr ist. Hilfe können nicht die Alten bringen; ihnen fällt es schwer, sich vom Altgewohnten, von Jugend auf Gedachten und Geübten loszureißen. Zur Wiederbelebung des deutschen Judentums ist die frische Kraft der Jugend nötig, die zur Tat drängt, die nicht nur jüdisch redet, sondern auch den Mut hat, wieder jüdisch zu leben. Auf den Beginn kommt es an, den muß die Jugend machen! Auf euch, ihr jungen Juden, ruht das Geschick des Judentums in Deutschland, auf eurem Willen, jüdische Wege zu gehen und jüdische Tat zu tun. Jüdische Tat heißt hier zunächst: Lernen vom Judentum! Jüdische Tat heißt aber dann vor allem: Das Erlernte ins Leben tragen, das Leben nach jüdischen Grundsätzen und Idealen gestalten. Denn: „Nicht das Lernen ist das Wesentliche, sondern die Tat!" Drum auf zur Tat. ihr jungen Freunde! Ihr seid die Hoffnung, die Zukunft des deutschen Judentums. Was i h r tut, entscheidet über das Geschick unserer jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Sorget dafür, daß mit euch ein neuer Aufstieg beginne: strebet danach, der Vortrupp der Erlösung, der jüdischen Wiedergeburt zu sein! Chomezteuer Von Wilhelm Ulimann. Castrop-Rauxel „Ich träum als Kind mich zunicke und schüttle mein greises Haupt: wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder, die lang' ich vergessen geglaubt." (Chamisso.) Ein kleines Landstädtchen in der „Rauhen Alp", da, wo die Eyach, ein brausender Nebenfluß des Neckars, in ihren romantischen Reizen den Wanderer ausrufen läßt: „Soviel Schönheit der Natur" bildet die Sehnsucht meiner Erinnerungen. Und nicht nur die Heimat wirket tief auf mich, die religiösen Erlebnisse der Kindheit in dieser blühenden, jüdischen Gemeinde wecken beim Herannahen der Jaurutauvtage Eindrücke der frühesten Jugend wieder. 14 Tage vor Pessach! Heute beginnen wri das Chomezhäuschen zu bauen, heute sammeln sich die Jungens der jüdischen Volksschule an der Synagoge im „Haag". Das ist ein Leben und Treiben! Die Kleinen holen Lehm. Steine, Schaufeln, Büchsen, Eimer zum Wasserhplen und tragen diese Bauutcnsilien auf den freien Rasen in die Nähe des jüdischen Friedhofes. Die größeren Schüler sind die Maurer und Handlanger; zwei sind die Bauherren und Architekte, und die Jungens verstehen die Sache recht gut. Arme Mütter! Ob wohl mit Wasser und Seife all dieser Lehm von den Kleidern wieder zu entfernen ist? Schadet nichts! Das Chomezhäuschen muß fertig werden; das ist in den Gedanken der Kinder, die mit wahrer Herzenslust bei der Sache sind, eine große, religiöse Tat, sie lernen in der Wirklichkeit durch Anschauung den höheren Sinn des „Chomczfeuers". ..Erew Pessach!" Nein, zur Schule gehen wir nicht; wir müssen dabei sein, wenn unsere Väter und Großväter, wenn die ganze Gemeinde sich um das Chomczfeuer schart, um in \ orgeschriebenen religiösen Gebeten die religiöse Funktion des ..Chomezverbrenncns" zu vollziehen. Das ist ein lustiges Feuer! Hcdz, Stroh holen! Noch mehr, noch mehr! Die Flammen schlagen hoch empor. Wir großen Jungens passen schon gut auf, daß nichts passiert! Jeder wirft sein Chomezbündel Stückchen Brot, Mozzo von vorigem Jahr. Kochlöffel usw. in das Feuer, auch Chomezbündel in übertragenem Sinn. Wir warten noch! „Tis fehlt roch mein Vater — mein Onkel kommt auch noch — ich gehe deinen Großpapa holen! — Alle, alle kommen! Der Lehrer hat nicht nötigT viel über Pessach zu sprechen. Die Anschauung, das seelische Erleben wirkt auf das Kind . tief nach. Ich weiß nicht, ob heute noch dieser religiöse Gebrauch, er sollte nie ersterben, die Jugend meiner Heimatgemeinde zum gemeinsamen Tun' sammelt. Ich kann diese Heimatgebräuche nie vergessen, sie haben tiefreligiös, mitbestimmend auf mich gewirkt, und meinen Schülern schildere :ch gerne in farbigen Bildern von dem religiösen, jüdischen I eben in meiner Heimat, so wie ich das Leben schauen durfte. Solange sich unsere Jugend zum gemeinsamen religiösen Tun sammelt, wird das jüdische Lehen 'auf dem Lande nicht verfallen. [ Die Arbelt in den Junggruppen Bielefeld: Die Beschäftigung hat nun die Form von Arbeitsgemeinschaften angenommen. Das letzte Thema lautete: „Inwieweit wird unsere moderne Jugend durch ihre Forderungen verpflichtet?" Vorträge werden von den Junggrupplern selbst gehalten. Ein Referat über „Die jüdische Schrift" sei besonders hervorgehoben. Chemnitz: M. Seligmann schreibt: „Bei uns ist, wie gewöhnlich, wieder was los. Also: wir haben uns „erweitert", und zwar zwei weitere Jüngercnzüge eröffnet und drei neue Führer, die aus den Aclterenzügen kamen, aufgenommen. Jetzt haben wir drei Aelterenzüge (13- 17jährige!) und drei Jüngerenzüge (11—13jährige!). Die Führerschaft besteht nunmehr aus mir als dem Gruppenleiter sowie Artur Birnfeld, Semi Reiter, Hans Reichmann, Poldi Stcinitz, Margot Lichtwitz, Maly Fischer und Jenny Brod. Eine achtköpfige Führerschaft! Aktiv bis auf die Knochen!" 9