Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 3 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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euch sollten durch diese offene Tür eindringen und das Blatt im Sinne des Mottos „Jugend für Jugend!" beeinflussen! Unmöglich ist nichts. Es darf für aktive Jugend nichts Unmögliches geben! „Das junge Deutschland". Da diese Ausstellung nunmehr die Leipziger, die vön Natur aus gemütliche Leute sind, begeistert, setze ich gern diese Zeilen des jugendlich eingestellten Beobachters her: „Die Ausstellung konnte mich nicht völlig befriedigen. Die Statistiken waren sehr gut, so reichhaltig und sprechend, daß man sie unseren sehr verehrten Herren Politikern gern mal zeigen würde. Aber die sehen sie sich ia nicht an. Die Jugend, die seit Jahren im Kampf für die Jugend steht, weiß das alles allein. Das, was die Jugend aber von der Ausstellung fordern kann, ist nicht erfüllt, nämlich neue Anregungen zur Bekämpfung des Uebels. Dieser Teil ist fast gar nicht berücksichtigt, und wenn, dann sind nur alte, heute größtenteils verlassene Wege gezeigt. Mit Romantik ist die heutige Jugend nicht zufrieden." — Ich will nicht weiter zitieren, die Leipziger könnten aufwallen. Uebrigens, lieber Beobachter, die Statistiken waren auch schon in Berlin, im Schloß Bellevue. Und bei der Eröffnung der Sache waren nicht bloß die Politiker, sogar die Regierung war vertreten. Man hielt wunderbare Ansprachen. (Auf Wunsch schicke ich dir den Wortlaut der Reden!) Man wurde durch die Statistiken geführt. Man lauschte andächtig. Aber wenn du ein Wunder oder eine Konsequenz erwartest, dann wird es wohl am besten sein, daß wir, anstatt Ausstellungen mit unserm Besuch zu beehren, innerhalb unserer Reihen mit positiver, aktiver, kompromißloser Erziehungsarbeit beginnen. Das Warten könnte uns ermüden. J. R. Bücherschau Egen Caesar Conte Corti. Der Aufstieg des Hauses Rothschild 1770—1830. Insel-Verlag, Leipzig. Unter den jüdischen Persönlichkeiten aller Zeiten und Länder sucht man vergeblich einen Namen von „klingenderem" Klang als den der Rothschilds. Der Legendenkranz des jüdischen Volkes schlingt sich um sie. Den Millionen europäischer Menschen aber sind sie zum Inbegriff des Juden, zugleich zum Inbegriff allen Reichtums der Welt geworden. Diese falsche und oft unheilvolle Ideenverbindung aufzudecken und zu zeigen, daß auch die Rothschilds nur durch Unermüdlichkeit, Fleiß und Einigkeit und durch Genialität die „fünf Frankfurter" wurden; daß nur vermöge menschlicher Tugenden die fünf Söhne des Meyer Amschel, der in der Frankfurter Judengasse mit alten Münzen handelte, zu Geld, Ansehen und Macht kamen, das ist das Verdienst des Conte Corti. Wie hier zum ersten Male von einem Historiker unparteiisch, sine ira et studio, die Geschichte dieses vielgehaßten und vielverkannten Hauses geschrieben wird, ist der Beachtung aller wert. Und da das Buch nicht nur für Wissenschaftler, sondern für die große Leserschaft geschrieben und leicht verständlich ist, so soll dem Buch ein weiter Leserkreis entstehen, den es auch verdient. Werner Jansen, Die Kinder Israel. Mose-Roman. Georg Westermann, Braunschweig. „Den Guten aller Völker" soll dieser Mose-Roman gewidmet sein. Es soll, wie der Dichter im Hinblick auf Tendenz- Schnüffler sagt, „einzig von der Kraft des Blutes handeln, für die ich keinen sinnvolleren Vorwurf in der Weltgeschichte entdecken konnte, als Mose". Nun wohl, und doch hat dieses Buch eine Tendenz, sicherlich eine unbewußte, sicherlich auch eine falsche Tendenz, deretwegen man es ablehnen muß. „Die Kraft des Blutes!" Es zeigt den Mose als den Führer des Judenvolkes, dessen Wohlhabende, Reiche (Westjuden) die Aegypter (Westeuropäer) durch Geld und Geist beherrschen, dessen Arme (Ostjuden) aber Aegypten (Osteuropäer) verfront sind. Daß nun alles Schlechte jüdisch ist und alles Gute ägyptisch; daß sogar der Mose der Sohn der Pharaonentochter ist, auch sein guter und bewunderungswürdiger Geäst auf das ägyptische Konto kommt — das ist die „Tendenz"; löst man die Klammern auf, liegt sie offen zutage. Vor der Kunst, auch vor dem, leider ungenügenden, guten Willen des Dichters alle Achtung: Der Roman ist durch seine Grundauffassung einer unebenen Rassehkunde verfehlt, schief und daher abzulehnen. Kleine Mitteilungen Der Verein „A rbeits Gemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Jude n", Frankfurt a. M., Lange Straße 30, veranstaltet eine für den Absatz innerhalb jüdischer Kreise in Preußen ministeriell genehmigte Lotterie, deren Ergebnis zur Errichtung einer Tuberku1osehei 1 s tätte für jüdische M ä n n e ^verwendet werden soll. Die Errichtung einer solchen Heilstätte entspricht einem überaus dringenden Bedürfnis. Die Zentral wohlfahrtsstelle der deutschen Juden und die bei ihr bestehende Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Tuberkulosefürsorge richten an alle ihr angeschlossenen Wohlfahrtsstellen und Organisationen die Bitte, das Zustandekommen des bedeutsamen Werkes durch regste Beteiligung am Absatz der Lose weitgehend fördern zu wollen. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden wird in der Verwaltung des aus dem Ergebnis der Lotterie zu erschaffenden Tuberkuloseheims vertreten sein. Wegen Uebersendung von Losen und Auskünften wende man sich unmittelbar an den obengenannten Verein in Frankfurt a. M., Lange Straße 30. * * Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Ende Januar fand in Berlin eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" statt. Ihr gingen Beratungen der Unterkommissionen für Gefangenen- und Psychopathenfürsorge voran. Die Verhandlungen standen unter dem Vorsitz von Sanitätsrat Dr. Seeligsohn, Berlin. In der Kommissionssitzung für Gefangenenfürsorge wurde mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß vom 1. Februar ab eine enge Zusammenarbeit zwischen der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und dem Sozialen Ausschuß des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes durchgeführt ist. In der Kommissionssitzung für Psychopathenfürsorge war diesmal die Frage der Beratungsstellen für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche Hauptgegenstand der Erörterungen. In der Plenarsitzung der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" konnte Herr Sanitätsrat Dr. Seeligsohn zwei ausländische Gäste begrüßen, nämlich die Herren Cohen, London, Generalsekretär der Jüdischen Gesellschaft für Mädchen- und Frauenschutz, und Glücksmann, Buenos-Aires, einen der Vorsitzenden der Jüdischen Mädchen- und Fraucnschutzorganisation in Buenos- Aires. Beide gaben eingehende außerordentlich interessante Berichte über den Stand ihrer Arbeiten. Alle Anfragen, die in diesem Bericht erwähnte Arbeitsgebiete im allgemeinen und besonderen betreffen, werden an die Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" oder ihre Unterkommissionen, sämtlich Berlin N 24, Oranienburger Straße 69 II, erbeten. : * Auf der neunten Verbandstagung des Reichsverbandes der jüdisch-en L e h r e r v e r e i n e im Deutschen Reiche vom 26. bis 28. Dezember 1927 in München, wurde ein Sozialer Ausschuß, der den Charakter einer Arbeitsgemeinschaft tragen soll, mit dem Heilpädagogen Georg Sawady als 1. Vorsitzenden, begründet. Dieser Ausschuß will das Interesse des jüdischen Lehrers an der Jugendwohlfahrtspflege wecken, fördern und wacherhalten, und ihm Rat und Hilfe in allen Fragen der Jugendwohlfahrtspflege erteilen. Er will dahin streben, daß die jüdische Schule und mit ihr die jüdische Lehrerschaft stärker 13